Fonds und Vermögensverwalter: Wenn die Gebühren nagen


New York, 21. Juni 2012

Hedgefonds, Publikumsfonds und Vermögensverwalter scheitern in der Mehrzahl daran, besser als der Markt abzuschneiden.
Laut einer Studie der Investmentfirma Vanguard Group (PDF, Seite 6) schneiden auf Zehnjahressicht 62 Prozent der Aktienfonds schlechter als die Börse ab. Nach 15 Jahren scheitern 67 Prozent und nach 20 Jahren gar 72 Prozent am Index. Das ist verrückt. Warum soll man dann diese teuren Instrumente kaufen, fragen Sie sich sicherlich.
Im Endeffekt sprechen tatsächlich wenig Gründe für einen aktiv gemanagten Fonds. Es gibt Ausnahmen, klar gibt es verdammt gute Fondsmanager. Die jedoch zu finden, ist nicht einfach.
Die Profis machen also viel Wirbel um nichts. Es ist ja auch logisch, denn all die Trillionen in den Fonds bilden ja in der Summe den Markt ab. Nach all den Kosten, die diese Fonds verursachen, können sie ja kaum besser als der Durchschnitt (ohne diese Extra-Kosten) sein.
Es gibt etliche Studien zu dem Thema. So wies ähnlich wie die Vanguard Group auch die Ratingagentur Standard & Poors nach, dass 70 Prozent der Aktienfonds daran scheitern, besser als der S&P-500-Index abzuschneiden. Der Betrachtungszeitraum waren hier fünf Jahre.
Von über 7.000 Aktienfonds haben nur acht Fonds auf Sicht von zehn Jahren jedes Jahr den Index übertroffen, fand Standard & Poors heraus. Ganze acht Fonds! Kaum zu glauben.
Selbst die sagenumwobenen Hedgefonds produzieren viel heiße Luft. All die hochbezahlten Manager und Mitarbeiter sind in den seltensten Fällen ihr Geld wert. Lediglich die Fondsmanager und Fondsanbieter werden reich, nicht jedoch deren Kunden.
Ein Indexfonds oder marktbreiter ETF sind daher als Geldanlage immer erwägenswert, statt auf die selbst inszenierte „Wunder-Fondsmanager“ zu setzen. Sie sollten unbedingt, bevor Sie blindlings einem Fondsmanager Ihr Geld anvertrauen, die Performance des Fonds mit der Benchmark auf kurze und lange Sicht vergleichen.
Reformen in den USA führen zu mehr Transparenz
In den USA wächst der Druck auf die Branche. Seit der Finanzkrise werden viele Reformen umgesetzt. Eine Neuerung ist, dass die Vermögensverwalter transparenter ihre Kosten offenlegen müssen. Im Blickpunkt stehen die steuerlich geförderten Anlagekonten, die sogenannten „401(k)“. Diese Sparkonten, die wie ein Depot geführt werden, haben viele Angestellte in den USA, um für die Rente ein zusätzliches Vermögenspolster aufzubauen.
Etliche Firmen geben ihren Mitarbeitern monatlich oder jährlich Zuschüsse in diese Depots. In der Regel befinden sich Aktien, Aktienfonds und Anleihen in ihnen. Die Vermögensverwalter, die diese Depots verwalten, müssen nun die Gebühren transparenter machen. Betroffen von der neuen Regelung sind etwa große Player wie Fidelity.
Den meisten Sparern ist gar nicht klar, welche Gebühren anfallen. Experten rechnen damit, sobald Kunden erfahren, wie hoch sie belastet werden, dass sie verägert sind. Ein Löwenanteil könnte in der Folge das Depot auf kostenarme Indexfonds umstellen und sich von der aktiven Vermögensverwaltung verabschieden, weil die Kosten einfach zu hoch erscheinen.
In einer Befragung der gemeinnützigen Rentner-Organisation AARP gaben 71 Prozent an, sie glaubten, es fielen keinerlei Kosten bei der Verwaltung ihrer 401(k)-Spardepots an. Pustekuchen! Im Schnitt kassieren die Vermögensverwalter 0,78 Prozent. Das ergab eine Auswertung der Beratungshauses Deloitte. Und das ist eine humane Rate. Es gibt deutlich teurere Verwalter.
Mein Rat: Skeptisch sein und umfassend informieren
Mein Rat: Bei Finanzdingen lohnt es sich, genau hinzuschauen. Überstürzen Sie grundsätzlich nichts. Lesen Sie alle Informationen in Ruhe durch. Schauen Sie im Internet nach, was Kunden und Experten raten. Je umfassender Sie sich informieren, desto besser dürfte Ihre Wahl ausfallen.
Auch ist es nicht ratsam, einen Fonds Hals über Kopf zu verkaufen oder einen Vermögensverwalter „in die Wüste zu schicken“. Es gibt sicherlich sehr gute Verwalter. Erst informieren, dann entscheiden. Grundsätzlich bin ich bei aktiv gemanagten Fonds sehr skeptisch.
Fazit: Drum prüfe, wer sich ewig bindet.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Fonds und Vermögensverwalter: Wenn die Gebühren nagen

  1. Christian

    „Sie sollten unbedingt, bevor Sie blindlings einem Fondsmanager Ihr Geld anvertrauen, die Performance des Fonds mit der Benchmark auf kurze und lange Sicht vergleichen.“

    Wenn es so einfach wäre, dann hätte wohl jeder ausgesorgt. Wenn man in der Vergangenheit Erfolg hatte, dann heißt das im Umkehrschluss nicht, dass man in Zukunft auch Erfolg haben wird.
    Aus diesem Grund sind geschlagene Benchmarks so aussagekräftig Kaffeesatzlesen.

    There's no such thing as a free lunch.

    Viele Grüße,
    Christian

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi Christian,

    sehr gut! Danke.

    Im Endeffekt hast Du Recht.

    Bei den Legenden ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie weiterhin im Schnitt besser abschneiden als der Rest der Welt. Problem ist aber, dass man nie weiß, wie lange die Legenden noch an Bord bleiben. Etwa Peter Lynch, Warren Buffett, Bill Miller (Legg Mason).

    Aber selbst bei denen gibt es keine Garantie für eine dauerhafte Outpermance,

    Ich stelle mein Depot lieber selbst zusammen. Das macht mir viel Spass, dann kann ich mir auch die Stargehälter und sonstigen Gebühren sparen. Selbst wenn ich schlechter abschneiden sollte als der Dow Jones, ist mir das Wurst.

  3. Andreas

    Hi,
    Naturlich passt das oben für die, die mehr Geld zur Verfügung haben. Aber was macht denn der Kleinanleger, der vielleicht nur 50 EUR im Monat zur Verfügung hat? Der freut sich doch, wenn der Fonds pro Jahr besser abschneidet als das Tagesgeld. Von Indizes und ETFs hat er nämlich keine Ahnung und auch gar keine Lust und Zeit sich drum zu kümmern.
    Bin auf Eure Meinungen gespannt.
    Grüße Andreas

  4. tim schaefertim schaefer

    Hi Andreas,

    guter Punkt.

    Soweit ich weiß, kann man auch mit 50 Euro günstig Indexfonds kaufen. Vielleicht kennt sich ja jemand damit besser aus????

    Der Vorteil ist: Indexfonds verschlingen nicht so viele Gebühren und Kosten wie aktiv geführte Aktienfonds.

    VG

  5. Andreas

    Hi Tim,
    genau das meine ich, welches ETF wählt der „kleine Mann“ denn dann? Er könnte sich jetzt schlau machen, dazu hat er aber keine Lust. ETF auf welchen Index? Er weiß es nicht. Also schaut er sich eben doch die Fonds-Performance der letzten Jahre an und entscheidet sich für einen FvS oder Carmignac. Der kostet dann bissl was, je nach Depotbank auch Ausgabeaufschlag, aber er fährt damit besser als das Tagesgeld und ist happy 🙂
    Grüße,
    Andreas

  6. tim schaefertim schaefer

    Hi Andreas,

    wenn Du zufrieden mit Deinem Fonds bist, ist das super. Das ist am wichtigsten. Die Leute sollen das wählen, was ihnen Spass bereitet. Dann sind sie auch motiviert, zu sparen. Wenn die Geldanlage keinen Spaß bereitet, wird es auch nix.

    Es ist von Vorteil für uns Verbraucher, dass die Angebotspalette so umfassend bei den Banken ist.

    Wie gesagt, es gibt natürlich auch gute Fondsmanager.

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