Endlos viele neue Studienergebnisse: Vorsicht vor falschen Entdeckungen


New York, 13. Januar 2015

Kürzlich erhielt ich einen Kommentar von „Kayo“, der sich nach einer seltsamen Studie, die in der FAZ ausführlich beschrieben wurde, erkundigte.

Warum die FAZ so begeistert darüber berichtet hat, weiß ich nicht. Was ich dagegen weiss ist, dass es unendlich viele Studien gibt. Tausende und Tausende von Seiten können Sie jedes Jahr lesen. Am Ende verstehen Sie nur noch Bahnhof.

Werden Sie skeptisch, wenn Ihnen jemand neue Erkenntnisse vorstellt. Es kann eine Illusion sein. Wie bei einem Zaubrer, der ein Kaninchen aus dem Hut zaubert.

Werden Sie skeptisch, wenn Ihnen jemand neue Erkenntnisse vorstellt. Es kann sich um eine Illusion handeln. Wie bei einem Zauberer, der ein Kaninchen aus dem Hut zaubert.

Eine neue Erkenntnis kann durch statistische Fehler entstanden sein. Es kann sich um eine Voreingenommenheit handeln und andere Gründe können eine Rolle spielen.

Eine neue Erkenntnis kann durch statistische Fehler entstanden sein. Es muss sich dabei um keine Absicht handeln. Es kann sich um eine Voreingenommenheit des Wissenschaftlers handeln oder andere Gründe können eine Rolle spielen.

Der Globus wird von neuen Studien überrollt. Ich glaube, es zahlt sich für den Privatanleger aus, nicht auf jede neue Studie zu hören, sondern auf den gesunden Menschenverstand.

Der Globus wird von neuen Studien überrollt. Sie wachsen uns über den Kopf. Ich glaube, es zahlt sich für den Privatanleger aus, nicht auf jede neue Studie zu hören, sondern auf den gesunden Menschenverstand zu setzen. Das Foto machte ich im „Museum of Modern Art“ in Istanbul. Massenhaft hingen hier Bücher von der Decke.

Jeder kann praktisch irgendeine Theorie verkünden. Ob das alles stimmt, wissen wir nicht. Ich versuche, mich auf die Kernstudien zu konzentrieren. Eben jene, die festgestellt haben, dass Privatanleger zu viel traden und daher schlecht an der Börse abschneiden (PDF). Trading ist eine Form der Selbstüberschätzung.

Darüber hinaus leuchten Erkenntnisse ein, die zeigen, dass Profianleger mehrheitlich schlechter als der Börsenindex abschneiden (PDF). Ein anderes Fazit wäre verwunderlich. Denn alle Anleger bilden in der Summe den Markt. Nach Abzug aller Kosten (Gebühren, Verwaltungskosten, Tradinggebühren, Gehälter, Fondsaufschläge) sind es die Aktienfonds selten wert, sie zu besitzen. Natürlich gibt es positive Ausnahmen. Es gibt Fondsprofis, die besser als der Index sind. Diese „Börsenmeister“ sind aber rar.

Eine andere Kernaussage ist, dass Aktien in den zurückliegenden 200 Jahren jede andere Assetform im Staub zurückgelassen haben. Anleihen, Rohstoffe, Immobilien, Weizen, Öl usw. liegen im Renditevergleich mit deutlichen Abschlägen auf den hinteren Plätzen. Das hat die Deutsche Bank in einer Studie (PDF) zusammengetragen.

Andere Studien einschließlich der Auswertung, die die FAZ so feierlich verkündet, können an den Haaren herbeigezogen sein. Es gibt eine kritische Studie (PDF), die warnt ausdrücklich vor den vielen neuen Entdeckungen, die freudestrahlend behaupten, aktives Management sei besser als Indexing. Die drei Wissenschaftler Campbell R. Harvey, Yan Liu und Heqing Zhu argumentieren, sie sind skeptisch angesichts der anschwellenden Papierberge: Studien, Studien, Studien, Studien. Jede Woche kommen neue raus. Das Trio kritisiert diese Entwicklung. Es ist wie im Dschungel. Keiner blickt mehr durch. Studien behaupteten einfach, neue Wege seien gefunden worden, wie aktive Fondsmanager die Indizes übertrumpfen würden. Aber ob diese Behauptungen immer tatsächlich zutreffend sind, daran haben Harvey, Liu und Zhu so ihre Zweifel.

Wissenschaftler können voreingenommen sein. Sie können befangen sein. Es können Fehler in den Auswertungen passieren. Dass unterschiedliche Studien oftmals Gegenteiliges behaupten, ist auch seltsam, was dann mit dem gesunden Menschenverstand nicht mehr zu erklären ist.

Daher sollten Sie vorsichtig sein. Wenn Ihnen jemand eine neue Entdeckung wärmstens empfiehlt, die alle bisherigen Erkenntnisse auf den Kopf stellen, treten Sie einen Schritt zurück und grübeln Sie. Werden Sie skeptisch.

Fazit: Lassen Sie sich nicht Luft in Tüten verkaufen. Natürlich gibt es in Randbereichen oder Nischen eventuell andere Trends. Natürlich gibt es Methoden, mit denen sich ein Index übertreffen lässt. In der Theorie mag das einfach darstellbar sein. Die Frage ist jedoch, ob es sich praktisch umsetzen lässt.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Endlos viele neue Studienergebnisse: Vorsicht vor falschen Entdeckungen

  1. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Guten Morgen!

    Zuerst noch herzlichen Dank für die Einblicke im letzten Artikel. Wirklich klasse.

    Auch dem Credo des „unbewegten Depots“ würde ich gern zustimmen, aber das kommt eben wirklich auf den Anleger an. Ich selbst ärgere mich oft, dass ich mich nicht beizeiten von einigen Titeln getrennt habe. Das betrifft nicht nur Öl-Titel derzeit. Nun ja.

    Wenn man jung ist, und sich erst in Jahrzehnten wieder um die Ergebnisse kümmern will, dann sind Indexfonds erste Wahl. Wenn man aber am dauernden Ertrag orientiert ist, bzw. ständig auf der Jagd nach Rendite ist, dann ist man zu etwas mehr Aktivität gezwungen.

    Man sollte das nicht verallgemeinern. Ich kann für mich sagen, dass ich mit „einfach liegen lassen“ heute einen niedrigeren Depotstand hätte. Es gibt Werte (i.d.R ETFs und paar Einzelwerte), die werde ich nicht anfassen, nur zukaufen. Aber es gibt einige, die verkaufe ich, sobald sie Zielmarken erreicht haben, um sie durch andere (die derzeit nicht en vogue sind) zu ersetzen. Momentan rennen die Tanker durch die Decke. Meine Teekay Tankers (TNK) lag ewig wie Blei im Depot. Jetzt geht die Mär um, dass die Tanker alle gebucht werden, um das billige Öl auf See für bessere Zeiten zu bunkern. Charters für VLCCs lagen im Sept. bei 13.000$, im Dez. bei 51.000$. Es ist also ein starkes Q4 zu erwarten. Ist mir sehr recht, der Verkaufspunkt naht.

    Klar, ein Anleger, der sich nicht kümmern will, der kauft sowas gar nicht, bzw. sollte Langweiler kaufen. Aber es sind halt nicht alle gleich.

    Wer die Studie selbst beurteilen will, der kann ja mal reinschauen:

    http://goo.gl/nKJr4c

    Habe da keine Meinung dazu, weil ich eh mein Ding mache. Will mich über meine eigenen Fehler ärgern müssen, nicht über welche, die ich übernommen habe. 😉

    Beste Grüße

    MS

  2. Max

    @Tim

    Kennst Du denn ein paar spezielle aktive Fonds, die eine gute Historie (z. B. 20 Jahre + Mangagerwechsel ohne Schwund) auf dem Buckel haben und sehr gut sind?

    Wie sieht es mit Fonds von den allseits bekannten Gurus nach Kosten aus?

    Bin gespannt was mit Berkshire mal passiert, wenn der Personenkult weg ist. Das Portfolio ist super bzw. ein kleiner Querschnitt von Amerika, aber es ist auch ein ganz schöner Hype um den Onkel, der sicher einiges der Bewertung ausmacht.

    Alternativ sind ja Beteiligungsgesellschaften als AG`s auch relativ interessant.

    Small & Value weltweit bzw. US-lastig sieht es ja etf-mäßig für deutsche Anleger eher mau aus. Aktiv ist denke ich der AXA Rosenberg interessant, wobei der ja glaube ich geschlossen ist.

  3. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Matthias

    Danke für den Link zur Studie. Du bist ganz schön aktiv in Deinem Depot. Natürlich gibt es unterschiedliche Strategien. Wie Du zurecht sagst, jeder muss das Passende für sich selbst finden.

    Ich lasse mein Depot ruhen. Sehr lange ruhen.

     

    @ Max

    Ich habe über die besten aktiven Fonds leider keinen Überblick. Es bleiben ja die wenigsten Fondsmanager 20 Jahre an der Spitze. Es finden viele Wechsel statt. Und es werden so viele Fonds zusammengelegt bzw. eingestellt, weil es eben einfach nicht so klappt, wie sich das die Manager vorstellen.

    Nur die bekannten Altmeister kenne ich: John Templeton, Benjamin Graham, T. Rowe Price usw. Leider sind die nicht mehr aktiv.

    http://www.investopedia.com/articles/mutualfund/08/top-mutual-fund-managers.asp

  4. Hans Wurst

    @Matthias:

    deine Einstellungen kann ich überhaupt nicht teilen. Bei mir war es bis jetzt genau das Gegenteil der Fall. Ich hatte Werte wie Amazon, Apple schon Ende der neunziger Jahre. Hätte ich die behalten, dann hätte ich allein bei Amazon ein Depotwert von ca. 4 Millionen Euro. Auch ich hab Öl-Werte und mir kommen die ganzen Kursabschläge sehr entgegen und kaufe fast jeden Monat nach. BP, BHP….usw. usw……Nachdem ich alles ausprobiert hab wie Futures, Daytrading, handel mit Waren bin ich dahinter gekommen, dass verkaufen für mich kein Sinn macht. Wobei ich sagen muss, dass ich bei der Auswahl der Werte mir sehr viel Zeit nehme. Und wenn ein Firma von zurzeit insgesamt 44 Firmen in meinem Depot pleite gehen sollte (Was bis jetzt nicht passiert ist) ist das immer noch ein Bruchteil vom Ganzen Depot

     

    Gruß

  5. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @“Hans Wurst“

    ja, ich sagte ja, bei dem einem so, beim anderen anders. Wenn Du die richtigen Aktien hattest, die sich als Raketen entpuppt haben, dann ist es natürlich schade drum. Aber das sind eben ein paar Ausnahmen. Ich hatte nie eine Aktie, bei der ich mich heute ärgere, dass ich sie nicht behalten habe. Viele davon sind zwar auch weiter gestiegen (Dow Chemical, Harley Davidson usw…), aber nicht so überdurchschnittlich, dass ich mich ärgern müsste. Dagegen hatte ich einige, bei denen ich froh bin, verkauft zu haben. Hatte z.B. Bank of America unter 6$ gekauft und ein Jahr später (2010) für ca. 15$ verkauft. Die ist heute, 5 Jahre später, immer noch nicht weiter. Ähnliches bei anderen.

    Wie gesagt, das mit dem Liegenlassen ist gut und schön, wenn man die richtigen Aktien hat. Aber ein T-Aktionär der teuren Emissionen kann die noch 100 Jahre liegen lassen, er wird seine Kaufkurse nie wieder sehen. Oder wer mal vor 20 Jahren Deutsche Bank gekauft hat, der wird sich ärgern, dass er nicht 2007 zu 100€ verkauft hat, statt heute unter seinem Kaufkurs zu liegen. Man findet sicher mindestens ebenso viele Negativbeispiele wie positive Vorzeigebeispiele.

    Vielleicht geht es mir mal mit Daimler, Post oder Dt. Telekom so. Die stehen alle zwischen 110% und 185% im Plus. Ich sollte die verkaufen und das Geld in Dividenden-ETFs >5% stecken. Ich kann mich nicht überwinden. Sollte ich vielleicht doch tun, aber ich fühle mich halt (blödsinnigerweise) wohl, bei Daimler im Aktionärsbuch zu stehen. Käme mir wie Verrat vor, sie zu verkaufen. 😉

    Grüßle

    MS

  6. StefanStefan

    @ Matthias Schneider:

    Dann hoffe ich mal, dass du nicht BMW fährst 🙂

     

    Bei mir ist es auch eher so, dass ich oft viel zu früh verkauft habe und mir so Gewinne entgangen sind. Das ist schlimmer mitanzugucken, dass eine Aktie heftig weiter steigt nach dem Verkauf als dick im Minus zu sein. Jedenfalls geht es mir so.

    Aber es stimmt schon: manche Aktien haben eine gewisse Range in der sie sich bewegen. Da kann man schon auch mal verkaufen wenn man eine Aktie gut kennt. Lufthansa geht zum Beispiel regelmäßig zwischen 10 und 20 € hin und her.

    Die die stetig weitersteigen sind in der Regel die, die auch die Dividenden in schöner regelmäßigkeit anheben (die Aristokraten, Champions und Achievers). Die sind für Buy and Hold perfekt geeignet.

    Eine Deutsche Bank, Telekom usw natürlich nicht…

  7. Felix

    @ Hans Wurst

    Die Erfahrung habe ich auch gemacht: Ich verkaufe und der Aktienkurs steigt munter weiter, ja er kommt erst so richtig in Fahrt. Während es mir schon einige Male gelungen ist, bei Tiefstand oder zumindest in der Nähe einzusteigen, ist es mir bislang nicht gelungen, am Höchstkurs zu verkaufen.

    Meine Folgerung daraus, ich verkaufe nicht mehr und halte für immer. Dadurch habe ich auch ein paar Krücken im Depot aber auch sensationelle Highflyer, bei denen sich der Zinseszinseffekt dann so richtig bemerkbar macht. Aktien, die ich teilweise schon 20 Jahre halte sind z.T. auch von der Dividende her wahre Gelddruckmaschinen: BASF, NovoNordisk, Google, McD, Cola, Cisco, … Ich verzichte auch auf Rebalancing und lasse die Rennpferde einfach laufen. Demensprechend habe ich einige Titel, die sich mehr als verfünffacht haben und die machen alle Ausfälle bei weitem wett.

    Mich würde interessieren, mit welchen Aktien du gute Erfahrungen gemacht hast.

  8. Markus

    @Matthias

    Nie einen Verkauf bereut?

    Seltsam bei den vielen wechselnden Werten…

    @Felix

    Eine Ver-5-fachung in 20 Jahren sind 8% p. a bei den Top-Werten….

  9. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Markus

    Es klingt vielleicht merkwürdig oder unglaubhaft, aber ich wüsste jetzt wirklich keine Aktie, deren Verkauf mich gereut hätte. Natürlich gibt es einige, die ich hätte auch behalten können, aber ich habe eben mit was anderem dann auch Spaß gehabt. Es ist keine Aktie, die ich verkauft habe, danach durch die Decke geschossen. Auf die Schnelle habe ich mir die Kurse von einigen Aktien die ich letztes Jahr verkauft habe (alle mit Gewinn) angeschaut. Habe da nicht viel verpasst, bei z.B.: Aegon, Corio, Pirelli, ENI, Enel, Finmeccanica, Repsol, Bouygues, Stora Enso (habe ich heute wieder mit dem ETF gekauft), Suez Environnement, Veolia und einige mehr.

    Ich bereue eigentlich immer nur, dass ich zu zaghaft mit dem Verkauf bin, und zu lange auf Besserung hoffe.

    Das gilt für einige Werte wie z.B. K+S, EON, Metro, Nokia, und einige andere mehr. Da bereue ich, dass ich sie NICHT radikal mit Stopp Loss bei -10% abgestoßen habe und mit dem Geld was Sinnvolleres gemacht habe. Jetzt liegen diese Werte mit Minus als totes Kapital im Depot. Obwohl, kleine Dividenden werden ja gezahlt, sogar Metro will wieder 90 Cent zahlen.

    Andererseits habe ich einigen Gewinn verpasst mit dem vorzeitigen Verkauf von dem einen oder anderen Fonds. Ich habe noch aus alten Tagen ein paar klassische Deka-Fonds liegen. Ich wollte letztes Jahr dieses Deka-Depot auflösen und in ETFs umbauen. Dann habe ich aber nur einige verkauft, und einen Teil gelassen. Ich kaufe die ja schon lange nicht zu, gebe also keinen Ausgabeaufschlag mehr aus. Dort habe ich aber tatsächlich bereut, dass ich schon 2013 die Hälfte meines DekaLux BioTech Bestandes verkauft habe. Heute haben sich die restlichen 50% schon wieder verdoppelt.

    Krass:  http://goo.gl/0xpbgc

    Na ja, es läuft nicht alles nach Wunsch, und ich bin weit davon entfernt wirklich Ahnung zu haben. Es versuche es einfach nach bestem Wissen und Gewissen. 😉

    Grüßle

    MS

  10. Alexander

    Je länger ich mich mit der Börse und Finanzen beschäftige, desto mehr reduziert sich das alles auf gesunden Menschenverstand und etwas Erfahrung. Eine Telekom bei 100 € habe ich einfach nicht angefasst, ein KGV von 100 ist für solch einen Titel zu hoch. Die ganzen Studien bringen letztendlich nichts. Sie bestätigen meist nur die grundlegenden „Börsenweisheiten“ in immer neuer Form.

    Ich ärgere mich eigentlich nur, dass ich oft zu früh verkauft habe, was ich aber meinem damaligen jugendlichen Leichtsinn und Nichtwissen zuschreibe, zumal die Grundgedanken beim Kauf nicht einmal so schlecht waren. Ich verbuche das unter Lehrgeld.

     

    Um „aktiv“ an der Börse tätig zu sein, muss man auch viel Zeit und Spass am Handeln mitbringen. Ich habe inzwischen den Nerv dafür verloren. Wobei hier sehr hohe Gewinne möglich sind (ich meine nicht Daytrading). Inzwischen habe ich meine Erwartungen reduziert und fühle mich aktuell sehr wohl mit dem Status Quo. Und ehrlich gesagt, die ganzen Studien beeindrucken mich nicht mehr sonderlich.

  11. Kayo

    Ja Tim, du hast schon recht: Es gibt unzählige Studien, die sich teilweise eklatant widersprechen.

    Ist im Gesundheitsbereich genauso.

    Das Ergebnis hängt wohl auch immer sehr stark von den Interessen des Auftraggebers ab, der allerdings meist dezent im Hintergrund bleibt. Dadurch wirkt die Studie dann seriös und unabhängig.

    Dein Grundsatz solide Aktien kaufen und liegen zu lassen überzeugt mich ja auch. Nur wenn man eben nicht mehr 20 ist und nicht allzuviel Geld hat, nützt einem der Zinseszinseffekt nichts mehr. Da erntet man erst in der Gruft.

    Dann trifft wohl Kostolanys alte Weisheit „… wer kein Geld hat, muss spekulieren.“ zu. Im Sinne von kurz – bis mittelfristigem Trading, entweder alles oder nichts.

  12. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Markus, ein kleiner Nachtrag…

     

    Habe gerade in der Erinnerung gekramt und versucht, mich an meine ersten Aktien zu erinnern. Ich bin ja noch nicht sehr lange aktiv in dem Geschäft. Ich habe erst kurz vor 2000 angefangen. Jeder, aber auch wirklich jeder Depp sprach damals von der Gelddruckmaschine „Neuer Markt“. Bis dahin hatte ich den ganzen Kapitalmarkt überhaupt nicht wahrgenommen. Ich dachte mir, ok. wenn das Geld vom Himmel fällt, also los. Auf meinen Einstand folgte das Erleben des Platzens der 2000er Blase.

    Ich weiß wirklich nicht mehr, was ich als erste Aktie hatte. Jedenfalls die total angesagten US-Techwerte (in Klammern die Tops um 2000 und die aktuellen Kurse) wie Akamai (>300 – 60), JDS Uniphase (>1000 – 13), Juniper Networks (>200 – 22), Ciena (>200 – 19), Sycamore Networks (>150 – 0,35), Corel (gone private) und ein paar andere. Nichts von dem hat jemals die Kurse wieder gesehen. Damit habe ich damals ca. 15.000 EUR versenkt, weil ich nicht verkaufen konnte. Heute kann man sagen, ja, sowas darf man nicht kaufen. Damals waren das aber absolute must have Werte.

    Ich hatte leider nicht die Gnade, schon in den Achtzigern an die Börse geführt zu werden, und damals MSFT, KO usw. einfach zu kaufen und bis heute zu halten. Ist nun mal so. Darum gehen eben die Leute je nach Erfahrungen andere Wege.

    Grüßle

    MS

  13. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Matthias

    Mit traditionsreichen Branchen macht das Buy and Hold mehr Spass. Hotels, Immobilien, Putzmittel, Autos, Eisenbahnen, Versicherungen, Banken, Parfüm, Zahnpasta, Creme, Chemie, Flugzeuge, Lebensmittel, Süßwaren, Verpackung, Getränke, Bier, Medien, Energie, Einzelhandel… Weil Ausrutscher selbst in diesen langweiligen Branchen vorkommen, ist das Streuen wichtig. Oder man kauft gleich ein Indexpapier.

    Wir Menschen lieben Blasen. Wir neigen dazu, den neuen Dingen hinterher zu jagen. Das neue Zeug (Tech, Internet, Nanotech, Roboter, 3D Druck) ist oft teuer. Nach dem Einstieg werden wir oftmals enttäuscht und verkaufen unten. Wir traden, tauschen ein, schichten um, drehen um, ändern um, kaufen zu, kaufen oben, verkaufen unten, verkaufen Teile, verkaufen alles, mischen neu, drehen, sichern ab, ordern neu, suchen Neues, kaufen heiße IPOs, kriegen die Panik.

    Solche Fehler mache ich selbstverständlich auch. Ich glaube, jene mit Geduld und alten Branchen im Depot haben den Durchblick plus mehr Rendite.

  14. Gordon Gecko

    @Matthias Schneider: ja das kommt mir wirklich alles sehr bekannt vor. ????

    Mich stört die Ansicht, dass Aktien ein seltenes Gut waeren und man die festhalten muesse, weil man sie sonst nicht wieder bekäme.Nun das Ist m.E.  auch ein Denkfehler weil es eben kein seltenes Gut ist sondern an jeder Börse neu zu kaufen ist. Gleichzeitig ist bekannt dass die Boerse eben keine Einbahnstrasse ist und es auch zu billigen Preisen wieder kommen wird, warum auch immer. Bei jedem Auto wird ewig durchdacht, wann ich es verkaufe und das Neue kaufe ,nur bei Aktien nicht.

  15. Markus

    @Matthias

    Ok, der unterschiedliche Anlagehorizont und unterschiedliche Erfahrungen bedingen natürlich auch andere Konzepte, Ideen und auch Gefühle.

    Einem Ver5facher innerhalb von 6 Jahren (besessen) und einem ver10facher (intensiv angeschaut) trauere ich nach. Das waren keine Exoten, sind aber meinem endgültigem Systemwechsel zum Opfer gefallen.

    Mich wundert es halt nur, dass bei den ganzem Umschlag von Dir, eine halbwegs vernünftige Rendite nach Kosten rauskommen soll.

    Widerspricht… *g* natürlich wieder irgendwelchen von den zahlreichen Studien.

    @Tim

    Allgemein irritiert mich aber diese gepredigte Alternativlosigkeit von Aktien…

    Was sagt eigentlich Buffet zu diesem einmalig historischem Geldexperiment der Notenbanken?

    Da ist einigen gestandenen Investoren mulmig und eine Antwort, wie wir aus der Nummer rauskommen, habe ich noch von keinem gehört.

  16. Hans Wurst

    @Felix:

    Da du gefragt hast hier meine Antwort: Ich hab einige wenige Werte, die als vielleicht das nächste „Apple“ oder „Amazon bezeichnen könnte, da ich mittlerweile konservativ orientiert bin und mehr auf Dividendenrendite schaue als nach Wachstumswerte. Trotzdem ist bei mir sind diese Werte meine Salz in der Suppe, die in den letzten Jahren sich einige vervielfacht haben:

    SANMINA CORP. REGISTERED
    SHARES NEW DL -,01

    INC. REG. SHARES (NEW) DL -,0001

    NETEASE INC. REG.SHS(SP.
    ADRS) 100 DL-,0001

    INC. REGISTERED SHARES DL -,01

     

    Seit zwei Monaten dabei:

    REGISTERED SHARES DL -,75

    REGISTERED SHARES DL 1

     

    @Tim:

    Wenn meine Auflistung unerwünscht ist, da meine hier nichts empfehlen darf, dann bitte mein Eintrag löschen.

  17. Markus

    @Tim

    Bei England hat es ja mal geklappt… aber kann man das eine Land, wirklich mit dieser geballten Anhäufung von Amerika/FED, Europa/EZB und Japan/BOJ in einen Topf werfen?

    Yellen kann auch nur minimalst-Schritte machen…

    Man kann ein paar Grundgedanken der Crash-Gurus durchaus nachempfinden, auch wenn man nicht allem Populismus zustimmen muss.

    Das System ist wahnsinnig komplex, vernetzt, hat mit freier Marktwirtschaft inzwischen deutlich weniger Schnittmengen… und es steht unter der Droge des billigen Geldes, welches dann unter Zwang wieder angelegt werden muss, da ja sonst noch Strafzinsen drohen.

    Was sagen Deine renommierten Interviewpartner zu diesem Experiment?

  18. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Markus

    Bei mir spielt nicht die Buchhaltung die wichtigste Rolle. Ich betreibe kein penibles Tracking (beim „Dividenden-Sammler“ ist gerade so eine Software der Knaller). Mein Lynxbroker erstellt solche Auswertungen für einen. Die letzten Jahre waren immer so 10-15%, geht also besser. 2014 lag ich bis Sept. überdurchschnittlich gut. Das Jahresende 14 hat mich auf 5-6% eingedampft. Habe zu viele Energie/Ölwerte, die nun zerrissen wurden.

    Du sprichst einen für die Rendite schädlichen Effekt durch Handelskosten an. Ich sehe es anders. Die Kosten sind gering (5 CAD, 5 USD oder 5,80 EUR). Wenn ich bei einer Aktie mal 200 Euro Gewinn mitnehme, dann sind das netto nach Kest usw. ca. 140 in die Tasche.  Wenn ich die 200 hätte als Buchwertgewinn stehen lassen, sieht das zwar schön aus, kann aber gleich wieder weg sein, weil es eben Kursgewinne an sich haben, schnell auch wieder zu verschwinden.

    Rendite ist bei mir nicht ein gesteigerter Buchwert des Depots, sondern die realen Erträge im Verhältnis zum gebundenen Kapital. Ähnlich wie man nichts davon hat, wenn die eigene Immobilie sich im Wert erhöht hat, wenn man sie nicht beleiht und mit dem Hebel mehr erwirtschaftet als Kreditkosten hat, oder man höhere Miete kassiert dafür. Gut, Rendite wäre auch die gesparte höhere Miete bei Eigennutzung, wenn man sie sonst zahlen müsste.

    Mein Ziel ist es, diese Erträge kontinuierlich zu steigern. Derzeit liegen sie durchschnittlich bei ca. 500 EUR monatlich, siehe Dez.: http://goo.gl/B5BMAU

    Ich rechne für 2015 mit weiteren Dividendenkürzungen, die ich mit Zukäufen in Summe ausgleichen, bzw. steigern muss.

    @Tim,

    prinzipiell stimmt das ja. Nur scheint mir der Zeitpunkt derzeit nicht gut um in diese Standardwerte zu gehen. Ich halte ja so Sachen auch in ETFs/CEFs. Wenn diese Werte mal wieder ordentlich korrigiert haben, dann würde ich auch Einzelwerte wie Unilever, Colgate usw. kaufen, aber nicht jetzt. Ich sehe kaum mögliches Wachstum, und die Dividenden sind mager. China, Indien usw. werden sich zunehmend selbst versorgen. Die US-Dominanz sehe ich schwinden. Nur mein Bauchgefühl.

    Um ein paar Euros zu gewinnen, versuche ich antizyklisch gefallene Werte zu kaufen, um dann von einem Bounce Back den Gewinn mitzunehmen. Ich würde gern z.B. Teck Resources (TCK) und viele andere kaufen, bin aber nicht genug flüssig. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen…

     

    Beste Grüße

    MS

     

     

     

  19. TimmyTimmy

    Wahnsinn, was heute Dank der SNB los ist.

    Damit dürften Schweizer Werte für Euro-Anleger erstmal uninteressant werden zur Neuanlage. Der Euro dürfte Dank Draghi-QE tendenziell noch stärker fallen gegen den CHF. Ein zu starker CHF ist aber schlecht für die Gewinne der Unternehmen, wie Nestle, Roche, Novartis, die ja den Großteil ihrer Gewinne außerhalb der Schweiz erzielen.

    Für mich ist die Botschaft der SNB, dass sie lieber ein Ende mit Schrecken wollten und nicht für Draghis QE haften möchten. Der Dax steigt trotzdem mehr als 1%. Nachhaltig ist das alles nicht im Augenblick.

  20. TimmyTimmy

    @MS

    Das ist doch ein Superergebnis mit den 500,- pro Monat. Ich sehe das ähnlich, wie Du. Aktuell ist nicht der beste Zeitpunkt groß in Aktien zu gehen. Ich glaube an Markettiming, auch wenn man nicht den tiefsten/höchsten Kurs erwischt.

  21. ZaVodou

    Sie haben sich den amerikanischen Markt für Investmentfonds in den Jahren 1979 bis 2011 angeschaut und dabei die Ergebnisse von 3126 verschiedenen Fonds untersucht.

    Was waren das für Fonds? Wie hat man die ausgewählt? Sind da auch Fonds dabei, die Pleite gegangen sind oder sind das nur Fonds die überlebt haben? Waren das alles Fonds, die schon 1979 existiert haben?

    Einmal steht als Überschrift : Hedgefonds: Hohe Erträge – hohe Kosten

    Es scheinen also viele Hedgefonds bei den Siegern dabei zu sein. Hier würde mich wiederum interessieren, ob die hohen Erträge tatsächlich durch häufiges Handeln zustande gekommen sind oder nicht doch eher durch einen großen Hebel, da Hedgefonds gerne mit großen Hebeln arbeiten.

    Womit man wieder bei der Frage wäre, wie hoch ist die Gefahr bei solchen aktiv gemanageten (Hedge-)Fonds auch  Pleite zu gehen.

  22. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Markus

    Ein Crash wird irgendwann kommen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Ich habe das Gefühl, dass die Kurse schon recht teuer sind. Der Markt wird sich selbst bereinigen. Wann das passieren wird, keine Ahnung. Das weiß niemand. Das Geldexperiment der Fed und der anderen Notenbanken kann man in der Tat kritisch sehen. Die Fed hat uns vor einer Dauerkrise bewahrt. Das hat natürlich Folgen. Was ich machen werde: Buy and Hold von meinen langweiligen Aktien. Egal, was passieren wird. Ich bin langfristig zuversichtlich. An den Kapitalmärkten wirken nämlich Selbstheilungskräfte.

     

    @ Matthias

    Jeder sollte sein eigenes Börsenrezept befolgen. Ich gehe anders vor. Mit viel Geduld. Viel Dividenden. Viel Tradition. In meinem Depot schlummern Banken, Öl, Versicherungen, Kleidung, Sportartikel, Baustoffe…

     

    @ Hans Wurst

    Danke für die Aktienauflistung. Das ist selbstverständlich erwünscht. Da sind ein paar spannende Aktien drunter, finde ich.

  23. Markus

    @Tim

    „An den Kapitalmärkten wirken nämlich Selbstheilungskräfte“

    Hab ich doch komischerweise vergessen. 😉

    Hubschrauber Ben, PPT, staatliche Rettungen, Charts mit QE und dem passenden Index drüber gelegt…. die „Selbstheilungskräfte“ waren die Staaten und die Notenbanken und die Frage wie sehr diese auch der „Markt“ sind, ist gerechtfertigt.

    Ist die Lösung Druckerpresse/Buchgeld und Bilanzausweitungen der Notenbanken bis in alle Ewigkeiten wirklich dauerhaft ohne Konsequenzen tragen zu müssen praktizierbar???

    Das wäre das Schlaraffenland…

     

  24. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Markus

    Ich sehe das nicht so schlimm. Angst habe ich keine.

    Die Kapitalmärkte laufen schon seit Menschengedenken mit Übertreibungen nach oben wie unten. Irgendwann muss der Staat seine Schulden abtragen, sonst wird er von den steigenden Zinsen erdrückt. Die Vernunft kommt notgedrungen.

  25. Markus

    @Tim

    Aber die Staaten haben doch die Schulden ausgeweitet, weil sie den Kapitalmarkt gestützt haben… In einer freien Wirtschaft wären 2008/2009 mehr Banken hops gegangen. Die Krise wäre sehr wahrscheinlich schlimmer und länger gewesen und hätte ähnlich wie 29 werden können. Aber da hätten wir die Selbstheilungskräfte, wenn auch mit Schmerzen und Nachteilen testen können, als das Problem in die Zukunft zu verschieben.

    Jetzt zu sagen, der Staat (also wir alle, nicht nur unsere heiß geliebten Politiker) muss irgendwann die Rechnung für seine Politik zahlen, verachtet eigentlich die Rettungsmaßnahmen für den Markt und die Banken und kommt etwas undankbar rüber, zumal man zu den Profiteuren gehört.

    Rettung auf Kosten der Allgemeinheit & Gewinne für wenige…

    Ich bin eher liberal, aber mir fehlt die Nachhaltigkeit bei dieser Denkweise.

    Ich habe keine Angst, noch muss ich unbedingt Recht haben… aber mir fehlen die Fakten, wie wir aus der Nummer wieder rauskommen sollen… besonders wenn einige bekannte Value-Investoren selbst keine Antworten haben.

    Evtl. bekommt der Satz von Buffet mit dem größten Hedgefonds dann eine andere Bedeutung…

    Können oder wollen wir keine Krisen mehr aushalten, ohne nach dem Staat zu schreien???

    Da kann ich einige Stimmen durchaus nachempfinden, dass wir keinen normalen & gesunden Kapitalismus mehr haben.

     

  26. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Markus

    Wir sind alle Nutznießer von den Rettungsmaßnahmen. Sonst wären wir in einer Großen Depression, hätten extrem hohe Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit.

     

    Ich glaube, es hilft einen gesunden, nachdenklichen Optimismus zu haben.

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