Die meisten Fondsmanager versagen (leider)


New York, 25. Oktober 2014

Der Druck auf aktiv gemanagte Fonds wächst. Vermutlich zahlen auch Sie zuviel für Ihren aktiv gemanagten Fonds. Früher waren Fondsmanager richtige Stars. Heute kommen viele wie Versager vor.

Fondsmanager sind aus der Mode gekommen. Wenn Menschen per Hand Aktien auswählen, geht das meist schief. Heute übernehmen zunehmend Computer die Auswahl – basierend auf einem Index. Warum versagen die meisten Profis? Weil sie nicht hellsehen können. Es liegt ferner an den hohen Kosten der Manager und den Transaktionskosten.

Ich finde den Trend bedauerlich. Ich halte aktive Fonds grundsätzlich für eine feine Sache. Aktive Fonds sind meiner Ansicht auf lange Sicht besser als Kapitallebensversicherungen, Bausparverträge, Festgelder usw. Niemand sollte Fonds unterschätzen. Es gibt sehr clevere Manager. Aktive Fonds haben ihre Berechtigung. Ein Problem sind aber, wie gesagt, die hohen Kosten eines Fonds.

Die amerikanische Finanzaufsicht FINRA, wohlgemerkt handelt es sich um ein Unternehmen (keine staatliche Einrichtung), schreibt klipp und klar:

„In any given year, most actively managed funds do not beat the market. In fact, studies show that very few actively managed funds provide stronger-than-benchmark returns over long periods of time (…). That’s why many individuals invest in funds that don’t try to beat the market at all. These are passively managed funds, otherwise known as index funds.“

Übersetzt heißt das grob:

„Egal, welches Jahr Sie nehmen: Die meisten aktiv gemanagten Fonds schlagen den Markt nicht. In der Tat zeigen Studien, dass nur sehr wenige aktiv gemanagte Fonds stärkere Renditen als die Benchmark über lange Zeiträume bieten (…). Das ist der Grund, warum viele Menschen in Fonds  investieren, die nicht versuchen, den Markt zu schlagen. Diese sind passiv gemanagte Fonds, auch als Indexfonds bekannt.“

In den USA legt die Hälfte der institutionellen Anleger schon ihr Geld in Indexfonds/ETFs an. Der Anteil wird größer. Aktive Manager befinden sich im Gegenzug auf dem Rückzug.

Für Aufsehen hat der kalifornische Pensionsfonds Calpers gesorgt, der sich komplett aus dem Hedgefondsgeschäft zurückgezogen hat, weil es sich offenbar nicht auszahlt.

Was mir aufgefallen ist: Wenn Analysten tatsächlich so grandios wären, warum haben manche Fonds nur fünf Analysten und nicht stattdessen 1000? Wenn die Analysten angeblich so genial sind, müsste es sich lohnen, mehr einzustellen.

Ich vermute, es würde unterm Strich dem Fonds keinen Mehrwert bringen, mehr Analysten einzustellen: Daher ist deren Anzahl begrenzt.

Eine andere Frage, die sich stellt: Warum haben manche Fondsgesellschaften so große Werbeabteilungen? Warum werden so viele aktive Fonds eingestellt? Warum investieren Fondsmanager nicht massiv in ihren eigenen Fonds?

Fazit: Nicht alle Fondsmanager sind schlecht. Es gibt positive Ausnahmen. Aber die sind ganz selten zu finden. Leider weiß man das immer erst mit Sicherheit im Nachhinein. Große Finanzadressen wie Fidelity, Blackrock oder Deutsche Bank bieten immer mehr ETFs und Indexfonds an.


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „Die meisten Fondsmanager versagen (leider)

  1. Alois

    Ich finde von der Idee her Fonds auch sehr gut: Sie kümmern sich um den ganzen Verwaltungskram bis hin zur Steuer. Sind im Gegensatz zur LV jeden Tag zu liquidieren, wenn man Geld braucht. Stehen voll im Wettbewerb, weil die Kurse täglich sichtbar sind.

    Mein Hauptproblem damit ist inzwischen, dass die Auswahl eines Fonds, angesichts der unübersehbaren Anzahl (es soll mehr Fonds als Aktien geben), sehr zeitaufwendig ist. All ein großer Fondsanbieter wir Fidelity hat eine unüberschaubare Palette im Angebot.

    Es gibt sie dennoch die privat geführten, dem ehrbaren Kaufmann verpflichteten Fondsanbieter, bei dem der Inhaber und Manager auch sein privates Geld (vollständig) im eigenen Fonds hat. Ob er dann zu jeder Zeit besser als der Markt ist, ist dann nicht so wichtig und hängt stark von der Marktphase ab. Freilich ist dann sehr viel hausbackenes, hobbymäßiges Anlegen dabei, so wie es eben der Privatanleger machen würde.

    Gerade exotische Märkte decke ich mit Fonds ab. Um eine Microsoft zu halten, brauch ich keine Fondsmanager, das kann ich selbst – ohne Gebühren – auch.

    ETFs hingegen sind mir zu anonym, zu langweilig und zu steril. >Ich mag sie einfach nicht! Für jemanden der keine Affinität zur Börse und zu aktienorientierten Unternehmen hat, sind sie wahrscheinlich das beste Anlageinstrument.

  2. Alexander

    Von aktiv verwalteten Fonds halte ich gar nichts. Wenn sich jemand mit der Börse nicht auskennt, ist ein Indexfond ok, alles andere – nein danke. Meine Frau und ich hatten beschlossen, unser Geld renditeorientierter anzulegen. Wir ließen uns bei der Hausbank beraten und teilten das Geld in 3 Fonds auf. Global, Europa und Chancenorientiert. Drei Jahre später hatten zwei Fonds 90% Verlust und wurden aufgelöst. Der klägliche Rest wurde in den globalen gesteckt, der dann auch nochmals Verlust machte. Und das waren namhafte Fonds, nichts Unbekanntes. Eigentlich muss ich den Managern dankbar sein, da ich beschloss, unser Geld selber anzulegen. Wenn es schon weg ist, will ich wenigsten meinen Spass dabei haben. Das ist jetzt 20 Jahre her. Und es war nicht die schlechteste Entscheidung. Ich möchte wissen, in welchen Firmen mein Geld steckt und nicht blind jemanden mein sauer Erspartes anvertrauen.

  3. Ajax87

    Wenn ich mir so die meisten (konservativen) Fonds angucke, dann sehe ich immer die gleichen Aktien an oberster Stelle: Apple, Exxon, Microsoft, Johnson & Jonson, Nestlé, Procter & Gamble etc.. An anderen Aktien habe ich (noch?) kein Interesse von daher stimme ich Alois zu. Um solche Aktien zu halten brauche ich keine Fonds. Und genau wie Alexander bin ich lieber für mein Geld selbst verantwortlich und auch „Ich möchte wissen, in welchen Firmen mein Geld steckt und nicht blind jemanden mein sauer Erspartes anvertrauen.“

  4. Carlo

    Ich nutze Dividendenfonds als Vehikel für eine hohe Dividendenausschüttung.

    Ob meine Fonds dabei irgendeinen Index schlagen, ist mir egal. Schwankungsarmut, hohe Ausschüttungen und kein Währungsrisiko – das ist mir wichtiger. Und ich will keine komplizierten Fragen in Sachen Quellensteuer / Intransparenz (wie bei vielen ausländischen ETFs mit hoher Ausschüttung der Fall) klären müssen.

    Auf Werbe-Verkaufs-Veranstaltungen in Banken (von diesen gerne „Beratung“ genannt) verzichte ich grundsätzlich.

  5. Pingback: Artikel über Wirtschaft, Finanzen und Devisen - 26. Oktober 2014 | Pipsologie

  6. sandro

    Also ich glaube, dass der dax jedes jahr 30% machen wird. So wie letztes jahr. Unabhängig der zahlreichen gewinnwarnungen.

    Die endlosen QE programme werden schließlich dafür sorgen, dass der dax ende des jahrzehnts bei ca. 80000 steht!

    Lg

  7. willihope

    Ich würde mir das wünschen denn ich bin Long mit ETF’s auf den DAX mit Hebelchen 2.

    🙂

    Zumindest bis Mai bleibt das jetzt so. Long auf den DOW werde ich wohl auch noch was machen müssen den Amerika boomt! 🙂

     

  8. Bolzano

    @Ajax87

    Bis zur nächsten Finanzkrise ist das Risiko damit nur theoretisch. Haben Sie 2008/2009 als Investor miterlebt? Gab es dort Banken, die ihre Sicherheiten nicht mehr bedienen konnten? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, wenn Draghis Plan nicht aufgeht, dass es mindestens wieder so kommt?

    Wenn Aktien, dann direkt und ohne Umwege.

     

  9. Ajax87

    Also Black Rock konnte bis jetzt seit 1981 alle Forderungen erfüllen…und verleiht auch nur max. 50% der Wertpapiere weiter…in der Praxis liegen sie sogar weit drunter…was die Zukunft bringt weiß natürlich niemand.

  10. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Ajax87

    BlackRock (iShares) z.B. besichert verliehene Aktien zu 110-112% des verliehenen Wertes.

    Man verleiht also vielleicht für 100.000 Zurich Insurance, und bekommt dafür als Sicherheit für 110.000 Metall Zug AG herein.

    Außerdem wird natürlich zusätzlich an Verleihgebühren verdient, wofür der Anleger eigentlich dankbar sein sollte.

    „Wertpapierleihe ist in der Vermögensverwaltung eine etablierte und streng regulierte Praxis. Sie bezeichnet die Übertragung von Wertpapieren (wie Aktien oder Anleihen) von einem Verleiher (iShares Fonds) an einen Dritten (Entleiher), der dem Verleiher eine Sicherheit (Pfand des Entleihers) in Form von Aktien, Anleihen oder Barmitteln bereitstellt und eine Gebühr zahlt. Diese Gebühr ist eine Zusatzeinnahme für den Fonds und kann zu einer Senkung der Gesamtkosten eines ETF beitragen. 
    Wertpapierleihe gehört bei BlackRock zu den zentralen Funktionen der Anlageverwaltung mit speziellen Handels-, Research- und Technologieexperten. Das Wertpapierleiheprogramm zielt auf hervorragende absolute Renditen für unsere Kunden bei gleichzeitiger Einhaltung eines geringen Risikoprofils ab. Fonds, die Wertpapierleihgeschäfte durchführen, behalten 62.5 % der Einnahmen, während BlackRock 37.5 % der Einnahmen erhält und sämtliche Betriebskosten abdeckt, die durch die Transaktionen im Rahmen der Wertpapierleihe entstehen.“ (Quelle: http://goo.gl/CavyJq)
    MS

     

  11. Markus

    Sofern ich die Produktinfos richtig gelesen haben, dann liegt die WP-Leihe bei z. B. iShares msci World bei durchschnittlich 6 % des Volumens.

    In den 6 % sind Aktien wie Bank of America, Total, amerikanische und österreichische Staatsanleihen mit mehr wie 110 % übersichert…

    Hebel, Lombardkredite, die Kredite bei den Amis für WP-Käufe sind 20 % höher wie 2008, nur rein theoretische Risiken, Dividenden-etf`s weniger volatil…

    Ist das alles Ironie oder fehlen da schon einem Großteil hier sachliche Fakten und Wissen?

     

  12. Udo Cognac

    Das „leider“ kann ich nur bestätigen, denn in der Theorie sind Fonds eigentlich eine vernünftige Sache. Eigentlich. Das Problem ist die Praxis.

    1. Eigentlich sollte man erwarten, dass Fonds günstiger wären als Einzelkauf. Warum sollte sich sonst eine Käufergemeinschaft zusammenschließen? Bei 10000 Leuten, die im Durchschnitt jährlich 120 € an Ordergebühren ausgeben, tun sich zusammen und jeder zahlt nur noch 20 € im Jahr. Leider passiert das bei Fonds nicht.

    2. Thesaurierende Fonds sind steuerlich blöd gemacht. Wenn mir SAP oder eine andere Aktiengesellschaft eine Dividende ausschüttet, dann zahle ich darauf Abgeltungssteuern. Wenn das Geld im Unternehmen bliebe, entfällt keine Abgeltungssteuer. So ist es vernünftig. Ich muss aber beim thesaurierenden Fonds Steuern auf reinvestierte Dividenden zahlen. Wie blöd ist das denn? Diese Ungleichbehandlung gegenüber allen anderen Gesellschaften und vor allem gegenüber Holdings (z. B. Berkhsire Hathaway) macht den Fonds zu schaffen.

    3. Die Fonds-Kultur ist fürchterlich. Eitle Gestalten und Egomanen verwalten Fonds, leider keine Buffets.

    4. Wie sinnvoll ist es für einen Angestellten, nicht direkt in Aktien zu gehen? Als normaler Angestellter trage ich keine operative Verantwortung. Bei Aktien hätte ich selbst Gestaltungsmöglichkeit. Warum sollte man das aus der Hand geben. Ich könnte verstehen, wenn ein Freiberufler in Fonds investiert, denn seine Freiberuflertätigkeit verlangt so viele operative Tätigkeiten (Klinken putzen, Rechnungen schreiben, Gelder eintreiben), dass es tatsächlich nützlich für ihn sein könnte, die Altersvorsorge outzusourcen.

  13. El GringoEl Gringo

    Wertpapierleihe, SWAPs…

    das wird ein schöner Crash. Und alle dachten doch ETFs sind sicher, da kann man nix falsch machen. Akribisch werden prozentuale Aufteilungen bis auf Nachkommastellen überdacht, aber die Risiken werden ausgeblendet.

    mein Rat: parasitär ans System hängen solange Draghi den Geldhahn aufdreht, dann Short gehen & genießen.

    Vaya con dios, amigos.

  14. Markus

    @El Gringo

     

    Schon ein einziges Produktdatenblatt von etf`s gelesen???

    Die sind deutlich transparenter als aktive Fonds, wenn man mal die sachlichen Informationen lesen würde…

    Der Crash von Seiten der etf`s… Angst haben, weil man schlecht informiert ist.

    Die ewigen timer… Ich kenne keinen einzigen der einen buy & hold Investor über 2 – 3 Jahrzehnte schlägt.

  15. Emil

    @Markus

    Anleger von Lehman-Zertifikaten und offenen Immofonds konnten auch lesen.

    Tut mir leid, dass Sie das mit dem Timing nicht so hinbekommen.

    Übung macht den Meister & ansonsten eben starke Nerven haben bis die 50% Verlust wieder ausgeglichen sind.

    Denn die Börse geht ja sicherlich auch dieses Mal wieder (schnell) nach oben, gell?

  16. Markus

    @Emil oder El Gringo…

     

    Sicher konnten die lesen. Nur haben Sie es nicht getan!

    Inhaberschuldverschreibungen sind nun mal zu 100 % kein Sondervermögen…(ganz abgesehen von den sonstigen Risiken).

    Mal ganz abgesehen, dass sich das Wort „Immobilie“ übersetzt sich niemals mit dem Wort „Offen“ verträgt. 😉

    Ich bin zufrieden mit meinem timing vor Ende der Abgeltungssteuer oder auch nicht-timing mit meinen kontinuierlichen Spar-Raten.

    Die Mehrheit der Anleger macht nun mal mit timing Miese… Kosten sollte man auch mit berechnen!

    Wenn Sie ein überlegener „timer“ sind, freut mich das für Sie, aber es ist nicht förderlich für die vielen zum Teil haarsträubenden Aussagen von Anfängern oder Anlegern in der Anfangsphase, die man hier zum Teil liest.

  17. Pastafari

    Zu Beginn meiner Investmentkarriere gab es keine ETFs bzw. nicht für den Privatanleger in Deutschland.

    Ich prognostiziere mal, dass die aktiven Fonds sowie auch Mischfonds bei bzw. nach der nächsten größeren Korrektur eine Renaissance feiern dürften.

    Die cleveren Investmenthäuser setzen ja bereits auf eine Doppelstrategie mit aktiven und passiven Lösungen (siehe Blackrock, Deutsche Asset, Fidelity in den UK/USA etc.).

  18. GregorGregor

    Ich bin zufrieden mit meinem aktiv-verwalteten Mischfonds Ethna-Aktiv. Der ist nicht billig, aber das stressfreie Anlegen & der Kapitalerhalt sind es mir wert. Da zahle ich den Jungs gerne anteilig den neuen Porsche.

     

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *