Der Traum vom schnellen Geld an der Börse


New York, 15. Oktober 2014
Ein Bloomberg Terminal: Hier hüpfen die Kurse im Sekundentakt.

Ein Bloomberg-Terminal: Hier hüpfen die Kurse im Sekundentakt.

Was fasziniert die Menschen am Trading? Es ist wohl der Traum schnell reich zu werden. Für die meisten wird es ein Traum für immer bleiben. Und eher in einem Albtraum enden. Am schlimmsten sind die Zocker, die zusätzlich Kredite aufnehmen.

Mich wundert es, wie Leute ihr hart verdientes Geld leichtfertig ausgeben. Es ist eine seltsame Kultur, zu glauben, es lasse sich auf diesem Weg im Handumdrehen gutes Geld verdienen. Ist es nicht naiv?

Es geht um das schnelle Reichwerden. Keiner hat mehr Zeit – für nichts. So scheint es zumindest. Schnellimbiss. Schnell per Email etwas abklären. Schnell Essen in die Mikrowelle. Schnell in den Urlaub. Schnell dies, schnell das. Am besten blitzschnell.

Alles muss gleichzeitig aufregend sein. Der Nervenkitzel ist gefragt. Das Adrenalin. Es wird alles so extrem in der Denkweise angegangen. Ich finde das grauenvoll. Anstatt ein Buch zu lesen, werden 2-Minuten-Videos geschaut. Anstatt einen Berg in ein paar Tagen zu erklimmen, wird lieber in einer Minute der Kitzel gesucht: Per Bungee-Seil in die Tiefe zu springen ist ein Symbol geworden für eine Gesellschaft, die keine Zeit mehr hat.

Aktien sind keine Lotteriescheine. Es sind Anteile an Unternehmen. Und die Gesamtheit aller Aktien bildet die Börse. An der Börse wiederum können Sie als Anleger am Wohlstandgewinn eines Volks teilhaben. Das kann Jahre dauern. Und wird über Kurssteigerungen und Dividenden zum Ausdruck gebracht.

Eine Aktie ist kein Lottoschein. Foto: Wikipedia.

Eine Aktie ist kein Lottoschein. Foto: Wikipedia.

An der Börse geht es im Kern nur um den Zinseszins. Wer das verstanden hat, weiß, wie wichtig Geduld ist. Es ist hart. Ich weiß. Aber ohne Fleiß kein Preis.

Eddy Elfenbein hat kürzlich exzellent erklärt, wie das alles mit der Volatilität zu verstehen ist. Dass die Kurse jeden Tag hüpfen, nach oben und unten, hat mit dem Wohlstandsgewinn nichts zu tun. Dieser ist nicht auf Tagesbasis sichtbar. Erst wenn viele Jahre verstrichen sind, können Sie diesen Effekt in Ihrem Depot richtig gut erkennen.

Elfenbein hat Daten zurück ins Jahr 1957 verfolgt. Er schildert es anhand einer Aktie, die Sie hypothetisch besitzen. Sie kostet 39 Dollar. An jedem Börsentag verdienen Sie als Aktionär 1 Cent dazu. Das hat seine Auswertung ergeben. Je länger Sie die Aktie behalten, desto größer Ihr Ertrag. Aber gleichzeitig macht die 39-Dollar-Aktie riesige Sprünge jeden Tag, und zwar um 40 Cent. Das wilde Rauf und Runter kann die Menschen von dem 1 Cent ablenken, der jeden Tag obendrauf kommt.

Die Tagesschwankungen sind also nur Lärm.

Ein Daytrader kann die besten Tage im Jahr an der Börse verpassen. Am entscheidendsten sind aber die besten Tage des Jahres. Das muss jedem einleuchten. Wer die verpasst, der hat Pech gehabt. Niemand wird mit dem Glöckchen vorher bimmeln, um anzukündigen: „Morgen wird der tollste Tag im Jahr über die Bühne gehen.“ Nein. Dieser Tag kommt aus heiterem Himmel. Langfristanleger erleben diesen Tag. Trader womöglich nicht.

Was passiert, wenn Sie die besten Tage verpassen? Das hat JP Morgan Asset Management ausgerechnet. Wer 10.000 Dollar zwischen 1994 und 2013 investiert hat und die 60 besten Tage versäumte, hätte Geld im großen Stil verloren. Wer dagegen durchgehalten hat, wäre mit 58.000 Dollar am Ende fürstlich belohnt worden.

JP Morgan sagt es klipp und klar: „Planen Sie, investiert zu bleiben. Zu versuchen, den Markt zu timen und das durchzuhalten, ist extrem schwierig. Tiefststände führen oftmals zu emotionalen Entscheidungen. Langfristig zu investieren, während Sie gleichzeitig die Volatilität managen, kann zu einer besseren Renditen führen.“

Fidelity rät übrigens, ähnlich vorzugehen.

Wie können Sie die Volatilität besser ertragen? Wenn der Markt stark schwankt, machen Sie mehr Sport. Schauen Sie weniger TV. Gehen Sie aus. Ein langer Sparziergang kann helfen. Volatilität hat meiner Meinung nach nichts mit Risiko zu tun. Es hat eher etwas mit der Nervosität der Anleger zu tun.

Ich als Langfristanleger bin nicht nervös. Warum sollte ich das auch sein? Jede Krise ist irgendwann vorbei. Dann beginnt der nächste Boom. Auf den wiederum folgt ein Crash gefolgt von einem Boom usw. Aber im langen Schnitt geht es an der Wall Street knapp zehn Prozent nach oben.

In den Zeitungen sieht es dann so aus. Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus dem Horror-Jahr 1929. Einerseits heißt es: „Milliarden vernichtet im Wall-Street-Debakel“.

New York Daily verkündet: Aktien-Krise ist vorbei. Am 25. Oktober 1929. Den Ausschnitt habe ich im Museum of American Finance entdeckt.

New York Daily verkündet am 25. Oktober 1929: Milliarden vernichtet in Aktienmarkt-Debakel. Den Ausschnitt habe ich im „Museum of American Finance“ entdeckt.

Andererseits verkündet das gleiche Blatt positiv: „Aktienmarkt-Krise vorüber“

New York Daily verkündet: Aktien-Krise ist vorbei. Das war am 25. Oktober 1929. Den Ausschnitt habe ich im Museum of American Finance entdeckt.

New York Daily verkündet: Aktien-Krise ist vorbei. Das war am 25. Oktober 1929. Den Ausschnitt habe ich im Museum of American Finance entdeckt.

Fazit: Studien zeigen, Trading ist eine Gefahr für Ihr Vermögen. Ja, es mag ein paar wenige Glücksritter geben. Aber die ganz große Mehrheit wird scheitern. Wir sind eben nicht alle George Soros. Lernen Sie mehr Geduld zu haben.


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „Der Traum vom schnellen Geld an der Börse

  1. Ralf

    Hi Tim,

    das ist -wie immer- alles richtig. Dennoch denke ich, sollte man seine Investments im Auge behalten. Was die Börse macht ist „egal“. Wenn sich aber fundamentale Daten bei „meinem“ Unternehmen ändern, möchte ich das schon mitbekommen und entsprechend reagieren.

    Gruß,

    Ralf

  2. Ingolf

    Hallo, Ralf,

    das ist auch richtig. Trotzdem mein „Tipp“: An der Börse darf man niemals „reagieren“, man muss „agieren“. Die Fundamentaldaten eines Unternehmens ändern sich nicht „über Nacht“. Das ist ein langer Prozess, den man im Auge behalten sollte. (Um das einzuschätzen, genügt es meiner Meinung nach, wenn man sich alle drei Monate die Zeit nimmt und die Quartszahlen „seines Unternehmens“ analysiert. Wichtig ist ebenso das, was das Management „zu sagen hat“…)

    Wer an der Börse „reagieren“ will oder gar MUSS, könnte eventuell „die falschen Aktien“ besitzen, also jene, mit denen man glaubt, schnell reich werden zu können oder schneller reich als die Aktionäre grundsolider Unternehmen- im „Traderjargon“ auch als die „Langweiler“ bezeichnet- andere Zocker drücken das mit irgenwelchen Begriffen aus, die ich nicht kommentieren möchte…)

    Sicherlich- und da stimme ich Tim zu- gibt es immer Trader, die erfolgreich sein können. Diese wissen im Gegensatz zu den „Nicht-Erfolgreichen“ jedochauch, was sie tun, sie haben eine Strategie, einen Plan, verfügen über die entsprechende Disziplin und Leidenschaft. („Leiden“ ist nicht umsonst der Wortstamm von „Leidenschaft“- Ein Trader muss „leiden können“…)

    Wer noch dazu einen Plan hat, KANN auch mit dem Trading langfristig Erfolg haben. Leider hat die Mehrzahl der Trader keinen Plan, keine Strategie, kein Duchhaltevermögen und ist wenig leidensfähig. Man(n) zockt.

    Zum Durchhaltevermögen gehört natürlich ein bereits existierendes Vermögen. Nur wer bereits finanziell abgesichert ist, kann überhaupt erst traden. In der Praxis sehen es viele „Neutrader“ anders herum: Sie haben wenig und wollen alles…

    Um mir und anderen zu verdeutlichen, was langfristig an der Börse möglich ist, habe ich vor einigen Jahren damit begonnen, ein Blog zu schreiben: http://www.aktientagebuchblog.de

    und einen Premium-Dienst, der sich mit dem Thema „langfristiges Investieren“ beschäftigt…

    Aus meinen Erfahrungen kann ich sagen, dass lediglich ca. 3-5% aller „Neuleser“ langfristig durchhalten. Auch die „Verlängerungsquote“ liegt in etwa auf dieser Höhe…

    Ich kann demzufolge nur Tims Meinung bestätigen: Das Trading stellt für viele eine Gefahr für ihren langfristigen Börsenerfolg dar.

  3. StefanStefan

    Ich verstehe schon die Leute, die nach fünf Jahren Hausse verkaufen und ihre Gewinne „mitnehmen“.

    Ich sitze zum Beispiel gerade mit Microsoft Aktien auf 10.000 € Gewinn. Da muss ich mich auch stark zusammenreissen um die nicht zu verkaufen. Es ist nämlich schlimm zuzusehen wie die nun langsam wieder wegschmelzen. Andererseits weiss ich, dass ich die wohl zu 22 € das Stück nicht mehr bekommen werde.

    So tröste ich mich mit stetig steigenden Dividenden und damit dass meine Rendite auf das eingesetzte Kapital immer besser wird.

    Der Otto-Normal Anleger weiss halt auch nicht ob er sich eine Aktie ausgesucht hat die für Buy and Hold geeignet ist-sprich sie die Gewinne über Jahre stetig zu steigern vermag. Oder ob die Aktie fällt und fällt und frühere Kurse nie wieder sieht à la Telekom usw…

    Den Tradinggedanken kann ich schon nachvollziehen. Man macht einen satten Gewinn mit Aktie A. Diesen Gewinn steckt man in Aktie B. Man macht wieder Gewinn und kauft Aktie C. Man denkt halt, dass das schneller geht als eine Aktie dauerhaft zu halten. Da schmelzen Kursgewinne auch schnell mal wieder zusammen.

    Mein Rezept gegen Trading ist einfach, dass ich mich auf stetig steigende Dividenden Zahler konzentriere und mich über die quartalsweisen Zahlungen freue.

  4. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    Ralf

    Das Beobachten der Unternehmen wird oft als Ausrede genutzt. Es besteht die Gefahr der Selbstüberschätzung. Ich besitze meine Aktien für die Ewigkeit. Wie oft hätten Anleger in den vergangenen 30 Jahren ihre Berkshire, Coca-Cola, P&G, Jonson&Johnson, Exxon, Chevron, Pepsi, Apple, Colgate-Palmolive, Wal-Mart, BASF, Continental verkauft? Gerade in Unternehmenskrisen wird es erst richtig spannend. Dann ist es eher interessant aufzustocken statt auszusteigen. Grüße

  5. Ralf

    @Tim

    Naja, ich meine nicht das unsinnige Starren auf Quartalszahlen. Und ich glaube auch, das bei den „Klassikern“, die hier jeder kennt und zu schätzen weiß, grundsätzlich alles passt. Aber was ist z.B. mit E.On? Das waren (wenn auch nicht vergleichbar mit richtigen Aristokraten) auch mal Ewigkeitsaktien. Tja, und da ist das Geschäftsmodell kaputt. So etwas möchte ich nicht haben. (Von Unternehmen wie Enron mal ganz abgesehen, aber das sind zugegebenermaßen „Spezialfälle“)

    Was macht eine Altria wenn Rauchverbote weiter verschärft werden? Auch in den Emerging Markets?

    Wird sich eine McDonald`s neu erfinden, wenn plötzlich ein Gesundheitswahn auftritt?

    Und, Tim, ich wette auch du guckst Dir Deine Depotwerte regelmäßig an. Ich behaupte als Börsianer kann man gar nicht anders ;-).

    Viele Gruße und danke für den tollen Blog

    Ralf

     

  6. Felix

    @ Ralf

    Deshalb ist halt Diversifizieren das A und O. Wenn man ca. 50 Aktien im Depot hat, dann verkraftet man auch ein/zwei Totalausfälle und 5/6 Schieflagen wie e-on. Auf der anderen Seite wird man fast automatisch auch einige Highflyer erwischen, die 500 % und mehr steigen wie Danaher und NovoNordisk. Die machen die faulen Positionen mehr als wett.

    Ich glaube auch, dass sich der Privatanleger komplett überschätzt, wenn er glaubt, er könne Konzerne wie Siemens o.ä, wirklich durchschauen und beurteilen. Wahrscheinlich tut das noch nicht mal Joe Kaeser. Man muss sich halt darauf verlassen, dass die auch zukünftig gute Produkte und Dienstleistung anbieten und ein gutes, nicht korruptes (!) Management haben.

    Also was bleibt, gute Aktien in ausreichenden Zahl in Depot packen. Auch schützt nicht vor Verlusten, wenn der Gesamtmarkt, wie jetzt einbricht. Auch die guten Unternehmen (siehe BASF) gehen da erheblich in die Knie. Wer die Nerven hat, da nachzukaufen – herzlichen Glückwunsch. Ich schau einfach mal ein paar Monate nicht mehr ins Depot. Das vermeidet Verlustschmerzen.

  7. Ajax87

    Susan Leverman zitiert in ihrem Buch, dass sich ein Verlust 2,5 mal so schmerzhaft anfühlt wie ein Gewinn…genau das habe ich heute wieder zu spüren bekommen 😉

  8. Ralf

    @Ajax87: Ja, heute ist mal ein echt übler Tag. Neben den Kursverlusten kommen bei meinen US-Werten auch noch recht deutliche Währungsverluste hinzu. (Aber ich beklage mich nicht, haben Währungsgewinne mein Depot doch in den letzten Wochen/Monaten auch recht schön bereichert).

    Kursverluste stören mich aktuell nicht. Ein Dahinschmelzen von Buchgewinnen macht mir ehrlich nichts aus. Und da ist noch ein schönes Polster vorhanden. Hier sieht man mal wieder den „Langfristeffekt“.

     

  9. Gerold

    @Ralf

     

    Was mich immer wieder wundert ist, daß ach so erfolgreiche Börsianer nebenbei einen „Premiumdienst“ betreiben  müssen.

  10. Der Couponschneider

    Ich sehe die Kursentwicklungen der letzten Tage ganz entspannt. Mein Depot ist von 105000 € auf 92000 € gesunken. Nachkäufe sind in jedem Falle geplant. Am besten starke und solide Dividendenzahler..Die helfen mir dabei, einen zusätzlichen Cashflow zu bekommen, den ich für weitere Investitionen nutzen kann.

  11. Tino

    Ich sehe das auch entspannt. Volatilität gehört nun mal zur Börse wie das Salz in der Suppe. Ich kann diese Begriffe „Wegschmelzen“ von Gewinnen nicht verstehen. Es schmilzt überhaupt nichts. Die Unternehmensanteile sind vor der Korrektur wie nach der Korrektur absolut identisch. In der Wahrnehmung manifestiert sich das m. E. nur weil alle Webseiten als erstes, groß und breit dieses Preis/Zeit-Diagramm zeigen. Es ist genau das, was nicht im Vordergrund stehen sollte, aber es zieht die Blicke magisch an und führt oft auch zu fehlerhaften Investitionsentscheidungen bzw. Fehleinschätzungen, auch bei mir. Es ist das Panikbarometer für viele. Wenn man voll investiert ist, hat man kein Geld, man besitzt Unternehmen und wenn die prosperieren, dann ist das Panikbarometer purer Blödsinn bzw. sollte man es auf den Kopf stellen und neue Anteile kaufen.

  12. Thomas

    Jeff Immelt sagte in seinem persönlichen Block heute so schön:

    …Lastly, let me give you a few thoughts about the volatility we see in markets right now. This fits a pattern that has existed since the financial crisis. I believe that the global economy continues to offer slow growth and volatility. It is just that people want more, and that creates disappointment. We are prepared for the world we see today. (CEO GE)

     

    Deshalb lass die Kurse ruhig weiter purzeln, ich kaufe dann in Ruhe nach. Wir sind auf einer langfristigen Growth Trendlinie. In der Ruhe liegt nunmal die Kraft.

  13. Pastafari

    Wie bereits vor ein paar Tagen geschrieben, habe ich meine Aktienpositionen mit Gewinn verkauft. Mein Depot hatte mittlerweile einen hohen sechstelligen Wert erreicht & so habe ich die Gewinne mitgenommen, da ich eine Korrektur antizipiert habe, und von einem kleinen Teil ein paar Reverse Bonus Zertis gekauft.

    Ehrlich gesagt, hätte ich gedacht, dass es noch bedeutend länger bis dahin dauert (Dank Draghi & Co) + nicht so stark ausfällt, wie aktuell. Also, einfach Glück gehabt.

    Ich glaube nach knapp 20 Jahren an der Börse nicht mehr an Buy and Hold und „Ewigkeitsaktien“.

    Wenn es jetzt doch schlagartig wieder alles Friede, Freude, Eierkuchen ist und durch QE mehrere Tausend Punkte nach oben geht, dann war meine Entscheidung kurzfristig falsch. Das kann ich besser aushalten als 30-50% Verlust/Gewinnrückgang.

    Aber ich kann sagen, dass ich im Augenblick sehr locker auf die Börsenkurse gucke, äußerst ruhig schlafe & eher noch einen kräftigen Rutsch erwarte. Dann kann man langsam wieder einsammeln.

    Allen viel Erfolg mit der gewählten Anlagestrategie! Früher oder später geht es wieder kräftig bergauf.

  14. Alexander

    Eine Kleinigkeit kann ich noch von mir hinzufügen.

    Ich besitze unterschiedliche Depots. In einem sammle ich Dividendenaktien und in dem anderen halte ich Titel, die ich wegen erhoffter Kursgewinne gewählt habe. Sehr interessant ist hierbei die Selbstbeobachtung und Analyse des eigenen Ichs.

    Das Langfristdepot, bei dem ich von vornherein auf Dividendenwachstum setzte und in keinster Weise mit Kursgewinnen rechne (schließlich will ich nicht verkaufen), ruft in mir Ruhe und Gelassenheit hervor. Eher die Hoffnung, noch weitere günstige Qualitätstitel einzusammeln.

     

    Das zweite Depot ärgert mich, da ich nicht rechtzeitig verkauft habe und nun teilweise Buchverluste vor Augen habe, sich mir die Frage stellt, Reißleine ziehen oder aussitzen? Ich kann die ganze Achterbahn der Gefühle an mir beobachten.

    Inzwischen bin ich (hoffentlich) soweit, dass ich die Gefühle ausblenden kann und letztendlich jedes dieser Einzelinvestments richtig überprüfen und entsprechend behandeln werde. Langfristig gebe ich dieses Depot auf. Kostet mich zu viel Energie.

    @Pastafari

    Nach 18 Jahre Börse glaube ich erst recht an Buy & Hold, wobei man diese Strategie nicht mit Blind an einem Investment festhalten verwechseln sollte. Im Gegensatz zu Tim fliegt bei mir schon mal ein Wert aus meinem Langfristdepot, wenn die Voraussetzungen nicht mehr stimmen.  Eine RWE z. B. hat den Ausgang gefunden.

    Ich habe die Erfahrung, dass man sich mit seinem Anlagestil und seiner Strategie wohl fühlen muss. Alles andere bringt nichts und verleitet nur zu unbedachten Handlungen. In diesem Sinne, allen gute Investments.

     

     

     

     

  15. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Hallo Alexander,

    ja, man muss seine Werte ständig überprüfen, ob sie noch zu einem passen.

    Ich habe auch 2 Depots, ein „Offshore-Depot“, mein Hauptdepot an dem mein Herz hängt, und mir >400 € Dividenden pro Monat bringt, und ein Flatex-Depot mit deutschen Werten und ETFs für die Pflege des „Home Bias“.

    Man sollte sich immer wieder mal die Frage zu jedem Wert stellen: Würde ich diese Aktie HEUTE auch wieder kaufen? Wenn man das mit Zaudern oder Nein beantworten müsste, dann kann man sie verkaufen.

    Bei Gerald Hörhan habe ich mal gehört; „Wenn man sieht, bzw. zu der Meinung kommt, dass man da einen Mist im Depot hat, dann muss man das wegmachen, so, wie man Dreck ausputzt. Danach fühlt man sich wieder wohler.“ So ist es. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

    Ahoi!

    MS

  16. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Alexander

    Meine Aktien sind mein Ruhestandspolster. Ich verkaufe die nicht. Der Aktienmarkt steigt und fällt. Das ist eine gesunde Reaktion, was wir momentan erleben. Kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen. Im Gegenteil. In Korrekturen ist es ratsam aufzustocken (anstatt zu verkaufen). Das ist der beste Schutz. Ja, vielleicht waren wir etwas überbewertet. Ist mir egal. Das pendelt sich wieder ein.

    Stürzt ein Blue Chip um 50, 60 oder 80% ab, wird das für mich extrem spannend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *