Buffett kauft Tageszeitungen: Warum das clever ist


New York, 5. Juli 2012

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Verlagshäuser befinden sich aufgrund des Internetbooms in einer Dauerkrise. Das Jahrhunderte alte Print-Geschäft steht vor dem Abgrund, denken sich viele. Doch einer ist voller Optimismus: Es ist Waren Buffett. „Das Genie“ reisst sich massenweise Tageszeitungen in den USA unter den Nagel. Er kauft die Verlagshäuser für einen Appel und ein Ei.
Manch ein Analyst mag jetzt Buffett für verrückt erklären. Buffett hat aber allzu oft bewiesen, dass er eine unglaubliche Weitsicht hat. Guter Journalismus wird überleben, denkt sich das Genie. Der Milliardär wird auch dieses Mal Recht behalten. Denn es ist lediglich ein Transformationsprozess in Gange: Leser und Anzeigen wandern ins Netz ab. Ist diese Abwanderung ins Web abgeschlossen, stabilisiert sich sicherlich die Lage. Gut, die Menschen werden in 20 oder 30 Jahren häufiger die Zeitung auf einem Tablet Computer (wie dem iPad) statt in Papierform lesen. Aber werden sie deshalb weniger lesen? Wohl kaum. Gelesen wird immer.
Einige Blätter bleiben logischerweise auf der Strecke. Verschwunden sind überm großen Teich beispielsweise die „Rocky Mountain News“ in Denver oder „The Seattle Post-Intelligencer“.
Die Überlebenden werden gestärkt aus der Krise hervorgehen. Sie werden den Markt konsolidieren, Konkurrenten schlucken bzw. ersetzen. Es werden regionale Zeitungsmonopole entstehen – ohne Konkurrenz lässt es sich bekanntlich gut leben.
Ein paar Tageszeitungen reduzieren ihre Erscheinungsweise von wöchentlich sieben auf drei Tage, um die Druck- und Zustellkosten zu senken. Alle arbeiten im Endeffekt an Bezahlmodellen für das Internet. Online-Bezahlmodelle sind mit entsprechenden Abozahlen sogar profitabler, als die gute alte Zeitung, denn es entfallen die hohen Druck- und Zustellkosten komplett. Dass es gelingen kann, aus der Transformation als Gewinner hervorzugehen, zeigt der Erfolg des Axel Springer Verlags, der rasant ins Netz expandiert.
Zu Buffetts Tageszeitungsimperium gehört die „Washington Post“ (mein Foto in der Illustration oben, Ausgabe vom 25.9.2009). An dem Washingtoner Milliardenkonzern besitzt Buffetts Beteiligungsfirma Berkshire Hathaway seit 1973 ein größeres Aktienpaket. Darüber hinaus gehören die New Yorker Zeitung „The Buffalo News“ dem Börsenaltmeister. In Texas kaufte er kürzlich „The Tribune-Herald“. Ein paar Tage zuvor hatte er ein anderes Blatt in Texas erworben.
Im Mai kamen 63 Zeitungen von Media General für 142 Millionen Dollar hinzu. Hier finden Sie eine Übersicht über seine weiteren Beteiligungen.
Buffett weiß, was er tut. Er kann sanieren. Bei dem angeschlagenen Direktversicherer Geico, dem kaum jemand eine Überlebenschance eingeräumt hatte, griff der Meister auf dem Höhepunkt der Krise zu. Er machte aus dem Sorgenkind einen Geldesel.
Fazit: Immer wenn Panik und Angst herrschen, schlägt das Genie zu.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Buffett kauft Tageszeitungen: Warum das clever ist

  1. StefanStefan

    Ich bin mir des zukünftigen Erfolgs von Tageszeitungen nicht so sicher. Sicherlich hat Buffett da auch eine sentimentale Seite aus seiner Zeit als Zeitungsjunge.

    Ich war mal im Rahmen eines Praktikums mit ca 40 anderen bei der FAZ in Frankfurt. Auf die Frage wer denn alles die FAZ lese, war ich der Einzige!

    Meine Generation (30-40) liest kaum noch Tageszeitungen. Die nachkommenden Generationen schon gar nicht mehr. Die gucken nur noch in ihr I-Phone.

    Klar weiss Buffett was er macht. In dem Falle würde ich es ihm aber nicht nachtun.

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi Stefan,

    die Frage ist eben, wo diese Leute dann von ihrem iPhone aus hingehen? Ich vermute mal stark auch auf Medienangebote (Zeitungen, Verlage).

    Grüße
    Tim

  3. Ulrich

    Ein Thema welches mich sehr interessiert.

    Es stellen sich dabei für mich aber eine entscheidende Frage. Wie viel Zukunft hat Quailtätsjournalismus oder Laien, die sich im Internet eben Mühe geben ( die nun einmal nun auch da sind und sich den Kuchen mitteilen).

    Wer sich einmal mit dem Thema Geld- Verdienen mit Publikationen im Internet (Blogs und ähnliches) wird merken, wer hier wirklich erfolgreich Geld verdient.

    Im Internet geht es um Aufrufe und zwar um richtig viele Aufrufe. Die Seiten mit vielen Aufrufen bekommen bessere Werbekonditionen etc. als der Kleine, der am Tag nur wenige Tausende Leser hat.

    Die Seiten mit vielen Besuchern haben gemerkt, dass es hier nicht wirklich darum geht, dass die Information wirklich nützlich oder gut recherchiert sind. Es geht nur noch um Klicks, deswegen sind die häufigen Themen S**tips, Diäten und was macht Promi A oder B.

    Dies ist zwar traurig, aber die Zukunft der Medien ist stark werbefinanziert. Da wenige bereit sind für Nachrichten, Meinungen, Recherchen noch zu bezahlen. Wer also im Internet startet und versucht dies mit komplexen Inhalten zu versuchen wird merken, dass der Output zu gering ist. Er wird damit nur eine kleine Schar an Anhängern gewinnen und merken, dass er um jeden Euro sehr hart kämpfen muss.

    Die Frage, die sich mir also stellt, ist nicht ob Menschen noch nach Informationen suchen; sondern eher ob sich bei kostenloser Information (die rein Werbefinanziert ist ) mit gründlicher Arbeit überhaupt irgend etwas verdienen lässt.

  4. Thomas

    Der große Nachteil von Printmedien ist, dass sie über Vergangenes berichten. Im Internet hingegen sind die Nachrichten doch sehr zeitnah, mit Liveschaltungen sogar richtig aktuell.

    Gerade der Zeitvorsprung und nicht zuletzt die Bequemlichkeit lässt die Menschen das Internet als Informationsquelle bevorzugen. Hier wird es in den kommenden Jahren sicher große Veränderungen in der Medienlandschaft geben.

    Allerdings stellt sich die Frage, in welchen Medienkonzern (oder auch nur eine Zeitung)man investieren soll. Die Kennzahlen von Axel Springer sind nicht berauschend. Die amerikanischen Zeitungen kann ich schlecht einschätzen, da kenne ich den Markt zu wenig.

    Haben Sie einen Vorschlag, Herr Schäfer?

    Gruß, Thomas

  5. StefanStefan

    Das Problem ist jedoch, dass niemand bereit ist für Informationen im Internet zu bezahlen. Hier ist man schon an eine kostenlos Kultur gewöhnt. Ich bin zum Beispiel täglich auf Spiegel Online.

    Ich glaube auch nicht, dass die Menschen in Zukunft bereit sind zu bezahlen.

    Bei faz.net stehen sehr viele Artikel der Printversion kostenlos zur Verfügung. Sogar die der Sonntags-FAZ.

  6. Ulrich

    Ganz am Rande finde ich jedoch ein gutes Magazin oder Zeitung nicht zu verachten, obwohl ich auch sehr Internet orientiert bin.

    Wenn man sich nämlich eine Zeitung kauft und sich Zeit nimmt liest man oft Dinge, die man nicht gegoogelt hätte. Dadurch erweitert sich auch der Horizont…

  7. tim schaefertim schaefer

    @ Thomas

    In den USA gibt es die von mir sehr geschätzte New York Times – es ist eine großartige Zeitung. Leider halbiert sich der Cash Flow seit 3 Jahren p.a. Keine Dividende. Hoch verschuldete Bilanz. Und der Vorstand muss neu besetzt werden – ist noch nicht gefunden.

    Dann kenne ich noch Gannett ganz gut. Ich habe mir auch hier etliche Vorstandspräsentationen angeschaut. Die halten erstaunlicherweise ihren Cashflow extrem stabil – sogar leicht erhöht. Die Dividendenrendite 5,4%. Gannett ist ein Zeitungsimperium mit regionalen Fernsehstationen und Internetangeboten. Recht hohe Schulden mit 1,5 Milliarden Dollar.

    VG
    Tim

  8. Turing

    Die NYT ist ein überregionale Zeitung. Diese Zeitungen haben es in Deutschland auch ziemlich schwer. Die Regionalzeitungen aber stehen dicke da. Was ist der Grund? Bislang geht das Regionale und das Lokale im Internet einfach unter. Während die Regionalzeitung das große Weltgeschehen auf einigen Seiten ausblendet, konkurrieren die Anbieter im Internet mit einer Sensationsnachricht nach der anderen. Ein Klick weiter und man bekommt noch mehr Informationen.

    Die Regionalzeitung hat auch den Vorteil, dass sie von Todesanzeigengeschäft gut leben und es ist undenkbar, dass eine Todesanzeige bald per Twitter rausgehauen wird. Zumindest werden wir uns damit in den nächsten 20 Jahren ziemlich schwer tun.

    Und Buffet hat vor allem solche Zeitungen gekauft und keine NYT.

    Ich bin auch noch einer der wenigen, die Zeitung lesen. Abonnent bin ich nicht mehr, aber ich kaufe mir regelmäßig eine Zeitung. Und man erfährt dann z. B., dass Nokia mehr als 10000 Patente hat. Das hätte ich nie ergoogelt. Für gute Texte bin ich auch bereit zu bezahlen. Ich hatte nun das letzte halbe ein Jahr ein Online-Abonnement der Weltwoche. Gute Artikel finden sich darin, aber die Schweizer Angelegenheiten sind dann doch nicht so interessant für mich.

  9. tim schaefertim schaefer

    @ Stefan
    Klar, mit dem Kostenlos-Angebot der Zeitungen im Netz ist das schwierig. Es ist ja so, als ob ich zwei Eisdielen nebeneinander betreibe. In einem Laden gibt es das Eis zu normalen Preisen, bei dem anderen Laden gibt es alles kostenlos. Logisch, dass alle zum Gratis-Eisen tendieren. Warren Buffett würde sagen: Du musst in dem Gratis-Laden eine Eintrittsgebühr verlangen.

    @ Ulrich
    Guter Punkt. Man liest in der Tat in der Zeitung häufiger Dinge, die einen gar nicht so auf den ersten Blick interessieren würden. Zeitung-Lesen ist wohl besser für die Allgemeinbildung.

    @Turing
    Ja, bei Nokia wird es nach dem Kursdesaster spannend. Vielleicht hast du recht: Totgeglaubte leben länger. Vielleicht findet Nokia den Anschluss noch einmal. Gut möglich ist auch, dass Nokia übernommen wird. Microsoft, Google usw. haben tiefe Taschen.

    Viele Grüße
    Tim

  10. Anna

    Hallo zusammen,

    habe mit Interesse die Gedanken zur Zukunft der Printmedien verfolgt.

    Nun mal meine Version. Mein Mann und ich sitzen jeden Tag mit der Zeitung am Frühstückstisch. Kann ich mir mit iPad schlecht vorstellen, bräuchten da schon zwei Stück.

    Gestern habe ich meine klatschnassen Schuhe mit Zeitungspapier ausgestopft zum Trocken. Nun probiert das mal mit dem iPad…

    Nichts für ungut

    Eure Anna

  11. tim schaefertim schaefer

    Hallo Anna,

    gute Idee. Es gibt ja Leute, die putzen mit der zerknüllten Zeitung die Fenster. Oder decken bei Malerarbeiten die Böden damit ab.

    VG
    Tim

  12. Anna

    Hallo Tim,

    habe jetzt erst Deinen Kommentar zur Zeitungsgeschichte gelesen. Stimmt voll und ganz, auch ich habe schon mit Zeitungspapier die Fenster geputzt.
    Aber – nun kommt die Meckerei – in den 70er bis Anfang der 80er Jahre war die Zeitungspapierqualität schlecht, aber zum Putzen super.
    Später wurde das Papier glatter und nach der Wende war sowieso alles anders, nicht nur die Papierqualität sondern auch der Inhalt.

    Viele Grüße

    Anna

  13. tim schaefertim schaefer

    Hallo Anna,

    oh ja, wie sich die Zeiten ändern.

    Im Flugzeug, Fitnessstudio oder Bus lese ich lieber die gute alte Zeitung. Irgendwie fühle ich mich wohler mit dem Papier als mit dem iPad. Selbst wenn die Finger schwarz werden.

    Viele Grüße
    Tim

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