Die Lufthansa-Aktie wird an der Börse heiß diskutiert. Viele Anleger empfinden sie als chancenreich. Zum einen ist es das Wachstum, zum anderen die niedrige Bewertung. Die Aktie handelt mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2026 von etwa 7 gehandelt. Was das bedeutet? Historisch gesehen und im Vergleich zum breiten Markt, wo das KGV oft bei 15–20 liegt, wirkt die Kranich-Aktie damit sehr günstig. Du zahlst quasi nur 7 Euro für jeden Euro Gewinn, den das Unternehmen macht. Value-Investoren sehen hier ein „Schnäppchen“.
Hinzu kommt die Dividende. Nach der mageren Corona-Zeit zahlt die Lufthansa wieder Dividenden. Für das Geschäftsjahr 2024 wurden 0,30 € gezahlt. Und die aktuelle Dividendenrendite liegt (je nach genauem Einstiegskurs um die 9€) bei etwa 3,9%. Das ist eine solide Verzinsung, die oberhalb vieler Sparzinsen liegt.
Die Deutschen übernehmen den italienischen Marktführer
Kommen wir zur Expansion: Lufthansa ist nicht untätig. Die Übernahme der italienischen ITA Airways (ehemals Alitalia) ist ein großes Projekt. Bis Mitte 2026 will Lufthansa ihren Anteil an dem einst kriselnden Staatskonzern aus Rom voraussichtlich auf 90% aufstocken. Darin steckt Fantasie: Wenn Lufthansa es schafft, ITA profitabel in die Gruppe zu integrieren (wie zuvor schon SWISS oder Austrian), könnte das den Marktanteil in Europa massiv stärken und langfristig die Gewinne treiben. In Portugal wollen die Deutschen den Rivalen TAP ebenfalls kaufen, noch hat aber die Regierung in Lissabon nicht entschieden.
Die meisten Anleger sind optimistisch. Das siehst du auch anhand des Charts. Charttechnisch hat sich die Aktie von ihren Tiefstständen erholt und zeigt seit Anfang 2026 einen leichten Aufwärtstrend (Trend zu höheren Hochs), was wiederum technisch orientierte Käufer anzieht. Aber der Kurs kann schnell wieder nach unten drehen.
Natürlich gibt es Risiken
Es gibt natürlich Gründe, warum die Aktie so „billig“ ist. Die Börse preist hier Risiken ein, wozu Warnstreiks gehören. Gerade streiken die Piloten, das führt zu Chaos, Ärger, Kosten. Wenn Bodenpersonal/Piloten mehr Geld fordern, können sie dem Betrieb massiv schaden. Millionen gehen dann über die Wupper und Kunden sind verunsichert. Die Lufthansa hat traditionell schwierige Beziehungen zu den Gewerkschaften (Verdi, Cockpit).
Ein anderer Grund, warum die Aktie nie richtig in die Puschen kommt: Airlines sind extrem konjunkturabhängig. Wenn die Wirtschaft schwächelt (Rezessionssorgen), sparen Firmen zuerst bei Business-Trips und Privatleute beim Urlaub. Die Lufthansa verdient ihr Geld primär in der Business Class/Premium Economy.
Gefahren lauern ferner in den Kosten:
- Ölpreis: Ein steigender Kerosinpreis drückt sofort auf die Marge.
- Grüne Regulierung: CO?-Abgaben und die Pflicht zur Beimischung von teurem nachhaltigem Treibstoff (SAF) werden Flugreisen teurer machen, was die Nachfrage dämpfen kann.
- Der ITA-Deal ist kein Selbstläufer: Es gibt aktuell Berichte über Preisstreitigkeiten. Es geht um eine Nachforderung von 100 Millionen Euro mit dem italienischen Staat. Sanierungsfälle wie Alitalia/ITA sind historisch gesehen oft „Geldverbrennungsmaschinen“.
Zusammenfassung: Kaufen oder nicht?
Die Entscheidung hängt von deinem Anlegertyp ab. Die Marke ist 100 Jahre alt und hat viele Höhen und Tiefen mitgemacht:
- Du solltest die MDAX-Aktie in Betracht ziehen, wenn du ein „Value-Investor“ bist, an eine anhaltende Reise-Lust (Boom) glaubst, Geduld für den Turnaround der ITA-Übernahme mitbringst und die Schwankungen durch Streiks aussitzen kannst.
- Sie sollten die Finger davon lassen, wenn du stabilere, risikoärmere Erträge suchst (wie etwa Versorger) oder Angst vor zyklischen Abschwüngen hast.
- Du hast in dem Geschäft einen Burggraben (Slots am Airport, Markenname, Marktanteil, Größe). Aber es gibt viele Konkurrenten. Kurzum, es gibt besser geschützte Burggraben-Unternehmen. Denk etwa an Flughäfen wie Fraport, das sind Monopole.
Ich habe United Airlines- und Southwest-Aktien während der Coronoca Pandemie gekauft und habe insgesamt massig nach dem Einstieg verdient. Ich mache Buy-and-Hold mit den Papieren. Aber die Lufthansa ist nicht in meinem Depot.
Wenn ich meine Kriterien für die Aktienauswahl ansetze, dann halte ich Lufthansa nicht für eine Value-Aktie (Quelle: boerse.de):
Eigenkapitalquote: um die 20% (Soll >= 30%) (Zahlenwert von 2024 scheint unrealistisch)
Eigenkapitalrendite: 2024 knapp 12% (Soll >= 10%)
Umsatzrendite: 2024 knapp 4% (Soll >= 5%)
Gerade die Umsatzrendite ist wichtig, da sie letztendlich den Gewinn bestimmt. Im Zeitraum von 2019 bis 2024 kam sie gerade einmal in die Nähe des Sollwertes. Dass das Kriterium der Eigenkapitalrendite erfüllt ist, liegt auch an der Verschuldung (Hebelwirkung). Wenn Übernahmen stattfinden, wird dadurch die Verschuldung eher ansteigen.
Für mich wäre ein Kauf dieser Aktie letztendlich eine Art Wette, dass alles gut ausgeht (oder andere Anleger der Aktie mehr zutrauen als ich).
Warren Buffett riet von Airlines ab
Genau. Daran halte ich mich. Natürlich darf man hier anderer Meinung sein. Trotz Markenmacht zu viel Konkurrenz, Abhängigkeit vom Ölpreis. Da traue ich mich nicht ran.
Seine Meinung hat Buffett aber geändert und ist bei den 4 großen US Airlines massiv eingestiegen. Während Corona baten ihn die Airlines auszusteigen, so dass sie Staatshilfen erhalten konnten.
https://www.reuters.com/article/business/berkshire-sells-entire-stakes-in-us-airlines-buffett-idUSKBN22E0VM/
Und da hat er erbeut gesagt wie oft er noch Airlines im Leben kaufen soll, bis er versteht es besser nicht mehr zu machen
Das ist Unfug. Buffett ist so sehr begeistert von den 4 führenden US-Fluggesellschaften, dass er zum größten Aktionär jeweils mit etwa 10% wurde.
Ich schaue mir jede Minute aller HVs an und er sprach genau darüber. Zu faul ein video zu suchen.
Mal auf die schnelle, wie der obige Artikel erstellt wurde, per promt:
Während der Corona-Pandemie (COVID-19) änderte Warren Buffett, der legendäre Investor und Vorsitzende von Berkshire Hathaway, seine Haltung gegenüber Investitionen in Fluggesellschaften deutlich — und zwar auf eine Weise, die viele überrascht hat: ?
CNBC +1
? Buffett und Fluggesellschaften im Corona-Zeitraum
1. Verkauf aller Airline-Beteiligungen
Im Mai 2020 erklärte Buffett auf der virtuellen Aktionärsversammlung, dass Berkshire Hathaway *sämtliche Aktienbeteiligungen an den großen US-Fluggesellschaften verkauft habe. Diese Beteiligungen umfassten große Anteile an United, American, Southwest und Delta Air Lines. ?
CNBC
Der Grund: Die Pandemie habe den Flugverkehr und damit das Geschäftsmodell der Airlines fundamental verändert. Buffett sagte, dass „die Welt sich für die Airlines verändert hat“ und er nicht wisse, ob und wie schnell sie sich wieder erholen würden. ?
CNBC
2. „Verständlicher Fehler“
Buffett gestand offen, dass die ursprüngliche Investition in die Airlines ein Fehler war. Die hohen Investitionssummen (zwischen etwa 7 und 8 Milliarden USD) hätten sich angesichts der dramatischen Einbrüche im Flugverkehr nicht bezahlt gemacht. ?
Forbes
Er stellte klar: „Als wir die Fluggesellschaften gekauft haben, bekamen wir einen attraktiven Preis – aber es stellte sich heraus, dass ich mich in diesem Geschäft geirrt habe.“ ?
Forbes
3. Unsichere Zukunft des Flugverkehrs
Buffett äußerte Zweifel, ob sich die Nachfrage im Luftverkehr in den nächsten Jahren vollständig erholen würde. Er wies darauf hin, dass es zu viele Flugzeuge gebe, wenn der Verkehr nur teilweise zurückkehre, was den Wettbewerb und den Gewinn weiter belaste. ?
CNBC
Er betonte, dass diese Einschätzung nicht auf schlechtem Management der Fluggesellschaften beruhe – vielmehr sei die Pandemie ein „Ereignis mit niedriger Wahrscheinlichkeit“, das den Sektor stark getroffen habe. ?
CNBC
4. Kontext der Entscheidung
Die Verkäufe fanden statt, nachdem der Flugverkehr fast zum Erliegen gekommen war und staatliche Hilfsprogramme in Milliardenhöhe erforderlich wurden, um die Branche zu stützen. ?
Forbes Georgia
Buffett behielt hingegen eine große Barreserve bei und suchte nach anderen, attraktiveren Investmentmöglichkeiten inmitten der Corona-Marktturbulenzen. ?
Forbes
? Zusammengefasst
? Buffett verkaufte alle Airline-Aktien während der Pandemie. ?
CNBC
?? Er nannte den ursprünglichen Einstieg einen „Fehler“ angesichts der drastischen Veränderungen im Flugverkehr durch Corona. ?
Forbes
? Er sieht die langfristige Erholung der Branche als unsicherer und weniger attraktiv für ein wertorientiertes Investment an. ?
CNBC
Wenn du willst, kann ich dir auch zeigen, wie Buffett in anderen Sektoren (z. B. Banken oder Energie) während der Corona-Krise investiert hat oder welche Lehren Anleger aus seinen Airline-Entscheidungen ziehen können.
Nachtrag: In der HV hat er es noch genauer erklärt. Halt einfach die HV nochmal ansehen.
Für Buy-and-hold-Anleger ist die Aktie nicht zu empfehlen. Da geht nichts von links unten nach rechts oben. 1997 stand die Aktie schon deutlich über 10 EUR, 2017 über 20 EUR, und Dividende wird ausgeschüttet, wenn es gerade mal so passt. Aber wer den Kurs im Auge hat, kann temporär auch mit der Lufthansa Geld verdienen.
Ja, so sehe ich das auch! Hier passiert nichts. Es läuft bei Lufthansa immer nach dem Schema: wie gewonnen, so zeronnen. Ob es nun anders wird? Vielleicht! Aber: Selbst ein Vulkanausbruch im Ar… der Welt brächte das Papier zum Wanken. Hier sind einfach zuviele „Zittrige“ imvestiert. Zwillingsaktie: TUI. Selbes Muster.
Anders als Tim sehe ich zwar deren Markenmacht, aber niemals einen vernünftigen wirtschaftlichen Burggraben. Oder halt zumindest für mich zu wenig erkennbar.
Geschmäcker sind verschieden, Strategien an der Börse auch. Gott sei Dank. ;)
Mit der Lufthansa hatte ich Ende der Neunziger und in den 2010ern durch Trading etwas Taschengeld verdient, gerade weil sie immer so schön schwankte.
Tourismus-Aktien wie LH oder TUI werden jetzt nach Corona wohl keine neue Allzeithochs mehr erreichen, da sich bei diesen Unternehmen die Risikobewertung durch die Profis geändert hat.
Corona 2.0 oder der kommende Iran = Öl-Konflikt werden die Kurse wieder drücken. Bei solchen Aktien gibt es meiner Meinung nach eine Art gläserne Decke, das Kurspotenzial ist leider begrenzt.
@Tim: Habt Ihr Euch in Eurem neuen Haus eingelebt.
Wir haben lange nichts von Nikos gehört. Hast Du KOntakt und weißt wie es ihm geht ?
Gibt es in naher Zukunft einen Artikel von ihm? Eine Zeit lang gab es ja sehr viele. Mich würde interessieren wie er die momentane Schwächephase mit seinem Depot erlebt. Hat er verkauft/nachgekauft….?
Liebe Grüße
Lufthansa ist für mich keine Value Aktie. Aber danke für Deinen Artikel. Hatte länger nicht mehr reingeschaut und werde mich Stück für Stück durchlesen.
Gebe Dir wie immer 5 Sterne, weil ich Deinen Blog so sehr schätze.
Sorry für den Tippfehler !!!
@Tim natürlich. Hatte ich nicht gesehen. Kann man aber leider nicht mehr korrigieren.
Würde mich über eine Antwort von Dir freuen Tim !
Seltsam. Immer wenn ich @Tim eingegeben hatte. erschien Timski….sorry
Es erscheint auch Tim. Aber nach dem absenden wird daraus Timski. Seltsam
Nur wenn ein @ davor ist. Skurill.
Danke Susanne. Nikos kann das mit den Beiträgen einteilen, wie er mag. Er muss phasenweise viel lernen an der Uni und hat dadurch wenig Zeit.
Danke. Hätte ja sein können, dass Du etwas von ihm gehört hast.