Nach der Abspaltung ist der Hersteller von U-Booten und Marineschiffen am Steigen. Seit der Erstnotiz am 20. Oktober ging es von 70 auf zuletzt 100 Euro mit dem Börsenneuling. Der Kursanstieg um 60% ist prächtig. Jeder ThyssenKrupp-Aktionär erhielt für 20 gehaltene Aktien des traditionsreichen Stahlkonglomerats jeweils eine Aktie des Werftbetreibers TKMS aus Kiel. Der Spezialist für die maritime Verteidigung profitiert aktuell von hohen Rüstungsaufträgen und geopolitischen Spannungen, was für Anleger Fantasie schafft. Allerdings ist der Kurs stark abhängig von politischen Entscheidungen und Verteidigungsbudgets. Nun kam heraus, dass die Bundeswehr mehrere Fregatten bei TKMS bestellen will. Womöglich geht es um ein Auftragsvolumen von einer Milliarde Euro.
Die Insider sind auf der Pirsch
Mir sind seit einiger Zeit Insiderkäufe aufgefallen. Konzernchef Oliver Burkhard riss sich am 26. Oktober für 300.000 Euro Aktien unter den Nagel, er zahlte einen Kurs von 80,40 Euro. Auch die Vorstände Dirk Steinbrink (CTO) und Paul Glaser (CFO) orderten in den darauffolgenden Tagen die TKMS-Aktie für rund 29.000 bzw. 24.000 Euro.
Durch geopolitische Konflikte, besonders durch den Krieg in der Ukraine, und steigende Verteidigungsbudgets erhält TKMS viele neue Aufträge für U-Boote und Kriegsschiffe. Es steckt ein Milliardenpotenzial in dem Wert. TKMS ist ein Juwel innerhalb des Thyssenkrupp-Imperiums, da die Sparte profitabler ist als die anderen Bereiche. 2024/25 kletterte der Umsatz von 2,0 auf 2,2 Milliarden Euro. Der Überschuss sprang von 62,7 auf 87,6 Millionen Euro. Der Börsenwert von 6,1 Milliarden entspricht nicht mal drei Jahresumsätzen, was massvoll erscheint.
TKMS steht für „Thyssenkrupp Marine Systems“. Von der grauen Maus scheint die Aktie jetzt zum Rüstungs-Star zu werden. Warum Anleger ganz genau auf die U-Boot-Sparte von Thyssenkrupp schauen sollten, an der der Mutterkonzern noch 51% hält. Warum die Aktie unterschätzt wird? Wer an Thyssenkrupp denkt, denkt oft an alte Industrie, volatile Stahlpreise und endlose Restrukturierungen. Die Aktie der Muttergesellschaft (Thyssenkrupp AG) war in den letzten Jahren wahrlich kein Spaß für Buy-and-Hold-Anleger. Aber: In diesem Konglomerat schlummert ein Schatz, der bisher vom Markt nicht annähernd fair bewertet wird.
Seit dem geopolitischen Umbruch in Europa und dem 100-Milliarden-Sondervermögen der Bundeswehr hat sich der Sektor komplett gedreht. Verteidigung ist nicht mehr „pfui“, sondern ESG-konform und notwendig. Länder weltweit rüsten auf, insbesondere bei der Marine. Die Sicherung von Seewegen und kritischer Infrastruktur (Pipelines, Datenkabel) steht ganz oben auf der Agenda der NATO. Immer wieder werden in der Ostsee Kabel beschädigt, es scheint hier Anschlagspläne aus Russlands zu geben. TKMS sitzt genau in diesem Sweetspot. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt, und die Nachfrage nach Fregatten und U-Booten ist so hoch wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr.
Technologischer Burggraben: Weltmarktführer bei konventionellen U-Booten
Was viele übersehen: TKMS ist nicht irgendeine Werft. Sie sind der globale Marktführer für nicht-nukleare U-Boote. Mit ihrem außenluftunabhängigen Antrieb (Brennstoffzelle) können die U-Boote der Klasse 212A und 214 wochenlang tauchen, ohne aufzutauchen. Das macht sie fast so gefährlich wie Atom-U-Boote, aber viel leiser und günstiger. Ein weiterer Grund für die Aktie sind die enormen Eintrittsbarrieren: Man kann nicht einfach morgen eine U-Boot-Werft eröffnen. Das Know-how ist extrem komplex. TKMS hat hier einen gewaltigen „Moat“ (Burggraben).
Volle Auftragsbücher
Rüstungsprojekte laufen über Jahre, oft Jahrzehnte. Das bedeutet: Hohe Planungssicherheit bei den Einnahmen. Lukrative Wartungsverträge über die gesamte Lebensdauer der Schiffe kommen hinzu, das Service-Geschäft bringt oft höhere Margen als der Neubau. Der Auftragsbestand liegt bei weit über 18 Milliarden Euro. Das ist Arbeit für Jahre. Für Anleger heißt das: TKMS ist Qualität „Made in Germany“ in einem absoluten Wachstumsmarkt. Zudem wollen die Kieler nun die Nachbarwerft German Naval Yards (GNYK) übernehmen, was ein großer Expansionsschritt wäre.