Lesen Sie die Geschäftsberichte

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Ich rate Ihnen, Geschäftsberichte zu lesen. In ihnen steckt viel Wissen drin. Am liebsten lese ich die einleitenden Worte des Vorstands. Neben dem Zahlenwerk finden Sie wertvolle Erklärungen zu allem Möglichen im hinteren Teil. Die Risikohinweise finde ich immer nett.
Warren Buffett und seine beiden Hedgefondsmanager Ted Weschler und Todd Combs nutzen die offiziellen Berichte als Nummer-1-Informationsquelle. Buffett hat keinen Bloombergterminal in seinem Büro stehen, er schaut nicht ständig auf die Kurse. Er liest ein paar Magazine, Zeitungen und eben die Berichte der Unternehmen.
Ich habe schon Fotos von den Schreibtischen seiner Hedgefondsmanager gesehen, auf denen sich die ausgedruckten Geschäftsberichte nur so stapeln. Hier ist ein weiteres Foto. Sie haben es von ihrem Chef Buffett gelernt. Buffett hat keinen PC. Keine hüpfenden Kurse. Keine Terminals. Keine Gerüchte. Keine täglichen Interpretationen warum ein Kurs gerade in die eine oder andere Richtung läuft. Keine Analystenstudien. Sie fokussieren sich stattdessen auf das Wesentliche. Auf die Fakten. Und nichts als die Fakten.
Mit dieser Methode hat Investmentstar Buffett aus einer maroden Textilmühle namens Berkshire Hathaway in 50 Jahren ein blühendes Konglomerat aufgebaut, das ein stolzes Eigenkapital von 200 Milliarden Dollar ausweist.
Der Durchschnittsanleger kauft dagegen impulsiv. Er schnappt etwas auf und schon erteilt er seine Order, ohne darüber nachzudenken. Das ist ein Fehler. So entscheidet der Otto Normalsparer emotional. Er kauft tendenziell das, was eh im Rampenlicht steht. Eben eine Apple-Aktie für 700 Dollar. Eine Facebook-Aktie zum Börsengang und so weiter. Was “sexy” ist, ist teuer. Es handelt sich um ein Modethema.
Über langweilige Unternehmen wie Exxon, BP, Wal-Mart, General Motors, Chevron, Pepsi, P&G, Colgate berichten die Medien und Analysten ungern. Gemessen an deren Größe, müssten die Zeitungen zugepflastert mit Artikeln über diese Titanen sein. Sie verdienen gigantische Summen. Exxon Mobil verdient in einem Quartal mehr Geld, als Facebook in seiner gesamten Historie akkumuliert angehäuft hat. Exxon regt aber niemanden auf, da gibt es zu wenig Volatilität.
Analysten berichten lieber über die Firmen, deren Kurse hüpfen (etwa heiße Internetfirmen wie Groupon oder Zynga). Genau diese Volatilität sorgt für hohe Aktienumsätze, was wiederum Geschäft für die Banken bringt. Der hohe Umschlag in den Aktien steigert die Gewinne der Banken.
Ich las vor ein paar Wochen den Geschäftsbericht der Adler Modemärkte. Kaum jemand interessiert sich dafür. Ein vergessenes Unternehmen. Es handelt sich in der Tat um ein langweiliges Bekleidungshaus, das vor allem ältere Kunden mit kleinem Geldbeutel einkleidet. Die Margen sind nicht sonderlich toll. Trotzdem fand ich die Aussagen der Führungsspitze spannend. Wenn sich das Management zu einer Unterbewertung der Aktie äußert, sollten Sie in die Tiefe gehen. Eine angeblich „niedrige Bewertung der Aktie“ kann natürlich ein Vorstand frei erfinden, über den fairen Preis kann man sich logischerweise streiten. Trotzdem nehme ich solche Hinweise ernst.
So steht in dem Geschäftsbericht der Adler Modemärkte: „Der Vorstand hält an der Ansicht fest, dass der aktuelle Kurs weder den Wert noch das Potenzial des Unternehmens adäquat abbildet.“ Weiter: „Der Vorstand hat die aus Sicht des Unternehmens zu niedrige Bewertung dazu genutzt, einen Teil der Adler-Aktien über die Börse zurückzukaufen.“ Mich wundert das jüngste Übernahmeangebot für die Adler Modemärkte insofern nicht.
Fazit: Es lohnt sich, Geschäftsberichte zu lesen.

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willihope
11 Jahre zuvor

ich mag keine firmen wo sich vorstände um ihren aktienkurs kümmern. die entscheidung ob unter- oder überbewertet müssen sie dem markt überlassen, auch wenn der oft aus dem ruder läuft sollte sich der wahre “wert” von zeit zu zeit von selbst ergeben.

die faseln immer von unterbewertung und dichten irgendwelches potenzial hinein, was wirklich zählt sind die fakten und sonst nichts.

das rumspielen mit den kursen muss man ihnen verbieten! ist ein wert wirklich unterbewertet – na und! dann ist das schön für die käufer falls die das auch so sehen, der vorstand hat sich gefälligst um die firma und deren werden zu kümmern!

ein rückkauf vermindert zwar die teilhaber aber entzieht der firma auch kräftig finanzmittel, so sieht für den vorstand also seine “arbeit” für die firma aus? besser wäre zu investieren und neue werte zu schaffen und nicht ein angestellter mit reiner verwaltungsfunktion zu sein.

nö solche firmen mag ich nicht, zu dick, zu faul und zu selbstgefällig.

11 Jahre zuvor

Dem Fazit kann ich nur beipflichten – ich möchte allerding auch noch etwas anhängen:
“Es lohnt sich Geschäftsberichte zu lesen” zu interpretieren und auch zu hinterfragen – warum schreibt der Vorstand das genau so und nicht anders :-)

Man kommt dabei immer wieder auf viele interessante Zusammenhänge.

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