Netflix-Aktie stürzt nach schwachem Ausblick ab

Netflix legte am Donnerstag nach Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal. Demnach stiegen Umsatz und Nettogewinn um 13 bzw. fast 10 Prozent. Das lag im Rahmen mit den Erwartungen der Analysten.

Die Zuschauer konsumierten im ersten Halbjahr 97 Milliarden Stunden Inhalte, etwa 2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Management lobte den Krimi „Nur für dein Leben“ (Original: „I Will Find You“) als beste neue Serie des Quartals und freute sich über den Erfolg des Animationskinderfilms „Swapped“.

Die Aktie sackte abermals ab

Die Aktie war im vergangenen Jahr volatil. Im Dezember gab der Streaming-Riese ein Angebot über 83 Milliarden Dollar für die Filmstudios von Warner Bros. Discovery in Hollywood ab. Doch die geplante Übernahme stieß bei Anlegern auf Kritik. Bis zum Abbruch des Deals im Februar notierte die Netflix-Aktie rund 40 Prozent im Minus. Seitdem hat sie sich erholt, ging aber weiter abwärts. Jetzt dümpelt der Kurs bei 68 Dollar. Mit 23 ist das KGV moderat nach meinem Dafürhalten.

Der Streamer reduzierte seine Umsatzprognose für das dritte Quartal auf 11,7 Prozent. Es wäre das niedrigste Plus seit mindestens fünf Quartalen. Das schreckte natürlich die Wall Street ab. Deshalb rutschte die Aktie im nachbörslichen Handel gestern um 9 Prozent ab. Autsch! Du musst wissen: Es handelt sich um eine meiner wertvollsten Positionen im Depot. Ich besitze 7.000 Stück. Ich gebe kein Stück her. Dass ich dabei bleibe, dürfte im Blog niemanden überraschen. Auch bei den Chipwerten (Intel, Micron etc.) kommt es seit einigen Tagen zu stärkeren Korrekturen. Meine Intel bleibt natürlich auch im Depot – trotz des Gegenwinds.

Selbst die besten Wachstumsunternehmen kommen immer mal wieder in Schwächephasen

Wachstumsunternehmen wie Netflix, Apple oder Microsoft kommen immer mal wieder in Schwächephasen. Das Geschäft kann sich wieder beleben. Aber ich muss zugeben, dass es mehr Wettbewerb unter den Streamern (Paramount, Amazon Prime, Disney +) gibt. Hinzu kommt, dass die Verbraucher unter der hohen Inflation leiden. Und viele Konsumenten haben einfach zu viele Abos und damit zu hohe Fixkosten jeden Monat, die sie gezwungenermaßen reduzieren müssen.

Die Netflix-Co-Chefs Ted Sarandos und Greg Peters kündigten außerdem an, den halbjährlichen Aktivitäts-Bericht ab Januar nur noch jährlich offenzulegen. Voriges Jahr hatte Netflix aufgehört, die vierteljährlichen Abozahlen zu veröffentlichen. Das kommt bei Analysten überhaupt nicht gut an. Sie vermuten, dass der Konzern schlechte Zahlen (schwache Trends) verstecken will. Daneben haben die Banken skeptisch beurteilt, dass Gründer Reed Hastings sich vor einiger Zeit aus dem Unternehmen komplett zurückgezogen hat.

Was indes Hoffnung macht: Die Kalifornier setzen mehr künstliche Intelligenz ein, um das Nutzererlebnis durch stärkere Personalisierung und Sprachsuche zu verbessern. Darüber hinaus nutzten sie KI in der Produktion von mehr als 300 Streifen. Der Großteil der KI kam in der Postproduktion zum Zuge. Sie sorgte beispielsweise dafür, Menschenmengen zu vergrößern oder Aufnahmen emotionaler zu machen. Die Doku über die Wurzeln der Demokratie in den Vereinigten Staaten, „The American Experiment“, über die Wurzeln der Demokratie in den Vereinigten Staaten, enthält 17 Minuten KI-basiertes Filmmaterial.

Dass die KI hilft, Budgets zu senken und schneller Projekte abzuschließen, spielt Netflix in die Karten. Womöglich gelingt es dem Vorstand, die Kosten für seine Produktionen spürbar zu senken. Ich finde, die Aktie ist auf dem verbilligten KGV nach dem Kursrutsch ein Kauf. (Aber ich bin befangen, weil ich viele Aktien von Netflix besitze.)

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