Pennystock-Skandal in Deutschland: Pump-and-Dump-Betrug


New York, 30. September 2010

bild

Ein Pennystock-Skandal erschüttert Deutschland. Dreiste Aktienpromoter haben offenbar im großen Stil wertlose Firmenmäntel hochgejubelt, um dann ihre Pakete mit Millionengewinn abstoßen zu können. Die Masche ist immer die gleiche: Für ein paar Cent steigen die Gauner ein, für fette Euro-Beträge je Stück steigen sie wieder aus. Anschließend fallen die Pennystocks wie ein Messer auf ihr Ursprungsniveau zurück. Man spricht von Pump and Dump. Es ist schade, wie hier der ohnehin schon arg ramponierte Kapitalmarkt weiteren Schaden nimmt, nur weil ein paar wenige sich mit kriminellen Methoden die Taschen voll stopfen wollen. Es gilt freilich die Unschuldsvermutung, selbst für die in U-Haft Sitzenden. Sollte sich jedoch herausstellen, dass kriminelle Energie im Spiel war, habe ich kein Mitleid mit den Beschuldigten. Eine harte Bestrafung ist dann nur gerecht. Ich rate in meinem Blog immer wieder, bei windigen Pennystocks aufzupassen. In meiner Rubrik Aktientipps warne ich unter Punkt 2 ausdrücklich: “Kaufen Sie nur Unternehmen, die profitabel sind und deren Produkte Sie verstehen beziehungsweise kennen. Machen Sie einen weiten Bogen um windige Pennystocks oder besonders kleine Firmen, sogenannte Microcaps.“ Gerade Finanzjournalisten werden gerne in solche Betrügereien eingebunden, haben Sie doch den Zugang zu den Lesern. So wurde für den Börsengang der Biotechbude Nascacell Technologies kräftig mit allzu heißen Versprechungen noch vor dem Listing getrommelt. Der Kurs sauste dann von sieben Euro auf 3 oder 4 Cent (siehe Chart oben). Was für ein Trauerspiel.
Freilich kann man in dem Pennystock-Sektor mit etwas Geschick enorme Gewinne in die Scheune fahren. Alle Großkonzerne haben einmal klein angefangen. Aussichtsreiche Pennystocks haben gewisse Grundkriterien, die diese Investments interessant machen. Jedoch brauchen Sie sehr viel Erfahrung und Kenntnisse, um sich hier nicht die Finger zu verbrennen. Blitzschnell geht das. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, sich wertlose Aktien einzuhandeln. Ich schrieb hier kürzlich über Pennystock-Gauner, die ich in New York kennen gelernt hatte und die jetzt im Gefängnis sitzen.
Diese Kriterien sind bei Pennystocks wichtig zu befolgen: Besteht ein funktionierendes Geschäftsmodell? Wichtig ist, dass Produkte oder Dienstleistungen tatsächlich erfolgreich vermarktet werden. Wie hoch ist der Umsatz? Wie viel Cash liegt in der Kasse. Wie hoch sind die Verluste? Wer sind die Großaktionäre? Sind bekannte Investoren mit großen Aktienpaketen darunter, spricht das für eine gewisse Qualität. Es ist allerdings keine Garantie für eine gute Performance. Wer sitzt im Vorstand und Aufsichtsrat? Diese Fragen sollten Sie sich vorher stellen und eine intensive Prüfung ist vor dem Einstieg durch Sie absolut wichtig. Sie kaufen ja auch nicht ein Auto oder ein Haus in ein paar Minuten ohne Probefahrt beziehungsweise Besichtigung. Gehen Sie der Sache auf den Grund. Bestellen Sie die Produkte des Unternehmens. Studieren Sie den Wertpapierprospekt, die Website und alle Informationen, die Sie finden können. Sie müssen an der Börse schon Ihre Hausaufgaben machen, bevor Sie investieren. Ich schreibe ab und an über Pennystocks. Jedoch habe ich keine wirtschaftlichen Interessen an ihnen, noch habe ich einen anderen Vorteil. Ich bin grundsätzlich sehr skeptisch und kritisch bei diesem Thema. Zugegeben: Auch wer sich intensiv mit einer Firma beschäftigt, kann seinen Einsatz verlieren. Jedoch können Sie, wenn Sie gewisse Regeln befolgen, Ihr Risiko eindämmen. Und das ist an der Börse immanent wichtig. Wenn Sie sich einmal die Strategie der erfolgreichsten Investoren der Welt anschauen, so fällt Ihnen sicherlich auch eine starke Risikovermeidung auf. So finden Sie in den Depots von Bill Gates oder Warren Buffett ausschließlich Unternehmen von großer Güte und Bekanntheit.
Sie haben sicherlich schon gemerkt, dass ich hier keine einzelnen Aktien anpreise oder in den Himmel lobe, sondern ich schreibe einfach, was mich beschäftigt. Mir geht es sicherlich nicht darum, irgendwelche Aktien für eigene Zwecke zu promoten. Das ist mir zu dumm. Das ist nicht mein Ding. Das überlasse ich anderen. Auch handele ich keine Aktien in einem direkten Umfeld einer Empfehlung. Leser meines Blogs wissen, dass ich ohnehin ein Langfristanleger bin und solide, etablierte Konzerne vorziehe. Trading ist nicht meine Baustelle. Ich versuche, ethisch einwandfrei zu agieren und hoffe, dass mir das gelingt. Im DAX, MDAX oder Dow Jones finden Sie reihenweise hochsolide Adressen mit guten Perspektiven. Fazit: Passen Sie gut auf sich auf. Der Kapitalmarkt ist, wie sich jetzt wieder gezeigt hat, ein Haifischbecken.


tim schaefer (Author)

drucken


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *