Immer mehr Menschen sind unzufrieden mit Einkommen. Bescheidenheit ist Trumpf


New York, 27. Dezember 2014

Wir leben in einer Konsumgesellschaft. Die Masse wirft sehr viel Geld unbewusst zum Fenster hinaus. Jedenfalls gaben drei Viertel in einer Befragung an, sie seien mit ihrem Einkommen unzufrieden. Anders ausgedrückt: Ihre Wünsche sind größer, als es ihr Geldbeutel zulässt.

Das war das Ergebnis einer Umfrage der Comdirect vor einem Jahr. Nur 25 Prozent der Deutschen sind mit ihrem Einkommen offenbar zufrieden, jedenfalls genügt es ihnen.

Was ich idiotisch finde: Jeder Achte Deutsche spielt Lotto. Sie hoffen, ein Lottogewinn könne die Lücke zwischen Traum und Wirklichkeit schließen. Was für ein Unfug das ist, auf Lotto als Lösung zu setzen. Realistischer wäre es einen Nebenjob anzunehmen oder sparsamer zu leben.

Die Menschen scheinen nicht mehr zu wissen, wie das Leben unterhalb der eigenen Verhältnisse funktioniert. Es liegt mitunter an der Werbemaschinerie, die uns ständig neue tolle Sachen vor Augen führt.

Hinzu kommt: Wir Menschen haben den Drang, mit dem Arbeitskollegen oder Nachbarn mithalten zu müssen.

Dabei ist es unserem Umfeld schnurzpiepegal, was für ein Auto wir fahren und welche Klamotten wir tragen. Diese Erwartungshaltung (wie wichtig Statussymbole sind) ist nur in unseren Köpfen.

Dinge (Villa, Traumauto, Luxusurlaub) führen nicht zwangsläufig zu Zufriedenheit.

Im Gegenteil. Menschen können mit wenig Dingen sehr glücklich sein. Das lebt uns Buddhist Matthieu Ricard vor. Er schafft es, mit Dankbarkeit, Bescheidenheit, Meditation, Hilfsbereitschaft glücklich zu sein. Der Mönch ist als der „glücklichste Mensch der Welt“ bekannt.

Aber die Realität sieht für die meisten Menschen in der westlichen Welt anders aus. In Großbritannien beklagt sich mehr als die Hälfte der Ärzte und Rechtsanwälte, dass ihre Rente mit 65 Jahren nicht ausreichen würde. Die Spitzenverdiener fühlen sich zu arm, um den Ruhestand beginnen zu können.

Das sollte uns zu denken geben.

Das sind meine Ziele fürs Jahr 2015:


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Immer mehr Menschen sind unzufrieden mit Einkommen. Bescheidenheit ist Trumpf

  1. Schwarzer Kater

    Schick doch Deinen Artikel mal an die knapp 20% der deutschen Bevölkerung weiter, die entweder Hartz IV empfangen, „Aufstocker“ sind oder nur nicht in der AL-Statistik auftauchen, weil sie entweder 1-Euro-Jobber sind, oder in Umschulungsmassnahmen stecken. Übrigens ist auch die Zahl der Selbstständigen mit Einkommen unter Hartz IV Niveau exorbitant hoch.

    Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Du Deinen Artikel als Erzieher lesen würdest mit einem Bruttoeinkommen von 1.400 Euro? Nach dem Motto „such Dir nen zweiten Job, wenn Du nicht in Altersarmut enden möchtest, Du faule Sau“.

    Einer Statistik der Deutschen Rentenversicherung zufolge belief sich 2012 fast jede zweite Rente auf weniger als 700 Euro.
    Eine Gruppe, die sich keine Sorgen machen muss, findest Du hier http://www.tagesschau.de/inland/diaeten104.html

    9082 Euro sollen Bundestagsabgeordnete von 2015 an pro Monat kassieren – zehn Prozent mehr als bislang.

  2. Fruchtwein

    @Schwarzer Kater

    Die von Dir genannte Statistik zeigt doch, dass gerade auch Menschen mit geringen Einkommen vorsorgen müssen.

    Ich verstehe auch nicht, wo die Problematik mit einem Zweitjob liegt. In jungen Jahren, wo die heiße Ansparphase läuft, ist die Energie und die Investmentdauer vorhanden. Wer mit 20 Jahren noch einen 400-EUR-Job drauflegt und diesen zu 100% investiert ist schon mal erheblich weiter vorne im Rennen um die finanzielle Freiheit mit dabei. Spätestens ab einem Gewissen Alter oder wenn die Familie dazukommt, wird es schwierig, da sich die Prioritäten erheblich ändern. Ich würde heute auch keinen Zweitjob mehr auf mich nehmen.

    Empfänger von staatlichen Transferleistungen  dürfen aus guten Grund nur eine bestimmte Geldsumme ansparen – immerhin ist es das Geld anderer Leute. Mal davon abgesehen, dass die Leute in meinem Freundeskreis, welche Hart IV beziehen, eher mit dem neusten iPhone glänzen anstatt mit eiserner Spardiszplin (wobei das natürlich keine maßgebliche Größe ist).

    Bei den von Dir genannten 1.400,- EUR Brutto gehen nur 1.036,49 EUR in Deine Tasche (laut http://www.brutto-netto-rechner.info/, Steuerklasse I, keine Kinder, keine Freibeträge, etc.). Tja, davon sind 132,30 EUR Rentenversicherung. Das Problem ist also weniger der Verdienst als der geldgierige Staat und das sind ja nicht die einzigen Steuern, die man so im Leben abdrückt. Das könnte durch Wahlen geändert werden, will der Großteil der Bevölkerung aber nicht.

    Bzgl. der Abgeordnetengehälter stimme ich vollkommen zu. In meinen Augen zu hoch und die Erhöhungen, welche der Saftladen sich da genehmigt, sind ein Schlag ins Gesicht für jeden Steuerzahler.

     

  3. Markus

    Für den Fall ich wäre Erzieher…

    dann müsste ich mich als erstes fragen, warum verdiene ich nicht das durchschnittliche (2.200,00 € ) Erzieher-Gehalt.

    Die 2. Überlegung wäre, bin ich bereit mir eine Stelle zu suchen, mich weiter zu bilden oder wie flexibel bin ich örtlich.

    Wie kommst Du auf 20 % Hartz 4 Empfänger, Aufstocker oder nicht in der Statistik erfassten Personen???

    Na ja, wenn wir Hausfrauen/Hausmänner auch in den Topf werfen, könnten wir die 20 % schaffen.

    Ansonsten kenne ich persönlich seltsamerweise fast niemanden mit Hartz 4, Aufstocker etc….

    Bei 2 Rentnern ist oft der Mann derjenige mit der höheren Rente aufgrund des früheren Rollenbildes in Deutschland.

    Aber es sieht so aus, dass wir unterschiedliche Blickwinkel haben…

    Vielleicht ist Deiner sogar realistischer… evtl. bist Du der Wahrheit näher…

    aber mit ein wenig positiverem Blickwinkel, hat man mehr Selbstvertrauen, Hoffnung, Träume und man kann mehr aus sich selbst rausholen.

     

     

  4. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Schwarzer Kater

    Ja, es gibt massenhaft Menschen, denen das Geld fehlt und die nur mickrig verdienen.

    Was ich aber nicht verstehe: Was ist so schlecht daran einen Nebenjob zu haben? Ich bin pragmatisch. Ich suche nach Lösungen und nicht nach Problemen.

  5. Couponschneider

    @Schwarzer Kater

    Es gibt auch massig Leute, die genug verdienen und dennoch herumjammern. Man muss doch nicht immer von Extremfällen ausgehen. Ich bin mir sicher: Wenn die Leute mit ordentlichem Einkommen zu sparsamer und zu Investoren würden, dann brächte es das eine enormen Vermögenszuwachs in der Mitte der Gesellschaft, von denen die untere Schicht automatisch profitierte. Wie das? Unser Sozialstaat könnte sich auf die wirklichen Härtefälle konzentrieren, finanziell und zeitlich. Momentan werden viel zu viele Leute durch die Sozialstaatsmühle gedreht.

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