Das sind die Dauerfehler der Börsianer

Wir treffen jeden Tag finanzielle Entscheidungen. Etliches geht dabei schief. Jeder Deutsche hat ein Nettovermögen von 38.521 Euro aufgebaut. Das geht aus dem Global Wealth Report der Allianz hervor. Immobilien sind hierin nicht berücksichtigt – nur Wertpapiere, Versicherungen, Cash. Schweizer, Belgier, Niederländer und Italiener haben pro Kopf mehr zurückgelegt als wir Deutsche.
Ich bin der Meinung: Der Durchschnitt der Menschen hat zu wenig angespart für die Rente, die Ersparnisse reichen nicht weit. Wir leben 25 Jahre und länger, wenn wir den Ruhestand beginnen. Ich vermute, viele Menschen sind mit der Geldanlage und dem Sparen überfordert.
Es gibt etliche Probleme, die uns belasten, die uns daran hindern, vernünftig Vorsorge zu treffen. Studien zeigen, grundsätzlich bekommen wir es mit der Angst zu tun, wenn wir an Geld denken.
Es gibt leider das Problem der Selbstüberschätzung insbesondere unter den Börsianern. Wir haben die irre Vorstellung, kurzfristige Kursbewegungen vorhersehen zu können. Wir glauben, besser als der Rest der Welt zu sein. Wir glauben, die Aktien, Fonds jederzeit richtig auswählen zu können. Dabei ist das nur ein Wunschdenken, ein Traum. Niemand weiß, wo morgen oder übermorgen die Kurse stehen werden. Niemand.
Langfristige Trends kann dagegen jeder erkennen. So ist zum Beispiel recht sicher, Menschen werden noch in 50 Jahren putzen, essen und Energie verbrauchen.
Wir überprüfen zu häufig die Aktienkurse. Es erhöht nicht die Rendite, ständig die Kurse zu überprüfen. Im Gegenteil. Studien zeigen, eine erhöhte Aktivität in den Depots schadet uns. Wir neigen dazu, die Kosten (Nebenkosten des Tradings, die Steuern, Kosten von Fonds etc.) zu unterschätzen.
Dabei fressen die Kosten einen massiven Anteil unserer Rendite auf. Als Faustregel für Publikumsfonds gilt: Bis zu zwei Prozent der Rendite behalten Fonds ein. (Für Trading, Gehälter, Buchhalter, Reklame, Erfolgsgebühren usw.) Hinzu kommt gegebenenfalls ein einmaliger Ausgabeaufschlag beim Fondskauf.
Aktive Fondsmanager verdienen schon mal zwei Millionen Dollar im Jahr. Insbesondere die großen Fonds geben riesige Marketingbudgets aus. Es besteht in keinem Fall ein Grund, in Ehrfurcht vor irgendeinem Fondsmanager, Experten oder Hedgefondsguru zu verfallen. Sie kochen alle nur mit Wasser. Besser als der Markt schneiden nur ganz wenige ab. (Es gibt ein paar wirklich exzellente Geldmanager, die sind aber die große Ausnahme.)
Schauen Sie sich diese kritische britische Dokumentation über die Dauerfehler an der Börse an (ca. 50 Minuten):

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17 Kommentare
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Olga
11 Jahre zuvor

Hallo Tim!

Das mit der Selbstüberschätzung kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Vor einigen Jahren war ich ebenfalls der Meinung, dass ich den Markt timen könne.

Es ist also durchaus sinnvoll, nachzuprüfen, ob man den Markt wirklich “timen” kann oder nicht und diese Einschätzung revidieren, wenn ich feststelle, daß sich der Markt eben nicht timen lässt. Also habe ich mich ursprünglich geirrt und habe meine Meinung der Realität angepasst, gelernt.

Etwas Mitleid habe ich mit Zeitgenossen, die sich weigern zu lernen und sich Fehler einzugestehen. Es wäre wohl ein zu grosser knacks in ihrem gottähnlichen Ego ;) Dabei ist es sehr natürlich Fehler zu machen, so lange man aus ihnen lernt!

Es ist auch famos, daß extrem viele der Meinung sind, sie könnten besser sein als die besten Investoren, die diesen Planeten je gesehen haben.

Viele Grüße

Olga

Ich glaube nicht jeder Deutsche hat ca. 40.000 EUR auf der hohen Kante.

Wenn man aus den Dauerfehlern lernt und erstmal beim Value Investing ankommt – aber das kann ein langer Entwicklungsprozess für jeden an der Börse sein ;-) Bei mir hat es 10 Jahre gedauert.

Frank
11 Jahre zuvor

Hallo,
ich glaube auch nicht daß man Märkte timen kann. Ich glaube aber daß man für Aktien nicht zuviel bezahlen darf,d.h. man kauft nicht in euphorischen Phasen, sondern kauft in Zeiten des Pessimismus.
Dann vielleicht eine Cashresrve halten um den einen oder anderen schwarzen Schwan abzupassen, beides zusammen ist ja auch eine Art Timing.
Frank

11 Jahre zuvor

Mit Immobilien und noch wichtiger dem Barwert der Rentenansprüche fehlen zwei sehr wichtige Vermögenspositionen. Bei den Reichen fehlt dann noch das Firmenvermögen, welches nicht ausschließlich durch Wertpapiere erfasst werden kann.
Damit sind diese Zahlen für mich wertlos. Was wollen die damit vergleichen?

Das ist schon wie bei der Staatsverschuldung, welche nur als Bruttoverschuldung dargestellt wird.

Olga
11 Jahre zuvor

Statistische Werte verzerren immer ein wenig das Bild der Realität. Die Masse an Arbeitnehmern verdient deutlich weniger als “der Durchschnitt”. Dennoch wird diese Zahl (des durchschnittlichen Einkommens) oft erwähnt. Immerhin taugt sie m.E. jedoch als grober Anhaltspunkt.

Viele Grüße

Olga

11 Jahre zuvor

@Olga: Der Median ist da besser als Anhaltspunkt.

11 Jahre zuvor

Aus aktuellem Anlass:

Heute Abend strahlt Arte eine Dokumentation mit dem Titel Staatsgeheimnis Bankenrettung aus.

Das Thema ist sicherlich komplex. An dieser Stelle nur so viel: Die Bundesregierung veröffentlichte vor wenigen Tagen mit der Begründung man wolle durch Offenlegung jede Skandalisierung vermeiden eine Liste mit den Terminen die in den letzten Jahren führenden Bankern und Finanzlobbyisten gewährt wurden. In der Handelsblatt-Printausgabe wurden die Termine inkl. der Namen der Protagonisten in einer Grafik chronologisch abgebildet.

Geheimniskrämerei sieht jedenfalls anders aus.

Olga
11 Jahre zuvor


Stimmt, da hast Du natürlich Recht!

@Matthäus Piksa
Danke für den Tipp!

11 Jahre zuvor

@Olga
You're welcome. (Der Link geht zwar nicht, aber ich denke, dass jeder die arte-seite findet.)

D.K.
11 Jahre zuvor

Märkte timen, da kann ich ein Lied singen.
Vor kurzem stand ich fast davor massiv bei der CoBa einzusteigen als die Aktie noch bei über 1,60€ war. Gott sei dank hielten mich unerklärliche Dinge davon ab.
Das schnelle Geld ist für den Menschen verständlicherweise sehr verlockend. Und nur wenige können mMn den Markt “timen”.
Man muss ich jedoch im klaren sein, dass man mit dem Zocken auch viel Geld verlieren kann. Wer dies nicht versteht, der hat an der Börse nichts verloren.
Man sollte bereit sein auch viel Geld zu verlieren ohne Angst zu haben.
MMn spielt die Angst um sein Geld eine enorme Rolle. Hast du Angst, bleibt womöglich dein Geld sicher unterm Kissen, tätigst du deine Investitionsentscheidungen mit einer gewissen Angst, schaltet der Verstand aus. Der Verstand schaltet schon so bei Geld aus, und wenn noch die Angst dazu kommt, ist es um den Ottonormalinvestor geschehen.

L.K.
11 Jahre zuvor

Ich denke, es ist wichtig, früh mit den Investieren zu beginnen. Die fundamentalen Fehler macht man dann mit weniger Geld, da man noch nicht so viel zur Verfügung hat.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man zu Beginn ohnehin wenig auf vernünftige Ratschläge hört; die ersten Fehler muss man selber machen. Ich schätze, dass man 10 Jahre braucht, um die Börse zu verstehen…die meisten haben bis dahin aufgegeben.

Günter
11 Jahre zuvor

Hi Tim!

Der Vermögensaufbau setzt natürlich auch Disziplin voraus. Wer alles ausgibt, wird das nie schaffen.

Das mit dem Timen ist leider nur ein Märchen, welches uns von der Finanzindustrie vorgegaukelt wird. Es kann durchaus sein, dass ich mal ein missglücktes Quartal nutze, um günstig nachzukaufen, aber fast immer ist bis dahin der Kurs bereits um einiges höher als beim ursprünglichen Investment. Also auch hier ist der “Erfolg” des Timens nur bedingt möglich.

Ein wenig kann es bei Sondersituationen wie Spin-Offs oder bei einem Strategiewechsel des Managements hilfreich sein.

Die Finanzindustrie hält aber noch mehr Märchen für uns bereit. Traden sei etwas, mit dem sich Geld verdienen lässt. Dies mag auf 1% der Trader zutreffen, die restlichen 99% finanzieren quasi die 1%, weil sie oftmals gehörige Jünger ihres Meisters sind und blind alles Kaufen, was ihr Grosser Herr und Meister auch kauft.

Auf Analysten kann man sich leider auch nicht verlassen, weil diese natürlich im Sinne ihres Arbeitgebers handeln (müssen, falls sie ihren Job behalten wollen…).

Schlimm finde ich auch, wenn für “Webinare” geworben wird, in denen suggeriert wird, Warren Buffet sei ein Trader. So ein Unfug! Aber dies nährt natürlich die Illusion, mit (Day-)Trading könne man Geld verdienen. Schon witzig, dass man mit dem Zeichnen von ein paar Linien Geld verdienen können soll.

Wirklich hilfreich finde ich nur, von den Erfolgreichsten Investoren zu lernen. Meine Vorbilder sind Beispielsweise Peter Lynch und Joel Greenblatt. Oder auch Warren Buffett. Komisch, dass die auch herausgefunden haben, dass Charttechnik und Trading nutzlos sind, und ihre Zeit lieber dazu verwendet haben, um Geld an der Börse zu verdienen!

Einen schönen Abend & erfolgreiches Investing!

Günter

Markus
11 Jahre zuvor

Trading habe ich zum Glück ausgelassen. ;-)

Buffett, Greenblatt usw. sind sicher das nonplusultra bzw. sehr interessant für die breite Masse…

Ich habe auch länger gedacht Value Investing betreiben zu können. Das ist allerdings schon eine Berufung und das geht nicht nebenher zu einem normalen Job. Sehr gut macht das allerdings der Stefan mit seiner Homepage simply value investing. Eine Performance von 50 % in einem Jahr ist der Hammer. Allerdings ist das ein Boomjahr gewesen und es bleibt abzuwarten, wie er sich in einem Crashjahr mit diesen teils aggressiven Werten schlägt. Ein Jahr hat zudem auch so gut wie null Aussagekraft.

Also Otto-Normal-Anleger sind große Blue Chips aus den nicht-zyklischen Bereichen und / oder etf`s nach BIP-Aufteilung normalerweise der enstpannteste Weg sich etwas aufzubauen. Ein zusätzlicher Plan für Neuanlagen und Reinvestitionen der Dividenden zu haben.

Nur auf hohe Dividenden zu kucken wäre mir unter dem Aspekt, dass diese Firmen die Ausschüttungen aus den Substanzwerten der Firma heraus betreiben, zu kurzsichtig. Wenn dann würde ich Dividenden-Aristokraten mit einer gewissen Sicherheit bzw. Verpflichtung gegenüber den kleinen Miteigentümern bevorzugen.

Günter
11 Jahre zuvor

Ja, Traden habe ich zum Glück auch ausgelassen :)

Das kann durchaus sein, dass das eine Art Berufung ist, zumindest habe ich es zu meinem Beruf gemacht und fühle mich wohl damit.

Die Investition in Dividenden Aristrokraten ist sicher eine gute Idee, ohne grossen Aufwand ein eigenes Portfolio aufzubauen und fände dies auch sympathischer als die Synthetischen Produkte wie ETFs oder Indexfonds zu verwenden.

VG

Günter

Thomas
11 Jahre zuvor

@Günter

Ein replizierender ETF ist kein synthetisches Produkt. Da sind die Aktien drinnen, die auch angegeben werden.

Markus
11 Jahre zuvor

@Günter

Du lebst von Value-Investing???

Oder habe ich das gerade falsch verstanden. Beruf von dem man leben kann aber nicht reich wird, haben so ziemlich alle.;-) Langfristig lässt sich dadurch natürlich auch eine nette Summe aufbauen.

Die Frage, wie man reich definiert ist auch Personenabhängig. Dem einen reichen netto schon 1500 € durch Zinsen oder Dividenden, der andere braucht eher 5 k oder mehr monatlich oder aber 2 – 3 Mille auf der hohen Kante. Immos sind natürlich auch optional.

An sich finde ich Value-Investing schwierig, da jeder heute doch fast alle Informationen zu den Dickschiffen hat. Da als Privatanleger schneller als die Finanzbranche zu sein, abzüglich der Kosten für Spreads, Depot und Abgeltungssteuer besser als der Markt zu sein ist für den Otto-Normalo schwierig bis hin fast unmöglich. Da hat buy & hold zumindest bei den Kursgewinnen erhebliche Kostenvorteile. Auch wird der Markt doch durch Screener nahezu transparent. Bis auf emotionale Sonderbelastungen… Sind denn Otte, Lingohr oder Leber stärker als Indexfonds mit emerging und smallcaps???

Ich glaube nicht.

Günter
11 Jahre zuvor


Du denkst aber auch daran, dass auch hier ständig an- und verkauft wird, weil die Gewichtungen der Einzelwerte des ETFs sich ständig ändern?


Ja, aber dafür muss man nicht reich sein. Wie Du bereits sagtest, es kommt auf die Ansprüche an ;) Ich lebe sehr bescheiden.

Mit Screenern allein wirst Du wohl kaum wirklich Erfolg haben, zumindest nicht, ohne auch Bilanzen zu lesen. Die grössten Chancen hast Du weit weg vom Trubel der Börse bei Unternehmen, für die sich kaum jemand interessiert (und die i.d.R. sehr klein sind). Auch hier gilt: ohne Fleiss kein Preis! :)

VG

Günter

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