Vermögensvernichtung Kaffee


New York, 7. Juni 2013

bild

Ich habe die Nespresso-Kaffeemaschine stillgelegt. Kürzlich hatte ich eine Kaffeekapsel mit Macadamia-Nuss ausprobiert. Igitt! Das Ding hat so abscheulich geschmeckt, dass ich den Kaffee in die Spüle schütten musste. Ich hatte so einen Chemiegeschmack auf der Zunge. Ich habe seither das Gefühl, dass Nestle in diese Kapseln Lebensmittelfarbe, Geschmacksstoffe und Geruchsstoffe hineinpumpt.
Das brauche ich nicht. Ich trinke lieber stinknormalen Kaffee. Ich benutze jetzt eine schlichte Braun-Kaffeemaschine (Foto).
Ich nahm das Chemieerlebnis zum Anlass, die Kosten zu vergleichen. Eine Tasse normaler Brühkaffee kostet mich 3 bis 5 Cent. Eine Nespresso-Kapsel kostet 60 Cent. Das ist zehn Mal so viel. So ein Unfug.
Irgendwie kommt man als Konsument schnell in solche Tretmühlen hinein und wirft Geld für unnatürliches Zeug raus, ohne es zu merken. Ich habe das Gefühl, dass Nestle mit der chemischen Keule arbeitet, um eine Abhängigkeit zu erzeugen (Geruch, Geschmack, farbliches Erscheinungsbild). Es ist wie ein Kult, eben ein Club. Ich komme mir jedenfalls vor wie in einem Chemielabor.
Übrigens können wir von Milliardären lernen, gesund und sparsam zu leben. Die Superreichen führen oftmals ein einfaches Leben. Hedgefondsguru David Einhorn wohnt außerhalb Manhattans. Einhorn pendelt mit dem Bummelzug zur Arbeit. Er fährt einen einfachen Honda Odyssey Minivan, in den seine Familie (Frau mit drei Kids) hinein passt.
Einhorn hat selbst eine spannende Kalkulation aufgestellt, was eine Tasse Kaffee im Vergleich kostet (Pads versus Brühkaffee). Siehe in dieser Präsentation auf Seite 26 im PDF.
Aus meinem New Yorker Bekanntenkreis habe ich gehört, Investor Carl Icahn liebt angeblich sehr günstiges Möbel.
Angenommen Sie trinken mit Ihrer Familie am Tag acht Tassen Kaffee. Sie haben die Nespresso-Maschine. Dann macht das 1.752 Dollar pro Jahr (8 Tassen x 0,60$ x 365 Tage = 1.752$). In einem Leben kommt da schnell ein Vermögen zusammen. Ganz zu schweigen von der Umweltverschmutzung, all der Verpackungsmüll aus Aluminium und Kartonzeug.


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „Vermögensvernichtung Kaffee

  1. Martin

    Genau besser Nestle Aktien als Nespresso Kapseln kaufen 🙂

    Die Kaffeepreise sind ja an sich sehr niedrig momentan. Der Unterschied zwischen Robusta und Arabica ist auch nicht mehr so hoch. Vielleicht wäre das was für einen Hedgefond. Ich benutze eine Frenchpress, was von den einfachen Methoden für mich den besten Geschmack erzeugt. Als ich mal bei Aldi ein Packet Pads in der Hand hatte, um zu lesen was da so drin ist, wurde ich von einem älteren Herrn angesprochen: Der Preis per kg wäre zu hoch. Das sehe ich genau so.

    Selbst habe ich noch eine Dulce Gusto und benutze die auch ab und zu, wenn ich nur eine Tasse Kaffee brauche. Die Kapseln kaufe ich im Angebot zu 21,3 Cent das Stück.

  2. Frank

    Hallo,
    ich trinke seit 25 Jahren den normalen Filterkaffee und bin mirbeim Bummeln durch die Stadt schon fast rückständig vorgekommen.
    Eine Starbucks Aktie lass ich mir eingehen, ein Kaffee von da niemals.
    Hab irgendwo gelesen dass der Filterkaffee jetzt total angesagt in den besten Clubs von New York ist.
    Schau dich mal um Tim 😉
    Da musste ich dann schon in mich reingrinsen.
    Frank

  3. Sams

    Da gibt es auch noch so kleine elektrische Mühlen, sind gar nicht so teuer.
    Die gerösteten Bohnen zu mahlen ist in etwa ein Zeitaufwand von 45 sek. Die ganzen Bohnen sind teilweise fertig geröstet schon günstiger zu bekommen als das Kaffepulver. Ich finde bei Lebensmitteln sowieso je weniger industrieelle Schritte nötig sind desto besser ist das als Konsument für mich. Als Aktionär find ich natürlich jedes Unternehmen gut das Tonnen von geschälten Kartoffeln im Glas für 2.99 Euro je 200 Gr. unters Volk bringt, oder ähnliche Scherze, teilweise denkt man sich ja na gut dann kauf ich halt das Speisesalz, Ja z.B. Dreck und etwas Wasser hab ich noch im Garten, falls im Winter das Steusalz mal etwas teuerer wird.
    Mfg find ich ganz praktisch den Filtercafe, bis der durch ist habe ich meine Frühstücksbrote geschmiert.

  4. tim schaefertim schaefer

    @ Martin
    @ Frank
    @ Sams

    Danke für Eure guten Kommentare.

    Ich verfolge die Strategie „simplifying your life“. Es gibt so viele tolle Blogs zu dem Thema. Wir sammeln doch alle unnötiges Zeug, kaufen Kram, den man gar nicht braucht.

    Je weniger Zeug ich habe, desto wohler fühle ich mich.

  5. Turing

    Was Kaffee angeht, kann man von den Italienern lernen. Die sagen nicht, dass Arabica die bessere Kaffeesorte per se ist. Speziell für die Caffettiera gibt es von Lavazza eine besondere Mischung aus Arabica und Robusta. Ich habe sie vor einigen Wochen ausprobiert und es war mit Abstand einer der besten Kaffees.

    Übrigens:
    Bialetti, Lavazza, Illy, Segafredo… alles sind Aktiengesellschaften, deren Aktien nicht gehandelt werden. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass sich diese Unternehmen aufgrund ihrer Qualität und Marktmacht im Kaffeesektor (Lavazza betreibt auch schon Cafés an Autobahnraststätten; Segafredo betreibt auch Cafés.)

  6. peter

    Ich schwöre auf Espresso.
    Habe eine espresso Maschine geschenkt bekommen. Ich male den Kaffee selbst und zahle für das Kilo (ganze Bohne) Kaffee nicht mehr als 15 € (das ist meine oberere Grenze). Das wichtige ist das man ein vernünftige Kaffeemühle besitzt und diese bekommt man nicht unter 200 €.

  7. stevoxx

    Das stimmt. Hinter Nespresso steht sehr gutes Marketing und ein sehr interessantes Geschäftsmodell. Das wars mit dem mündigen Konsumenten…… Der Homo Oeconomicus lässt grüssen….
    Ein lesenswertes Buch gibt es von Martin Lindstrom: Brandwashed. Was du kaufst, bestimmen die anderen.

  8. finanziell umdenken

    Es gibt sie also doch noch, die normalen Kaffee-Trinker. Ich hatte auch schon erlebt, dass ich schief angeschaut wurde, lediglich einen normalen Filter-Kaffee trinken zu wollen.

    Starbucks ist ein Laden, in dem ich nicht reingehen würde. Bin aber dennoch fasziniert wie viele Leute dort ein- und ausgehen.
    Mir sagt das, man sollte auf der Suche nach profitablen Geschäftsideen nicht von sich auf andere schließen. 😉

    VG

  9. Larry

    Kaffee scheint ein ähnlich brisantes Thema zu sein wie Fußball. 😉

    Also ich mag meine Nespresso sehr! Ich bin kein Kaffeevieltrinker, aber am WE mal zwei, drei Tassen oder wenn mal Besuch kommt dafür ist das optimal, man hat auch viele Geschmacks und Intensitätsvarianten und nicht so ein einheitsbrau. Außerdem ist die Maschine sehr pflegeleicht, nimmt kaum Platz weg und der Kaffee schmeckt sogar mir sehr gut. Bei Filterkaffee hingegen kräuseln sich mir die Zehnägel auf. Auch die Pads hab ich mal probiert. Alles nichts für mich. Für Vieltrinker ist das natürlich nichts, da viel zu teuer… aber ich geb im Jahr keine 100€ für Kapseln aus.

    Die Macadamia und Haselnuss Varianten finde ich übrigens recht lecker. Da diese nur für einen bestimmten Zeitraum angeboten werden, werden diese Kapseln bei eBay übrigens schon für das 3-4fache gehandelt… 😉

  10. Turing

    Der Trend geht zum Filterkaffee. Kürzlich konnte man auf SPON über Szene-Cafés in Berlin lesen, die Filterkaffee ausschenke, die sich darauf spezialiert haben. Bei mir in der Verwandschaft konnte ich auch beobachten, dass Trichter für einzelne Tassen genutzt werden und kleine Filter. Die Kaffeemaschine für einzelne Tassen anzuwerfen, ist übertrieben.

    Bei uns der Firma steht so ein Vollautomat, aber dessen Kaffee verschmähe ich. Das Mahlwerk müsste man regelmäßig und gründlich sauber machen. Dass es nicht regelmäßig geschieht, ist Schuld der Belegschaft. Dass es nicht gründlich ist, liegt an der Beschaffenheit des Mahlwerkes. Der Kaffee schmeckt mir nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *