Dividenden sprudeln wie selten zuvor


New York, 17. Januar 2012

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Trotz Dauerkrise haben amerikanische Großkonzerne ihre Dividenden massiv erhöht. Fast befinden sich die Ausschüttungen wieder auf dem Rekordniveau, das vor dem Untergang von Lehman Brothers vor drei Jahren erreicht wurde. Im laufenden Jahr beziehungsweise spätestens 2013 rechne ich mit neuen Bestmarken. Die Firmen sind jedenfalls so stark wie nie zuvor und wissen nicht mehr, wohin mit all dem Geld. Die Kassen sind prall gefüllt, die Schulden gestutzt, die Kostenbasis gedrückt.
McDonalds ist ein klassisches Beispiel dafür, wie prächtig es den Blue Chips momentan geht. Seit 1976 erhöht der Hamburger-Gigant Jahr für Jahr die Dividende. Während Konsumenten Angst um ihre Jobs haben und einen weiten Bogen um Aktien machen, wäre es geradezu angebracht, an der Börse auf Schnäppchenjagd zu gehen. Momentan bekommen Sparer für ihre Groschen ohnehin keine Zinsen. Wenn die Bank 1,0 Prozent für Tages- oder Monatsgeld bietet, ist das viel. Für Aktien können Sie grob zwischen drei und sieben Prozent bei hochsoliden Konzernen kassieren. Insofern machen doch Standardtitel mit einer solchen saftigen Dividendenrendite Sinn.
Was suchen die Anleger statt dessen? Sichere Anlagen ohne Rendite! Es ist eben absurd. Alle scheinen auf eine bessere Börsenstimmung zu warten. Steigt die Stimmung, steigen die Kurse. Warum alle abwarten, ist mir schleierhaft.
Die Firmen aus dem S&P-500-Index schütteten 2011 akkumuliert rund 240 Milliarden Dollar aus. Gegenüber 2010, als „nur“ 205 Milliarden Dollar an die Aktionäre flossen, ist das deutlich mehr. Und das Rekordniveau von knapp 250 Milliarden Dollar (aus den Jahren 2007 und 2008) ist nicht mehr fern. Dieser Aufwärtstrend hat sich halt noch nicht herum gesprochen. Wenn im laufenden Turnus mehr als 250 Milliarden Dollar zusammen kommen, würde mich das nicht wundern. Im S&P 500 zahlen immerhin 394 Firmen eine Dividende. Tendenz steigend.
Im DAX finden Sie ebenfalls jede Menge Hochkaräter. Die Kurse sind niedrig, die Dividendenrenditen saftig, die Perspektiven könnten mittelfristig für die Dickschiffe kaum besser sein. Diese Finanzkrise wird eines Tages beendet sein.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in einer jahrzehntelange Stagnation verharren werden, wie das in Japan nach dem Platzen des Immobilien-Blase geschehen ist. Aber selbst wenn es zu einer solchen krassen Null-Wachstums-Periode kommen sollte in der westlichen Welt, ist das kein Beinbruch. Erstens können Sie trotzdem die Dividende kassieren. Zweitens steigen Aktien sogar in Rezessionen leicht. Wir hatten ein verlorenes Jahrzehnt, warum sollte ein weiteres folgen? Das ist ziemlich unwahrscheinlich. Drittens verdienen gute Firmen immer. Siehe McDonalds. An den Bulettenbratern sind etliche Krisen wie an Teflon abgeperlt.

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Lesermeinungen zu „Dividenden sprudeln wie selten zuvor

  1. Lars Hattwig

    Hallo Tim,

    ein schöner und vor allem wertvoller Beitrag! McDonalds ist ein typischer “global player”, also ein solides, weltweit agierendes Unternehmen. Krisen jeglicher Art sind im Chart offenbar lediglich als Korrektur wahrzunehmen und sobald die schlimmsten Szenarien vorbei sind, ist auch der Kursrückgang beendet.

    Wie im Beitrag beschrieben kommt dazu eine solide Dividendenausschüttung. Ein ähnlich guter Titel wäre z.B. Nestlé.

    Ich hoffe, dass möglichst viele Leute diesen Beitrag lesen und ihr Geld von Sparbüchern herunterholen, auf denen es inflationsbedingt ähnlich herumgammelt wie unter dem Kopfkissen oder im Keller.

    Ein Portfolio aus soliden Aktien mit ordentlicher Dividendenausschüttung liefert nicht nur schönes passives Einkommen, sondern unter dem Strich auch mehr Sicherheit als so manche schlecht verzinste Staatsanleihe.

    Beste Grüße aus Berlin nach New York
    Lars

  2. Reinhard

    Hallo Tim,

    such ich unterstreiche Ihre Aussagen nachdrücklich. Ich habe McDonalds seit vielen Jahren im Depot. Und was soll ich sagen: Der Kurs steigt und die Dividende steigt. Das ist die beste aller Welten.
    Solche Aktien kann man wirklich kaufen, liegen lassen und staunen, wir das Depot wächst.

    Da macht Börse Spaß!
    mfg

  3. tim schaefertim schaefer

    Hi Reinhard,

    ja super. Gut, dass Sie eine so gute Qualitätsaktie im Depot haben.

    Wenn Sie eine solche Position mal 10, 20 oder 30 Jahre lang besitzen, wollen Sie die bestimmt nie mehr hergeben. Das ist die Buffett-Methode.

    Gratulation. Und alles Gute!

  4. willihope

    wieso müssen dann die dividenden sprudeln? die firmen kaufen eigene aktien (2007 ca. 35% des cash flows!) auf und haben somit weniger geld das verteilt werden kann!
    meistens wird das ja auch gemacht weil mitarbeiter optionen ausüben und der kurs würde bei der menge an neuen aktien am markt implodieren, also muss man den kurs stützen mit aktienkäufen. im grunde werden nur die eigentümer vom management geschädigt, sehe nichts gutes dabei wenn sich das management mit kursspekulationen beschäftigt! dafür werden die nicht bezahlt!

    das kommt eben dabei raus wenn man mitarbeiter mit optionen bezahlt, die eigentümer werden dann immer benachteiligt, siehe apple!

  5. tim schaefertim schaefer

    @ willihope

    Sie haben Recht, wenn Firmen ihre eigenen Aktien über die Börse zurückkaufen, ist weniger Geld in der Kasse. Klar, dass dann weniger Geld für Dividenden zur Verfügung steht.

    Was ich aber sagen wollte, ist: Wenn eine Firma die Zahl ihrer Aktien reduziert, steigt der Gewinn je Aktie. Weil sich der Gesamtgewinn des Konzerns entsprechend auf weniger Stücke verteilt.

    Insgesamt haben Sie vollkommen Recht: Eine Dividende ist wichtig. Wer zu viele Aktien zurückkauft, setzt womöglich die falschen Prioritäten.

    Goldman Sachs hat gerade mitgeteilt, einen gigantischen Aktienrückkauf getätigt zu haben in 2011.

    Freilich kommt es auf den Einzelfall an. Buffett hat noch nie eine Dividende gezahlt. Er kauft auch mal eigene Aktien zurück.

    Der Nachteil der Dividende ist, dass diese im Endeffekt zwei mal besteuert wird. Einmal wird ja der Gewinn des Unternehmens versteuert, dann die Dividende beim Aktionär als Einkommen. Insofern ist aus steuerlichen Aspekten heraus betrachtet, der Aktienrückkauf effektiver.

    Beste Grüße
    TS

  6. willihope

    bei jason zweig lese ich dass in usa die firma die steuern bezahlt wenn mitarbeiter ihre optionen mit gewinn ausüben.

    na besser die dividende wird von mir versteuert als von der frima und den managern als boni!

    und die quote sollte auch wieder auf 2/3 erhöht werden, das management verteilt es meist sonst eh nur unter sich!

    buffet ist eine ausnahme und auch er will eine divi zahlen sobald er keine besseren möglichkeiten mehr sieht. mal sehen was nach seinem abgang geschehen wird.

  7. willihope

    zu goldman sachs finde ich in dem artikel:
    sie zahlten 6,04 milliarden für eigen aktien, das ist mehr als die 4,44 milliarden an net income in dem jahr!?

    muss ich das verstehen? haben die selber auf kredit gekauft oder wie?

    wobei bei finanzen.net steht:

    Die Bank selbst indes fällt hinter so manchen Konkurrenten zurück. Der Jahresgewinn ist um 67 Prozent auf unterm Strich 2,5 Milliarden Dollar geschrumpft (1,9 Mrd Euro).

    keine ahnung welche zahlen jetzt genau stimmen und nach welcher methode, vermutlich werden die aktien auch wieder steigen. angenommen man hätte sich mehr auf sein geschäft und nicht auf den kurs konzentriert, wäre man dann vielleicht nicht hinter die konkurrenz zurück gefallen?

    fragen über fragen. :-)

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