Zwei grandiose Fondsmanager ohne Starallüren


New York, 22. Juli 2014

Es ist ja fast schon erniedrigend zu sehen, wie massenhaft aktive Fondsmanager scheitern. Ich bin echt fassungslos. Es macht mich ehrlich gesagt ein wenig traurig. Warum schafft es niemand, den Börsenindex nachhaltig zu schlagen?

Es ist schon sehr komisch, wie hart die Börse ist. Jeff Sommer von der „New York Times“ zitiert eine neue Studie, die 2.862 Fonds unter die Lupe genommen hat. Von ihnen haben nur zwei Fonds konsequent den Börsenindex fünf Jahre lang übertroffen. Anders ausgedrückt waren es 0,07 Prozent der Fonds. Wie soll ich als Anleger genau diese beiden Fonds aus Tausenden auswählen können? Es ist nicht einfach. Schon gar nicht im Vorhinein.

Mich wundert das Ergebnis wirklich. Gibt es keine Profis, die nachhaltig besser sind als der Durchschnitt? Die zwei Sieger sind: Craig Hodges vom Hodges Small Cap Fonds und Michael W. Cook, der Chef vom SouthernSun Small Cap. Also handelt es sich um zwei Spezialisten, die sich auf kleine Firmen spezialisiert haben. Es handelt sich um Aktien, die von Analysten kaum beobachtet werden. So kann ein Profi noch unterbewertete Perlen finden. Typische amerikanische Mittelständler, die Dividenden zahlen, langweilig sind. Darunter ist zum Beispiel in einem Fonds ein Teerfarbenhersteller, der Balken für das Hafenbecken einpinselt.

Was mich an dem Artikel außerdem wundert, ist die Bescheidenheit der beiden Sieger. Sie sind äußerst vorsichtig, sie reagieren selbstkritisch und lehnen sich trotz ihres Sieges nicht zu weit aus dem Fenster.

Ich bin persönlich von den Socken. Warum loben sich die beiden Fondsmanager nicht über den grünen Klee? Vermutlich ist es so, dass genau ihre kritische Haltung sie auf das Siegertreppchen brachte. Sie überschätzen sich nicht selbst, sie sind vorsichtig und geben Missgriffe, mögliche Fehler in der Zukunft offen zu.

Von solchen Leuten, die auf dem Siegertreppchen landen, und trotzdem vorsichtig bleiben, habe ich großen Respekt.

Das erinnert mich ein wenig an Warren Buffett, der auf seine Fehler in seinen Geschäftsberichten ausführlich eingeht und sein Licht unter den Scheffel stellt. Das nenne ich Selbstdisziplin.

Die Profis wissen alle, die Performance aus der Vergangenheit sagt nichts über die Zukunft aus. Ein grober Fehler – und schnell ist alles vorbei.

Spannend fand ich die Geschichte über den Oppenheimer-Fondsmanager Justin M. Reverenz, der andere Schwellenländerfonds mit seiner bodenständigen Art übertrifft. Reverenz reist allein ins ferne Ausland, besucht die Firmen und leistet sich kein großes Analystenteam. Er ist eine typische One-Man-Show. Aber wer weiß, wie lange er auf der Siegerliste oben stehen wird? Bei vielen Stars endet die Erfolgsserie in einem Desaster. Wünschen wir den Top-Leuten langfristig das Beste, auch wenn es eher unwahrscheinlich ist.

Zu den wenigen Profis, die es geschafft haben, zähle ich Warren Buffett, George Soros, Peter Lynch und John Templeton. Die restlichen Outperformer finden Sie auf dieser Grafik per Tweet:
 


tim schaefer (Author)

drucken


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *