Zur Hölle mit den Banken. Wirklich? Ernsthaft?


New York, 13. Juli 2012

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Value Investoren kaufen bevorzugt Aktien, die von einer schlechten Stimmung erfasst werden. Eine Gewinnwarnung, Krise oder ein Skandal kommen den Schnäppchenjägern wie gerufen, weil die Masse in diesen Situationen flüchtet. So können die Smarten billig Positionen abstauben.
Wir sollten demzufolge nach Aversionen der Masse suchen. Ich glaube, dass wir bei Finanzdienstleistern, insbesondere Banken, diese Aversion finden. Viele Banken notieren zum halben Buchwert oder sogar zu einem Drittel ihres Eigenkapitals. Kaum zu glauben, wie die Banken gehasst werden.
Natürlich stecken mögliche Risiken (neue Abschreibungen) in den Bilanzen. Alle glauben nun, dass die Bank-Aktien immer tiefer fallen werden. Zugegeben, es kann in diesem Sektor sehr schwierig bleiben für das nächste Jahr oder vielleicht für zwei Jahre. Aber glauben Sie wirklich, dass diese Aktien immer weiter fallen werden? In fünf oder zehn Jahren muss es doch wieder aufwärts gehen.
Die Banken können doch nicht völlig verschwinden. Klar, im Endeffekt könnten die EZB und die FED selbst Hypotheken und Kredite an die Bürger ausgeben und Spareinlagen annehmen. Für den Konsumenten hätte das den Vorteil, sehr viel günstigere Konditionen erhalten zu können. Aber wollen die Regierungen die Aufgaben der Banken vollständig übernehmen? Ich glaube kaum. Insofern wird es die Banken noch in 50 und in 100 Jahren geben. Es ist ein ururaltes Geschäft. Die Wirtschaft braucht gesunde Banken. Ohne sie kann die Konjunktur nicht in Schwung kommen.
Die cleversten Anleger machen im Grunde immer das Gegenteil von dem, was die Masse tut. Wer nämlich das macht, was alle machen, erzielt nur durchschnittliche Erträge. Das ist logisch. Wenn es in einem Sektor zu viel Optimismus gibt, ist es im Umkehrschluss höchste Zeit, das Weite zu suchen. Das ist momentan womöglich bei den Sozialen Medien beziehungsweise einigen Internetaktien der Fall. Facebook wird mit dem 17-fachen Umsatz bewertet, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beträgt 76. Ziemlich üppig. Banken haben dagegen in den USA KGVs von sieben.
Wenn ich über die Perspektiven der Banken mit anderen spreche, höre ich immer: „Denke mal nach: Der Ruf der Banken ist zerstört, völlig zerstört.“ Ich höre: „Das sind Gebührenmaschinen, das sind Betrüger.“ Ich höre ferner: „Denen traut kaum noch jemand über den Weg.“ Genau deshalb, glaube ich an die Banken, weil die Stimmung auf dem Tiefpunkt ist.
Nach all den Skandalen und Betrügereien ist die Distanz am stärksten ausgeprägt. Nur noch 21 Prozent vertrauen in Nordamerika den Finanzdienstleistern – ein Rekordtief. Schlimmer geht’s nimmer. Das ist eine Chance.
Unser Banken sind natürlich selbst schuld an dem Desaster. So haben sie wertlose Hypothekenpakete zusammengeschnürt und diese anschließend mit einem blitzsauberen Rating an nichtsahnende Anleger verkauft. Ja, klar. Sie handelten wie ein Trickbetrüger.
Die Banker suchten im Endeffekt nur Dumme, die sich die „Schweinepapiere“ (O-Ton intern Bank) andrehen ließen. Ja, klar. Das ist seit Jahren bekannt. Das bestreitet niemand.
Kunden, die zugriffen, erlebten einen Albtraum. Ein paar Monate später waren die Hypotheken-Pakete nämlich nichts mehr wert. Millionen, ja Milliardenbeträge waren futsch. Viele Anleger gingen pleite. Als Ermittler in den USA den internen Emailaustausch in den Geldhäusern durchstöberten, konnten sie kaum glauben, was sie sahen: Da gaben die Mitarbeiter zu, den „Dreck“ ihren Kunden wohlwissend verkauft zu haben. Auch das ist seit Jahren bekannt.
Goldman Sachs zahlte 450 Millionen Dollar „Strafe“ an den US-Staat. Andere Banken kauften sich ebenfalls mit Millionensummen frei.
Nun zu dem Positiven: Die Strafen taten ihnen nicht wirklich finanziell weh. Innerhalb eines Quartals konnten sie die Strafen im Handumdrehen zurück verdienen. Was ihnen weh tut, ist die wachsende Regulierung. Regulierung kann aber auch ein Segen sein, weil so die Branche konservativer agiert, vorsichtiger wird, fairer handelt. Ohne Regulierung geht es nicht. Was ohne Regulierung passiert, haben wir ja gesehen.
Ich gebe zu: Es kommen ständig neue Betrügereien ans Tageslicht. So ist derzeit die Aufregung über die britische Barclays-Bank groß, die den Libor zum eigenen Vorteil manipuliert hat. Libor ist eine der wichtigsten Zinskennziffern in der Wirtschaft. Alle Bürger sind im Endeffekt betroffen, die Hypotheken aufnehmen, ihren Urlaub finanzieren oder sparen.
Nun ist der Höhepunkt des Ärgers erreicht. Bank-Aktien sind dramatisch abgestürzt. Selbst die Politiker gehen auf Distanz. Dabei haben die Mächtigen in Berlin, Washington, London und Paris all die Jahre lang die Hände aufgehalten. Die Bürokraten ließen sich von den Finanzdienstleistern mit Millionenspenden ölen. Das fand rund um den Globus statt. Das macht die Situation noch spannender.
Wir sind auf Gedeih und Verderb auf die Banken angewiesen. Wir können trotz des Ärgers nicht einfach alle untergehen lassen. Dann wäre das Finanzchaos perfekt.
Was wurde aus den Ölfirmen? Aus BP und Exxon? Sie haben die Meere verseucht. Es war eine endlose Aufregung.
Als Shell im Jahr 1995 eine ausgediente Ölplattform in der Nordsee versenken wollte, hagelte es Boykottaufrufe. Aufkleber mit Sprüchen wie „Shell to hell“ hatten Autofahrer auf ihr Heck geklebt. Heute erinnert sich niemand mehr daran. Damals stürzte der Shell-Kurs ab. Der Ärger verschwand irgendwann. Niemand redet mehr darüber. Solche Krisen sind ein Paradies für Value-Anleger. So titelte „Der Spiegel“ damals: „Aufstand gegen Shell“. Nun schauen Sie in den Spiegel des aktuellen Jahrgangs: „Die Zocker AG: Die dubiosen Geschäfte der Deutschen Bank“.
PS: Value-Anleger wissen natürlich: Auf dem untersten Punkt im Kurs schafft niemand den Einstieg. Sie kaufen entweder auf dem Weg nach unten oder auf dem Weg (aus dem Loch) nach oben. Das Foto oben machte ich auf dem Börsenparkett der New York Stock Exchange nach Börsenschluss.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Zur Hölle mit den Banken. Wirklich? Ernsthaft?

  1. Matthäus Piksa

    Ich schließe mich deiner Analyse an. Irgendwann sind auch die Negativschlagzeilen verschwunden. Dann allerdings ist es zum Einstieg zu spät. Denn dann stehen die Kurse schon höher.

    Gruß Matthäus

  2. make83

    Hallo,

    geb hier auch einmal wieder meinen Senft ab zu folgenden Themen:

    1. Threat in Englisch: Hoffe nicht dass du das machst, denn erstens gibt es kaum gute Valueseiten auf Deutsch, und zweitens ist es doch ziemlich mühselig auf Englisch zu folgen und mein Englisch könnte wahrhaft schlechter sein.

    2. Thema Banken: Grundsätzlich richtig die Taktik kaufen wenns knallt, allerdings lasse ich trotzdem die Finger von Banken, denn wir haben hier keine Einmalbelastung alla BP bei ansonsten intaktem Geschäftsfeld, sondern es schlummern Werte in den Bilanzen, die für den Laien unmöglich zu bilanzieren/einzuschätzen sind und von daher finde ich das somit fast Lotterie. Wenn dann würde ich dort eher einen ETF auf Banken nehmen, als einzelne rauszupicken. Wenn schon zocken, dann kauf ich lieber für nen kleinen Teil Griechenlandaktien von Firmen die jetzt und auch in Zukunft noch Gewinne machen werden(3-4Stck. zu nicht mehr als 500€)

    3. Ist mehr eine Frage an Dich: In deinem Video sagst du Firmen mit KGV 20 und darüber (P/E) würdest du nicht kaufen. Jetzt weiß ich zwar nicht wie du Coca Cola, Pepsi und Co eingekauft hast damals waren sie aber wahrscheinlich gemessen an damaligem Gewinn auch nicht weit davon entfernt oder? Ich hätte mittlerweile wirklich gut Geld auf der Seite(50K€) und zaudere mit dem Einstieg in diese Titel, das Sie doch nun relativ teuer bzw. auf Alltimehigh sind (Nestle, Coca Cola, Reckitt B. Unilever, Pepsi,Royal Dutch Shell). Wie siehst du das bezüglich Einstiegszeitpunkt: Ich tendiere ja dazu die nächsten 2 Jahre im halbjährlichen Rhytmus jeweils 6 Titel zu 2000€ zu kaufen (sprich 4x6x 2000€) wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Spanne von einem halben Jahr zur Risikominimierung wirklich etwas bringt. Bei vierteljährlich hab ich leider das Problem nur noch für 1000€ zeichnen zu können und dann relativ hohe Ordergebühren(im Verhältnis zu zahlen). Welche Vorgehensweise bevorzugst du bei solchen Bluechips? Anlagehorizont 20-30 Jahre

    Vielen Dank schon einmal und danke für den tollen Blog

    P.S von deinen Lieblingen den Eisenbahnen lasse ich erstmal noch die Finger, da ich glaube den nächsten Einbruch der Wirtschaft(seit der Wirtschaftskrise von 2008 sind immerhin schon wieder 4 J. vergangen) abwarten und dann günstiger kaufen zu können

    naja die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus, danke, danke.

    @ make83: Ich würde einfach kaufen, natürlich mit einem strikten Preislimit versehen. Das Limit eingeben mit einer langen Laufzeit, dann wirst Du schon zum Zuge kommen.

    Das perfekte Timing kriegt eh niemand hin. Aber genau darauf fokussieren sich alle. Komischerweise.

    Wenn Du 20 Jahre Zeit hast, dann ist es doch egal. Zumal du ja mit Deinem Warten auch auf Dividendenrenditen von ca. 3% p.a. verzichtest. Für Cash kriegt man momentan kaum Zinsen. Insofern ist Cash eine Zeit- und Geldverschwendung.

    Bei den Lebensmitteldingern sind die KGVs traditionell etwas höher, weil das Geschäft stabiler ist und die Dividenden schmackhafter sind.

    VG und schönes Wochenende
    Tim

  4. Ulrich

    Also zu den Banken gebe ich dir Recht. Die US-Banken wirken zwar wesentlich solider als viele Banken in EU-Land. Dennoch bin ich mir unsicher was da noch aus dem Schrank kommt. Im Moment haben wir allgemein eigentlich gute Zeiten zum Kauf von Aktien, von den Bewertungen her, ob es also umbedingt die Banken sein müssen weiß ich nicht. Tim hat aber sicher recht, dass auch in dieser Branche wieder bessere Zeiten kommen werden.

    Zu der Bewertung von KO & Co und den All Time Highs würde ich sagen, dass diese Aktien immer noch relativ günstig sind ( im historischen Vergleich). In guten Börsenzeiten, wie Ende der 90er, gab es da ganz andere Bewertungen. Falsch machten tut man, wenn man aktuelle Tagesgeld und Festgeldzinsen betrachtetn, mit den großen Konsumwerten mit circa 3 bis 4 % Dividende also sicher nichts.

  5. Anna

    Hallo,
    mal ein Beispiel aus meiner Erfahrungskiste: Ich habe Fuchs Vz. vor etlichen Jahren für 55 € gekauft, war recht hoch. Später gab es einen Split 1 : 3, danach nochmal anläßlich eines Jubiläums Gratisaktien. Später gab es noch einen Split, wieder 1 : 3, jetzt steht Fuchs bei ca. 44. Was will man mehr, zumal Splits bei deutschen Aktien recht selten sind.

    Es kann auch mal daneben gehen, siehe Kostolany mit seinen 49 und 51 %.
    Aber Zinsen unterhalb der Inflationsrate zu kassieren ist doch auch nicht das Gelbe vom Ei.

    Schönes Wochenende wünscht
    Anna

  6. tim schaefertim schaefer

    Hi Ulrich,

    danke für den super Kommentar. Die Masse der Menschen und Firmen sitzt auf unglaublichen Cashbergen. Das zeigt mir, die Menschen sorgen sich, sonst würden sie ja investieren. Ich habe Bekannte, die haben riesige Summen auf dem Girokonto bzw. Festgeldkonto. Die haben schlicht Angst und sind unsicher. Ich sage denen immer: Du sollest investieren. Nicht abwarten, denn momentan warten alle ab.

    Value Anleger machen immer das Gegenteil von dem, was die Masse macht. Insofern würde ich jetzt investieren.

    VG
    Tim

  7. tim schaefertim schaefer

    Hallo Anna,

    Gratulation zur Fuchs-Aktie. Das hat sich ja gelohnt. Es handelt sich um einen soliden Mittelständler in Familienhand. Bei solchen Firmen sind Anleger in guter Händen, denn sie haben nicht diese verrückten Vorstände, die nur an den eigenen Geldbeutel denken.

    Familienfirmen sind am langfristigen Erfolg interessiert.

    Viele Grüße
    Tim

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