Yoga für den Börsenerfolg


New York, 24. März 2014

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Nach fünf Jahren Dauerrallye werden Anleger etwas nervöser. Insbesondere die Börsenlieblinge verlieren kräftig. Facebook, Netflix, Tesla. Tief im Minus stehen an diesem Montag massenweise Internet- und Biotechtitel. Ob das der Beginn einer Korrektur ist oder gar ein Crash werden könnte? Keine Ahnung. Das weiß NIEMAND.
Wie sparen Sie am besten an der Börse? Das ist nicht so einfach zu skizzieren. Natürlich besteht eine gute Möglichkeit darin, regelmässig einen Indexfonds zu kaufen. Legen Sie 200 Euro im Monat für 40 Jahre zurück, kommt ein schönes Sümmchen zusammen. Ich unterstelle jetzt Mal eine Verzinsung von 6,5 Prozent (obgleich an der Börse im langen Schnitt fast zehn Prozent drin sind). Dann befinden sich zum Ruhestandsbeginn 430.000 Euro im Depot. Nicht schlecht. Das regelmässige Sparen kombiniert mit dem Zinseszins macht es möglich.
Eine andere Möglichkeit ist es, jedes Mal dann Aktien zu kaufen, wenn die Börse gerade nach unten rutscht bzw. am Boden liegt. Das ist aber nicht so einfach. Das Timing bekommt kaum jemand so recht hin. Und in der Zwischenzeit muss das Geld auf einem Festgeldkonto mit einer lausigen Verzinsung ruhen. Kommt es tatsächlich zum Crash, stellt sich diese Frage: Haben Sie wirklich den Mut, einzusteigen? Das ist die entscheidende Frage. Ein weiterer Knackpunkt: Es kann ewig lange dauern, bis die Börse abstürzt.
Ich bin daher eher ein Fan des regelmässigen Sparens. Hierbei können Sie selbstverständlich Akzente setzen – eben mehr Aktien während der Korrektur kaufen.
Grundsätzlich ist es ein Riesenproblem unten zu kaufen, weil unser Gehirn so programmiert ist, oben zu kaufen. Wenn Euphorie an der Börse herrscht, ist die Meute entzückt und greift zu. Fliegen die Fetzen, rennt die Meute davon.
Am besten können Sie die Gefühle ausschalten, wenn Sie einen automatischen Aktien- bzw. Indexkaufplan haben. Monat für Monat zu kaufen, wird sich auf Jahrzehnte hinweg auszahlen. Damit entfällt das Phänomen, dass wir gerne auf Basis von Informationen Aktien traden. Kommt etwas Neues über das Unternehmen XY in einem Börsenkanal, wollen wir die Info gleich nutzen, indem wir eine Order aufgeben. Tagesmeldungen mitsamt den Kursschwankungen werden völlig überschätzt.
Es entscheidet über den Börsenerfolg nicht (nur) die Information, sondern unsere mentale Verfassung, unsere Gefühle, unsere Stimmung.
In einer Zeit der Informationsexplosion wird der Börsenerfolg immer schwieriger. Die Aktivität an der Börse explodiert, was brisant für den Privatanleger ist. Denn Geduld ist ein wichtiger Faktor für eine positive Rendite. Behalten Sie Qualitätsaktien im Idealfall mindestens zehn Jahre lang. Eigentlich ist Geduld für die meisten Assets empfehlenswert. Das gilt für begehrte Kunst, außergewöhnliche Schmuckstücke, rare Antikmöbel, Wohnungen in guten Lagen, Grundstücke…
Ein befreundeter Anwalt sagte mir vor dem Immobilienkauf: „Verspreche mir, dass Du Deine Wohnung mindestens fünf Jahr behältst, sonst mache es besser nicht.“
Ihre Aktivität in den Griff zu bekommen, ist das A+O. Schalten Sie den TV aus oder machen Sie einen langen Spaziergang, um Ruhe zu finden. In hektischen Zeiten kann das helfen. Vor allem Yoga scheint sich auszuzahlen. George Soros setzt jedenfalls darauf.
Übrigens liebt Soros den Sport. Er hat in ein feines Fitnessstudio in New York investiert, wo er selbst trainiert. Kein Wunder, dass der 82-jährige körperlich und mental so fit geblieben ist.
Ähnlich macht das Warren Buffett. Der Milliardär hat einen Sportraum in seinem Haus in Omaha. Mit einem Fitness-Trainer arbeitet Buffett mehrmals die Woche zusammen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Yoga für den Börsenerfolg

  1. Couponschneider

    Entgegen meiner Anlagephilosophie habe ich letzte Woche nicht wenige Anteile veräußert. Mit ein bisschen Cash auf dem Giro-Konto sehe ich Kursabstürze locker entgegen.

  2. Tino

    meine Aktien sind (zum Glück) alle gestiegen, keine Spur von Korrektur oder fundamentaler Angst. Börsennachrichten, vor allem die plakative trägt immer zu meiner Belustigung bei, nach dem Motto „Wo schwingt heute wieder das Pendel des Todes hin, na!? Sie wissen es nicht, wir geben Auskunft!“, „Der Dax ist massiv abgestürzt, wann endet die Talfahrt?“ Das sind Schlagzeilen im Stunden- oder Tagestakt die auf einen einprasseln, wenn man sich das alles gibt. Ich frag mich dann immer, woher bekommen die diese Informationen, macht es Spaß sich solche Kurzgeschichten mit simplen Spannungsbogen auszudenken oder haben die komplett den Verstand verloren?

    Bei Recherche filtere ich diese Infos der bunten Presse schon beinahe automatisch. Hype-Aktien interessieren mich nicht die Bohne, wozu der Herde hinterher laufen. Der nächste IT-Hype kommt vielleicht mit der Candy-Crush-Aktie. Meine Prognose, die Aktie werden selbst Leute kaufen, die vorher maximal einen Kinofilm über Aktien gesehen haben. Der Markt bietet immer Schnäppchen die keinen interessieren, die gerade einen Unfall hatten, in politische Wirren verstrickt waren, „schmutzige“ oder langweilige Sachen machen und trotzdem hochprofitabel arbeiten und einen dauerhaften Kundenkreis haben.

    Bin natürlich trotzdem immer gespannt wie sich die Börse entwickelt und damit meine eigenen Werte, nur entspannt und ohne Hellseherei. Wo ich auch mal erstaunt und belustigt zugleich war, war eine Werbung von einem Tradingportal, die in ihrer Softwareoberfläche so einen grünen und roten Knopf für buy und sell eingebaut haben. Bildlich ist mir da der Schleudersitz in einem Düsenjet eingefallen. Da soll es dann auch solche Mehrfenstersichten geben, wo man mehrere Kurse in Echtzeit gleichzeitig verfolgt und wie John Wayne den Finger am Abzug, einfach nur super, haha :)) Kein Wunder das es so beliebt ist, vgl. einarmiger Bandit.

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