Woran Sie Qualitätsaktien erkennen


New York, 14. Juni 2008

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Ich möchte Ihnen nun erläutern, woran Sie gute Konzerne erkennen. Bei der Auswahl der richtigen Aktien kommt es in erster Linie auf Qualität an. Es gibt mehrere Ansatzpunkte, an denen Sie solide Unternehmen von schlecht geführten unterscheiden können.

1. Umsatz wächst. Der Umsatz sollte stetig ausgebaut werden. Es ist dabei nicht wichtig, dass sich der Umsatz jedes Jahr verdoppelt. Vielmehr sollten Sie auf Kontinuität achten. An der Stetigkeit sehen Sie, ob ein Unternehmen gut gemanagt wird und weiteres Potential hat. Nehmen Sie den Konsumgütergiganten Procter&Gamble (P&G). Die Einnahmen des Markenproduzenten (Duracell, Ariel, Bounty, Pampers, Gillette) haben sich wie folgt entwickelt: 40,2 – 43,7 – 51,4 – 56,7 – 68,2 – 76,4 Milliarden Dollar. Wie ein Strich verläuft das Wachstum. Einfach phantastisch! Wenn Sie sich dagegen die Zahlenreihe von Ford Motor ansehen, erkennen Sie, dass es ein Problem gibt: So entwickelten sich die Einnahmen in den zurückliegenden drei Jahren wie folgt: Von 176,8 schrumpfte das Geschäft auf 160,1, dann erholten sich die Erlöse auf 172,4 Milliarden Dollar. Ich würde das Papier nicht einmal mit der Kneifzange anfassen. Wenn ein Unternehmen sein Geschäft in drei Jahren so schwankend betreibt, dann ist das schwer zu steuern. Kosten lassen sich kaum in der gleichen Geschwindigkeit senken, wie sich die Auftragslage in diesem Fall ändert.
2. Gewinn sprudelt. Wie beim Umsatz sollte sich der Profit stetig nach oben entwickeln. Zudem sollte eine für die Branche außergewöhnlich hohe Nettoumsatzrendite herausspringen. Schauen Sie sich die Ergebnisentwicklung von Procter&Gamble an: 3,9 – 4,7 – 6,1 – 6,9 – 8,6 – 10,3 Milliarden Dollar. Stetig steigt das Ergebnis! Ebenfalls kletterte die Nettoumsatzrendite kontinuierlich, also die Marge zog an. Die Rendite nach Steuern 9,7 – 11,0 – 12,0 – 12,2 – 12,7 – 13,5 Prozent. Das ist eine ausgezeichnete stetige Verbesserung. 13,5 Prozent nach Steuern sind phantastisch. Das heisst, dass bei 10 Dollar Umsatz jeweils 1,35 Dollar Gewinn nach Steuern hängen bleibt. Mit anderen Worten stiegen die Gewinne bei Procter&Gamble schneller als der Umsatz. Achten Sie darauf, dass die Gewinne aus dem operativen Geschäft stammen. Nicht, dass eine Gesellschaft von der Substanz lebt und regelmäßig Bestandteile des Firmenvermögens verkauft, um den Gewinn aufzuhübschen. Ablesen lässt sich das am ausgewiesenen operativen Gewinn sowie am Kapitalfluss-Statement. Zudem gibt es Konzerne, die kontinuierlich ihren Lagerbestand ausbauen, um so einen höheren Gewinn ausweisen zu können. Achten Sie also darauf, dass der Lagerbestand (ausgewiesen im Umlaufvermögen) in einem gesunden Verhältnis zum Umsatz steht und nicht überproportional ansteigt. Sie sollten Ihre Hausaufgaben machen und die Zahlen Ihrer Aktienfavoriten studieren. Das Internet bietet hier eine exzellente Informationsquelle. Lesen Sie die Jahresabschlüsse und Quartalsberichte, bevor Sie investieren.
3. Saubere Bilanz. Gesunde Konzerne zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Regel eine hohe Cashposition haben und vergleichsweise niedrige Schuldenstände aufweisen. Qualität zeichnet sich ebenfalls durch schöne Dividendenausschüttungen aus. P&G schüttete zuletzt eine Dividende von 1,28 Dollar je Aktie aus. Der Gewinn je Aktie betrug 3,04 Dollar. Insofern hat die Gesellschaft 42 Prozent des Profits an seine Aktionäre ausgekehrt. Das ist ein attraktives Verhältnis. Eigenkapitalquoten von 40 oder 50 Prozent wie im Fall von Procter&Gamble sind solide. So weist der US-Konsumgüterriese ein Eigenkapital von 66,7 bei einer Bilanzsumme von 138,0 Milliarden Dollar aus, das entspricht einer Quote von 48 Prozent. Beträgt hingegen die Eigenkapitalausstattung im Verhältnis zur Bilanzsumme weniger als 20 Prozent, ist das recht wenig. Um solche Gesellschaften würde ich grundsätzlich einen weiten Bogen machen.


tim schaefer (Author)

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