Wo Sie besser abschneiden: Heiße oder langweilige Aktien?


New York, 4. August 2011

Ojemine! Es knirscht wieder im Gebälk. Die Angst geht um. Hektik herrscht auf dem Parkett. Die Wall Street kriselt. Anleger warfen in den vergangenen Tagen ihre Aktien aus den Portfolios. Sie flüchten in Anleihen und in Gold. Das gelbe Edelmetall gilt als vermeintlicher Schutzhafen. Gold markiert fast jeden Tag neue Rekordstände. Die Unze kostet mittlerweile 1.667 Dollar. Es ist beängstigend. Im Fernsehen wird aggressiv für Gold- und Silbermünzen getrommelt. Wahnsinn!
Ich bin gespannt, wie lange die Flucht in Gold weitergeht. Es würde mich nicht wundern, wenn das Goldfieber eine Weile anhält. Gut möglich, dass die 2.000er und die 3.000er Marke für die Feinunze fällt. Wenn wir die alten Rekordstände beim Gold aus den 1980er Jahren um die Inflation bereinigen, dann haben wir ja im Grunde genommen noch kein neues Allzeithoch erreicht.
Solche hysterischen Börsenphasen, wie wir sie derzeit erleben, sind gut, um sich auf lange Sicht am Aktienmarkt zu engagieren. Wer ein solides Papier kauft, muss wissen, dass das Investment vergleichbar mit einer Weltreise ist. Ständig können sich Dinge ändern. Wer aber sorgfältig seine Wertpapiere auswählt, kann sich entspannt zurücklehnen. Eines fällt Privatanlegern immer wieder schwer: Sie greifen gerne nach Mode-Themen. Irgendwelche heißen Internetaktien oder Technologiekonzerne ziehen die Leute langweiligen Holzherstellern, Müllsammlern, Eisbahnen oder Nahrungsmittelproduzenten vor. Dabei sind die langweiligen Dinge des Lebens aus der Sicht eines Investors die bessere Wahl. Erstens ist Hausmannskost günstiger. Zweitens ist es eine sichere und solide Sache. Je langweiliger, desto besser.
Aller Voraussicht nach werden Holzplatten, Putzmittel, Tapeten und Fenster noch in einhundert Jahren benötigt. Ob das jedoch mit einer bestimmten Website oder einem hippen Computerbauer der Fall ist, ist die große Frage. Aus diesem Grund finden Sie in Warren Buffetts Portfolio keine Technologiefirmen. Der Altmeister ist einfach zu kritisch und sieht darin keinen langfristigen Erfolg.
Wer sich also mit einem Bündel langweiliger, profitabler Dividendenmaschinen begnügt, der kann Geld wie Heu machen. Ich greife einfach ein wahlloses Datum heraus, um Ihnen zu zeigen, was dann passiert: Nehmen Sie den Dezember 1974. Damals notierte der Dow Jones bei 600 Punkten. Das war praktisch nichts. Es war ein Geschenk. Heute stehen wir bei knapp 12.000 Zählern. Wenn Sie also hochsolide Konzerne besitzen und Jahrzehnte dabei bleiben, kann das gleiche mit Ihren Aktien passieren. Ähnlich sieht das natürlich beim DAX aus.
Das Problem ist, das gebe ich gerne zu: Selbst wenn wir die extrem profitable Strategie des „Buy and Hold“ wählen, passieren in unserem Leben immer wieder Dinge, bei denen wir die Ausdauer verlieren. Wir geben dann auf. Warum? Ganz einfach: Wir kaufen ein Haus, wir wollen auf Weltreise gehen, eine Krankheit sucht uns heim, wir werden arbeitslos oder was auch immer. Das ist ein großes Problem. Schade eigentlich. Sonst wären viele Probleme gelöst. Etwa die Altersarmut.
Der Chart des Dow-Jones-Indexes seit Ende der 1920er Jahre zeigt Ihnen, wie viel Geld zu holen ist für extrem geduldige Anleger. Und was ist mit denjenigen, die ständig hin und her springen? Bei denen wird wohl nicht so viel herausspringen. Das zeigen Studien ganz klar. Leider besteht die Wall Street und auch Frankfurt zum Großteil nur aus denen, die ständig Papiere handeln, obwohl es ja gar keinen Sinn macht. Da stelle ich mir hin und wieder die Frage, was das eigentlich alles soll. Besonders wenn ich Fernsehen schaue, stelle ich mir diese Frage. Auf dem Bildschirm raten mir vielleicht 20 „Experten“, was ich mit meinem guten Geld alles tun soll. Der eine sagt Gold, der andere Microsoft, der dritte IBM. Am nächsten Tag oder eine halbe Stunde später wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben. Und so geht das endlos weiter, obwohl es keinen Sinn macht.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Wo Sie besser abschneiden: Heiße oder langweilige Aktien?

  1. Tomte

    Tim,

    vieles richtig! Aber jetzt sag uns noch geschwind, welches gleich die Aktien waren, die seit 1920 oder seit 1950 kontinuierlich in diesem Index enthalten waren. Und wie groß ist die Wahrscheinlichkeit gewesen, doch ein Unternehmen aus der Kategorie „Holzplatten“ zu erwischen, deren Platten doch nicht so gut waren, dass sie über Jahrzehnte in einem Index überlebt haben? Und wie lang ist ein geduldiger Anlagehorizont? Selbst für Münchener Rück Aktionäre und andere ist der schon sehr sehr lang, um Dir zustimmen zu können. Hinterher ist man ja immer schlauer, welches die richtigen Tapeten waren… .

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi Tomte. Die Börse rauscht in die Tiefe. Jetzt gibt es überall Schnäppchen. OK, die Kurse können weiter sinken. Aber Schnäppchenjäger bringen sich schon einmal in Lauerstellung. Zu Ihrer Frage: Es ist ja nicht nötig unbedingt eine Aktie aus dem Dow-Jones-Index zu besitzen. Es kann ja durchaus eine kleinere Gesellschaft sein. Der Kleinstwerteindex Russell läuft ja mindestens so gut nach oben wie der Dow Jones. Selbst wenn eine Aktie aus dem Dow Jones oder einem anderen Index rausfliegt, heißt es ja lange nicht, dass es sich um eine schlechte Aktie handelt. Warum läuft die Börse langfristig nach oben? Weil das Volksvermögen, das Wissen, die Technik und Erfindungen das Leben einfacher machen. Experten sagen voraus, dass bis zum Jahr 2050 die Bevölkerung um 40% wächst. Allein das schafft einen größeren Absatzmarkt und bietet ein gigantisches Potential für globale Player.
    Gut fahren Anleger mit Konzernen, die Alltagsdinge anbieten. Nahrungsmittel, Toilettenpapier, Farbe, Waschmittel, Teppiche, Türen etc. Ich wähle am liebsten Weltmarktführer oder zumindest regional starke Konzerne aus. Übrigens sind etliche Konzerne im Dow Jones uralt: Manch ein Riese besteht seit mehr als 100 Jahren. Die drei größten Ölkonzerne dürften wohl noch in 100 Jahren aktiv sein. Ob so eine Website wie Facebook dann noch brummt, ist fraglich. Der Wahn um Internetbuden gleicht eher dem holländischen Tulpenzwiebel-Hype vor ein paar hundert Jahren. Facebook oder Twitter verdienen kein Geld, werden aber mit zig Milliarden Dollar vor ihrem Börsengang bewertet. Die Firmen müssen soviel in ihr Netzwerk investieren, dass es ihnen schwerfällt, Gewinne zu schreiben. Warten wir es ab.
    Leider ist unter meinen Bloglesern die Sorge groß, auf das falsche Pferd zu setzen. Richtig große uralte Konzerne gehen selten pleite. Manchmal fusionieren Unternehmen oder firmieren um. Aber in seltenen Fällen verschwinden Aktiengesellschaft wertlos von der Bildfläche. Enron, Worldcom oder Holzmann sind Negativbeispiele. Aber bei der Masse an Firmen wächst und gedeiht.

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