Wir Traden wie ein Hamster im Laufrad


New York, 31. Mai 2011

Im Endeffekt ist die Börse wie ein großes Irrenhaus. Börsentäglich gafft die Meute gierig auf die Kurstafel. Es gibt gute, es gibt schlechte Tage. Mal marschiert der Kurs zwei Prozent rauf, dann wieder zwei Prozent runter. Gibt es Neuigkeiten, dann springen die Kurse viel heftiger in die eine oder andere Richtung. Bei jeder Unternehmensnachricht überschlagen sich die Akteure mit immer neuen Trades. Profis und Privatanleger drehen am liebsten ständig ihre Positionen. Dabei bringt dieses ganze Hin und Her nix. Außer Spesen nichts gewesen. Ich glaube, die Fondsmanager müssen handeln, weil die Kunden das einfach wünschen, obwohl die Profis insgeheim wissen, dass es sich gar nicht lohnt. Privatanleger würden nämlich bei einem passiven Fondsmanager schlussfolgern: Wenn mein Fondsmanager nicht aktiv ist, kann ich ja statt dessen gleich einen Indexfonds kaufen. Das ist die Krux. Den Index nachzubilden, das würde durchaus Sinn machen. Es gibt hunderte von wissenschaftlichen Studien, die klar zeigen, dass das Aktientrading Geld vernichtet, anstatt es zu mehren. Am Ende dieses Blogs habe ich einige Studienverweise angefügt.
Wenn ich mir die Situation anschaue, ist es doch so, als ob wir in einem riesigen Hamsterrad feststecken. Alle rennen drauflos und Gedanken zur Sinnhaftigkeit machen sich die wenigsten. Wirklich? Nun die Banken sind froh um jeden Trade, das spült Gebühren in deren Kassen. Warum sollten sie also klagen? Es besteht kein Grund dazu. Besser die Klappe halten. „Macht weiter, macht weiter“, so ähnlich transportieren die Broker ihre Werbebotschaft zum Trading. Kaufen wir Finanzprodukte wie Fonds oder Zertifikate, ist das umso besser für die Bank. Die Börse schlägt sich vor lauter Freude auch auf die Schenkel. Je mehr Trades, desto besser natürlich für die Börse. Mit all den Gebühren steigern letztlich die Unternehmen ihre Gewinne, aber sie schaden den Anlegern. Und denen schenkt keiner reinen Wein ein. Denn wer sollte daran ein Interesse haben? Manch ein Bürger, der eine miese Performance macht, denkt wohl: „Oje, es liegt nur an meiner falschen Aktien- oder Fondswahl. Das nächste mal wird es schon klappen.“ Also geht das Trading weiter. Irgendwann muss es ja klappen. Im Kern haben wir selbst als Privatanleger gar kein Interesse an der Wahrheit, denn es macht uns Spass, zu traden. Es kann sich eine Sucht entfalten. Und der Fiskus profitiert ja ebenfalls, wenn mal ein profitabler Deal dazwischen ist.
Unten sind etliche wissenschaftliche Studien, die belegen, dass sich Daytrading und der aktive Aktienhandel nicht lohnen. In den folgenden Quellen sind sowohl institutionelle Investoren als auch Privatanleger unter die Lupe genommen worden. Ich finde so viele Belege im Netz, es ist unglaublich. Aber wie gesagt, es scheint sich nicht wirklich jemand für die Professoren zu interessieren. Das Laufrad befriedigt den Bewegungsdrang des Hamsters, das Trading den Spieldrang des Menschen. Hier, hier, hier, hier, hier, hier. Neues Spiel, neues Glück!


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Wir Traden wie ein Hamster im Laufrad

  1. Simon K

    Schöner Artikel, Tim.
    Ich denke, du hast völlig Recht damit, dass es vielen um den Spaß und die Sucht nach dem Traden geht. Man will eben nicht nur rumsitzen und warten sondern aktiv werden um das Ganze irgendwie zu beschleunigen, auch wenn sich das eher negativ als positiv auswirkt. Aktienhandel ist eins der wenigen Betätigungsfelder wo weniger tun oft mehr Resultat bringen kann, auch wenn uns das widernatürlich erscheint, da uns immer beigebracht wurde, dass mehr Aufwand auch bessere Resultate erzielt. Diesen erhöhten Aufwand sollte man wenn überhaupt vor dem Kaufen bei der Analyse der Aktien betreiben.
    Ich denke bei vielen Investoren/Spekulanten zeigt sich durch das ständige Hin und Her auch eine gewisse Unsicherheit was die bisherigen Käufe angeht. Man liest eine negative Schlagzeile oder den nächsten vermeintlichen Geheimtipp und schon wird alles umgeworfen.

  2. tim schaefertim schaefer

    Danke Simon für den Kommentar. Stimmt, wir wollen die unkontrollierbare Börse steuern. Nur lassen sich die Kurse leider nicht nach unseren Wünschen beherrschen. Kurzfristig zumindest.

  3. Hubsen

    @Simone & Tim

    Das Overtrading (übertriebenes Vertrauen in die eigene Tradingleistung und alle damit verbundenen Kosten) ein häufiger Fehler ist, dass stimmt ganz sicherlich!

    Andererseits – glaube ich, dass es auf Privatkundenseite in wertmäßiger Summe mehr Verluste durch 1x Kauf (inkl. Nachkäufen) & Verlustaussitzer (oder auch nahe dem Tiefpunkt verkaufen) als durch die 80% nicht erfolgreichen Daytrader/Vieltrader gibt
    UND das eine noch so genaue Vorab-Analyse nicht vor unvorhergesehenen Ereignissen schützt (-> übertriebenes Vertrauen ins eigene „Over“analyzing?)

    BP, Tepco, Nokia, Madoff-Fonds, Immofinanz, Meinl Gruppe-MEL/MAI/MIP, Deutsche Telekom Volksaktie sind nur einige Beispiele wo die Entwicklung nicht so vorhersehbar war (auch nicht durch noch so gute Analyse – soweit dies ein Privater überhaupt leisten kann).

    Mein schmerzlich erlerntes Credo daher (vermutlich das Credo vieler erfolgreicher Trader/Investoren) -> sinnvolle, konsequente, emotionsgelöste Verlustbegrenzung (wo nur geringe und vor allem aufholbare Kapitalteile verlustig gehen) statt übertriebenes Festhalten an der eigenen Meiunung bis -20%-30%-50%-80%-oder gar mehr.

    W.J. O´Neil – der auf sorgfältige fundamentale Aktienauswahl größten Wert legt! beschreibt im „Crashkurs für Privatanleger“ das frühzeitige Verlustebegrenzen als eine Art notwendige Versicherung, um überhaupt weiter im Börsespiel (im Markt) bleiben zu können. … ein Recht behalten wollen oder Hoffen auf ewig steigende Märkte (mit immer derselben Aktienauswahl) kann sich als fataler Irrtum für das eigene Kapital herausstellen.

    „Immer wenn Ihr eigenes Geld auf dem Spiel steht, wird das bei Ihnen Emotionen hervorrufen. Die Börse ist da keine Ausnahme. Dem Markt sind Sie aber nicht persönlich bekannt. Und Ihre Hoffnungen und Wünsche interessieren ihn offen gesagt keinen Deut.“ W.J. O´Neil

    Beste Grüße nach N.Y.
    Hubsen

    PS.: Wichtiger für den Lfr.-Erfolg ist das das gewählte Tradingsystem zu einem passt (wann kaufe ich, wo steige ich aus – bei Verlusten und Gewinnen, wieviel Zeit kann/will ich investieren) … die Konsequenz in der Umsetzung und dabei auch dass das Moneymanagement Beachtung findet…

  4. Matthäus Piksa

    Das regelmäßige Lesen dieses Blogs führt zu folgendem Erkenntnisgewinn: Weder das häufige, aktive Traden noch das Investieren in Fonds führen einen Großteil der Anleger zum Erfolg. Genau davon leben die restlichen, verbleibenden 10-15% der privaten und institutionellen Anleger, die dann wiederum teilweise gigantische Vermögen anhäufen. Und weil es diesen 10-15% aller Anleger immer gelingen wird, an der Börse ein Vermögen zu machen, werden immer wieder auf's Neue erfahrene genauso wie unerfahrene Anleger in der Hoffnung aus Geld noch mehr Geld zu machen, an die Börse strömen, auch wenn die Deutschen einer aktuellen Umfrage des Fondsbranchenverbands BVI zufolge lieber zum Zahnarzt als zur Bank gehen – http://www.faz.net/artikel/C31501/teure-wissensluecken-lieber-zum-zahnarzt-als-zur-bank-30337179.html – und das zu Recht, wie die Autoren des folgenden, auf einer aktuellen Studie basierenden Artikels meinen – http://www.faz.net/artikel/S31501/anlegerstudien-bankberatung-bringt-nichts-ausser-kosten-30399678.html
    … ich weiß nicht, wen oder was die Akademiker der Frankfurter Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit der sizilianischen Universität von Neapel untersucht oder befragt haben, aber sicherlich gibt es auch unter den Bankberatern den ein oder anderen Value-Investoren (privat UND als seriöser Anlageberater). Eine andere Frage ist es, inwiefern die auf Provisionsbasis fußende Anlageberatung es den Investmentprofis ermöglicht, auf den individuellen Anleger zugeschnittene Produkte zu empfehlen.
    Fazit: Entweder man nimmt das Heft selbst in die Hand oder aber man geht zu dem privaten Vermögensberater seines Vertrauens.

  5. tim schaefertim schaefer

    Hallo Hubsen, Ihre aufgeführten Beispiele (BP, Tepco, Nokia, Immofinanz etc.) sind Extremfälle. Ich glaube kaum, dass eine Deutsche Bank, Coca-Cola, Adidas, SAP, Nestle, BASF, IBM, Nike, Pepsi, Heinz, Intel usw. – einfach mal so 90 Prozent verlieren und pleite gehen. BP hat sich auch wieder stark erholt, Immofinanz ja auch. Wer sich mit hochsoliden Standardtiteln eindeckt, sollte auf lange Sicht gut abschneiden. Sie führen immer abschreckende Fälle auf, um zu zeigen, dass Value Investing nicht funktioniert. Madoff war der größte Wirtschaftsbetrug in der Geschichte, dieser Fonds ist ebenfalls kein gutes Beispiel. Ich kann Ihnen tausende Aktien aufzählen, die zeigen, dass Value Investing statte Renditen abwirft. Beste Grüße aus NYC, Tim

  6. Hubsen

    Hallo Tim

    gerade die Börse ist immer wieder für Extreme / Überraschungen / Übertreibungen in beide Richtungen / Fehlentwicklungen gut (und alles durch Derivate noch gefährlich gehebelt)
    Das Privatanleger als Value Investoren früher mal in die damals sehr aussichtsreiche Nokia-Aktie (nur auf 1-Jahressicht bereits -48%) investiert haben ist also überhaupt nicht abwegig ( -> ebenso in DE: die Deutsche Telekom und in Ö: Meinl European Land und Immofinanz) – das wird viele Investoren real betroffen haben.
    Ich habe dabei noch nicht mal ehemalige Börsen-Indexmitglieder angeführt die in der Versenkung oder ganz vom Börsenzettel verschwunden sind …und auch keinerlei riskanten Pennystocks…

    Was ich damit sagen will ist: Es kann jede Aktie betreffen … und ab dem Kaufzeitpunkt hat man keine Kontrolle/Garantie mehr in welche Richtung der Börsenkurs läuft (zumeist mit, aber manchmal auch gegen den Markt).

    Was man machen kann ist einzig durch sorgfältige Auswahl (= Value-Investing = gut & notwendig) die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass man auf die richtigen Pferde gesetzt hat.

    Wenn so einem tüchtigen Pferd trotzdem (verschuldet oder unverschuldet) mal die Puste ausgeht, dann nützt hoffen und kaputt- bis totreiten oder drei Jahrzehnte durchreiten nur wenig.
    Vorher absteigen wäre die bessere Wahl gewesen.

    Und es reichen schon -40% Marktrückschläge, weil sie von dort weg (mit Berücksichtung von Zinsentgang, Inflation, Kapitalbindung etc.) vermutlich schon mehr als 100% Kurs aufholen müssen – bloß um pari auszusteigen.

    Ja, BP zahlt den Schaden vielleicht noch vom Jahresgewinn weg und erholt sich rasch(er), aber dass die Immofinanz (ca. 75% weg vom Höchststand) wieder den Ausgangspunkt in abssehbarer Zeit erreichen kann ist mehr als zweifelhaft. .. Und Nike ist mehr eine große Marketingmarke (ohne große wertschöpfende Produktion in USA und ohne großes Alleinstellungsmerkmal – das kann Adidas und Puma auch), da kann ein Modetrend/Skandal/neuer Mitbewerber etc. mittelfristig schon mal einige Marktanteile verändern.

    Als Privatanleger interessiert mich weniger was im nachhinein gute Investments (bereinigt um alle Verlustbringer) gewesen wären, sondern was ich tatsächlich – guten Glaubens und Analyse – gekauft habe und wie sich dadurch real mein Vermögen entwickelt hat.

    …und über die magere reale 10 Jahres-Entwicklung des Templeton Value Fonds haben wir ja schon an anderer Stelle gesprochen: http://www.fondsweb.de/LU0170478761-Templeton-U-S-Value-Fund-N-acc
    Wieso schaffen also selbst die angeblichen Value-Profis hier so wenig?

    Beste Grüße nach NYC

    Hubsen

  7. tim schaefertim schaefer

    Hubsen, wenn der gesamte Aktienmarkt 10 Jahre lang nicht gelaufen ist, wie soll das dann ein einzelner Fonds schaffen? Wir hatten die schlimmste Wirtschaftskrise in mehr als 80 Jahren durchgestanden. Beachtlich ist, dass der Dow Jones und die anderen Indizes gar nicht mehr weit von den alten Höchstständen entfernt sind.
    Übrigens bin ich kein Fan von Fonds. Ich habe mir selbst schon mit einem Immo-Fonds die Finger verbrannt. Ich kaufe keine Fonds mehr. Sie sind zu teuer. Ich bin somit auch kein Anhänger von dem erwähnten Templeton-Value-Fonds. Diese Konstrukte sind Gebührengräber für die Anleger. Ich hätte Ihnen natürlich eine Super-Performance gewünscht. Schade, dass das Ding so enttäuscht hat. Zwei haben mit Sicherheit verdient: Ihr Bankberater/Vermittler und die Fondsgesellschaft. Zudem sollten Sie beachten, wenn ein einzelner Fonds enttäuscht, heisst das noch lange nicht, dass die grundsätzliche Anlagephilosophie des Value Investings versagt hat. Es hat vielmehr der Fondsmanager versagt.

  8. Matthäus Piksa

    Im Grunde besagt die Value-Investment-Methode doch, dass man niemals aufgeben sollte, oder wie Winston Churchill einst sagte: „Never ever give up!“

    Value Investment ist also nichts weiteres als eine Motivationsstütze, gib niemals auf, mach immer weiter etc.

    Wenn ein Aktieninvestment mal in die Hose gegangen ist, dann ist das bitter, sehr sogar! Aber wie bitter ist es, wenn ein Unternehmen in die Insolvenz rutscht? Für die Geschäftsleitung, die Angestellten und Arbeitnehmer erst recht. Als Aktionär hat man „ldgl.“ sein Geld verloren. Das hat man mal mit dem Hintergedanken investiert, dass es mehr werden würde… dann kam es erstens anders und zweitens als man denkt. Aber die Mehrheit ist nie Aktionär gewesen.

    Ich muss sagen, ich hab erst in den vergangenen Wochen und Monaten tlw. auch durch diesen Blog gelernt, dass es schlimmeres gibt, als Verluste an der Börse zu machen.

    Und als Aktionär hat man zumindest bei Aktiengesellschaften mit ethischem Geschäftsmodell immer die Gewissheit, dass man für den Erhalt von Arbeitsplätzen mitsorgt.

    Die Spekulanten können sich ja auf das Gold stürzen, am besten noch mit bis unter die Halskrause vollgestopften Krediten, wäre ja nicht das erste Mal. Und dann liest man eines Tages, dass irgendein Milliardär Hunderte Millionen verlor, vllt. ein John Paulson? – ich will's nicht verschreien…

    Grüße nach New York und andernorts.
    Matthäus

  9. Hubsen

    @ Tim

    klar haben damals Anlageberater & Fonds gut an mir verdient und dazumals viel zu wenig dafür geleistet.

    Man sollte aber gleichzeitig auch nicht vergessen, dass der Aktienmarkt die letzten 10 Jahre nicht gerade stillgestanden ist und sehr wohl sehr dynamisch (sogar 2x nach unten 01 und 07/08 und 2x nach oben) gelaufen ist -> nur in Summe Buy & Hold gibt es in etwa das Nullsummenspiel über 10 Jahre hinweg.
    Wer diese Wellenspitzen annähernd „reiten“ = für sich nutzen konnte (nur z.B.: mechanisch bei -15% vom Höchststand jeweils verkaufte und bei -40% oder noch tiefer dieselben Stück wieder zukaufte, hätte wohl ungleich besser performt. Wer jedoch alle seine Stück am letzten Höchststand gekauft hätte, würde sich vermutlich noch lange Zeit nicht vom Verlust erholen können.

    das Problem bei Fonds „alter Bauart“ (neben der hohen Kosten für Ausgabeaufschlag und TER) ist vielfach auch die dauernde verpflichtende Mindest-Aktieninvestitionsquote in allen Börsenphasen und dabei auch das fast sklavische, feige Festhalten am gewählten Referenzindex.
    Das Fonds „neuerer Bauart“ mit individueller flexibler Investitionsquote bis 0%, beliebig auf mehrere Assetklassen verteilt oder aber auch computergestützt als Trendfolgesysteme (trotz der in manchen Fällen sehr hohen Kosten) auch Mehrwerte in einem 10 Jahreszeitraum bringen konnten, zeigt der 1., 3. und 4. Fonds im folgenden Vergleich:

    http://www.fondsweb.de/fondsvergleich/FR0010135103-LU0029873410-GB0030932676-DE000A0F5G98-LU0360863863 (soll keinerlei Werbung für einen der Fonds sein!!)

    der 2 Fonds ist der von mir in 2000 (nachträglich zurecht) verkaufte Templeton Value-Fonds … und Fonds 4 ist der allerteuerste mir bekannte und Fonds 5 ist der kostengünstigste mir bekannte (beide unterscheiden sich exorbitant hoch in den jährlichen Kosten: wie AA, TER + Abzock-High Watermark, welche die Performance natürlich drastisch schmälern und Jahr für Jahr miterwirtschaftet werden müssen).

    Aber mindestens so leicht wie einzelne Fondsmanager (egal welcher Anlagestil) scheitern können (leider auch Value), so können natürlich die Masse der traditionell noch weniger gut informierten Privatinvestoren leider ebenso leicht in der Vergangenheit auf die „falschen“ Aktien gesetzt haben…

    Vielleicht hilft dem einen oder anderen ja der folgende Link um künftige Gewinner zu identifizieren:
    http://www.finviz.com/screener.ashx?v=111&ft=2

    Beste Grüße & good luck to all
    Hubsen

  10. Hubsen

    @ Matthäus

    da haben Sie absolut recht, dass der Totalverlust eines Einzelinvestments (für den breiter aufgestellten Investor) viel leichter verschmerzbar ist als das Leid, welches durch eine Insolvenz ausgelöst wird!

    Nur bin ich mir – trotz möglichst ethischen Investments – in Ihrer Schlussfolgerung nicht so sicher, nämlich ob man durch das Investment tatsächlich immer die Arbeitsplätze sichert oder sich nicht manchmal selbst den Boden abgräbt. Schließlich wollen Aktionäre auch Dividende bzw. steigende Kurse sehen und der dadurch ausgelöste Kostendruck auf die börsenotierten Firmen führt oft auch zu ungesunden Rationalisierungbestrebungen, wo viele Ältere den Job verlieren und die verbleibenden Jüngeren immer mehr Arbeit aufgebürdet bekommen -> dabei leider manchmal auch bis zur gesundheitsschädlichen „Burn Out“ Grenze und dabei gleichzetig, über die Einzahlungen in die Arbeitslosenversicherungs, die so Entlassenen miterhalten müssen (Nur weil aus der Bilanz des Unternehmens, verschwinden ja die gesamtwirtschaftlichen Kosten nicht).
    Andererseits kann meines Erachtens eine bessere Verteilung der Arbeitsvolumens aber auch nicht in der Verantwortung des Aktionärs gelegen sein…

    Beste Grüße
    Hubsen

    PS:
    Würde mich auch interessieren was ein Rohstoffkauf aus reinen Spekulationszwecken genau auslöst (außer höhere Kurse für die die den Rohstoff real benötigen).
    Z.B. Kakao – fördert man dadurch schlechte Produktionsbedingungen (Kinderarbeit in der Elfenbeinküste)?… oder unterstützt das sogar den guten, aber wesentlich teureren Fair-Trade Handelspreis? … oder neutral?

  11. Matthäus Piksa

    Stimmt, meine Ausführungen orientierten sich am Aktionär wie er im Lehrbuch steht, ohne den es die Aktiengesellschaft als solche erst gar nicht geben würde.

    In der Realität stehen die börsennotierten AG's natürlich unter einem tlw. enormen Kostendruck, natürlich auch die nicht börsennotierten Kapitalgesellschaften und die Personengesellschaften.
    Der Kostendruck entsteht aber auch durch viele andere Faktoren, bspw. verschärfte Wettbewerbssituation, Managementfehler, Fehlinvestitionen, Imageprobleme und nicht zuletzt einer Produktpalette, die sich nicht am Kunden orientiert, schlechter Kundenservice etc.etc.
    Die Frage, ob ein Unternehmen letzten Endes gesund ist und somit auch die Arbeitsplätze sicher sind hängt also von vielen Faktoren ab und muss von Einzelfall zu Einzelfall untersucht werden.
    Trotzdem, ich bleibe bei meinem oben formulierten Grundsatz, dass die Aktionäre für den Erhalt von Arbeitsplätzen sorgen. Durch die Hedge-Fonds, die als mächtige Marktakteure auf den Plan treten und Aktien leerverkaufen können, entsteht ein viel höherer Druck auf das Management, die Belegschaft und die Kosten. Und trotzdem wird hier argumentiert, dass durch diesen Druck eine notwendige Marktbereinigung (Selbstheilungskraft des Marktes) stattfindet und damit zumindest zukünfige Aktionäre geschützt werden. In der Financial Times habe ich ein interessantes Interview mit dem Hedgefondsmanager James Chanos entdeckt, der vor dem Platzen der Immobilienblase in China warnt: http://m.ftd.de/artikel/60044383.xml?v=2.0#oben
    …und hier (Absatz 4) finden Sie in Tim's Blog eine Liste mit der Shortselling-Quote bei einzelnen Aktien: http://www.timschaefermedia.com/?Studie_Wir_koennen_von_den_Shortsellern_lernen&id=1036&det=1&search=hedgefonds

    Steigende Rohstoffpreise führen unweigerlich dazu, dass die Angebotsseite profitiert. Dann steigt aber auch der Preis des fairtrade-Kaffee's.

    ciao

  12. Hubsen

    @ Matthäus

    Hut ab! -> Eine wirklich super Analyse aller vorherrschenden Kostendruckfaktoren!! … da sowohl marktseitige Angebotsfehler (einnahmenseitig) als auch unternehmenseeitige interne kostenverursachende Mgmt.-Fehler berücksichtigend.

    Bei den meist auch unter staatlichen Einfluß stehenden „too big to fail“ Dividenden-Unternehmen (Aktien-blue chips), geht es aber sehr oft – in erster Linie – in Richtung „fantasieloser“ Mitarbeiterabbau (zumeist älterer, weil später oft auch teurerer Mitarbeiter) als in Richtung innovativer Produkt-/Geschäftsfelderweiterung bzw. auch Serviceausbau (-> siehe Post, Telekoms, Banken, früher stark auch OMV etc.)
    … aber wie passt das zusammen, dass wir alle immer länger im Erwerbsleben bleiben sollen, wenn bereits die Großarbeitgeber so agieren indem sie ihr Kostenproblem so lösen, dass sie den „Ball“ an die staatlichen notwendig werdenden Transferleistungen weiterspielen?

    Gerade diese Großbetriebe haben ja (wegen der nahezu sicheren Dividenden und oft auch quasi-monopolistischen Stellung) kaum Schwierigkeiten sich Geld von den Aktionären zu holen, während Klein- und Mittelbetriebe vielfach um die Gewährung von Bankkrediten für Expansionszwecke bitten und betteln müssen, auch wenn die Geschäftsaussichten oft ganz gut sind (sonst würde man ja nicht expandieren wollen).

    Beste Grüße!
    Hubsen

  13. Matthäus Piksa

    Danke Hubsen.

    Sie haben Entlassungen von Großkonzernen im Sinn, weil ein Unternehmen entweder verschuldet in eine Krise gerät oder aber unverschuldet durch eine Wirtschaftskrise in schwieriges Fahrwasser gerät.
    In Deutschland haben die Unternehmen aus der Realwirtschaft im Jahr 2009 branchenübergreifend auf die Kurzarbeit gesetzt. Das erforderte auch von den Arbeitnehmern einige Zugeständnisse. Mittlerweile zweifelt aber niemand mehr an dem Erfolg dieser Maßnahme und die Kurzarbeit wurde längst wieder aufgehoben. Das Modell wurde weltweit zunächst bewundert und wird mittlerweile auch kopiert. Das zeigt auch, dass zu Entlassungen bzw. Aufhebungsverträgen erst gegriffen wird, wenn die Lage bedrohlich wird. In Deutschland wird also oftmals im Zusammenspiel mit dem Management, den Gewerkschaften und der Politik versucht, negative Folgen für die Beteiligten zu vermeiden. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/kurzarbeit-rettete-mehr-als-300000-arbeitsplaetze/3336760.html
    Und das Großkonzerne immer an Geld kommen Stichwort „Kapitalerhöhung“ stimmt so aber nicht. Vor zwei Jahren schmissen die Anleger in einem regelrechten Ausverkauf ihre Aktien panikartig nur so über Bord. Damals sind keine Kapitalerhöhungen durchgeführt worden, weil niemand die Aktien gezeichnet hätte. Heute, zwei Jahre später stehen Dow, Dax & Co. wieder ca. 80-90% höher, welch Achterbahnfahrt!

    Es gibt allerdings auch Negativbspe wie die Schließung des Bochumer Werks von Nokia, oder, weniger bekannt, weil „ldgl“ knapp 150 Arbeitsplätze betroffen waren, die Schließung der Produktionsstätte von CocaCola in Kaiserslautern. In beiden Fällen wurden die Werke geschlossen, obwohl sie rentabel waren und die Politik sich einsetzte. In Bochum wurden die Subventionen nicht verlängert und in Kaiserslautern kam es zu der Schließung, weil das Management von CocaColaDeutschland in Berlin inmitten der Wirtschaftskrise wohl in Panik geriet. Das sind zwei Beispiele, die belegen, dass der Kapitalismus auch eine asoziale Seite haben kann…

  14. Hubsen

    @ Matthäus

    ja in Österreich löst man dieses Kostenproblem bei großen und insbesondere bei staatsnahen Betrieben wie ÖBB, Post, Telekom, Banken, früher sehr stark auch OMV …) lieber mit den sogenannten „sozial verträglichen Golden Handshake Angeboten“ an ältere Mitarbeiter (also ab 45 darfs spätestens losgehen trotz allen diversity-Beteuerungen am Papier von der fruchtbaren Zusammenarbeit von alt und jung) (…und wo vorhanden, manchmal auch mit begleitenden Beamtenbashing)… und das vor, während und nach einer Krise.

    Man verschiebt also das Kostenproblem vom Unternehmen hin zu den staatlichen Transferleistungen und legt den Verbliebenen die wegfallende Arbeitsleistung oben drauf und belastet so die verbliebenen jüngeren Arbeitnehmer doppelt (nämlich auch als Nettozahler ins Pensionsumlage- und Arbeitslosenversicherungssystem -> Folge: hohe Frühpensionierungsrate und auch Altersarbeitslosigkeit)

    Nur bei einigen wenigen großen (wie z.B. die Voest..),zumeist aber bei kleineren oder mittelständisch familiengeführten Unternehmen wie z.B. bei der lobenswerten „Palfinger AG“ findet man noch diese langfristig orientierte Solidarität mit den Mitarbeitern. Kurzarbeit gab es in Österr. zwar auch, war aber nicht annähernd so beliebt wie in Deutschland.
    http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/633759/Kurzarbeit_Teures-Kriseninstrument-laeuft-aus?from=simarchiv

    In Summe 1:0 hier für Deutschland um im heutigen Ländermatchjargon zu bleiben 🙂

    Beste Grüße!
    Hubsen

    (sorry für doch schon zu sehr off-topic)

  15. tim schaefertim schaefer

    Hi Hubsen, die Idee mit dem erfolgreichen Trades klingt ja ganz nett. Also Ihr Vorschlag für die vergangenen zehn Jahre im Dow Jones: Auf dem Tiefpunkt zu kaufen und auf dem Hochpunkt zu verkaufen – anstatt stetig an Bord zu bleiben. Es bleibt aber leider nur ein Traum. Denn wir Anleger finden diese idealen Zeitpunkte am Aktienmarkt leider nicht für unsere Transaktionen. Wir Privatanleger machen so viele Fehler, werden immer auf dem falschen Fuß erwischt. Wenn wir genau wüssten, wohin die Reise geht, wäre Ihr Vorschlag mit den Trades geradezu phänomenal. Mich beschäftigt das Thema Trading so sehr, dass ich einen neuen Blogeintrag dazu eben geschrieben habe. Hubsen, beste Grüße TS

  16. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus, ja die Kurzarbeit ist gar keine schlechte Idee. Dieses Instrument der Kurzarbeit hatte ja schon der Peter Hartz bei Volkswagen eigesetzt. Der hat aus einer 5-Tage-Woche einfach eine 4-Tage-Woche gemacht. Anstatt Tausende Jobs bei VW zu streichen, hat Hartz den Frieden in dem Wolfsburger Konzern gewahrt. Da stimmten selbst die Gewerkschaften und die SPD zu. Etwas weniger Geld, aber dafür mehr Freizeit – das scheint mir für Krisen durchaus sinnvoll zu sein. So wurde jedenfalls Volkswagen saniert. Und ein Großteil der deutschen Wirtschaft während der jüngsten Finanzkrise.
    Danke Hubsen! Danke Matthäus! Ihre rege Diskussion hilft den Lesern weiter. Da macht das Bloggen gleich mehr Spass. Ich bin beeindruckt von Ihren Kommentaren. Sie haben gute handfeste Argumente.

  17. Matthäus Piksa

    Hi Tim! Wieder zurück vom Kurzurlaub und die neuen Ideen gleich in einem neuen Blogbeitrag untergebracht. Wie gewohnt!

    Ja, die Kurzarbeit ist ein Erfolgsmodell. Das Peter Hartz sozusagen der Vater dieses Modells ist, wusste ich gar nicht… gut das haben Sie so auch nicht geschrieben…

    Wahrscheinlich wurde er aufgrund dieses Erfolgs und wegen der Nähe zu Gerhard Schröder belohnt und durfte folglich die Reform der Sozialsysteme federführend übernehmen…
    …hmmm, über Gerhard Schröder kann man ja geteilter Meinung sein. Deswegen antworte ich in der Statement-Methode, wie von der Hesse&Schrader-Referentin, vor Jahren mal empfohlen:
    Gerhard Schröder hat einerseits mit der Agenda 2010 wichtige Sozialreformen angestoßen, zusammen mit den Grünen den Atomausstieg beschlossen und entsprechend dem Volkswillen „Nein“ zu einer Beteiligung am Irak-Krieg gesagt. Andererseits hat auch er die Gewährträgerhaftung für die Landesbanken nicht abgeschafft, die Staatsverschuldung nicht nachhaltig gestoppt und …naja mehr fällt mir jetzt auch nicht ein und ob das alles richtig ist und/oder politisch neutral sei mal auch dahin gestellt.

    Die Statement-Methode ermöglicht es adhoc zu antworten, ohne sich in der Antwort für eine bestimmte Position entscheiden zu müssen, pro oder contra, so dass man im Endeffet geantwortet hat, sich dabei aber nicht festgelegt hat, was sich später als Vorteil erweisen kann. Aus diesem Grund wird sie von erfahrenen Politprofis regelmäßig eingesetzt… bestimmt auch im englischen, on the one hand, on the other hand.
    …erstaunlich was nach etlichen Jahren eines Ein-Tages-Seminars noch hängen geblieben ist…

    Grüße nach NYC.
    Matthäus

  18. HubsenHubsen

    @ Tim

    von der Illusion den idealen Zeitpunkt für Kauf oder Verkauf zu finden habe ich NIE gesprochen, nur von strategischen Annäherungsmöglichkeiten um eine übergeordnete Markttrendumkehr nicht zu verpennen – und das geht sehr wohl!

    Den richtigen Zeitpunkt zum Absprung zu finden (z.B. immer -10%; -15% etc. vom Höchststand zu verkaufen) ist erstmal gar keine Hexerei -> Das macht ein „Trailing Stopp Loss“ ganz automatisch und das kann mittlerweile jedes bessere Handelssystem/Onlinebroker. Das man dabei schon mal zu früh aussteigt kann durch eine zu eng gewählte Stopp-Nachziehung (als Absolutbetrag oder Prozentbetrag -i.d.R. historischen Normalrücksetzern angepasst) schon mal passieren -> aber ehrlich gesagt – besser so „versichert“, als Minus 30% mit dem Markt runter und weit mehr als 42% wieder aufholen müssen – alles nur um pari auszusteigen.

    …und für den Wiedereinstieg kann man sich ja durchaus Zeit lassen…

    Auch an den Kreuzungen der gleitenden Durchschnittskurse z.B. der 38 Tageslinie mit der 200 Tageslinie jeweils zu verkaufen bzw. wieder zu kaufen hätte schon eine weit höhere Performance durch Verlustvermeidung gebracht.

    Chart

    Das Problem hier ist nur, dass solche einfachen Strategien meist nur mit spezieller Börsesoftware vollautomatisch gehandelt werden können, die dem Privaten nicht beim Onlinebroker kostenfrei zur Verfügung stehen, wie z.B. der Trailing Stopp Loss.

    Fundierte, rechnerisch belegbare Einwände, dass dies in der Vergangenheit bessere Erträge gebracht hätte als Buy & Hold?

    Beste Grüße
    Hubsen

  19. tim schaefertim schaefer

    Sorry Hubsen, da hatte ich Sie missverstanden. Sie sprachen nicht vom idealen Einstiegspunkt, das stimmt. Sorry. Ihre Frage zum Trading – da kenne ich mich nicht sonderlich gut aus, obwohl ich schon das eine oder andere Buch dazu gelesen habe. VG

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