Wir schaden uns jeden Tag selbst


New York, 10. Juni 2013

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Waschechte Börsianer wissen, Sparen und Investieren gehört zusammen. So wie zwei passende Socken.
Ich führe einen sparsamen Lebensstil. Jeder hat so seine Hobbys, ich auch. Ich gehe zum Beispiel gerne ins Theater. Heute schaute ich mir „Master Builder“ von Ibsen an.
Abgesehen davon bin ich, wie gesagt, ziemlich sparsam. Im Alltag fällt mir auf, Sparsamkeit und Gesundheit gehen oftmals Hand in Hand. Ich gebe Ihnen ein paar Beispiele:
Auto statt Bahn
Seit sieben Jahren habe ich kein Auto mehr. Warum? Ich gebe zu: Ein Grund sind die enormen Kosten. In New York kostet ein Auto mit allem drum und dran so viel wie eine kleine Mietwohnung in Berlin. Ich fahre also U-Bahn, Bus oder mit dem Rad. Ich laufe sehr viel, schleppe die Einkäufe nach Hause. Alles kein Problem. Nebeneffekt: Laufen und Radfahren ist gesünder. Der Steuerzahler subventioniert meine Fahrten mit der U-Bahn.
Mein Auto vermisse ich nicht. Keineswegs. Manchmal fahre ich für ganze 2,50 Dollar von Manhattan bis zum Flughafen. Das kann zwar mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln über 60 Minuten dauern, mir ist das egal. Eine Taxifahrt dauert 30 Minuten, kostet aber mit Trinkgeld schnell 70 Dollar. Da ich gerne lese, ist das Bahnfahren kein Problem für mich. Seitdem ich kein Auto mehr habe, komme ich logischerweise selten zu Shoppingcentern oder Outlets (Fabrikverkauf), was gut ist. Dort kauft man eh meist Mist, zu viel unnötiges Zeug.
Fastfood
Zum Thema Ernährung fällt mir ein: Gerade die Armen essen ungesund, finde ich. Große fette Steaks, Hamburger, Plastikkäse, frittiertes Zeug, Fertiggerichte aus dem Supermarkt… Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Jahr in einem McDonalds, Burger King oder bei Wendys war. Es muss etliche Jahre her sein.
Zu viel Fleisch, Mangel an Gemüse und Sport
Fleisch landet nicht mehr auf meinem Teller. Fisch? Ja. Milch, Eier, Käse auch. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Jedenfalls gibt es Studien, die zeigen: Vegetarier leben gesünder, sind dünner, werden älter. Der Durchschnittsbürger isst zu wenig Gemüse, zu viel Fleisch, macht zu wenig Sport. Ein Drittel der Amis sind fettsüchtig, ein weiteres Drittel ist übergewichtig. Nur ein Drittel der Bevölkerung hat „Normalgewicht“.
Wissenschaft, Krebsforschung und Weltgesundheitsorganisation sind sich einig: Leute, esst reichlich Obst und Gemüse, und zwar mehrmals täglich, so der Expertenrat.
Interessant daran ist: Fleisch ist recht teuer, frisches Obst und Gemüse vergleichsweise günstig.
Zweifelhafte Vitaminpräparate
Ich kenne Leute, die schlucken tonnenweise Vitamintabletten, Eiweißpulver, Wunderpillen. Das braucht kaum jemand. Das ist bei einer normalen Ernährung in der westlichen Welt unnötig, finde ich. Es birgt sogar Gefahren in sich. Für Vitaminpräparate werden Milliardensummen hinausgepfeffert. An jedem Eck gibt es in den USA Vitaminläden. Es werden mehr.
Restaurantboom
Dann gibt es einen anderen bedenklichen Trend in Nordamerika: Jede zweite Mahlzeit wird inzwischen außerhalb der eigenen vier Wände eingenommen. Meist ungesundes Zeug. Ich finde es gesünder, zu Hause zu kochen.
Urlaub aus dem Katalog
Früher bin ich gerne in teure Hotels. Da war mir der beste 5-Sterne-Schuppen gerade gut genug. Vor zwei Jahren haben wir entschieden, selbst zu planen. Mit der ganzen Familie und Freunden. Wir stellen uns selbst den Urlaub zusammen. Ein Fertigurlaub aus dem Katalog kommt nicht mehr in die Tüte. Wir gehen nicht campen, nein, wir mieten eine große Ferienwohnung oder Ferienhaus, teilen uns die Kosten und schneiden so günstiger pro Kopf ab. Und es ist familienfreundlicher.
Endlosbuffets und Cocktails
Wenn ich mir manche Hotels anschaue, was da für Essensmengen auf dem Buffet stehen, wird mir Angst und Bange. Wie sich die Pauschaltouristen am Buffett den Bauch voll hauen, nach dem Motto: „Der Urlaub muss sich lohnen“. Das ist nicht gesund. Es schmeckt nicht spektakulär.
Noch gefährlicher sind die „offenen“ Bars im Urlaub, finde ich. Ich rate nur zwei Worte in Google einzugeben: „Alkohol und Demenz“. Es besteht ein Zusammenhang zwischen intensiven Alkoholkonsum und Demenz. Die Krankheit kristallisiert sich erst mit zunehmendem Alter heraus.
Fakt ist, die Menschheit denkt zu wenig nach. Man steckt in einer Tretmühle fest und macht jeden Tag das Gleiche – selbst wenn es einem schadet.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Wir schaden uns jeden Tag selbst

  1. finanziell umdenken!

    Hi Tim,

    mit einem eher bescheidenden Lebensstil lässt sich eine ganze Menge Geld sparen. Du hast gute Punkte genannt, u.a. benötigt man in einer Großstadt nur in seltenen Fällen ein Auto. Dauerhaft unter seinen Möglichkeit zu bleiben sorgt dafür, dass man langfristig ein Vermögen aufbaut.

    In seiner freien Zeit sollte man jedoch auch Ausschau nach zusätzlichen (kleinen) Einkünften halten. Das können vielleicht 50, 100 oder 200 Euro (bzw. US-Dollar) pro Monat sein.

    Die Kombination aus: „unter seinen Verhältnissen leben“, investieren und „zusätzliche Einkommensquellen erschließen“ sind eine bombensichere Methode auf den finanziellen Wohlstand zuzusteuern.

    VG

  2. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    Wenn man sparsam lebt, dann kann man sich langfristig auch einen hohen Dividenden Einkommensstrom als Extra Rente aufbauen.

    Klar denken die Menschen viel zu wenig nach – es wird uns mittlerweile so vieles abgenommen … Wenn man erstmal Google eine Frage stellen und bekommt keine Suchergebnisse mehr, sondern eine gezielte Antwort, dann wird es richtig lustig werden für die Zukunft in ca. 20 Jahren.

  3. David

    Hi Tim,

    der Artikel gefällt mir richtig gut. Denn er spricht neben bei an was viele beim langfristigen Investieren übersehen. Wer langfristig investiert sollte auch versuchen im hohen Alter gesund zu sein um sein aufgebautes Vermögen dann auch genießen zu können.

    Also weiterhin gute Investitionen aber vorallem Gesundheit 🙂

  4. StefanStefan

    @ Tim:

    Man kann für 2,50 $ vom Flughafen nach Manhattan fahren?

    Als ich vor ein paar Jahren in New York war nahmen wir auch ein Taxi vom JFK nach Manhattan. Könnten auch so um die 70-80 $ gewesen sein…

    Mit welchen öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man denn nach Manhattan? U-Bahn fährt da doch keine, oder? Dachte, dass die Taxen da ein Monopol haben…

    Kochst du dir wirklich jeden Tag selbst? Wir versuchen das auch. Finde es im Alltag aber teilweise schon recht schwer das zeitlich alles hinzukriegen…würde ich in New York leben, würde ich ,denke ich, öfter das Food-Angebot auf der Strasse wahrnehmen. Zumal als Single. Für eine Person kochen lohnt sich irgendwie nicht richtig.

    Ansonsten wieder mal ein sehr interessanter Artikel. Auch abseits der Börse mal was zu nachdenken…

  5. Gast

    seien wir doch mal ehrlich : Wir Börsianer profitieren vom Lebensstil der Mehrheit.

    Wenn die Leute weiter rauchen, saufen, Auto fahren,übermässig essen und Geld für nutzloses Zeugs ausgeben, dann klingelt es in den Kassen unserer Unternehmen, an denen wir über Aktien beteiligt sind.

    Auf der einen Seite wollen wir alle Sparer und „Gutmenschen“ sein, auf der anderen Seite profitieren wir als Börsianer aber genau vom Gegenteil.

    Ich schüttel jedenfalls nicht den Kopf über Freunde in meinem Umfeld, die Nespresso Kapseln statt Filter Kaffe trinken und nebenher eine Zigarette rauchen, und zum Abschluss ein Bier oder Whisky trinken. Ich freue mich darüber, wenn sie sich toll und Hipp fühlen, mehr dafür bezahlen, und meine Unternehmen Geld verdienen.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Lars
    Alle 4 oder 8 Wochen stocke ich meine Aktienpositionen auf. Immer wenn etwas Geld in meiner Kasse übrig ist. Es ist ein stetiges Sparen.

    @Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog
    Stimmt. Google wird vermutlich in 20 Jahren anders funktionieren als heute.

    @David
    Buffett gab zu, sein Arzt riet ihm: Entweder Ernährung umstellen oder Sport machen. „Wenn Du so weiter machst, wird es früh(er) enden“, soll der Doc dem Investor gesagt haben. Buffett entschied sich für den Sport.
    Ich denke, alles in Maßen ist ok. Jeder sollte sich Gedanken machen über den eigenen Alltag: Rauchen, Trinken, Ernährung, Sport usw.

    @ Stefan
    Ja das geht für ein paar Dollar. Es gibt 3 Flughäfen in NYC. Bei jedem ist es anders. Aber grundsätzlich nimmst du von Manhattan die U-Bahn, steigst dann in den ÖPNV-Bus um (das gilt als kostenloser Transfer).

    @Gast
    Das stimmt. Da steckt zum Teil ein Widerspruch drin.

    Es gibt ja „Gutfirmen“ wie die Öko-Kette Whole Foods, die gesunde Fastfoodkette Chipotle Mexican Grill.

    Firmen denken um. Wenn Du der Pepsi-Chefin Indra Nooyi zuhörst, dann redet sie unentwegt von gesünderen Produkten. Weniger Salz, weniger Zucker… pepsi kauft gesunde Konkurrenten wie coconut water, Humus-Anbieter Sabra.

    Warren Buffett hat das Problem des guten Zwecks für die Gesellschaft in einem Brief an die Herausgebergin Katharine Graham 1973 gut beschrieben. Damals stieg er bei dem Zeitungshaus ein und war so froh über die Sinnhaftigkeit, den Nutzen der Zeitung:
    Hier ist Buffetts Brief.

  7. Markus

    Zitat: „Auf der einen Seite wollen wir alle Sparer und „Gutmenschen“ sein, auf der anderen Seite profitieren wir als Börsianer aber genau vom Gegenteil.“

    Genau darüber habe ich mir auch vor kurzem Gedanken gemacht…

    Ernährung ist auch ein riesiges komplexes Thema, wo alte Gesetzmäßigkeiten plötzlich nach neuen Forschungsergebnissen falsch sind.

    Bio ist nicht unbedingt billig, aber wenn man die Mengen sieht, die manche futtern, dann sollte es billiger sein, wenn man moderat bio ist. 😉 Außerdem ist es fast gesichert, dass weniger essen das Leben verlängert. Da kann man dann länger vom Zinseszins profitieren. 😉
    Meine Nestlè könnten in Hinsicht auf Gesundheit noch einiges machen…

    Ob Milch jetzt zu verteufeln ist, oder man Enzyme und Gerstengrassaft in den Himmel loben muss… Keine Ahnung.

    Künstliche Vitamine, Zusatzstoffe, Mineralöle, Arsen, Geschmacksvertärker, Pestizide und Hormone sollten eigentlich nichts in Lebensmitteln zu suchen haben…

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