Wie unser Berliner Kabinett geölt und geschmiert wird


New York, 1. Juni 2012

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In unserer Demokratie laufen viele Geschäfte im Hintergrund ab. Das Foto machte ich auf einer feinen Lobbyveranstaltung. Nicht der Bürger hat durch sein Wahlrecht das Sagen, sondern das Kapital. Je reicher ein Konzern, desto mehr hat dieser Konzern in Berlin Einfluss. Wer Geld hat, der bestimmt, was in der Hauptstadt geschieht. Das ist seit Jahrhunderten zu beobachten.
Weltweit ist das ein Phänomen. Ein Bekannter arbeitet im Kongress in Washington. Der sagt, je mehr eine Firma an den Politiker spendet, desto mehr Zeit nimmt sich der Senator für eben diese Firma.
Zu Spitzenzeiten hatten die deutschen Großkonzerne über 100 Mitarbeiter im Bundestag installiert. Diese Mitarbeiter der Privatwirtschaft schreiben dann munter an unseren Gesetzen mit. Im Kabinett hat also nicht Angela Merkel die Macht, sondern eine Susanne Klatten (BMW) beispielsweise. Die wahre Macht haben die Damen und Herren von Daimler, Deutsche Bank, Commerzbank, BASF und so weiter. Die sitzen in Wahrheit am Kabinettstisch. Es ist eine spezielle Form der Einflussnahme, die diese Unternehmen ausüben.
Fleißig spenden die Großkonzerne an die führenden Parteien. Die Deutsche Bank spendete zig Millionen Euro im vergangenen Jahrzehnt an die CDU und FDP. Ich halte diese Nähe für gefährlich und unmoralisch. Gerade vor dem Hintergrund der Finanzkrise sollten wir uns alle fragen, was da eigentlich abläuft.
Der Wissens-Austausch zwischen Politik und Wirtschaft ist verdammt wichtig, da stimmen sicherlich alle überein. Doch sollte dieser Austausch ohne Geldtransfers über die Bühne gehen. Unsere Parteien und Konzerne sollten diese Praxis in ihrem eigenen Interesse überdenken. Von der Deutschen Bank kann das Finanzministerium gewiss lernen, einen Einblick erhalten, den es so nicht hat. Ich finde nur diese Spenden sind nicht angemessen, es ist einfach nicht zeitgemäß. Wie kann ein Minister neutral bleiben angesichts des Geldregens? Wessen Interessen stehen an erster Stelle? Das Gemeinwohl oder die Ziele eines Unternehmens?
Kein Wunder, dass Reformen schwer durchsetzbar sind. Wenn Politiker abgewählt werden, bedanken sich die Konzerne anschließend hin und wieder mit schön-bezahlten Jobs für die hilfreiche Unterstützung während der offiziellen Amtsperiode.
Wenn Sie diese Zusammenhänge verstanden haben, wissen Sie, wie die Demokratie in unserem Kapitalismus funktioniert. Deswegen werden die größten Konzerne immer größer und die Reichen immer reicher.
Deshalb kleben die Mächtigen auf ihren Sesseln. Sie genießen es regelrecht, Macht zu haben und überall mit „Geschenken“ empfangen zu werden. Unser oberster Ex-Schnäppchenjäger im Schloss Bellevue, Christian Wulff, ist ja nur die Spitze des Eisbergs.
Kein Wunder, dass das Vertrauen in die Politik auf einem Tiefpunkt angekommen ist und die Menschen immer extremere Parteien, links und rechts vom Tellerrand, wählen.
Unser einstiger Kanzler Gerhard Schröder arbeitet nach seinem Rücktritt für ein britisch-russisches Pipeline-Projekt von TNK-BP und kassiert kräftig ab. Auf seinem Konto sprudelt Geld von Gazprom, dem Schweizer Medienunternehmen Ringier, der Privatbank Rothschild. AWD-Gründer Carsten Maschmeyer gibt seinem Dutzfreund Schröder eine Million Euro für die Rechte an seinem Buch. Schröders Regierungssprecher wechselt zum AWD.
Der Vorzeige-Ober-Grüne Joschka Fischer berät die Autoindustrie (BMW), Siemens, RWE und so weiter.
Marianne Tritz, Ur-Grüne, ist mit der Tabakindustrie verbandelt.
Otto Schily, einstiger Innenminister, macht sich als Mächtiger in Berlin für neue biometrische Pässe stark – schwups arbeitet er kurz darauf für einen solchen Pass-Anbieter.
Wolfgang Clement, Ex-Arbeitsminister, steht nach seinem Abgang aus der Politik bei der Zeitarbeitsfirma Adecco auf der Gehaltsliste. Vorher macht er sich für die Liberalisierung auf dem Arbeitsmarkt stark. Logo.
Caio Koch Weser ist einstmals mächtiger Staatssekretär im Finanzministerium, im Anschluss geht er zur Deutschen Bank. Willkommen im Club!
Der Grüne Matthias Berninger, ehemals Staatssekretär im Verbraucherministerium, arbeitet nun für den Süßwarenhersteller Mars.
Ich könnte diese Liste fortsetzen. Auf diesem Link können Sie sich die Seitenwechsler in Ruhe selbst anschauen.
Ich finde, Parteispenden sollten abgeschafft werden. Und es sollte eine Karenzzeit von fünf Jahren für Politiker geben. Politiker sollten keine hochbezahlten Jobs in Unternehmen annehmen dürfen, sondern während dieser Sperrfrist allenfalls für Stiftungen oder im Ausland arbeiten.
Damit mich niemand falsch versteht: Es gibt exzellente Politiker in Deutschland. Ich finde, dass Angela Merkel eine gute Politik macht. Und nicht überall ist Korruption zu vermuten. Die Mehrzahl unserer Abgeordneten arbeitet ethisch einwandfrei. Es ist aber eine Grauzone entstanden, die wir bereinigen sollten, um jeden Anschein der unfairen Einflussnahme auszuschließen. Natürlich ist der Rat der großen Konzerne in Berlin wichtig und richtig. Es sollte nur eben transparent geschehen und nicht in Hinterzimmern – womöglich mit dem großen Geldkoffer.
Sehen Sie den Monitor-Beitrag über das Sponsoring. Der Vorteil des Sponsoring für die Parteien: Die Geldquellen können verschleiert werden:

So funktioniert die Einflussnahme in der Praxis:


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Wie unser Berliner Kabinett geölt und geschmiert wird

  1. Matthäus Piksa

    Hallo Tim,

    ich finde auch die Internetseite http://www.abgeordnetenwatch.de gut.
    Dort können politikinteressierte Bürger Fragen direkt an die Politiker stellen oder aber das Abstimmungsverhalten der Bundestagsabgeordneten nachvollziehen.

    So stimmte zB der neue Umweltminister Altmaier in Umweltthemen ab:

    – Kürzungen der Solarförderungen: JA
    – Unterirdische Speicherung von CO2: JA
    – AKW-Ausstieg bis 2022: JA
    – Sofortige Abschaltung von Alt-AKW: NEIN
    – Vorübergehende Aussetzung von AKW-Laufzeiten (Moratorium): JA
    – Brennelementesteuer: JA
    – Verlängerung von AKW-Laufzeiten: JA

    Hier der Link zu seinem Abstimmungsverhalten in der aktuellen Wahlperiode: http://www.abgeordnetenwatch.de/peter_altmaier-575-37449—abstimmungsverhalten-all.html#parlamentarische_arbeit

    Hier ist auch noch ein Link, der auf Parteispenden aus der Automobilindustrie aufmerksam macht. So spendeten allein Daimler seit 1994 über 6 Mio. € vorzugsweise an CDU/CSU, SPD und die FDP: http://blog.abgeordnetenwatch.de/2012/05/22/bescherung-von-der-autolobby-daimler-und-bmw-spendieren-parteien-660000-euro/

    Gruß Matthäus

  2. tim schaefertim schaefer

    Danke Matthäus.

    Die meisten Politiker sind Herdentiere. Sie folgen der Partei, den Vorgaben des Fraktionschefs, es ist eine Art Gruppenzwang.

    Politiker mit einem eigenen Profil sind wirklich selten. Leider. Danke für die Links, ich schaue mir das an.

    Dass all diese Millionen-Spenden fließen, finde ich brisant.

    So verliert die Politik die Bodenhaftung. Was dann zählt, ist das, was gut ist für den Geldgeber und nicht unbedingt die Menschen.

    Es ist wirklich schade, wie hier Großkonzerne die Demokratie beschädigen und die Parteien fröhlich mitmachen.

    Beste Grüße
    Tim

  3. Matthäus Piksa

    Hallo Tim,

    für einen Durchschnittspolitiker ist es sicherlich bequemer, sich mit der Parteispitze und dem Franktionsvorsitzenden abzustimmen und nicht querzuschießen. Andernfalls ist auch der gute Listenplatz schnell gefährdet.

    Was mich auch nachdenklich stimmt ist der Umstand das die Ausschüsse unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagen.

    Selbst der Sportausschuss des Bundestages tagt geheim wie ich aus den Blog- und Facebook-Meldungen des Sportjournalisten Jens Weinreich weiß, der seit langem die skandalösen Korruptionsverhältnisse des Fußball-Dachverbands FIFA anprangert, ohne das sich etwas geändert hätte. Selbst das Ethik-Kommitee der FIFA, deren Aufgabe es unter anderem sein soll, Missstände zu beheben und hierfür eigens gegründet wurde hat hieran nichts geändert.
    Es ist wohl einfach zu viel Geld im Spiel, aus dem Verkauf der TV-Übertragungsrechte, der Sponsoreneinnahmen, den Lizenzverkäufen etc. mutmaße ich.

    Gruß Matthäus

  4. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    vollkommen richtig. Unter dieser Hinterzimmer-Politik leidet die Demokratie. Wer weiß, was da alles besprochen wird. Die Politik ist mit all den Millionen außer Kontrolle geraten. Vermutlich läuft da viel mehr Korruption ab, als wir uns vorstellen können.

    Helmut Kohl hat uns ja mit seiner Geldkofferpolitik einen kleinen Einblick in dieses kriminelle System gegeben. Und ich frage mich, was all diese dubiosen Waffenhändler in Berlin jeden Tag machen. Die CDU hatte die bescheuerten Idee auch noch, das Schwarzgeld als „jüdische Vermächtnisse“ zu tarnen. So ein Lug und Trug. Es ist unglaublich.

    Wenn ich zu schnell im Auto nach Frankfurt düse, kriege ich sofort einen Strafzettel. Helmut Kohl, Christian Wulff, Wolfgang Schäuble, Gerhard Schröder – die können machen, was sie wollen. Denen passiert nie etwas. Nichts. Rein gar nichts, weil das System korrupt ist.

    Dass die Menschen manchmal die Schnauze voll haben und Protestparteien wählen, kann ich nachvollziehen.

  5. Matthäus Piksa

    Das ist ja echt bescheuert die Herkunft der Geldkoffer als „jüdisches Vermächtnis“ zu deklarieren. Das eine hat doch mit dem anderen überhaupt nichts zu tun.

    Das ist ziemlich zynisch und verlogen, denn bei der Bevölkerung bleibt am Ende hängen, dass „der Jude“ seine Finger im Spiel hatte. Ich schätze mal, dass solche unbedachten Aussagen mitverantwortlich sind für den wachsenden Antisemitismus in Deutschland. Studien belegen, dass 20% der Deutschen, also 16 Millionen, latent antisemitisch sind: http://m.spiegel.de/politik/deutschland/a-810766.html#spRedirectedFrom=www

    Ich gebrauche den Begriff nicht so oft, aber das ist schlicht der Wahnsinn.

    In Deutschland leben im Übrigen wieder 120.000 Menschen die sich zum Judentum bekennen, es gibt also viele Betroffene des Antisemitismus, wenn diese Minderheitengruppe auch klein ist, im Vgl. zB zu der muslimischen Minderheitengruppe.

    Mich würde es außerdem nicht wundern, wenn eines Tages irgendein Politiker auf die durchgeknallte Idee käme, die Juden für die Finanzkrise verantwortlich zu machen… sage ich jetzt mal ganz offen.

  6. tim schaefertim schaefer

    Wenn Du mich fragst Matthäus, hätte die CDU für dieses unanständige Geld-Versteckspiel den gesamten Betrag nach Israel überweisen müssen.

    Die anderen Parteien mischen übrigens auch beim Schwarzgeld fleißig mit. Das nimmt Ausmaße an, die auf keine Kuhhaut mehr gehen. Etwa: SPD-Müllspenden-Skandal.

  7. Matthäus Piksa

    Bei solchen Fällen braucht man sich nicht zu wundern, dass Deutschland bei der Korruption im internationalen Vergleich zurückfällt.

    Geschwächt wird dann die Verhandlungsposition wenn es darum geht internationale Abkommen abzuschließen.

    Ja das hätte die CDU mal machen sollen, das Geld als Strafe nach Israel überweisen. Ich fand's im Übrigen gut, dass Angela Merkel die Sicherheit Israels letztes Jahr zu einem Bestandteil der deutschen Staatsräson erklärt hat, wofür sie kritisiert wurde. Gauck hat hier bei seinem Staatsbesuch verhaltener formuliert.

    Geschlossenes Auftreten sieht anders aus. Ich bin hier klar auf Merkels Linie. Wenn die Existenz Israels bedroht ist und es rein hypothetisch zu einer militärischen Eskalation käme, dann müsste notfalls eben die Bundeswehr mithelfen. Die Drecksarbeit würde ohnehin die israelische Armee leisten, stark unterstützt von den Ami's. Der Beitrag der Bundeswehr wäre ein symbolischer.
    Aber schon das reicht aus, um in Deutschland groß angelegte Debatten auszulösen. Hinter dem fraglichen Pazifismus einiger verbirgt sich auch ein Antiisraelismus, weil oft nicht verstanden wird, dass die Israelis aus schierer Angst Mauern und Zäune bauen, um sich vor den Sprengstoffanschlägen zu schützen, um nur ein Bsp. zu nennen.

  8. tim schaefertim schaefer

    Zum Teil gibt es auch scheinheilige Diskussionen.

    
Wenn die Franzosen irgendeine Insel mit Nukleartests verseuchen, ist das OK.

    Wenn die Amerikaner in Deutschland Atombomben lagern, ist das OK.

    Lange Zeit lagen auf einem US-Stützpunkt im Viernheimer-Lampertheimer Wald (Hessen) sogar Giftgasbomben. Jedenfalls gab es Spekulationen in diese Richtung. Die Militärs schwiegen zu dem Thema auffällig.

    

Wenn Pakistan riesige Atombomben-Testreihen fährt, ist das super.

    Wenn Indien testet, wunderbar.

    Wenn das verarmte Nordkorea mit einer uralten Technik eine Rakete testet, dann regt sich ganze Welt darüber auf. 


    Wenn der Iran an Atombomben bastelt, schreien alle laut auf. Die Ängste kann ich verstehen.
 Klar ist der Iran ein Regime, das extrem gefährlich ist. Im Iran gibt es keine Menschenrechte, Menschen werden gefoltert, gesteinigt, abgeschlachtet.

    Trotzdem reagiert der Westen manchmal merkwürdig. Kann man ein Land wie den Iran vorsorglich in Schutt und Asche legen? Israel hat 600 bis 1000 Atombomben. Wenn die Israelis möchten, können sie die ganze Region kaputt bomben. Zurück in die Steinzeit sozusagen. Ist das die Lösung? Wohl kaum.

    PS: Ich bin solidarisch mit Israel, das sei hier angemerkt. Der Krieg im Irak hat zu nix geführt. Die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Saddam Hussain sind nie gefunden worden. Die waren aber der Grund für den Krieg…

  9. Matthäus Piksa

    Hallo Tim,

    es ist wirklich nicht ausgeschlossen das die Amerikaner in Deutschland Atombomben lagern: http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=2850
    Aber bestätigt ist es eben auch nicht.

    Israel hat Atombomben, spricht aber im Gegensatz zum Iran nicht davon seinen Nachbarn zu vernichten. Nur ist jetzt die Frage, ob Israel sich durch reine Provokation zu einem Militärschlag entscheidet oder ob doch mehr hinter dem iranischen Atomprogramm steckt.
    Jedenfalls ist nicht jeder Israeli antiiranisch eingestellt, wie man an der Kampagne „Israel-loves-Iran“ sieht.
    Mal sehen was dort noch passiert, der iranische Präsident Achmadinedschad soll ja sowohl innenpolitisch angeschlagen sein als auch eine lame duck sein, weil er bei der nächsten Wahl entweder nicht mehr antreten darf oder aber keine Chance hat wiedergewählt zu werden, das habe ich jetzt nicht mehr richtig in Erinnerung.

    Jedenfalls gibt es keinen Automatismus der zwangsläufig in einen militärischen Iran-Israel-Konflit führt, manche malen den Teufel nämlich schon an die Wand, zB diejenigen die den Verkauf der deutschen atomwaffentransportfähigen U-Boote an Israel kritisieren.

    Gruß Matthäus

  10. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    am besten wäre es wohl, wenn wir einen friedlichen Arabischen Frühling im Iran endlich haben. Dann wären viele Probleme vorerst gelöst.

    Mit Blick auf Deutschland und die fetten Atombomben, die hier lagern: Wenn die Militärs etwas nicht abstreiten, dann ist das so.

    VG
    Tim

  11. Matthäus Piksa

    Hi Tim,

    stimmt, den iranischen Machthabern blieb die arabische Revolution bislang erspart, warum auch immer.
    Jedoch wurde auf die israelische Kampagne „Israel loves Iran“ eine Gegenkampagne „Iran loves Israel“ gestartet.
    Dies zeigt, dass es sowohl im Iran (ca. 75 Millionen Einwohner) als auch in Israel (7 Millionen Einwohner) genügend Menschen gibt, die einander nicht hassen, sondern in Frieden leben wollen.

    Bleibt abzuwarten, was die Regierungen machen.

    Der ganze Nahost bleibt jedoch wie man in Syrien sieht weiterhin ein Pulverfass. Die neuen ägyptischen Machthaber haben erst neulich wichtige Gaslieferverträge an Israel aufgekündigt.

    Gruß Matthäus

  12. Matthäus Piksa

    Mit den ganzen ABC-Waffen könnte sich die Menschheit gleich mehrmals komplett auslöschen. Es ist ziemlich irrsinnig so viele Waffen zu produzieren und zu lagern.

    Den kalten Krieg und das Säbel-Rasseln mit den Atomwaffen hat der bereits verstorbene Kult-Regisseur Stanley Kubrick in seinem schwarz-weiß Film Dr. Strangelove satirisch thematisiert. Im Film endet die Welt in einem atomaren Over-kill. Das blieb uns letzen Endes wie wir wissen erspart.

    Wenn ich mich nicht irre hat in Deutschland die 68er-Generation das (atomare) Wettrüsten angeprangert, neben der „Entnazifizierung“. Letzten Endes führte dies doch sogar zur Gründung der linksterroristischen RAF-Gründung.
    Ich muss jedoch gestehen, dass ich mich mit diesem Teil der (deutschen) Geschichte nicht eingehend beschäftigt habe.

    Bis dann.

  13. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    mit dem Säbelrasseln bereiten die Westmächte möglicherweise einen Krieg vor. Das Säbelrasseln ist oft eine PR-Maschine, um dem eigenen Volk eine Botschaft zu vermitteln. Das war im Irak-Krieg etwa der Fall.

    Ein US-Präsident kann im Falle eines Kriegseinsatzes im Grunde von eigenen Problemen im Inland ablenken. Ich glaube indes nicht, dass Barack Obama diese Strategie fährt. Ich halte ihn für einen guten Politiker, auch wenn die Probleme der Finanzkrise gerade zurück kehren.

  14. Matthäus Piksa

    Hallo Tim,

    das Meinungsblatt BILD hat gerade ein Interview mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu veröffentlicht, wie ich finde lesenswert: http://wap.bild.de/politik/inland/benjamin-netanjahu/deutsche-u-boote-sind-wichtig-fuer-israels-sicherheit-teil-1-24484412.bild.html

    Ich denke auch, dass Obama stolz darauf sein kann, dass die S&P 500 Unternehmen ihre Gewinne im letzten Jahr um 14% im Vgl. zum Vorjahr gesteigert haben, was einen großen Teil der Arbeitsplätze sichert. Hieran wird letzten Endes jeder amerikanische Präsident hauptsächlich gemesen.

    Gruß Matthäus

  15. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    ja. Ich denke über die Konjunktur und die Arbeitsplätze werden die Wahlen gewonnen. Kommt die Konjunktur nicht in Schwung, fliegen die aktuellen Regierungschefs einer nach dem nächsten im hohen Bogen aus dem Amt. In Frankreich hat man das gut sehen können.
    VG

  16. Matthäus Piksa

    Hallo Tim,

    als Obama 2008 in Berlin damals noch als Präsidentschaftskanditat eine Rede vor der Siegessäule hielt, war ich ja einer derjenigen, die live dabei waren. Damals gelang es ihm gar die deutschen Massen zu elektrisieren. Das mag schon was heißen.

    Ob ihm das heute auch noch gelänge, wäre eine gute Frage. Ich kann mir vorstellen, dass er weitere vier Jahre Zeit bekommt seine Politik fortzusetzen.
    Ich schätze, dass er sympathischer rüberkommt im Vgl. zu seinem ärgsten Konkurrenten Mitt Romney. In der Außenpolitik setzt er auf eine enge Kooperation mit seinen Partnern, Stichwort Krisenmanagement, aber auch mit Blick auf die BRICS-Staaten. Er holt die Truppen langsam von ihren langen Auslandseinsätzen nach Hause, feiert Erfolge im Kampf gegen den Terror. Zu seiner Innenpolitik kann ich nicht viel sagen, ua wollte er das Gesundheitssystem reformieren und die WallStreet stärker regulieren.

    Tatenlosigkeit kann man ihm jedenfalls nicht vorwerfen.

    Lediglich Außenseiterchancen räume ich dem bei Studenten beliebten radikal-liberalen Ron Paul ein.

    Im November sind wir natürlich alle schlauer.

    Gruß Matthäus

  17. tim schaefertim schaefer

    Hallo Matthäus,

    das sehe ich genauso. Ob Obama gewinnt oder verliert, hängt von der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ab. 8,2% offiziell Arbeitslose ist echt happig. Aber nach so einer Finanzkrise dauert es viele Jahre, bis die Arbeitslosenquote sich bessert.

    Die FED sagt, dass 5% Arbeitslosenquote nach ihrem Dafürhalten der Vollbeschäftigung gleichkommt. Bekanntlich verfolgt die FED im Gegensatz zur EZB 2 Ziele: Vollbeschäftigung und Preisstabilität. Beide Ziele hat die FED aufgeweicht, bei der Inflation ist die FED nun mit 2% zufrieden… Es ist eben nicht leicht, aus dem tiefen Loch nach dieser Krise herauszuklettern. Es kann noch 5 bis 10 Jahre dauern, bis die USA wieder zurück ist.

    Was mir an Obama gut gefällt, ist seine relative friedliche Außenpolitik. Wenn ich Republikaner höre, dann drohen sie gerne mit Krieg.

  18. Matthäus Piksa

    Ja stimmt, Obama's Außenpolitik ist eine kommunikative Friedens- und Verständigungspolitik. Das hat schon 2009 das Osloer Nobelpreiskomitee so gesehen und ihm folgerichtig den Friedensnobelpreis verliehen.

    Auch wenn Frieden natürlich streng genommen bedeutet das nie militärisch interveniert wird, so muss ich gestehen, dass ich Verständnis für ein militärisches Eingreifen der USA/NATO in Syrien hätte, um das dortige Blutvergießen zu stoppen. Jedoch verfolgen die Russen dort strategische Interessen und verhindern ein Einschreiten, in dem sie gegen die entsprechende UN-Resolution ein Veto einlegen würden, wenn es zu solch einer Abstimmung käme.

    Bis dann. Matthäus

  19. tim schaefertim schaefer

    wirtschaftlicher Einfluss mag schon eine Rolle spielen. Irak, Ägypten und Libyen haben alle reichlich Öl.

    Alles reiner Zufall, dass es hier zum Krieg kam? Wohl kaum.

    Unser Ex-Bundespräsident Horst Köhler giert unter Druck, nachdem er diesen Punkt angesprochen hatten. Aus eignen wirtschaftlichen Interessen heraus müsse auch die Bundeswehr zum Einsatz kommen, sagte Köhler.

  20. Matthäus Piksa

    Das Schwarze Gold ist unbestreitbar ein wichtiger Grund bei der
    Entscheidung pro oder contra Kriegseinsatz im Nahen Osten.

    Daher verstehe ich es auch, dass man sich mit der Entscheidung für oder gegen einen Militäreinsatz in Syrien, wo es nunmal kein oder nur wenig Öl geben soll, Zeit lässt. Die einzelnen weiteren Gründe werden in dem obigen Artikel gut aufgeführt. Was ich zum Bsp. nicht wusste, ist, dass es in Syrien eine relativ große christliche Minderheit gibt, der es unter Assad gut geht.
    In dem BILD-Interview mit Benjamin Netanjahu, sprach dieser auch davon, dass während dem Transformationsprozess der arabischen Welt hin zu gefestigten Demokratien durchaus auch damit gerechnet werden muss, dass islamistische Strömungen bei Wahlen die Mehrheit holen. Das sieht man aktuell in Ägypten.
    In so einem Fall verschlechtern sich die Beziehungen meist, es kommt zu Christenverfolgungen oder bspw. wie aktuell gelesen zur Aufkündigung des Gaslieferungsvertrages durch die Ägypter.

    Trotzdem ist der Freiheitsdrang der Araber grundsätzlich zu begrüßen, logisch.

    Gruß Matthäus

  21. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    Du hast mal wieder sehr tiefgründige Gedanken zu dem Thema. Exzellent.

    Im Endeffekt ist es am besten eine Situation (wie hier Syrien) aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten.

    Es ist wie nach einem Unfall: Je mehr Zeugen zur Verfügung stehen, desto einfacher lassen sich die Hintergründe aufklären.

  22. Matthäus Piksa

    Der Nahe Osten ist eine spannende Region.

    Ich investiere gar nicht mal so viel Zeit in die Analyse dieser Region.

    Wäre doch wunderbar, wenn wir durch den Austausch hier im Blog irgendwann auf einmal feststellen, dass wir Nahost-Experten sind, quasi im Vorbeilaufen. – Warum nicht? 😉

    Gruß Matthäus

  23. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    ich glaube, das würde bei mir etwas länger dauern. Im Nahen Osten ist alles so kompliziert. Ob ich das alles im Schnelldurchlauf begreifen kann, bezweifel ich. Dein Kommentar war wohl eher ironisch gemeint…oder?

  24. Matthäus Piksa

    Ja, es war (überwiegend) ironisch gemeint. Das versuchte ich mit dem Emoticon am Ende zu signalisieren. 🙂
    Ich spreche ja noch nicht einmal Herbräisch und auch keine der arabischen Sprachen. 🙁

    Gruß Matthäus

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