Wie Sie gute Anlageprofis finden


New York, 23. März 2014

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Was entscheidet über den Erfolg von Profianlegern? Kurz ist die Antwort: Welche Anlagen sie auswählen. Wann sie einsteigen. Welche Strategie sie fahren. Intelligenz, Glück, Zufälle. Logisch! All das leuchtet ein.
Aber es gibt ganz simple Dinge wie Gebühren, Gehälter, Verwaltungskosten, die ebenso verdammt wichtig sind. Sind diese Kosten moderat bis billig, fällt oft die Rendite im langen Schnitt viel höher aus. Das macht Sinn. Denn die Kosten werden den Assets entnommen, das Geld fehlt am Ende des Tages dem Kunden.
Ein weiterer Kostenblock sind die Tradingkosten. Etliche Fondsmanager halten nicht mal mehr ein Jahr lang an ihren Positionen fest. Aber je mehr getradet wird, desto mehr Kosten fallen an – die Gebühren werden den Assets entnommen. Es bleibt also weniger für den Anleger.
Das „Wall Street Journal“ schrieb: „Die erste und wichtigste Regel, um Investmentfonds zu finden: Nehmen Sie Fonds, die am wenigsten berechnen.“
Klar gibt es Ausnahmen. Und klar, haben die Profis etliche Vorteile gegenüber Privatanlegern. Wir können alle meckern über zu hohe Gebühren, wie wir wollen. Die Profis haben Vorteile. Ich habe noch nie davon gehört, dass ein solider, großer Fonds das gesamte Vermögen verspielt hat. Von Privatanlegern höre ich das immer wieder. Insofern erfüllen Fondsmanager, auch wenn sie teuer sind, durchaus einen positiven Zweck. Das Vermögen wird erhalten und langfristig gesteigert.
Die „New York Times“ beschrieb den Vermögensverwalter Harold J. Bowen III, der seit Jahrzehnten den Index übertrifft. Bowen (52) verlangt sehr, sehr niedrige Gebühren und tradet die Aktienpositionen extrem selten. Anders ausgedrückt: Er ist ein Gebührensparer und Langfristanleger, der nach dem Prinzip des Value Investings vorgeht. Die Polizisten und Feuerwehrleute in Tampa sind von ihm hellauf begeistert, verwaltet er doch ihre Pensionen. Und das macht er sehr geschickt.
Fazit: Niedrige Gebühren, geringe Kostenstrukturen sind von Vorteil. Eine langfristige Strategie ebenso. Aber es gibt selbstverständlich Ausnahmen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Wie Sie gute Anlageprofis finden

  1. Felix

    Genau genommen sind Investmentfonds, wenn sie gut gemanagt sind, hervorragende Instrumente, um Vermögen aufzubauen:
    – Ein Profi kümmert sich hauptberuflich um das Geld. Viele Privatanleger haben weder die Zeit, noch die Kenntnisse (von den Lesern des Blogs abgesehen natürlich), um fundierte Anlageentscheidungen treffen zu können.
    – Auch mit kleinen Beträgen wird das Geld weltweit angelegt und gestreut. Wer weiß schon über den hinterasiatischen Aktienmarkt Bescheid.

    Die Hauptnachteile sind m.E. nicht nur die Gebühren, sondern die Frage welchen Fonds nehme ich. Angeblich gibt es inzwischen mehr Fonds als Aktien. Also auch da stellt sich die Qualitätätsfrage und das Problem der richtigen Wahl.

    Ich zahle gerne Gebühren, wenn die Leistung stimmt. Leider weiß man das aber immer erst im Nachhinein. Und dann ist es meist zu spät. Zeit, die man in falschen Anlage verbracht hat, kann man nicht zurückholen.
    Ich habe beides, Fonds und eigenes Aktiendepot. Es ist interessant zu beobachten, wie mal das eine, mal das andere vorne liegt. In der Summe sind die Unterschiede nicht groß. Fonds nehme ich dort, wo ich mich nicht auskenne. Bei Unternehmensanleihen, bei SmallCaps, in Schwellenländern.

  2. Thomas D. S.

    zu Felix:

    „Die meisten Anleger haben keine Zeit, …“

    Keine Zeit zu haben, ist nichts als eine Ausrede. Jeder Mensch hat die gleiche Zeit zur Verfügung. Nämlich 24 Stunden pro Tag. Es kommt nur darauf an, wie man seine Prioritäten setzt. Was ist mir wichtiger? Meine Finanzen oder ein Fußballspiel im TV? Entscheide ich mich für TV, räume ich dem mehr Bedeutung ein und ordne meine Finanzen unter.

    Keine Zeit zu haben, stimmt nicht.

  3. Tino

    Geht mir genauso Fritz ;), aber ich verzichte lieber mal auf das „Fußballspiel“ (ja dafür wäre abends auch Zeit..) und recherchiere ein Unternehmen, einen Sektor. Durch das Internet macht mir das auch Spaß, da man immer wieder neue Querverbindungen, Zusatzinformationen findet, die langsam ein vollständiges Bild formen. Ich schreibe mir dann sog. „Stories“ auf, die z. B. sich um ein Produkt oder eine Branche drehen und sammle dann das Für und Wider um am Ende evtl. eine Investition zu tätigen.

    Fonds vertraue ich nur stark eingeschränkt. Die außergewöhnlich guten leben auch vom aktuellen Manager. Ist dieser kurz vor dem Ruhestand oder ein Ausstieg absehbar, würde ich die Finger davon lassen. Intransparent sind mir auch die interne Organisation von Fondsgesellschaften. Was passiert wenn der Fonds-Manager Druck von irgendeiner Seite bekommt, sich von einer Klasse bestimmter Anlagen verabschieden muss, die eigentlich den Kernerfolg des Fonds ausmachen? Das fühle ich mich zu sehr als fremdgesteuerter Spielball.

    Wenn dann nur einen schnöden Indexfond mit niedrigsten Gebühren oder wo absehbar ist, dass ein großartiger Fondsmanager noch 10 oder mehr Jahre weitermacht. Lynch war so ein konträres Arbeitstier, der sich über 1000 Aktien in seinen Fond geladen hat, die u.a. unspektakulär, unpopulär, profitabel, klein waren, das was die Masse der Fondsmanager nicht tun, wo aber auch die großen Wachstumspotenziale und eine genügende Absicherung durch große Streuung liegen. Bei Fondsmanagern gibt es leider auch viele Herdentiere und denen sollte man lieber nicht hinterher laufen.

    Ansonsten sehe ich immer die Möglichkeit für Privatinvestoren ohne größeres Risiko in stabile, große Unternehmen zu investieren, ohne das ein Berater notwendig wäre, der sich nur seinen Teil von der Rendite abzwackt.

  4. Florian Kling

    Am Anfang meiner Investmentzeit habe ich viel zu viel Zeit darauf verwandt zu versuchen einfach alles über ein mögliches investment herauszufinden. Je länger man aber gräbt, desto mehr stellt man fest das keiner die Zukunft vorhersagen kann – und sich besonder die Analysten immer und immer wieder widersprechen.

    Seit mich meine persönliche fundamentalinvestor-Strategie gefunden habe und nach einer gewissen Einarbeitungszeit benötige ich inzwischen nur noch sehr sehr wenig Zeit um mich um meine Anlagen zu kümmern. Ich brauche keine Börsenticker, keine Aktienbriefe oder Zeitungen und schon garnicht die Analysen zur politischen Börse. Wenn ich auf die Indexe in den Nachrichten schaue reicht das aus – wenn sie steigen freue ich mich mit, und wenn sie fallen werde ich bestärkt wie wichtig das lange halten der Papiere ist. Alle paar Monate justiere ich dann mal wieder neu, prüfe die fundamentalen Kennzahlen und sortiere neu angespartes Geld in neue Chancen an – es ist toll ganz ohne Stress und Hypes an den Märkten teilzuhaben. Und ich schlafe besser als wenn ich wüsste, dass mein Geld auf dem Konto jeden Tag von der Inflation weiter verbrennt.

    p.s.: Kann es sein, dass mit jedem Kommentar der Verifizierungscode schwieriger zu berechnen ist ? 🙂 das hilft mir meine Kopfrechenkünste wieder in Schwung zu bringen

  5. Tino

    Man sollte sich immer eine eigene Meinung bilden, mit gesundem Menschenverstand. Sog. Analysten wetten meistens auch nur. Der Begriff Analyst an sich schon stört mich, weil er immer so eine hohe Qualifikation unterstellt, die gar nicht gegeben sein muss bzw. nicht im Verhältnis mit der nicht wissenschaftlichen Bewertung von Aktien steht. Anleger können dadurch sehr schnell in die Irre geführt werden und werden es sicher auch.

    Für mich ist besonders wichtig die Unternehmen zu kennen in die ich investiere, was stellen die her, welche Lieferanten gibt es, wieviel verkaufen die von dem Zeug? Wer konkurriert mit denen? Gibt es einen konstant hohen ROE, ROA? Werden Aktien verwässert? Gibt es eine Dividende und wie hoch? Wo investiert das Unternehmen und für was und wieviel? usw. also ein ganz natürliches Interesse vor einem Kauf.

  6. Olaf

    Hallo,

    hohe Tradingkosten gerade bei Fonds sind mir auch ein Dorn im Auge sodaß ich kaum noch Fonds als Anlagestrategie wähle.
    Ich setze lieber auf Einzeltitel oder ETFs und eine Bank, die mir das Handeln zu günstigen Konditionen ermöglicht.
    Gute Wissensquellen, wie u.a. diese Internetseite, u.a. sowie die ein oder andere gute Börsenzeitung lese ich schon interessehalber. Manchmal lassen sich gute Überlegungen mit ein sein „Börsengesamtbild“ einfliessen lassen. Gesunder Menschenverstand und das Lesen von Fundamentaldaten und etwas Chart-Technik kann nicht schaden um sich für die ein odere andere Anlage zu entscheiden.

    Grüße
    Olaf

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