Wie ein smarter Jäger dem Betrüger Madoff auf die Schliche kam


New York, 5. Februar 2009

bild

Der Madoff-Betrug ist der Hammer. Über mehrere Jahrzehnte hat der 70 Jahre alte „Fondsmanager“ (Foto) 50 Milliarden Dollar ergaunert. Frisches Geld hat er stets alten Anlegern, die ausgestiegen sind, ausbezahlt. Der New Yorker lebte in Saus und Braus. Luxus pur! Und keiner merkte es. Selbst Universitäten, Politiker, Hollywood-Stars und internationale Stiftungen vertrauten Bernard L. Madoff ihr Geld an. Hier können Sie den Schwindler selbst sehen, wie er über die SEC witzelt. Das Video stammt aus dem Jahr 2007:

Es gab jedoch ein paar Menschen, die den Betrug durchschauten. Etwa Harry Markopolos. Gestern sagte er vor einem Komitee in Washington aus. Er ist ein smarter 52-jähriger Buchhalter aus Whitman. Im Jahr 2000 informierte er die SEC in Boston über den Betrug. Der dortige Mitarbeiter Ed Manion hörte sich zwar den Fall an. Doch passierte nichts. Manion gab ihm den Tipp, dass New Yorker SEC-Büro einzuschalten, was Markopolos dann 2001 tat. Er legte einen Report der Behörde vor mit dem Titel „Madoff Investment Prozess Erklärung“. Erneut passierte nichts.

Wie kam er dem Geldzauberer auf die Schliche? Madoff behauptete stets besser als der Markt zu sein. Sein Portfolio kletterte kontinuierlich jeden Monat um ein Prozent. Selbst als der Markt ins Rutschen kam, gewann Madoff stets ein Prozent pro Monat. Angeblich soll das mit Optionsabsicherungen funktioniert haben. Der Anlageexperte Markopolos war skeptisch, er managte einst selbst einen Fonds in Boston. Weil er den ungewöhnlichen Erfolg Madoffs nicht fassen konnte, spielte er das Anlagemodell durch. Der kritische Experte stellte fest, dass das System so nicht funktionierte – und kam dem Betrüger auf die Schliche.
Vor den Abgeordneten des Kongresses erklärte Markopolos gestern all diese Details. So ging er im Herbst 2005 abermals zu dem SEC-Niederlassungsleiter in Boston, Mike Garrity. Das ganze ging dann hin und her. Wie dumm kann eine Behörde eigentlich sein, so klare Hinweise nicht ernst zunehmen? Die meisten Betrügereien werden durch Tipps aufgeklärt. Die SEC ist ein Saftladen. Der größte Anlagebetrugsfall der Geschichte hätte viel früher gestoppt werden können. Wenn der Aktienmarkt nicht kollabiert wäre, dann würde Madoff weiter sein Spiel treiben. Markopolos glaubt, dass mittlerweile, wenn die Wall Street in Takt geblieben wäre, das Betrugssystem 100 Milliarden Dollar umfassen könnte. Nur die Wall Street machte dem Kriminellen einen Strich durch die Rechnung. So zogen mehr Anleger ihr Geld ab, als neues reinkam.

Markopolos übergab sogar dem New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer ein Stapel Dokumente. Der Jäger trug Handschuhe, damit sich seine Fingerabdrücke nicht auf dem Dokument befinden. Der smarte Zahlen-Detektiv traf Spitzer in einer Bibliothek. Er wusste, dass der Generalstaatsanwalt dort oft ist. Sie werden sich fragen, warum hatte Markopolos vor seinen Fingerabrücken Angst? Nun wenn Sie einen Kriminellen dingfest machen wollen, wissen Sie nicht, wer alles hinter dem Betrug steht. Es könnte die Mafia sein, wer weiss das schon. Sofern der Kriminelle Wind von Ihren Hinweisen bekommt, müssen Sie möglicherweise um ihr Leben bangen. Insofern erfolgen viele Anzeigen anonym. Hinzu kam, dass die Behörden über Jahre hinweg nicht einschritten. Trotz seiner vielen Hinweise! Das machte Markopolos noch nervöser. Auch Eliot Spitzer unternahm nichts. Rein gar nichts. Es stellte sich heraus, dass Spitzer selbst zum Kundenkreis Madoffs zählte. Warum sollte Spitzer einschreiten, wenn sein eigenes Geld betroffen ist? Ob Spitzer rechtzeitig ausstieg, nachdem er den Tipp bekam? Fragen über Fragen. Auf der Webseite von CNBC können Sie übrigens seine Kundenliste (PDF-Dokument) abrufen. 163 Seiten – mit 13.600 Namen! Es ist unglaublich, wie umfangreich dieses Betrugssystem war.
Markopolos hat weitere neue Betrugsfälle aufgespürt, bei denen es sich um eine Milliarde Dollar handeln soll. Er will nun erneut mit den Behörden in Verbindung treten – hoffentlich gehen sie diesmal seinen Hinweisen nach. Ich glaube, dass die SEC Madoff respektierte. Sie hatten Hochachtung und Angst vor ihm. Sie konnte sich ein Schneeballsystem einfach nicht vorstellen. Schließlich war Madoff einst Chef der Nasdaq. Und seine Nichte war mit einem SEC-Manager verheiratet. Markopolos ist ein klasse Typ. Ich würde ihn zum SEC-Chef machen. Der Mann versteht sein Handwerk. Neun Jahre lang versuchte er den Betrüger zu stoppen. Bei der SEC würde ich einen Großteil der Mitarbeiter feuern! Wenn Leute wie Markopolos in den Aufsichtsbehörden arbeiten würden, dann wären sie erfolgreicher. Dann hätte beispielsweise die New York University und andere Stiftungen nicht Millionen verloren. Abgeordnete in Washington reden nun mit Markopolos – sie wollen ihm einen Job anbieten….
Ich hab mich in diesem Blog schon sehr ausführlich mit dem Madoff-Fall beschäftigt. Lesen Sie hier nach, was ich schon alles über diesen genialen Schwindler schrieb (fahren Sie im Text runter). Meine ersten Blogs schrieb ich schon Mitte Dezember. Hier können Sie den Madoff-Jäger sehen, was er gestern sagte vor dem Komitee:


tim schaefer (Author)

drucken


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *