Wie dumm die Anleger sind …


New York, 30. August 2010

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Nicht nur wir Deutsche haben die Nase voll von Aktien. Auch amerikanische Kleinsparer ziehen sich mehr und mehr zurück von der Börse. In den ersten sieben Monaten zogen die Amerikaner über 33 Milliarden Dollar aus heimischen Aktienfonds ab. Wahnsinn! Die Grafik habe ich aus der „New York Times“ entnommen (am Textende unten finden Sie den Link). Für mich ist das ein Zeichen, dass wir am Wendepunkt angekommen sein müssen und die Kurse wieder für eine lange Periode steigen werden. Denn die Masse der Privatanleger tut immer das Gegenteil von dem, was eigentlich angemessen wäre. Alle rennen nun in Staatsanleihen oder Edelmetalle wie Gold. Sie glauben hier einen sicheren Hafen gefunden zu haben, dabei sind diese Anlagealternativen gar nicht sicher.
Es ist eine Blase an den Anleihenmärkten entstanden. Ob der Goldpreis zu hoch ist, kann ich ehrlich gesagt nicht einschätzen. Jedoch rate ich grundsätzlich hier zur Vorsicht. Gold ist mit Risiken verbunden, eine gewisse Rückschlagsgefahr ist auf diesem hohen Niveau durchaus gegeben.
Die in den USA steuerlich geförderten Rentenkonten, die sogenannten 401(k), die hier jeder Bürger einrichten kann, wiesen noch vor zwei Jahren eine Aktienquote von 70 Prozent aus. Nun haben die Sparer ihre Aktienquote auf 57 Prozent zurückgefahren. Vor ein paar Monaten betrug die Aktienquote sogar nur lausige 49 Prozent. Die Bürger sind schlichtweg verunsichert, sie trauen dem Braten nicht. Sie haben Angst vor einem Rückschlag. Freilich kann der Rückgang der Aktienquote auch mit der Geldnot vieler im Zusammenhang stehen. Gut möglich, dass die Menschen ihre Reserven aufzehren müssen.
Gleichwohl flossen in den ersten sieben Monaten diesen Jahres 185 Milliarden Dollar in Anleihe-Fonds. Es ist in meinen Augen idiotisch, dass die Leute wie die Lemminge jetzt alle in eine Richtung rennen. Gewiss: Zehn Jahre lang ging an der Börse nichts. Im Grunde wurde nur Geld verloren. Aber nach so einer schlechten Phase ist es doch Zeit für eine Wende. In der „New York Times“ können Sie mehr über die Dummheit der Anleger lesen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Wie dumm die Anleger sind …

  1. hajue

    Gold steigt m.E. trotz Weltuntergangsstimmung unverhältnismäßig niedrig im Wert. Die Medien haben das Thema Gold gepusht -> dennoch bringt eine gute Stimmung am Aktienmarkt weitaus höhere Profite.

    Wer in Staatsanleihen investiert kann auch gleich in ein Unternehmen ohne Gewinnaussicht investieren. Die Erträge sind laut volkswirtschaftlicher Ansicht immer eine Risikoprämie -> je höher ein Staat verschuldet ist, desto höher die versprochene Rendite. Viel werfen die Industriestaaten nicht ab, spekulieren eher auf Langfristanleger (um deren Vermögen zu binden)…

    Nun wissen wir aus gesetzlich vorgeschriebenen (Pflicht-)quellen wie z.B. Bilanzen, welche Unternehmen profitabel sind. Staaten sind es in der Regel nicht.

    Aktien/ Unternehmen/ Wirtschaft in Frage zu stellen aber als Ausweg auf den Staat zu setzen – das ist in meinen Augen ein Widerspruch. Je schlechter die Wirtschaft, desto (viel) schlecher ergeht es dem Staat.

    Hier kurz meine Ansich:
    Was am Monatsende nicht für Konsum ausgegeben wurde: Aktien kaufen. Wenn in 30 Jahren ein Minus entsteht -> besser, als jetzt Geld für irgendwas auszugeben, was man nicht braucht. Klare Linie fahren. Geld welches man in Aktien anlegt sollte man bestenfalls wie Konsumausgaben behandeln: Man gibt es für immer aus (!) -> macht demnach keine Verluste. Weg und „verbrannt“. Ob das Depot zu meinem Lebensende ein paar Euro mehr oder weniger aufweist ist mir jetzt schon egal. Was will man z.B. als Kleinaleger erreichen? Läuft die Börse gut, haut man Geld rein, weil man schnell reich werden mag – läuft die Börse schlecht, nimmt man es weg, weil man ja Geld verlieren kann. Absoluter Quatsch.
    Realistisch betrachtet kann jeder Kleinanleger mit soliden Dividendentiteln jährlich etwas dazuverdienen. Das ist kein großes Geheimnis – man sollte nur etwas genügsamer sein.

    Aktien sind soviel mehr als Glücksspiel -> man erwirbt Teile eines Unternehmens. Wer da schnell wieder verkauft, hat von Anfang an oft nur gezockt.

  2. tim schaefertim schaefer

    Danke hajue für deinen klasse Kommentar. Deine Ideen gefallen mir immer sehr gut. Beim Goldpreis bin ich hin- und hergerissen. Eines Tages wird mit Sicherheit angesichts der horrenden Staatsverschuldung die große Inflationswelle über uns hinwegschwappen. Am schlimmsten werden dann die konservativen Kleinsparer von der Geldentwertung heimgesucht werden, denn sie bunkern ihre Taler auf Sparkonten oder unterm Bett. Steigt die Inflation, steht natürlich dem Goldpreis eine Kursrallye ins Haus. Momentan sehe ich jedoch aufgrund der Krise und der hohen Arbeitslosigkeit keine Preisteuerungen. Im Gegenteil, viele Produkte werden günstiger im Preis beziehungsweise die Kunden erhalten den Artikel zwar zum gleichen Preis, aber mit mehr Leistung (PKW, PC, Handy etc.).
    Ja klar, die Aktie stellt einen Anteil an einem Unternehmen dar. Wenn ich mich also beteilige, dann kann ich an dem langfristigen Unternehmenserfolg entsprechend mitverdienen. Der Unternehmenserfolg macht sich nicht an den täglichen Kursschwankungen bemerkbar, sondern nur an der langfristigen Kursentwicklung. Deine Einstellung zur Aktienanlage ist spitze: Ich verzichte auf ein wenig Konsum heute und investiere statt dessen in eine Aktienposition. Das Investment (sofern es einmal schief gehen wird) ist insofern kein großer Verlust.
    Noch eine kleine Anekdote: Wenn ich als in die Kinderzimmer von Bekannten in New York schaue, dann fällt mir nichts mehr ein. Das Spielzeug stapelt sich bis unter die Decke. Die Kids kriegen praktisch alles, was sie wollen. Dabei macht das viele Zeug die Kinder nicht glücklicher. Was da an Geld zum Fenster hinausgeworfen wird, ist echt eine wahre Pracht. Ich denke, dass die Kinder viel mehr Spaß daran haben, wenn sich die Familie Zeit für sie nimmt und nicht jede Woche ein neues Spielzeug mit nach Hause bringt, das dann am nächsten Tag schon im Eck landet.

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