Wichtige Fragen vor Ihrem Aktienkauf


New York, 30. Oktober 2013

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Eine simple Frage, bevor wir eine Aktie kaufen, sollten Sie sich stellen: „Wo steht der Kurs vermutlich in 30 Jahren?“ Natürlich gibt es weitere Fragen, die Sie beantworten sollten. Aber ich halte das für die zentrale Ausgangsfrage.
Habe ich eine positive Antwort gefunden, geht es doch dem Value Investor a la John Templeton, Seth Klarman, Walter Schloss, Joel Greenblatt, Warren Buffett, Peter Lynch darum: Buy Low, Sell Never. Kaufe niedrig, aber verkaufe nie (nach Möglichkeit).
Es gibt haufenweise Qualitätsaktien in New York, Frankfurt, Wien und Zürich, da wäre es im Rückblick ein Fehler gewesen, auszusteigen. Denken Sie an Google, Wells Frago, Exxon, Colgate-Palmolive, Nike, Adidas, BASF, Nestle, Berkshire…
Stellen Sie sich vor, Sie wären hier in den 1970er Jahren eingestiegen (außer Google). Und Sie hätten diese Papiere durchgehalten bis heute. Wer in Jahrzehnten denkt, schneidet tendenziell besser ab, als jene, die auf Tages- oder Monatsbasis handeln.
Weitere Basisfragen sind, bevor Sie einsteigen:
1. Wächst die Firma? – Hoffentlich.
2. Ist sie nachhaltig profitabel? – Profit ist logischerweise besser für die Buy-and-Hold-Strategie.
3. Zahlt die Firma Dividenden, kauft sie eigene Aktien zurück? – Das hat einen Vorteil, ist ein gutes Signal.
4. Befinden wir uns in einem Kursboom? – In einem Umfeld der Angst sind die Aktienkäufe natürlich ideal.
5. Ist die Bewertung zu rechtfertigen? – Prüfen Sie das KGV, KBV, KUV, Dividendenrendite.
6. Passt die Aktie in mein Portfolio? – Ich brauche nicht die fünfte Ölaktie. Auf die Mischung kommt es an.
Bei IPOs sind diese Antworten verdammt schwierig zu geben. Insofern wäre ich grundsätzlich vorsichtig.
Was wird aus Twitter in 30 Jahren? Hmmmm. Das weiß wohl niemand, nicht mal der Vorstand der Zwitschergemeinde. Die „New York Times“ hatte in der Samstagausgabe einen kritischen Artikel zu Twitter, der mir gut gefiel.
Ich muss freilich gestehen, dass ich das IPO von Facebook viel zu kritisch gesehen hatte, ich wurde eines Besseren belehrt. Social Media ist in aller Munde, die Kurse gehen durch die Decke. Die Frage ist eben, wird das so weitergehen? Wird es mehr Konkurrenz geben? Werden die Marktführer in zehn Jahren Marktanteile verlieren?
Das gleiche, was für Aktien gilt, gilt für Finanzprodukte. Wenn Sie das Prospekt bzw. Produkt nicht verstehen, Finger weg. Ich verstehe, muss ich gestehen, 95 Prozent der Prospekte nicht. Dort steht ein Kauderwelsch drin. Ich frage mich, wie ein Otto Normalverbraucher hier durchsteigt. Natürlich gibt es sinnvolle, nützliche Finanzprodukte. Die Passenden zu finden, das ist das große Problem. Hierzu gab es in der „New York Times“ ebenfalls etwas Lesenswertes am Wochenende.
Wir, als Anleger, sollten vorsichtig werden mit dem Ziel, den Markt schlagen zu wollen. Schnell reich zu werden, das sind Flausen im Kopf, die keinem wirklich weiterhelfen. Sie führen uns eher auf den Holzweg, weil wir so tendenziell zu hohe Risiken in Kauf nehmen. Den Spekulanten George Soros zu kopieren – das ist nicht einfach. Aber Buy-and-Hold-Stars wie Klarman, Templeton oder Buffett, die kann jeder kopieren.
Haben Sie Geduld! Kaufen Sie nur, was Sie kennen bzw. verstehen! Achten Sie strikt auf die Gebühren und Kosten! Passen Sie vor Betrügern auf! Wenn Sie das beachten, was nicht sonderlich schwierig ist, ist das schon die halbe Miete.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Wichtige Fragen vor Ihrem Aktienkauf

  1. Markus

    So simpel finde ich die Frage nicht, wo die Aktie in 30 Jahren steht.
    Von IPO`s als Langfristanlage würde ich die Finger lassen.
    Auch von Facebook und Twitter.
    Alte, langweilige Branchen und Konzerne mit langer Historie sind zwar langweilig und es ist zäh.
    Aber diese haben sich bewährt.
    Bei neuer Technologie und den hohen Wachstumserwartungen der Investoren kommt es oft zu „Kompensationseffekten“ und nur eine handvoll von hunderten von Firmen werden dauerhaft überleben.

  2. Felix

    30 Jahre in die Zukunft schauen zu wollen, halte ich für illusorisch. Anfang des letzten Jahrhunderts fanden innerhalb von 30 Jahren immerhin zwei Weltkriege statt.
    Ansonsten finde ich die Valuestrategie in diesem Artikel mustergültig auf den Punkt gebracht.

  3. StefanStefan

    Ich denke, das ist gerade die große Kunst die einen Buffett ausmacht. Zu erkennen welche Unternehmen auf Jahrzehnte hinaus erfolgreich sein werden.

    Bei einer CocaCola konnte man das eventuell noch erkennen. Dann wird es aber auch schon sehr schwierig.

    Ich hätte einer Eon oder einer Commerzbank auch eine glänzende Zukunft vorhergesagt. Wer hätte das Debakel von Enron, Wordcom, Fannie Mae, Kodak usw schon vorhersehen können?

    Das Genie Buffett ist wahrscheinlich deshalb so erfolgreich gewesen weil er die großen Fehler vermieden hat…

  4. Markus

    In die Zukunft sehen kann Buffett definitiv nicht! 😉 Diese Vergötterung ist schon interessant bis hin zu fragwürdig. Demnächst geht er über Wasser.
    Sicherlich ist es menschlich zu spekulieren, ob der oder der Titel in 30 Jahren der neue Marktführer einer Branche ist und ob man damit 20 % p.a. macht. Mit absoluter Sicherheit dass zu beurteilen, geht schlichtweg nicht! Coke hat auch etwas Unterstützung und Wissen von Onkel aus Omaha erhalten…
    Wenn Salomon als Debakel geendet hätte, was durchaus auch möglich gewesen wäre, dann hätte es unter Umständen gar keinen Hype um Buffett gegeben.
    Interessant ist es, dass er einige Titel aus der Ur-Zusammensetzung des DOW Jones hält und diese oft besser abschnitten als „Neulinge“ im Index.
    Evtl. spielt auch survivorship bias ein bisschen mit.

  5. Tom

    Meiner Meinung kann man mit grosser Wahrscheinlichkeit sagen, welche Firmen in x-Jahren existieren werden.
    Getränke Firma wie Coca-Cola, Pepsi oder DrPepper sind weltweit bekannt. Man trinkt ihre Produkte ohne es gross zu bemerken. Der Mensch ist „süchtig“ nach Ihnen und konsumiert diese, egal ob Krise oder nicht.
    So langweiliges und einfaches Geschäft wird noch Jahrhunderte überleben… sicherer, kontinuierliches Geschäft… (es braucht nicht jedes halbe Jahr eine Innovation)
    Das gleiche ist mit Tabakfirmen. Der Mensch ist ja sowas von süchtig…Geraucht wird immer…egal wie wenig man verdient…langweiliges Geschäft.. immer dass Gleiche…
    Das Geld fliesst kontinuierlich… Sogar diverse Verbote oder abschreckende Bilder auf den Verpackung vermiesen den Rauchern den Genuss nicht…

    Kaufen und halten, da braucht es Geduld und Glauben.
    Simple, but not easy… 😉

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