Westag & Getalit: Das gibt es doch nicht!


New York, 25. Juli 2008

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Ich möchte Ihnen einen weiteren deutschen Wert vorstellen, der mir als Value-Investor gefällt: Westag & Getalit. An der Börse fristet der Hersteller von Holzwerkstoff- und Kunststofferzeugnissen ein Schattendasein. Dabei zählt das Unternehmen aus dem westfälischen Rheda-Wiedenbrück zu den führendenden europäischen Anbietern von Sperrholz, Schalungen, Türen, Zargen und Laminat. Solche Themen sind an der Börse natürlich nicht sexy. Software, Internet, Biotech – dafür interessiert sich die breite Masse. Dabei können Sie mit echten Langweilern richtig gutes Geld verdienen. Für heiße Biotech- oder Internetbuden, die nur Geld verbrennen, interessiere ich mich nicht die Bohne. Sie können nämlich bei solchen Klitschen schnell Schiffbruch erleiden. Dieses Feld überlasse ich anderen. Ich hab mir hier selbst schon vor einiger Zeit die Finger verbrannt und Lehrgeld bezahlt.
2007 stemmte der Traditionskonzern 225 Millionen Euro. Das waren 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Ergebnis vor Steuern kam um 23 Prozent auf 16,6 Millionen voran. Im ersten Quartal setzte sich der positive Trend fort: Der Umsatz legte um fünf Prozent auf 58 Millionen Euro zu. Überproportional entwickelte sich dabei der Export mit einer Steigerung von zwölf Prozent. Mittlerweile setzen die Westfalen mehr als ein Viertel ihrer Produkte im Ausland ab. Dank der Unternehmenssteuerreform und des niedrigeren Körperschaftssteuersatzes verbesserte sich der Quartalsüberschuss um 34 Prozent auf 2,8 Millionen.
Trotz der exzellenten Ergebniszahlen kommt der Kurs nicht in Schwung. Seit Juni 2007 stürzten die Stammaktien im Rahmen der weltweiten Börsenkorrektur von 24 auf zuletzt 16,58 Euro ab. Bei 5,72 Millionen Aktien (sowohl Stämme als auch Vorzüge) ergibt sich ein Börsenwert von lediglich rund 95 Millionen Euro. Allein das Eigenkapital beträgt 90 Millionen. Sprich Sie bekommen das Traditionsunternehmen fast zu seinem Buchwert. Eine Gesellschaft zum Buchwert? Richtig! Das finden Sie selten an der Börse, zumal Westag & Getalit kerngesund ist. Der Umsatz in diesem Jahr dürfte voraussichtlich auf 235 Millionen Euro steigen (der Börsenwert zur Erinnerung noch mal nur: 95 Millionen). Mit anderen Worten wird die Gesellschaft also nicht einmal mit einem halben Jahresumsatz taxiert. Ebenfalls ein Witz.
Im laufenden Turnus rechne ich mit einem Ergebnisanstieg auf 12,0 Millionen nach zuvor 9,5 Millionen Euro. Macht ein Kurs-/Gewinnverhältnis (KGV) von nur acht. Selbst Vorstandssprecher Bernhard Wenninger empörte sich noch im März im Geschäftsbericht: „Diese schwache Kursentwicklung, die sich Anfang 2008 weiter fortgesetzt hat, entspricht in keinster Weise der sich in den Fundamentaldaten darstellenden wirtschaftlichen Stärke und den weiteren Potenzialen der Westag & Getalit AG.“ Genau nach solchen Statements suchen Sie regelrecht als Value-Investor.
Wenninger hat angekündigt, pro Stammaktie eine Dividende von 0,94 Euro zur Hauptversammlung am 12. August auszukehren. Sie bekommen also neben dem Schnäppchen-KGV eine Dividendenrendite von 5,7 Prozent. Mit einer Eigenkapitalquote von 66 Prozent steht die Bilanz auf einem sehr soliden Fundament. Da kann im Grunde genommen nichts anbrennen. Zuletzt lagen 8,6 Millionen Euro in der Kasse. Ich favorisiere die Stammaktie, weil ihr im theoretischen Fall einer Übernahme mehr Gewicht eingeräumt wird.


tim schaefer (Author)

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