Was würde Warren Buffett mit 10.000 Euro machen?


New York, 26. Juli 2014

Das Foto nahm ich 2010 in Omaha auf. Hier war Warren Buffett in seinem Element. Auf der Hauptversammlung seiner Beteiligungsfirma Berkshire Hathaway. Angenommen Buffett müsste heute 10.000 Euro für einen Verwandten anlegen. Was würde er machen? Genau weiß ich es natürlich nicht, welche Aktien Warren Buffett kaufen würde. Aber ein paar Grundregeln fallen mir gleich ein. Zunächst wäre der Value-Jäger vorsichtig. Die Börse befindet sich in einem unglaublichen Bullenmarkt. Seit fünf Jahren klettern schon die Kurse wie verrückt. Sie rennen von Rekord zu Rekord. Buffett würde vermutlich etwas abwarten, bis es knirscht im Gebälk. Er liebt Korrekturen und Crashs. Darauf freut er sich regelrecht, weil die Aktien dann billiger werden.

 

Buffett kauft nur, was er kennt und versteht. Der 83-jährige liebt Aktien, bei denen er grob die Ergebnisreihe für die kommenden Jahre abschätzen kann. „Wenn Du Dich nicht wohl fühlst, um eine grobe Schätzung der künftigen Gewinne anzustellen, vergesse es einfach und suche Dir etwas anderes.“ Im Original sagt er: "If you don’t feel comfortable making a rough estimate of the asset’s future earnings, just forget it and move on."

 

Buffett kauft Unternehmen, die er für mindestens zehn Jahre halten würde. Er lehnt das Spekulieren strikt ab. Er ist ein geduldiger Investor. Strikt achtet er auf die Nebenkosten (Steuern, Trading…). Er versucht stets, Geld zu sparen. Deshalb fährt er übrigens gebrauchte Autos.

 

Er denkt nicht in kurzen Zeiträumen. Daher sind ihm Qualitätsfirmen ans Herz gewachsen. Bei ihnen ist nämlich das Verlustrisiko geringer. Die guten Aktien kann er einfach lange halten. Wenn diese Wertpapiere zwischenzeitlich unter seinen Einstandskurs fallen, macht ihn das nicht nervös, weil sie im Kern stabil und ertragsreich sind.

 

Hinzu kommt: Die Vorhersagbarkeit ist bei Qualitätsaktien einfacher. Wobei es Buffett nicht wichtig ist, den Gewinn je Aktie auf den Cent genau in fünf Jahren zu prognostizieren, sondern eher die grobe Richtung der Erträge spielt für ihn eine Rolle.

 

Kaufen und Liegenlassen ist sein Geheimnis. Großartige Firmen. Dividenden. Markenanbieter. Seine Strategie ist ja eigentlich einfach. Disziplin ist das Zauberwort.

 

Auf dem deutschen Kurszettel würde er bestimmt Henkel und Beiersdorf beobachten. Adidas, BASF, Siemens, BMW, Daimler, VW, Conti, Bayer, FMC eventuell. An der Münchener Rück besitzt der Staranleger aus Omaha ja schon ein großes Aktienpaket.

 

Nehmen Sie an, Buffett wäre Deutscher und würde hier leben: Privat geht er bestimmt bei Aldi und Lidl shoppen. Bei den Discountern kommt er auf seine Kosten. Er lebt in einer mittelgroßen Stadt, vermutlich irgendwo im Schwabenland, in einem alten Einfamilienhaus. Er fährt einen alten Mercedes. Vermutlich so eine alte Schüssel. Zum Abendessen geht er ins nahegelegene Gasthaus. Schnitzel, Pommes und Apfelsaftschorle. Danach Eiscreme. Auf Salat, Gemüse oder Früchte verzichtet er weitgehend.

 

 

Auf seiner Aktionärsversammlung hatte er Lokomotiven seiner Eisenbahnfirma ausgestellt:

 

 

Vor dem Gebäude des Qwest Centers stand eine große BNSF-Lok von der Eisenbahnfirma, die er gerade geschluckt hatte:

 

 

 

Buffett gab ein TV-Interview. Er gibt gerne Interviews. Aber sie sind kurz. Er nimmt sich fünf bis maximal zehn Minuten pro Sender:

 

 

 

Buffett geht von TV-Kamera zu TV-Kamera. Die Reporter warten geduldig auf ihn. Bodyguards begleiten ihn:

 

 

 

Und hier noch ein Interview:

 

 

 

Plaudertaschen: Hier sitzt das Genie mit seiner besten Freundin zusammen, der Fortune-Journalistin Carol Loomis. Sie telefonieren fast jeden Tag miteinander. Sie hilft ihm beim Schreiben des Geschäftsberichts. Loomis mag einen aktiven flotten Schreibstil. Buffett schreibt dagegen etwas zu passiv (meint jedenfalls die Journalistin):

 

 

 

Dieses Foto habe ich außerdem von der Hauptversammlung im Qwest Center gemacht:

 

 

 

Ich hatte einen Konferenzraum für ein Interview mit Charlie Munger gebucht. Der Vize-Chef von Berkshire Hathaway kam mit einem großen Pappbecher Kaffee und einigen Bodyguards zum Gespräch:


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Was würde Warren Buffett mit 10.000 Euro machen?

  1. StoikerStoiker

    Buffett betont eigentlich überall, wo er kann, dass Privatanleger Indexfonds auf den S&P 500 kaufen sollten & keine Einzelaktien.

    Falls er den Verwandten ähnlich gerne hat, wie seine Frau, dann würde er wohl sagen 8000 USD in den S&P500 + 2000 USD Cash.

  2. Swit

    Hi, ich liebe Deinen Blog, aber die Lobpreisungen von Billig-Artikeln stört mich. Wenn es Dir nur ums Geld geht, okay. Aber man sollte doch bedenken, wo billige Kleidung und Essen herkommen (Tierquälerei in großen Fleischbetrieben, Kleidungsherstellung in Billiglohnländetn inkl. Naturzerstörung und Gesundheitsgefährdungen der Menschen).  Da jetz ne große Tugend daraus zu machen finde ich schwach und ich würde mir eine etwas nachdenklichere Haltung bei diesem Thema wünschen. 

  3. Felix

    Irgendwie fällt mir die Vorstellung schwer, ein Promiinvestor wie Warren Buffett könnte in Deutschland leben und sein Imperium erworben haben. Zwar gibt es auch hier reiche Unternehmerpersönlichkeiten wie der erst vor kurzem verstorbene Aldigründer, aber diese Leute haben eben ihr Geld mit dem Aufbau eines Unternehmens verdient. Das ist in Deutschland (gerade) noch akzeptiert, schafft es doch sichtbar Arbeitsplätze.

    Dass jemand aber durch Geldanlegen, ja man muss es sagen, durch Spekulieren, so immens reich wird, das würden die Deutschen nicht so richtig verkraften. Deutschland ist auch zu eng für eine derartige Karriere. Man hat das Gefühl, jeder kennt hier jeden und passt auf, dass keiner zu weit abhebt.

  4. Couponschneider

    Ich mag Buffett, weil er bescheiden geblieben ist und wenig Aufhebens drum macht, was andere über ihn tratschen, beispielsweise: Bei dem Einkommen muss er doch keinen Gebrauchten fahren. Buffett schein recht introvertiert zu sein, was ich auch bin. Mir persönlich ist es häufig zu anstrengend, andere Leute mit Geschwätz zu bearbeiten, zu überzeugen und ständig um den guten Schein besorgt zu sein. Ich vermute, dass dies auf meine Introvertiertheit zurückzuführen ist und vielleicht ist es bei Buffett genauso.

    Und Buffett würde wahrscheinlich den Mercedes fahren. Ich finde den Mercedes einfach schick. Die Mittel- und Oberklassewagen von heute sehen doch alle gleich aus. Ob man da BMW, Mercedes oder Audi nimmt… das ist die stromlinienförmige Langeweile. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die Autos früher robust waren. Heute ist ein Auto ein äußerst komplexes System.

    Ich war ja nun schon öfter in Kampen auf Sylt. Dort steht in einer Straße immer so ein alter Mercedes in dunkelblau. Für mich war das "der schicke Mercedes" und meine Angehörigen wussten sofort, welches Auto ich meinte. Und es sticht dort neben den vielen Porsches und anderen Oberklassewagen hervor. Kampen ist die teuerste Adresse auf Sylt und da fahren viele Porsches herum.

    Wer so einen alten Mercedes hat, ist zu beglückwünschen. Es ist mir doch egal, was andere denken.

  5. Fabian S.

    Hallo Tim,

    dieser Artikel ist wieder der Hammer….Ich finde es super, dass Tim uns immer wieder das Sparen nahe bringt..und außerdem sagt er nicht man sollte Mist kaufen, sondern günstig soweit das Preis-Leistungsverhältnis stimmt… Und Leute!!!! Die Discounter Lidl und Aldi sind spitze( siehe den neuesten Mineralwassertest von der Stiftung Warentest)

     

    Buffett ist der Größte Investor aller Zeiten!

    Er empfiehlt auch Einzelaktien zu kaufen, wenn die Leute sich mal informieren würden…allerdings nur wer es nach dem Graham-Prinzip macht….

     

    Du Tim eine Frage: Buffetts Tochter hat kürzlich für Warren Buffett einen "neuen" Cadillac gekauft….war der auch wieder gebraucht?????Evtl. kannst Du da mal recherchieren….

    Und verfolge deinen Stil weiter….Du machst das klasse…höre nicht auf die Nörgler hier..

     

     

  6. StefanStefan

    Hehe. So nen alten Mercedes hab ich. W202, 19 Jahre alt.

    Muss aber gestehen, dass langsam schon das ein oder andere kaputt geht. So geht zB. die Geschwindigkeitsanzeige nur sporadisch 🙂 Fahre also oft ohne zu wissen wie schnell.

    Da ich aber eh fast täglich die selbe Strecke fahre, schwimme ich so im Verkehr mit und an den Stellen an denen oft geblitzt wird mache ich eben langsam…

    Zur Hauptversammlung nach Omaha wäre ich ja echt auch gerne mal gefahren. Zumal

    es nicht mehr so viele Gelegenheiten geben wird Warren live zu erleben…aber da scheue ich schon ein wenig die Kosten und den Aufwand. Würde sicherlich etliche tausend EUR kosten.

  7. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Fabian

    Der Kauf des Cadillac (http://gmauthority.com/blog/2014/07/warren-buffett-buys-himself-a-cadillac-xts/) muss wohl als gewollte, gute Publicity für GM gedacht werden. Ist wohl eine "Entschädigung" für die schlechte Publicity, die der Verkauf von 10 Mio GM-Aktien kürzlich gebracht hat. 😉 

    Das klingt mir einfach zu offensichtlich nach "Ich tue Euch auch mal einen Gefallen":

    "Billionaire investment mogul Warren Buffett was so impressed with his new Cadillac that he sent the GM boss a letter praising the company." (http://time.com/3002836/warren-buffet-cadillac-mary-barra/)

     

    MS

  8. Steffano

    Berkshire ist ein Hedgefonds, der von Buffett genial vermarktet wird. Wenn man die Kommentare hier liest, dann scheint es zu funktionieren.

     

  9. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Stoiker

    Guter Einwand. Buffett würde Aktien kaufen, keinen Index. Seiner Frau rät er in seinem Testament in der Tat zum Vaguard-Indexfonds. 

    Swit

    Ich Lobpreise keine Billigartikel. Ich sage nur, wo Buffett, wenn er in Deutschland leben würde, hingehen würde, um seine Einkäufe zu erledigen. Übrigens sind Lidl und Aldi nicht schlecht. Ich finde beide Discounter OK. Ich finde, die haben ein faszinierendes Konzept. Ich mische meine Einkäufe: Discounter, edel, öko, traditionell, Bauernmarkt. 

    Ich schreibe manchmal kritisch über die Billigläden. Sie hier: http://timschaefermedia.com/lebensmittel-hauptsache-billig-war-gestern-oeko-ist-heute/

     

    Felix

    Ja, das stimmt. Buffett wäre in Deutschland nicht Buffett geworden. Es ist ja nur so ein Gedanke, um über die Landesgrenze hinweg ins Grübeln zu kommen.

    Hier ist übrigens ein gutes Video über Ben Graham, Warren Buffetts Uni-Prof, von dem er das Value Investing gelernt hat. Buffett schätzte Graham. Graham war sein Idol:

    http://www.youtube.com/embed/m1WLoNEqkV4

    @ Fabian S.

    Danke fürs Lob. Zu Deiner Frage: Das hat Matthias gut erklärt.

    Buffett fuhr immer uralte Autos. Zehn Jahre alt oder älter. Seiner Frau war das unangenehm. Sie drängte ihn, wenn die Autos sehr alt wurden, einen "neuen" Gebrauchten zu kaufen. Buffett hasst es einfach, Geld auszugeben.

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