Was wir Anleger möchten: Gewinne, Dividenden, Aktienrückkäufe


New York, 8. Februar 2013

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Wenn ich ein Unternehmen unter die Lupe nehme, blicke ich zuerst in das Cashflow-Statement. Mich interessiert, wie viel Cash wirft das Geschäft eigentlich ab. Und was macht der Vorstand damit. So kann das Management das Cash reinvestieren (das sogenannte CAPEX), für Übernahmen ausgeben. Oder dem Aktionär zurückgeben via Dividenden und Aktienrückkäufe.
Ein guter Vorstand geht sehr vorsichtig mit dem Geld um. Ich mag natürlich keine astronomische Verschuldung. Ich achte darauf, wie viel Kredite ein Konzern hat, wie viel Cash auf der hohen Kante liegt.
Im Fall von Apple liegen 137 Milliarden Dollar in der Kasse. Das ist ziemlich unsinnig, weil das Cash keinerlei Rendite in dem aktuell niedrigen Zinsumfeld abwirft. Ich denke mir: „Lieber das Geld in der Kasse, als für unsinnige Übernahmen zum Fenster herauswerfen.“ Nicht zuletzt gibt es bei den Aktienrückkäufen echte Schandtaten. Denken Sie an Dell und Hewlett Packard.
Dell gab mehr für Aktienrückkäufe aus, als es verdiente
So hat Dell irre Summen für Aktienrückkäufe ausgegeben. Zwischen den Jahren 1997 und 2012 gab der IT-Gigant 39 Milliarden Dollar für Rückkäufe aus. Das ist fast doppelt so viel, als die Börsenwaage anzeigt (23 Milliarden).
Halten Sie sich jetzt fest, sie werden es nicht glauben: Dell hat mehr Geld für Aktienrückkäufe ausgegeben, als es jemals in seiner ganzen Geschichte akkumuliert verdient hat. Das ist komplett absurd.
Dell hat zu viel für das eigene Papier bezahlt. Es war ein Desaster sondergleichen. Das Timing war idiotisch.
Pikant: In den Jahren 1995 und 1998 hat Gründer Michael Dell an sich selbst 20 Prozent aller Aktienoptionen ausgekehrt. Mit diesen Optionen erzielte Herr Dell einen persönlichen Gewinn von mehr als 650 Millionen Dollar.
Im Jahr 1994 hatte sich Michael Dell noch selbst auf die Schulter geklopft, in dem er sich gerühmt hatte, keine Aktienoptionen aus dem Unternehmen zum eigenen Vorteil zu ziehen. Pustekuchen. Sie kennen ja den Spruch: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“. Und Sie haben sicherlich schon den Ausspruch gehört: „Einer gewinnt immer“. Schauen Sie mal, wie die Familie Dell im Privatjet unterwegs ist.
Herr Dell hat die Erfolgsrechnung manipuliert. Die Börsenaufsicht SEC überführte ihn. Die Ermittler wiesen nach, Dell erhielt eine heimliche Zahlung vom Chiphersteller Intel für eine exklusive Zusammenarbeit. Das hübschte den Gewinn künstlich auf.
HP kaufte Aktien für 40 Dollar zurück, aktuell dümpelt der Kurs bei 16 Dollar
Ähnlich dumm gelaufen sind Dinge bei Hewlett-Packard. Zwischen 2007 und 2011 erwarb HP für 45 Milliarden Dollar eigene Aktien. Es war ein riesiges Verlustgeschäft. Die Kalifornier zahlten im Schnitt einen Kurs von mehr als 40 Dollar, jetzt kriegen wir das Papier fast Zweidrittel günstiger (aktueller Kurs 16,87 Dollar). Sehen Sie oben in der Illustration die Phase des Zukaufs – und wie tief der Kurs seither abgestürzt ist. Anstatt dazu zu lernen, gab das Management unentwegt weitere Milliarden für Rückkäufe aus. Jetzt wäre es wohl eher an der Zeit zuzukaufen.
Es gibt smarte Aktienrückkäufer. Darunter sind IBM, McDonalds, Exxon, Chevron, Coca-Cola, Caterpillar. Aktienrückkäufe machen immer Sinn, wenn ein Unternehmen in der Tat ein Schnäppchen ist und die langfristigen Aussichten exzellent ausfallen.
Schlechte Vorstände machen nicht nur bei Aktienrückkäufen Dummheiten, sondern bei anderen Entscheidungen auch. Sie kaufen überteuert Konkurrenten zu, sie investieren in aussichtslose Produktneuheiten. Kurz: Sie werfen Geld nur so zum Fenster hinaus. Ein fehlgeleiteter Vorstand kann ein Unternehmen mit Vollgas gegen die Wand fahren.
HP wollte mit Zukäufen von eigenen Problemen ablenken
Zurück zu HP: Mit absurd hohen Kaufpreisen hat der IT-Gigant Konkurrenten akquiriert. Die Deals häuften sich, als sich Schwächen im eigenen Kerngeschäft bemerkbar machten. Sie werden vermuten, warum sich die Käufe mehrten: So kann ein Vorstand von eigenen Wachstums- und Margenproblemen ablenken. Nach dem Motto: Täuschen, Tricksen, Tarnen. So kann ein Vorstand versuchen, seinen Job in schwierigen Zeiten zu behalten. Der Trick: Dank einer Akquise wächst auf einmal der Gruppenumsatz und -gewinn, obwohl das Zubrot in der Erfolgsrechnung irrsinnige Summen gekostet hat. Reihenweise kaufte HP zu Rekordpreisen zu. Die Spitze verhielt sich so, als ob sie nichts anderes zu tun hatte. Nur: Zukäufe, Zukäufe, Zukäufe.
Schauen Sie mal, was anschließend bei HP passierte. Kurz nach den Deals mussten die hohen Kaufpreise über Abschreibungen korrigiert werden. So endete die elf Milliarden Dollar teure Übernahme der britischen Softwarefirma Autonomy in einem Desaster. Dabei hatte es ausreichend Warnungen im Vorfeld gegeben. Jetzt kursieren sogar Vorwürfe, die Bücher von Autonomy seien manipuliert worden. Das FBI hat die Ermittlungen aufgenommen. Ob Betrug bei der Bilanzerstellung eine Rolle spielte, wird sich zeigen.
Seine Deals finanzierte HP per Kreditaufnahme. Jetzt ist die Bilanz eine Katastrophe. Bis unters Dach stapeln sich die Schulden. Netto steht HP mit 16 Milliarden Dollar in der Kreide.
Wenn Sie irgendwo lesen sollten, HP schwimme im Geld, ist das bei genauer Betrachtung Unsinn. Denn dem Cash stehen gigantische Schuldenberge gegenüber. Fairerweise muss ich ergänzen, HP erwirtschaftet mehr als zehn Milliarden Dollar Cash per annum.
Dell hat keinerlei Schulden unterm Strich (es liegen über zwei Milliarden Dollar netto in der Kasse). Immerhin! Dell produzierte 5,5 Milliarden Dollar Cash im vergangenen Turnus.
Ein smarter Vorstand ist ein Segen für Aktionäre
Was lernen wir daraus? Wir möchten als Aktionäre einen smarten Vorstand. Wir brauchen einen exzellenten Aufsichtsrat. Wir brauchen Menschen, die sich einmischen. Wir wollen natürlich ein kerngesundes Unternehmen mit soliden Perspektiven.
Ich persönlich schätze Dividenden. Wer Dividenden ausschüttet, verhält sich meiner Meinung nach tendenziell konservativer. So werden irre Akquisitionen unwahrscheinlicher. In einer Phase der Unterbewertung machen Aktienrückkäufe durchaus Sinn.
Insgesamt denke ich, ein gesunder Mix aus allen Instrumenten ist ideal (Investitionen, Akquisitionen, Dividenden, Aktienrückkäufe). Wir müssen hoffen, dass kein Idiot das Ruder unseres Unternehmens übernimmt.
Das Gute an großen Aktionärsgruppen, etwa bei Familienunternehmen, ist: Sie passen auf, dass kein Unsinn mit dem Geld der Aktionäre passiert.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Was wir Anleger möchten: Gewinne, Dividenden, Aktienrückkäufe

  1. Markus

    Jep, beim Kauf von einzelnen Unternehmen sollten solche Dinge wie „sinnvolle“ Aktienrückkäufe und solides Management vorab gecheckt werden. Familienunternehmen sind im Schnitt besser. Allerdings gibt es durchaus auch zerstrittene Familienunternehmen in denen kurzfristige Interessen, gegen langfristige Interessen kämpfen.
    Berkshire muss zum Beispiel nicht unbedingt Dividenden ausschütten, wenn Sie das Geld sinnvoller anlegen können. Bei einer Nachfolge bei Berkshire kann man fast sicher mit einem Einbruch des Aktienkurses rechnen. Ist wahrscheinlich etwas geschmacklos aber in einer Welt, in der Aktienkurse steigen, wenn ein Unternehmen verkündet tausende Leute zu entlassen…

  2. Olga

    Hallo Tim!

    Klasse Artikel! Wenn ich diesen kurz zusammenfassen müsste, würde dabei folgender Satz dabei herauskommen:

    Wer (nach)rechnet ist klar im Vorteil!

    Das gilt insbesondere auch bei der Verwässerung durch Kapitalerhöhungen. Es gibt ja immer noch Mitmentschen, welche bei einer Commerzbank von Kursen um die 20 Euro träumen, die aber vergessen, dass sich die Zahl der ausgegebenen Aktien seit 2007 fast verneunfacht (!) hat.

    Der höchstpreis der Aktie aus den letzten Jahren i.H.v. rund 38 Euro im Juni 2007 entspricht somit einem Kurs (bei der aktuell ausgegebenen Anzahl von über 5,8 Mrd Aktien) von 4,30 Euro.
    Natürlich ist da nun auch die Dresdner Bank mit dabei, dennoch rechnet da leider niemand wirklich nach und die Anleger wundern sich, warum die Aktie nie das von ihnen erhoffte Ziel erreichen wird.

    Daher auch mein Résumé:

    Wer (nach)rechnet ist klar im Vorteil!

    Viele Grüße

    Olga

    Quelle für die Anzahl der ausgegebenen Aktien: Geschäftsbericht der Commerzbank für das Kalenderjahr 2007, S. 28, abrufbar über die IR-Seite der Bank
    aktuelle Anzahl der ausgegebenen Aktien

  3. Günter

    Hi Tim!

    Das finde ich auch sehr wichtig, dass ein Unternehmen gut geführt wird. Schlechtes Management kann selbst das beste Unternehmen zu grunde richten oder auf die hinteren Plätze verweisen.

    Das Thema Aktienrückkauf löst zwar bei vielen Anlegern automatisch einen Gier-Reflex aus (ist das auch schon zu einem pawlowschen Reflex geworden?). Die meisten Rückkaufaktionen sind jedoch unrentabel oder finden gar auf pump statt. Kurzfristig mag das den Kurs zwar stützen, aber langfristig schadet dies dem Unternehmen. Das Beispiel mit Dell finde ich schon sehr heftig… aber E.ON und andere haben sich diesbezüglich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. So betrachtet sind sie ja in „guter“ Gesellschaft 😉

    Besonders in Zeiten mit niedrigen Zinsen überlegen sich viele Unternehmen, die meines Erachtens schon eine gewaltige Schuldenlast haben, auch noch auf Kredit eigene Aktien zurückzukaufen. Das finde ich irrsinnig. Denken solche Manager auch daran, dass die Zinsen wieder irgendwann steigen werden?

    Auf der anderen Seite gibt es geniale Firmenlenker, welche die Krisenjahre genutzt haben, um kräftig zu investieren oder gar Konkurrenten weit unter Buchwert zu übernehmen. Das zahlt sich nun im Laufe der Jahre aus.

    @Olga: Ja, Kapitalmassnahmen können einem potentiellen Aktionär auch die Chancen auf Kursgewinne verbauen. Was das Beispiel mit der Commerzbank betrifft, kann ich nur staunen!

    Viele Grüsse

    Günter

  4. StefanStefan

    @ Olga:

    Vielen Dank für diese exzellente Erklärung!

    Ein Kumpel von mir meint immer mit der Commerzbank zocken zu müssen. Die Zahlen von dir werde ich ihm jetzt mal präsentieren. Da wird er vermutlich nicht schlecht staunen. Mir war das jedenfalls so nicht bewusst…

  5. willihope

    habe ja schon öfter darauf hingewiesen, wenn der vorstand mit millionen von aktien vergütet wird ist das unternehmen gezwungen an der börse zurück zu kaufen! anderfalls würde der kurs ins bodenlose abstürzen.

    unternehmen die optionen an mitarbeiter ausgeben schaden immer den eigentümern! von langfrist ist da nie die rede, die mitarbeiter denken nur bis heute!

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