Was tun, wenn böse Gerüchte gestreut werden? Tipps! Medifast!


New York, 13. März 2010

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Im Herbst 2009 hatte ich für „Euro am Sonntag“ über die Abnehmpulverhersteller geschrieben, die in den USA wie Pilze aus dem Boden schießen und fette Gewinne einstreichen. Es handelt sich um ein bombiges Geschäft. Zum einen sind zwei Drittel der Amerikaner übergewichtig beziehungsweise fettsüchtig. Zum anderen setzt sich der Gesundheitstrend immer weiter durch. Schlanksein ist in. Die Hersteller von Abnehmpulvern boomen also. Wer sich strikt an die Vorgaben der Abnehmspezialisten hält, der nimmt auch ab. Das ist das Gute an den Programmen. Sie limitieren radikal die Kalorien. Und trotzdem darf man Süßes essen, etwa ein Stück Kuchen oder einen süßen Shake zu sich nehmen. Eines dieser Abnehmspezialisten ist Medifast. Im vierten Quartal steigerte das Unternehmen den Umsatz um 81 Prozent auf 46 Millionen Dollar. Der Gewinn je Aktie kletterte gar um 200 Prozent auf 21 Cent je Aktie. Auf Gesamtjahressicht erlöste Medifast 165 Millionen Dollar, plus 57 Prozent. Unterm Strich blieben zwölf Millionen Dollar hängen. Die Nettomarge ist mit sieben Prozent kein Knüller, aber die Rendite bessert sich von Jahr zu Jahr. Die Skaleneffekte wirken!
Über Medifast finden Sie auf Youtube hunderte Videos. Hier ist ein solches werbewirksames Filmchen. Die Kunden sind einfach begeistert von der Methode. Im Schnitt specken die Übergewichtigen zwei bis fünf Pfund pro Woche ab. Kostenpunkt: Für zehn Dollar am Tag liefert Medifast Tütensuppen, Shakes, Riegel, Pudding. Zudem betreibt das Unternehmen eigene Kliniken. Wer sich dort beraten lässt, muss jedoch eine Gebühr in Abhängigkeit von seinem Gewichtsverlust zahlen. Das kann also teuer werden.
Kostenlos sind dagegen die Vertriebsmitarbeiter, die einen zuhause beraten. Die Direktvertriebler streichen eine Provision von rund 25 Prozent auf die verkauften Pulverchen ein. Das Gros der Klinkenputzer hat selbst mit Medifast abgespeckt, insofern ist das Vertrauen unter den Kunden groß. In der Regel wird im Freundes- und Familienkreis gewildert. Im Schnitt betreut ein Coach sechs bis sieben Kunden. Genau diesen Umstand hat jetzt ein Kritiker genutzt, um das Unternehmen anzugreifen. Barry Minkow behauptete, dass es sich um ein verbotenes „Pyramidengeschäft“ handelt. Es sei ein betrügerisches Schneeballsystem, so der Vorwurf. Das saß. Sogar das „Wall Street Journal“ hatte berichtet. Die Aktie rauschte in den Keller. Allein am 14. Januar speckte der Kurs um 15 Prozent auf 22,99 Dollar ab. Das Unternehmen schoss zurück und kündigte an, Barry Minkow auf Schadenersatz zu verklagen. Sie müssen wissen, dass Minkow kein unbeschriebenes Blatt ist. Er saß sieben Jahre im Knast, hatte bei seiner börsennotierten Firma das ein oder andere kriminelle Ding gedreht. Es ist gut möglich, dass hier jemand auf fallende Kurse gesetzt hat und sich eine goldene Nase verdient hat.
Wenn negative Gerüchte gestreut werden, rate ich folgendes zu tun: Seien Sie als Aktionär auf der Hut. Es können berechtigte Kritikpunkte sein. Nehmen Sie die Vorwürfe unter die Lupe, sprechen Sie mit dem Unternehmen. Prüfen Sie, wer die Unterstellungen verbreitet hat. Verfolgen Sie den Kursverlauf. Beobachten Sie vor allem Transaktionen durch Insider. Wenn Manager beginnen, Aktien im großen Umfang zu kaufen, dann können Sie getrost dem Beispiel folgen. Es bietet sich aller Voraussicht nach eine einmalige Gelegenheit. Das war auch bei Medifast der Fall. Am 1. Februar griff ein Direktor zu und deckte sich zu einem Kurs von 17,17 Dollar ein. Es handelte sich um ein Zwischentief. Exzellent war das Timing. Sehen Sie oben den Chart! Mittlerweile notiert die Aktie wieder bei 24,74 Dollar. Macht 44 Prozent Rendite für den Insider. Und das in nur sechs Wochen. So macht man das! Böse Gerüchte können Sie zu ihrem Vorteil nutzen.
Conclusio: Werden extrem negative Gerüchte über eine Gesellschaft verbreitet und sinkt der Kurs erheblich, achten Sie auf die Insider. Decken sich die Unternehmensinsider im großen Umfang ein, dann tun Sie das auch. Folgen aber auf die Gerüchte keine Käufe durch Insider, dann wäre ich vorsichtig.


tim schaefer (Author)

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