Was macht Menschen glücklich: Das Geld ist es nicht


New York, 21. Februar 2014

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Ich interviewte den ehemaligen Wall-Street-Trader Sam Polk. Er hat Millionen gescheffelt. Er arbeitete für Großbanken und einen Hedgefonds in New York.
Nach einigen Jahren im Job fand Polk heraus, dass ihn Geld nicht erfüllte. Seine eigene Geldgier kam ihm plötzlich unheimlich vor. Er kündigte. Er arbeitet seither mit seiner Frau für eine Stiftung in Los Angeles. Seine Wohltätigkeitsorganisation für gesunde Ernährung heißt Groceryships. Er gründete sie, weil er mitsamt Familie unter Übergewicht litt.
Mein Gespräch mit ihm über das Geld war echt faszinierend.
Massenweise zeigen Studien, dass wir Menschen nicht mit mehr Geld glücklicher werden. Was macht uns stattdessen happy? Wenn wir anderen helfen, wenn wir Freizeit haben, wenn wir etwas Gutes tun. Wenn wir Freunde haben. Wenn wir einen Job haben, der uns erfüllt, der uns Spaß macht.
Das hat zum Beispiel diese Studie herausgearbeitet, deren Beobachtungszeitraum sich über 75 Jahre erstreckte. Es ist eben nicht die steile Karriere. Und das fette Bankkonto.
Eine andere Forschungsarbeit (PDF) am „Institute for the Study of Labor“, kurz IZA, in Bonn untersuchte die Zufriedenheit von Menschen mit wachsendem Wohlstandsgewinn (Bruttosozialprodukt). Unter die Lupe nahmen die Wissenschaftler verschiedene Länder. Das Resultat: Mit dem Wohlstandsgewinn steigt nicht automatisch die Zufriedenheit im gleichen Tempo.
Ein armer Fischer irgendwo an der mexikanischen Küste kann zufriedener als ein Multimillionär in Manhattan sein.
Das ganze Spielzeug (Villa, Porsche, Pool, Rolex, Rennpferd) ist also nicht der Weg zum erfüllten Leben. Komischerweise träumen genau davon Millionen von Menschen. Jeden Tag. Und jede Nacht.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Was macht Menschen glücklich: Das Geld ist es nicht

  1. Sebastian

    Hallo Tim,

    Ich kann Dir zu Deinem Beitrag nur 100% zustimmen. Ich bin gerade im Urlaub in der Dominikanischen Republik. Die Leute hier im Hotel sind total freundlich und happy, obwohl sie sicherlich weniger „haben“ als wir, freuen sie sich dennoch uns einen schönen Urlaub zu bescheren und sie mit uns ihr Lebensunterhalt verdienen. Gerade in Deutschland sehe ich es oft, wie Leute mit hängenden Mundwinkeln in der S-Bahn stehen, weil sie meinen der Nachbar hat ein besseres Smartphone, Fernseher, Auto etc.
    Wie ging doch mal der schöne Spruch: „jeder Vergleich ist der Anfang vom Unglücklich sein“
    Ich muss aber zugeben dass ich mir das auch ab und zu selbst sagen muss, man vergleicht sich halt eher mit Kollegen, Nachbarn etc. als mit den Einwohnern der Dom. Rep. u.a.
    In diesem Sinne viele Grüße aus der Karibik
    Sebastian

  2. tim schaefertim schaefer

    Hallo Sebastian,

    das klingt ja interessant. Stimmt. Wir vergleichen uns gerne mit anderen. Daher beginnt das Wettrüsten mit Statussymbolen (Auto, Haus, Kleidung, Handy, Möbel…) Manchmal auf Pump.

    Ich glaube, das Klima in Deinem Urlaubsparadies hat zudem einen positiven Einfluss auf das Gemüt der Menschen. Genieße den Urlaub, VG Tim

  3. Pete

    Nein, Geld allein macht mit Sicherheit nicht glücklich. Aber: Glücklich macht einen die Freiheit ohne zwingenden Lohnerwerb selbstbestimmt zu tun was einem beliebt. Jetzt kann man einwenden, „die freie Entscheidung hat man immer“, doch ist das wirklich so? Wohl kaum.

    Der Herr Millionär aus dem Interview hat sich auch erst eines besseren Besonnen, als er die Taler bereits auf dem Konto hatte.

  4. Florian

    Ich denke, man muss das Ganze etwas differenzierter betrachten.
    Ich stimme völlig zu, dass maßloser Konsum nicht glücklich macht. Ebensowenig wie Luxuspielzeug und Statussymbole.

    Ich bin auch der Meinung, dass im Gegensatz dazu ein erfüllter Job, Hilfe für Andere und Möglichkeit der Selbstbestimmung wichtige Glücksbausteine sind.

    Hier kommt nun doch wieder Geld ins Spiel. Wenn ich kein finanzielles Polster habe, dann sind die Entscheidungsspielräume für die Selbstbestimmung doch wesentlich eingeengt.
    Sicherlich gibt es Lebenskünstler, die mit wenig finanziellen Mitteln ein eigenbestimmtes Leben führen, das dürfte aber eher die Minderheit sein.
    Ebenso kann ich mit ausreichend finanziellen Mitteln viel mehr Hebel in Bewegung setzen, um anderen zu helfen.

    Ich denke es kommt darauf an, was man mit Geld macht. Es muss ja nicht zwangsläufig in unnötigen Konsum gesteckt werden. Es ist auch ein Mittel zu mehr Entscheidungsfreiheit.

  5. Felix

    Mag sein, dass Geld nicht glücklich macht. Schon gar nicht, wenn man welches hat und dauernd befürchtet, es wieder zu verlieren.
    Der Umkehrschluss allerdings, dass kein Geld glücklich macht, ist jedoch definitiv falsch. Wenn eine defekte Waschmaschine oder sonst eine kleine Reparatur jedesmal ein finanzielle Katastrophe bedeutet, so trägt das wohl kaum zur Zufriedenheit bei.
    Irgendwo gibt's den Spruch. Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt. Und so ist es. Ein finanzieller Polster ist ein schönes Ruhekissen, das ein gutes Stück Gelassenheit, etwa im Arbeitsleben, geben kann.
    Wer Statussymbole braucht, hat eh andere, psychische Probleme.

  6. Frank / Berlin

    ein Haufen Geld an sich macht nicht glücklich und dieser Haufen Geld beruhigt auch nicht die Nerven, jedenfalls nicht meine.
    Ich kann fast die Hälfte meiner Ausgaben durch Dividenden finanzieren. das ist beruhigend.

  7. StefanStefan

    @ Sebastian:

    da bin ich Ende April mit der Family auch 🙂

    Wo bist du denn genau? Und wie gefällt es dir? Gerne auch per E-Mail…

    Schoggy@gmx.de

    Frage mich nur ob dieses „Nette“ echt ist oder nur eine Show für die Touristen…

    Gruss

  8. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Stefan

    Natürlich ist es dort wie in jedem dieser Länder. Touristen sind Melkkühe.

    Ich habe vor paar Jahren meinen 50. dort in Cabarete gefeiert (3 Wochen lang ;-))

    Du wirst am laufenden Band angemacht, und sollst irgendwelchen Touri-Plunder kaufen (Holzkettchen aus China mit 20 Cent Materialwert für 10 $ usw.).

    Natürlich haben die alle sterbenskranke Großfamilien zu versorgen, und Du bist schuld wenn sie kein Geld verdienen.

    Letztendlich haben wir einen Hotelboy bezahlt, dass er uns am Strand die Verkäufer vom Hals gehalten hat.

    Will Dir natürlich nicht den Urlaub verderben, aber Romantik ist da fehl am Platz. Am heißesten fand ich den Inhaber eines kleinen Supermarktes um die Ecke. Der lief mit der Pumpgun im Laden rum.

    Wir hatten trotzdem einen schönen Urlaub, aber man darf halt wirklich nicht blauäugig sein.

    Nützlich ist es, einen dicken Packen Ein-Dollarscheine mitzunehmen, und bei jeder Gelegenheit Trinkgeld zu geben; Barkeeper, Putzfrauen usw.

    MS

  9. Sebastian

    Ja die Leute hier sollten auch nur exemplarisch dafür stehen sich mit weniger zu begnügen. Bei uns muss es immer mehr sein, andere haben das Leuchten in den Augen wenn sie einen Fussball geschenkt bekommen, bei uns muss es gleich die neuestes Playstation sein!
    Ich finde es auch toll wenn Unternehmen es unterstützen mal Out of the Box zu kommen, z.B. Manager nach Afrika oder Südamerika schicken um eine Schule aufzubauen etc.
    Leider werden dann Top-Level Manager hingeschickt und nicht bereits Manager auf kleinerem Level.
    Im Endeffekt ist das was wir machen auch nur Luxus. Wir verdienen soviel dass wir noch etwas über haben um es in Aktien zu stecken, das kann selbst in Deutschland nicht jeder!
    Naja, immer tolle Themn hier beim Tim, weiter so!!!!
    Sebastian

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