Was machen Stars besser? Was machen Hobbyanleger falsch?


New York, 7. März 2014

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Wie gehen Stars wie Carl Icahn (Foto: CNBC), George Soros oder Seth Klarman vor? Warum sind die Milliardäre besser als die Meute? Was ist das, was Bill Ackman, David Einhorn, Bruce Berkowitz, Kyle Bass, Dan Loeb oder Howard Marks besser können? Ja, gut alle genannten sind in einer gewissen Form Value-Anhänger. OK, billig kaufen will ja jeder. Was machen sie aber konkret anders als die Meute?
Sie laufen entgegen gesetzt zur Herde. Sie sammeln günstig bewertete Aktien ein, die die Masse übersehen hat. Sie sind ausgebufft, sie können Bilanzen analysieren. Sie nehmen sich Zeit. Sie machen keine Kurzschlusshandlungen. Jede einzelne Order ist wohlüberlegt. Selbst George Soros hält teilweise etliche Jahre an seinen Investments fest.
Die Behauptung, die Profis verfügten über Insiderwissen, wird gerne aufgestellt, was aber nicht (immer) wahr ist. Warren Buffett spricht selten mit den Vorständen, bevor er eine Aktie kauft. Er macht es still und heimlich – ohne das Wissen von Dritten.
Wie wählt Buffett seine Aktien aus? Extrem defensiv verhält er sich. Er liebt Großkonzerne, die seit mehr als 20 Jahren ohne Unterbrechung Dividenden auskehren. Meist rangieren die KGVs seiner Lieblinge unterhalb von 20 oder gar 15, wenn er einsteigt. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis ist nicht abenteuerlich teuer. Und die Bilanz seiner Lieblinge ist bärenstark. Wackelige Bilanzen meidet Buffett. Er verdient sein Geld am liebsten langsam, stetig, sicher, anstatt schnell und risikoreich.
Icahn, Klarman, Ackman, Einhorn und die anderen Profis stellen eigene Recherchen an. Sie lesen viel. Sie sind extrem gut informiert. Sie können sehr lange auf ihre Chance warten. Sie haben eine enorme Geduld. Sie nehmen die Qualität des Unternehmens unter die Lupe, bevor sie einsteigen. Sie sehen meist etwas, was die Meute nicht sieht. Sie sehen Verbesserungsbedarf, eine Unterbewertung oder etwas anderes.
Der typische Privatanleger lässt sich dagegen von Kursanstiegen der Vergangenheit bzw. Trendthemen beeindrucken. Da wird geträumt und schnell gekauft, was eh schon teuer ist. Es ist ein aggressiver Anlagestil. Die Zukunftsaussichten eines Unternehmens werden überschätzt. Es geht nicht um Fakten, sondern um Wunschträume. Selten prüft der Privatinvestor, ob eine Bilanz solide ist, wie die Dividendenhistorie aussieht. Es wird gekauft, wo der Optimismus Überhand nimmt und nicht der Pessimismus kursiert.
Dabei wäre eine konträre Strategie lukrativer. Ein Skandal, ein Rücktritt, eine Rückrufaktion, ein Unglück, ein außergewöhnlicher hoher Verlust – das können Chancen sein. Nach solchen gehassten Dingern schauen die Genies. Sie lieben ein solches Umfeld. Wenn der Kurschart angeschlagen ist, wenn die Börse crasht, wenn ein Unternehmen einen grottenschlechten Ruf hat, dann wird es spannend. Meist reagiert die Börse hysterisch auf Probleme und treibt den Kurs der Aktie tief in den Keller.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Was machen Stars besser? Was machen Hobbyanleger falsch?

  1. StefanStefan

    Berkowitz ist zum Beispiel groß bei AIG eingestiegen als die Krise auf ihrem Höhepunkt war. Meiner Meinung nach kann der normale Kleinanleger aber nicht einschätzen ob eine AIG durch die Krise kommt oder total kaputt geht. Das wäre ein 50/50 Spiel gewesen. Genau so hätte man Lehman kaufen können weil man hätte denken können die erholen sich wieder…dieses „Entgegengesetzt zur Herde handeln“ beinhaltet halt auch enorme Gefahren. Hätte man eine Fannie Mae kaufen sollen oder eine Freddie Mac als die Herde die massenhaft verkauft hat? Diese große Kunst, zu erkennen welches Unternehmen es schafft einen turnaround hinzulegen, beherrschen eben nur ganz ganz wenige. Und von denen haben auch noch viele einfach nur Glück gehabt.

    (Mit Sears hat Berkowitz allerdings nicht so ein glückliches Händchen…)

    Diese Profis machen das Vollzeit, beschäftigen außerdem Heerscharen an Analysten. Es ist vermessen sich mit solchen Leuten messen oder vergleichen zu wollen. Ist aber zum Glück auch überhaupt nicht nötig…

    George Soros halte ich immer für ein blödes Beispiel weil er extrem stark diversifiziert. Bei ihm kommt es mir immer so vor als ob er mit der Giesskanne sein Geld verteilt…das Anlageergebnis von jemandem wie Seth Klarman finde ich da aussagekräftiger.

    Klarman ist laut Buffett übrigens der beste Value-Investor überhaupt (vermutlich gleich nach ihm 🙂 )

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Stefan

    Ein extrem hohes Risiko ist nicht nötig, um gute Renditen in die Scheune zu fahren. Du kannst was kaufen, was Grundsolide ist. Und es einfach 30 Jahre lang liegen lassen. Etwa P&G, Nestle, Berkshire, BASF, Nike, Adidas, L'Oreal, Münchener Rück… So kriegst Du eine gute Perfomance. Und musst Dir keine Sorgen machen.

    Wenn Du jedes Mal aufstockst, wenn die Börse gerade abschmiert, umso besser.

  3. StefanStefan

    Genau so mache ich es ja auch. Allerdings hat das recht wenig mit gegen den Strom schwimmen zu tun…

    Frage mich eh langsam ob das sogenannte Dividendinvesting (in Aristokraten) noch funktioniert wenn es alle machen. Man muss sich ja nur mal anschauen wie viele Blogs es zu diesem Thema in den USA gibt. Genau wie Early Retirement Blogs. Scheint gerade ein großen Thema drüben zu sein…

    Nimmtst du das vor Ort auch so wahr?

  4. tim schaefertim schaefer

    @ Stefan
    Eigentlich hat diese Strategie schon etwas damit zu tun, „gegen den Strom zu schwimmen“. Waschpulver, Seifen, Schuhe, Chemikalien, Wasserflaschen sind nicht gerade „heiß gefragt“ an der Börse.

    Wenn Du dann jedes Mal, wenn ein schwaches Quartal Deines Unternehmens kommt oder die Börse abstürzt, zukaufst, ist das typisches Anti-Herden-Verhalten.

    Ja, die Dividende ist schon ein Trendthema in den USA. Auch die Altersvorsorge. Aber 4 oder 5% Dividendenrendite bleiben eben 4 oder 5%. Es gibt immer Aktien, die gut ausschütten und von der Meute übersehen werden. Viele Grüße über den Teich

  5. Felix

    Was abgestrafte, ja teilweise verhasste Firmen angeht, so sind das die (alten) Energieversorger, allen voraus RWE und Eon. Während die Produzenten der grünen Energien, trotz erheblicher Subventionen, reihenweise pleitegehen (vom Handelsblatt als die Geldvernichter des Jahres 2013 prämiert), halten sich die o.g. Firmen ganz gut.
    Jetzt gegen die Herde dort einzusteigen, könnte sich langfristig in Bezug auf Kurs und Dividende lohnen.

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