Was lohnt sich: Gold, Kunst, Münzen, Diamanten?


New York, 16. Oktober 2012

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Die Tresor-Türe fotografierte ich diese Woche im Keller einer uralten Bank an der Wall Street. Es ist ein metallenes Monster. Panzerknacker aufgepasst: Hier braucht ihr viel Dynamit, bis sich da überhaupt etwas bewegt. Wie Sie wissen, lagert im Finanzviertel im Keller der New Yorker FED Gold aus aller Herren Länder – auch deutsches Gold, das der Bundesbank gehört.
Die Meute macht bekanntlich immer das falsche. Sie ist ein Herdentier und richtet sich an den anderen aus. Wenn es darum geht, dem Neugeborenen einen Namen zu geben, sehen Sie schon hier eine gewisse Form der Trendfolge. Denn die Eltern geben ihrem Kind bevorzugt einen Vornamen, der angesagt ist. Dieses gleichgerichtete Verhalten treffen Sie nahezu überall an. Die Börse boomt, weil eben alle dort hinrennen. Der Immobilienmarkt brummt, wenn die Masse ihn entdeckt.
Gefährlich bei der Preisbildung von Assets wird es immer dann, wenn die Meute vor lauter Euphorie statt auf Bargeld (Eigenkapital) auf Schulden zurückgreift, um das allseits beliebte Gut zu kaufen. Die Kreditaufnahme nahm in den USA zu den Spitzenzeiten des Hausbaubooms eine irre Form an. Arme Familien, deren Haushaltseinkommen nicht mal die niedrigen Zinszahlungen abdecken konnten, verschuldeten sich bis zur Halskrause. 2006 und 2007 fiel das Kartenhaus mit den Subprime-Hypotheken zusammen. Die Hauspreise bildeten sich aufgrund einer absurden Schuldenaufnahme – nicht auf Basis von Eigenmitteln oder Einkommen.
In Deutschland kann ein Immobilien-Wahn rein theoretisch wie in den USA ausbrechen, wobei das unwahrscheinlich ist. Unsere Banker sind konservativer. Wer nicht genug Eigenkapital und Einkommen nachweisen kann, der bekommt einfach keine Hypothek. Punkt. Schluss.
Wo ist außerdem ein Boom am Entstehen? Vielleicht beim Gold. Das gelbe Edelmetall befindet sich in einer zehnjährigen Dauerhausse. Wann endet der Goldrausch? Ich weiß es nicht. Das kann noch gut ein paar Jahre so weitergehen. Aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem die Euphorie abrupt enden wird. Es wird kein Glöckchen klingeln, um uns zu warnen. Der Absturz wird dramatisch ausallen.
Mein Rat: Einen kleinen Teil des Portfolios können Anleger durchaus mit Rohstoffen beziehungsweise Minenbetrieben absichern. Es ist ohnehin ratsam, das Vermögen über mehrere Asset-Klassen hinweg zu verteilen: Sprich Aktien, ein wenig Cash, eventuell Grund und Boden, Farmland, Wald(-Aktien), Energie, Rohstoffe, Wohnung/Haus. Es kommt natürlich auf die Mischung an.
Ich vermute, dass etliche Anleger ins Extreme gehen. Sprich, manch einer hortet große Mengen Gold im Keller. Wenn die Angst vor der Krise um sich greift, spielen die Gefühle ein gefährliches Spiel mit den Menschen. Gold gilt als sicherer Hafen. Vorsicht! Das ist gar nicht der Fall. Gold kann durchaus wieder auf 300 Dollar je Unze einbrechen. Alles ist möglich. Aktuell kostet das Edelmetall 1.736 Dollar je Feinunze.
Schwerpunktmässig würde ich auf Aktien setzen. Es gibt zu guten Dividendenzahlern keine Alternative. Ein Bekannter in Tokio hat etliche Kisten mit Silber- und Goldmünzen gekauft. Er sagt: „Wenn die Krise kommt, kann ich mit meinen kleinen Münzen wichtige Güter im Handumdrehen kaufen. Ich kann mit den Münzen auch reisen.“ Ich halte diese Sorge für übertrieben.
Ich glaube nicht, dass sich Münzen als Zahlungsmittel in einer Krise eignen. Wohl eher Zigaretten, Wodka, Rum, Whisky, Waffen, Lebensmittel und dergleichen.
Es gibt jede Menge Kunstsammler, die glauben, eine gute Anlageform gefunden zu haben. Hier muss man sich verdammt gut auskennen. Nur wer extrem bekannte Kunstwerke von beispielsweise Pablo Picasso oder Gustav Klimt kauft, hat einen Wertschutz, weil solche Werke selten sind. Aber ob sich der breite Kunstmarkt als so toll herausstellen wird, bezweifle ich. Es handelt sich um einen sehr intransparenten und illiquiden Markt.
Diamanten sind ähnlich wie Gold phantastisch gelaufen in den zurückliegenden Jahren. Ich schrieb für die „Euro am Sonntag“ voriges Jahr diesen Artikel über das Diamanten-Fieber in New York. Ob das so bleibt? Keine Ahnung. Diese Steinchen sind ziemlich illiquide. Ich würde jedenfalls keinen wesentlichen Anteil meines Vermögens in Diamanten anlegen.
Es gibt weitere Lieblinge der Masse: Briefmarken, Münzen, Wein, historische Aktien. Das sind keine erprobten Anlageformen. Alles sehr gewagt – meiner Meinung nach. Um Staatsanleihen würde ich einen Bogen machen, die werfen keine Rendite nach Abzug der Inflation ab.
Am besten sind, so sehe ich das, hochsolide Aktien. Von all den anderen Hirngespinsten – von den Goldmünzen im Garten, den Waffen im Tresor und so weiter – rate ich ab.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Was lohnt sich: Gold, Kunst, Münzen, Diamanten?

  1. Peter

    Hallo,

    ich halte 10 % Gold Rest in Aktien 80 %.
    Gold als Absicherung. Es ist ja nicht Gold das
    an Wert gewinnt – Papiergeld verliert an Wert.
    Fairwert Gold ca. 1300 Dollar (Herstellungskosten 1 Unze)

    Man könnte auch z.B. Barrick Gold kaufen.

  2. Robert Michel

    Ich betrachte Gold mehr als Versicherung, denn als Geldanlage. Wenn es wirklich mal zu einer Währungsreform und Depression kommen sollte (nicht ganz unwahrscheinlich, wenn die Politiker wieder durchdrehen), muss man wenigstens nicht bei Null anfangen.

  3. Turing

    Ich sehe es genauso wie du, was Edelmetalle angeht. Viele rüsten für den Extremfall vor. Die kaufen heute sehr teuer Gold, um es in einer Ausnahmesituation beispielsweise für Schinken, Brot und Butter zu verhökern. Essen nimmt in so einer Extremsituation extrem zu (wie beispielsweise in der Nachrkiegszeit), aber es gibt viel bessere Möglichkeiten, in diesen Fällen vorzusorgen.

    Mit gescheitem Werkzeugen und Know-How kann man in der Extremsituation seine Fähigkeiten in die Waagschale legen und im Gegenzug Naturalien beziehen. Zigaretten sind ebenso eine gute Währung. Sie sind liquider, man kann sie abzählen, der Wert unterscheidet sich nicht von Zigarette zu Zigarette: A Marlboro is a Marlboro is a Marlboro. Bei Schmuck aber beginnt das stressige Gefeilsche und als Laie hat man da sowieso keine Chance, weil der Trödler genau weiß, dass es den Leuten um die nackte Existenz geht, weshalb sie den Familienschmuck versetzen. Bei Zigaretten gibt's auch immer eine Nachfrage, weil es genug Raucher gibt.

    Tatsächlich ist es so: Die Bedeutung von Schmuck und Gold nimmt in der Extremsituation extrem ab und nicht zu, weshalb es als Währung nicht taugt. Aktien nehmen auch in der Bedeutung ab. Aktien wie Gold kann man in der Krisensituation günstig einsammeln, was ja auch schon gemacht wurde. Nach dem Kriegsbeginn 1939 hat man an der Pariser Börse wie blöde Aktien gekauft (Sachwerte, Sachwerte, Sachwerte) und bei der abzusehenden Niederlage hat man in Deutschland Aktien wie blöde gekauft. Letztere haben gut spekuliert, konnten die Früchte aber erst in den 50ern einsammeln. Wer keine Aktien kaufte, hat viel verloren, wegen der Währungsreform. Über Immobilien wurden Zwangshypotheken verhängt.

  4. Sams

    Altria und BAT. Ich warte schon auf eine günstige Möglichkeit.
    Rauch und Zigaretten ja das könnte über die Zeit helfen.
    Gold und Silber taugt in meinen Augen doch eher wenn die Krisensituation vorbei ist.
    Aber wenn alle Stricke reißen und ich warum auch immer flüchten muß können einige Unzen Gold und Silber beim Neustart schon helfen.
    Ist aber schon sehr negativ. Aber sicher ist sicher. Stört ja niemanden wenn das Edelmetal zum 3 mal vererbt wird. So ist mir das am liebsten.

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