Was der Krimi in Griechenland für Ihr Geld bedeutet


New York, 6. Juli 2015

Die Griechen haben gegen die strengen Sparauflagen der EU gestimmt. Das geschundene Land will sich nicht zu Tode sparen. Ich verstehe das. 25 Prozent der Griechen sind arbeitslos. Jeder zweite junge Grieche hat keinen Job. Das Land ist bankrott und krank.

Die harten Sparauflagen der EU können Sie sich anhand dieses Vergleichs vergegenwärtigen: Es wäre so, als ob Sie einem Todkranken ins Fitnessstudio zum knallharten Muskelaufbau jagen.

Natürlich sind die Geldgeber zu verstehen, die Milliarden in das Land gesteckt haben und jetzt nichts zurückbekommen. Das Land steckt in einer verdammt kritischen Situation. Und die EU auch.

Was bedeutet das für Sie? Aktien und Währungen dürften sich volatiler verhalten. Bankaktien können unter Druck stehen. Mehr Nervosität an den Märkten zeichnet sich ab, weil die Unsicherheit zunimmt. Das alles ist Gift für die Börse.

Ich würde mich davon nicht verrückt machen lassen. Investieren Sie langfristig in Aktien. Und denken Sie bloß nicht daran, wegen der Krise in Athen auszusteigen. Ich rate zum Durchhalten. Denken Sie in Dekaden. Und nicht in Tagen.
Die Börse geht immer drei Schritte voraus und zwei Schritte zurück. Das Timing bekommen Sie nie exakt hin. Insofern bewahren Sie besser ruhig Blut.

Wir Privatanleger kaufen am liebsten Aktien, wenn die Börse auf einem Hoch steht. Und wir verkaufen sie wieder, wenn es knirscht. Das ist ein schwerer Fehler. Behalten Sie Ihre Wertpapiere besser für einige Jahrzehnte.

Das ständige Kaufen und Verkaufen lohnt sich einfach nicht. Das gilt nicht nur für Privatanleger, sondern auch für Profianleger. Geduldige Profis schneiden besser als ungeduldige Profis ab. Das zeigen Studien (PDF). Der Unterschied macht mehr als zwei Prozentpunkte pro Jahr aus.

Fazit: Geduldiges Geld hat Vorzüge.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Was der Krimi in Griechenland für Ihr Geld bedeutet

  1. Ric

    Hallo Tim,

    Mir tuen die Menschen in Griechenland leid. Ich stehe politisch nicht grade auf der linken Seite. Aber nur kaputtsparen ist nicht gut. Wären die Griechen nicht in den Euro eingetreten, hätte man einfach gesagt „wir sind pleite“, dann wären die Schulden genullt worden, es hätte eine neue Währung gegeben und alles wär gut. Wie will man Schulden zurück zahlen, die durch den Zinseszins immer weiter wachsen? Das funktioniert weder bei Privatpersonen noch bei Staaten. Am Ende stehen immer Schuldenobergrenzen Anhebungen (Amerika) oder der Staatsbankrott (Griechenland). So war es und so wird es immer bleiben. Und was man festhalten muss ist, die Pleitegeier in Griechenland sind da nicht alleine. Deutschland war in seiner Geschichte schon öfter pleite (7 mal) als Griechenland (5 mal). Hier eine Auflistung welche Staaten schon wie oft Pleite waren http://www.frei-mit-42.de/aktien-oder-staatsanleihen/

    Es ist genauso wie du sagst Tim. Nur Buy and Hold macht auf Dauer wirklich Sinn.

     

    Sonnige Grüße

    Ric

     

  2. Stefan

    Hallo Tim,

    wie schön, dass jedem die Griechen leid tun. Mit anfang 50 in Rente gehen, korrupt zu sein bzw. seine Steuern nicht einzutreiben und über seine Verhältnisse leben geht nun mal nicht ewig gut. Und was ist mit den Slowaken und anderen baltischen Staaten, wo die Menschen viel, viel weniger Geld zur Verfügung haben und mit weniger auskommen müssen als in Griechenland?!

    Wie will jemand denen erklären, dass sie obwohl sie sehr viel weniger als die Griechen haben auch noch für die sparen sollen???

     

    Der unsägliche Euro hätte niemals eingeführt werden dürfen. Hätten alle Länder ihre Währungen behalten wäre auch Griechenland wettbewerbsfähig geblieben und hätte noch die Möglichkeit gehabt abzuwerten. Das geht nun alles nicht mehr.

     

    Aber machtgeile Menschen wie Merkel, die einen Eid auf Deutschland geschworen haben verbrennen mal eben ca. 90 Milliarden Euro.

     

    Traurig!!!!

  3. Claudius

    Hallo Tim,

    die eigentliche Frage ist doch, wo lohnt es sich jetzt einzusteigen?

    Was meinst du dazu?

    Gruß,

     

    Claudius

  4. Jens

    Ich seh die aktuell Turbulenzen eher positiv. Wenn es knallt kann man kaufen. Und zur Zeit knallt es ständig. (Griechenland bricht Verhandlungen ab. Griechen stimmen mit nein, für was auch immer).

    Eigentlich ist der Kaufzeitpunkt ja egal, da es auf 30 Jahre gesehen keinen Unterschied macht. Aber trotzdem möchte man ja nicht ausgerechnet zum Jahreshöhstkurs kaufen.

    Gruß Jens

     

  5. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Ric

    Genau. Die Frage ist auch, ob Deutschland immer seine Schulden bezahlt hat. Es bestehen ja Zweifel daran, ob wir immer alles getilgt haben:

    http://www.zeit.de/2015/26/thomas-piketty-schulden-griechenland

     

    @ Stefan

    Natürlich tragen die Griechen eine große Schuld an der Misere. Die Frage ist aber, wie man in einer solchen Notlage gegensteuert. Wenn bei 25% Arbeitslosigkeit der Staat zudem hunderttausende Stellen streicht, wäre das Selbstzerstörung.

     

    @ Claudius

    Nun es haben ja schlaue Profis wie John Paulson oder Fairfax angefangen, griechische Aktien einzusammeln. Sie haben allerdings die Hälfte schon verloren. Bislang zumindest. Sie haben sich also gewaltig die Finger verbrannt. Vielleicht erholen sich dort die Kurse wieder. Ich weiß es nicht:

    http://www.manager-magazin.de/koepfe/a-1041949.html

     

    Grüße

    Tim

  6. Ric

    @Tim

    Oh, wenn wir nicht mal unsere Schulden an die Griechen bezahlt haben, dann ist das natürlich sehr peinlich…

    Aber es ist schon spannend zu sehen, was möglich ist wenn Staaten in eine solche Situation kommen und wie sehr man das Spiel beeinflussen kann wenn man die Regeln bestimmt.

    @Claudius

    Ich selbst nutze die Kursrückgänge an den deutschen Börsen um nachzukaufen. In Griechenland investiere ich nicht. Dazu ist mir das Risiko zu hoch.

     

    Gruß Ric

  7. Georgios

    @Stefan

    Bravo und Petry Heil! Da bekommt man doch gleich Zuckungen im rechten Arm bei Deinem Kommentar.

  8. Pierre

    Die „Gefahr“ für die Märkte geht nicht von Griechenland aus, sondern China. Aber das geht im Grexit-Getöse (absichtlich?) gerade unter.

    Wir dürfen uns auf schöne Kaufkurse im Laufe des Sommers freuen.

  9. StefanStefan

    @ Stefan:

    ich hab dir doch neulich schon gesagt, dass du mir hier meinen Ruf ruinierst.

    Also nenne dich gefälligst mal anders.

  10. AlexanderAlexander

    Irgendwie scheinen die Märkte das Debakel bereits abgehakt zu haben. Wenn ich heute den DOW anschau, einige meiner Werte im Plus. Gut, in Europa ist etwas Zittern, aber so richtig gekracht hat es nicht.

    Die Griechen haben sicher einen großen Teil selber schuld, aber die ganz Kleinen, die es richtig arg trifft, können wohl am Wenigsten dafür.

  11. PierrePierre

    @Tim

    Was ist daran „faszinierend“? Ich finde es ebenso wenig faszinierend, was im Libor-Skandal passiert ist oder das jene Goldman Sachs & Blackrock das QE der EZB umsetzen.

  12. Ric

    @ Tim,

    krass, ich wusste gar nicht das Goldman Sachs Griechenland geholfen hat. Das ist ja echt ein Unding!

    Tja, Goldman Sachs hat 300 Mio. USD. kassiert und wir zahlen jetzt die Zeche…

     

    Gruß Ric

  13. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Ric,

    die Machenschaften der „heimlichen Weltmacht“ Goldman Sachs (GS)  sind ja berüchtigt. Bei dem Griechenland-Deal hatte damals offensichtlich der jetzige EZB-Chef Draghi (damals bei GS tätig) die Finger im Spiel. Oops. Sonst wäre Griechenland sicher schon längst draußen.

    GS verkündet die EUR-USD Parität, der Kurs geht dahin.

    GS erfindet „Strong US Fundamentals“, die US Börse rennt rauf.

    GS verkündet; nix Wachstum, die US Börse legt den Rückwärtsgang ein seitdem.

    Damals wollte man Griechenland drin haben, also war es eine politische Entscheidung, die Tatsachen mussten nur noch passend gemacht werden. Gilt ja für viele Staaten, nur nicht ganz so krass. Ich finde die Union auch prinzipiell richtig. Man müsste halt jetzt nur straff durchregieren. Griechenland sollte unter Zwangsverwaltung gestellt werden, so wie eine bankrotte Kommune. Es gehört grundlegend umstrukturiert, bzw. überhaupt erstmal strukturiert. Viele Griechen wären sicher froh darüber, viele würden natürlich von Kolonialismus reden. Um Missverständnisse zu vermeiden; ich liebe Griechenland! Ich habe Platon aufgesogen. Ich empfinde eine idealisierte Liebe zu Griechenland als Quell all unseres Ethos. Ich hoffe, wir verlieren es nicht.

    Schönen Tag

    MS

    Ach ja, ganz nebenbei erlebt China gerade sein Armageddon: Chinas Investoren erleben schlimmsten Tag seit 2007.

  14. GertGert

    @ Tim

    Wenn schlaue Profis wie John Paulson oder Fairfax sich jetzt die Finger verbrannt haben, ist das doch völlig egal. Nach der hier üblichen Lesart müssen sie „nur“ 30 Jahre warten und alles ist wunderbar. ^^

    Sorry, aber da konnte ich jetzt nicht widerstehen.

  15. GertGert

    @ Matthias

    Dein Hinweis zu China ist der alles entscheidende. HIER droht die große Katastrophe, die die ganze Welt wieder einmal in eine tiefe Krise stürzen könnte. Griechenland ist wirtschaftlich bedeutungslos.

  16. Ben

    Nun, John Paulson ist nicht schlau, er macht Verluste überall. Nur minderjährige Blondinen nennen ihn Star-Manager. Und die AIG brachte John Paulson zum Bankrott mit Hilfe von Greenspan, Goldman Sachs und Deutsche Bank. Für diesen Betrug mit CDS verdient John Paulson 10 Jahre Gefängnis und alle seine Milliarden sollte er an die AIG zurückzahlen.

    Mit den griechischen Aktien, vor allem mit Banken verliert sicherlich heute Geld auch Max Otte und Christopher Flowers. Die haben die griechischen Aktien zu früh gekauft. Sie sollten auf den Grexit warten und dann auch auf den Bankrott von allen Banken in Griechenland.

  17. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Pierre

    @ Ric

    „Faszinierend“ war das falsche Wort. Es ist jedenfalls bemerkenswert, wie geschummelt wird. Ich vermisse bei vielen Banken das Kaufmannsethos.

     

    @ Gert

    In Griechenland steckt natürlich ein höheres Risiko. Angesichts des Ausmaßes der Krise in Athen ist das Risiko nicht zu unterschätzen. Die USA hatten auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 10% Arbeitslosigkeit, Griechenland hat 25%.

    Aber grundsätzlich hast Du vollkommen Recht. Es gibt dazu Auswertungen, die ganz klar zeigen: Je länger die Haltedauer, desto geringer ist das Verlustrisiko:

    http://timschaefermedia.com/behalten-sie-mindestens-zehn-jahre-ihre-aktien/

  18. Pierre

    Da der Mainstream nun über das China-Problem informiert wird, dürfte die Sache bereits gelaufen sein. Da war doch einiges zu holen von der 12.400 bis 10.600 für die großen Adressen. Oder es braucht etwas mehr Verkaufsdruck.

    @Tim

    Leider habe ich den Glauben an einen kaufmännischen Ethos oder Moral bei Banken & Finanzdienstleistern komplett verloren. Sicherlich gibt es noch einige wenige Ausnahmen & der kleine Verkäufer am Bankschalter kann auch nichs dafür.

    Mittlerweile wird soviel manipuliert. Ich befürchte, wir erfahren da nur einen Bruchteil. Mal plaudert ein EZB-Mitglied aus Versehen im ausgewählten Kreis Infos aus, dann gibt es Bewegungen wie von Geisterhand, Algos prügeln den Index nach belieben hoch/runter.

  19. Ric

    @ Stefan,

    doch die Griechen tun mir leid. Du hast recht. Die Politiker in der Vergangenheit waren unfähig das Land zu regieren. In der Geschichte ist es das erste mal, dass ein Land ohne Krieg oder ähnlichem und völlig ohne fremdeinwirkung  in die Pleite fährt. Die Politiker haben, muss man wirklich sagen die Kohle mit vollen Händen zum Fenster raus geworfe.

    Wer mir aber Leid tut sind die Menschen die jetzt darunter leiden müssen. Die Menschen die am Bankautomat stehen und kein Geld bekommen, die Väter die in der Mülltonne wühlen müssen um ihre Familie durchzubringen. Die Menschen die ihren Job verlohren haben und jetzt nicht wissen wohin.

    Gruß Ric

  20. Andreas

    Ich möchte fast wetten, dass die Griechen zumindest einen hohen zweistelligen Schuldenschnitt erhalten. Zurückzahlen können sie die vollen Schulden sowieso nie wieder.
    Inzwischen flüchten Anlegen teilweise in Immobilien.

  21. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    Herr Couponschneider,

    vielen Dank für den Link.

    Ich finde, die Familie macht es richtig. Keine Konsumschulden. Schnell die Hypothek tilgen. Altes Auto fahren. Sparen. Zuhause kochen. Bodenständig sein.

  22. Ric

    @ Matthias Schneider

    Ich finde es krass, wie ein Unternehmen so viel Macht in sich bündeln kann und einen so großen Einfluss ausübt.

    Sollte man von GS nicht vielleicht ein paar Aktien kaufen?

     

    Viele Grüße Ric

  23. Dr. Jürgen Nawatzki

    Buy and hold ist das Beste, was man an der Börse machen kann, da gebe ich Ihnen recht. Und zu Griechenland meine ich, dass die wirklich einen Schuldenschnitt brauchen (hatten wir 1953 auch) und ein Investitionsprogramm, um wieder auf die Beine zu kommen (wir hatten den Marshall-Plan). Parallel müssen die Griechen weitermachen, um eine effektive und effiziente Verwaltung aufzubauen. Das Land, das die Wiege der Demokratie war, dürfen wir nicht im Stich lassen!

  24. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Ric,

    die Aktien von GS passen nicht in mein Dividendenkonzept. Würde höchstens in deren Schulden investieren mit ca. 6%. Stattdessen habe ich paar KKR. Ich würde auch noch bei Gelegenheit ein paar AllianceBernstein (AB) und Blackstone (BX) nehmen. Leider sind am Ende des Geldes immer noch so viele Wünsche übrig. 😉

    Schönen Tag noch

    MS

     

  25. Stefan

    @ Georgios

     

    schade, dass Du die Wahrheit nicht vertragen kannst und wohl auch keine Ahnung von Wirtschaft hast!!!

     

    @ Stefan

    Hast Du mir etwas zu sagen?!

     

     

  26. Stefan

    @Stefan

    Bitte unterlasse diese niveaulosen Kommentare. Du beschmutzt meinen guten Ruf.

    Hat Dein Stammtisch geschlossen oder warum trollst Du jetzt hier rum?

  27. Stefan

    @ Stefan

    Das ist ja wohl die Höhe!!!!

     

    Niveaulose Kommentare ist ja mehr als lächerlich von Dir. Nur weil ich eine eigene Meinung habe, die im Zusammenhang mit der Euro- und Griechenland- krise richtig ist, muss ich mich nicht nicht von Dir hier anpampen lassen.

    Außerdem was für ein guter Ruf?! Wer bist Du kleines Licht überhaupt?!

     

    Unfassbar, dass ich ausgerechnet auf Tims Value Investing Seite mit so viel Gegenwehr zu kämpfen habe….

     

    Ich denke gerade Menschen, die sich für Value Investing  interessieren sollten von Finanzen und Wirtschaft mehr Ahnung haben als andere….aber schlimm wie einige wie Du sich oftmals angegriffen fühlen.

  28. Pingback: Artikel über Wirtschaft und Devisen 12. Juli | Pipsologie

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  30. Georgios

    Wer war denn jetzt bitte der Dumme? Herr Tsipras & Herr Varoufakis sicher nicht. Jetzt bekommen sie noch mehr Geld hinterher geschmissen als sie eigentlich wollten. So wird das gemacht! Und schon wieder 80 Mrd. Euro an Steuergeldern sinnvoll investiert.

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