Warum wir schlechter als Warren Buffett abschneiden


New York, 17. April 2014

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Ein Leser meines Blogs machte mich freundlicherweise auf einen interessanten Artikel in der FAZ aufmerksam. Es geht um die deutschen Dividenden-Wunderstars. Im Gegensatz zu den USA gibt es hierzulande leider keine Aristokraten. Das sind Unternehmen, die mindestens seit 25 Jahren ihre Ausschüttung erhöht haben. Was nicht ist, kann ja noch werden.
Die besten DAX-Aktien waren übrigens in den vergangenen 15 Jahren der Minenkonzern K+S, der Autozulieferer Conti und der Autobauer VW. Diese Aktien gingen durch die Decke.
Viele Anleger verehren Warren Buffett (das Foto machte ich auf seiner Hauptversammlung in Omaha). Er hat in seinem Depot fast ausschließlich starke Dividenden-Zahler, eben jene Aristokraten. Darauf baut ein Teil seines Erfolgs auf. Diese Dividendenströme erzeugen passive Cashzuflüsse in seiner Holding Berkshire Hathaway, die Buffett ständig in neue Investments steckt. Der andere Teil seines Erfolgs basiert auf seiner extremen Geduld. Er hält Aktien viele Jahrzehnte lang die Treue. Buffetts bevorzugter Anlagehorizont ist die Ewigkeit.
Wir Privatanleger sind eigentlich in der Lage so wie Buffett königliche Dividendenzahler auszuwählen: American Express, Wells Fargo, IBM, Coca-Cola… Wir können den Milliardär einfach kopieren. Aber so viel Geduld wie Buffett haben die wenigsten Privatanleger. Wer hält schon Aktien drei oder vier Jahrzehnte einfach durch, ohne sie zu verkaufen? Das schaffen ganz wenige Anleger. Ich glaube, das ist unser größtes Problem. Deshalb schneiden wir schlechter als der Meister in Omaha ab. Uns fehlt die Ausdauer. Wir sind wie ein Marathonläufer, der nach einem Kilometer schon aufgibt.
Die größten Vermögen werden erst mit den Jahrzehnten geschaffen. Haben Sie mehr Geduld. Sitzen Sie starke und schwache Phasen aus.
Wer Qualitätsunternehmen besitzt, sollte gelassener in die Zukunft blicken. Selbst die schwerste Finanzkrise seit etlichen Generationen war nach einigen Jahren ausgestanden. Schauen Sie sich nur die Entwicklung des Dow-Jones-Indexes an. Einfach sagenhaft! Wer 2008 in Panik geriet, ist selbst schuld.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Warum wir schlechter als Warren Buffett abschneiden

  1. StefanStefan

    In dem Artikel steht ja auch, dass der DAX in den letzten 15 Jahren gerade mal 4% im Jahr gestiegen ist! Inklusive Dividenden wohlgemerkt! Oder 83 % insgesamt über 15 Jahre. Man hätte sein Kapital über 15 Jahre also nicht einmal verdoppelt.

    Das ist, finde ich sehr ernüchternd. Hinter diesem Hintergrund finde ich ETF's auf den DAX ziemlich fragwürdig…

    Was meint ihr dazu?

  2. Mr. CashFlow

    @ Stefan

    aus diesem Grund bevorzuge ich auch die direkte Anlage in Aktien und nicht über irgendwelche Inzizes oder ETF`s. Soweit ich weiß sieht Tim das ähnlich. 😉

  3. Fritz

    @Tim:

    Buffett hat gegenüber dem Kleinanleger oft noch andere Vorteile. Bei Goldman Sachs beispielsweise kassiert er eine Vorzugsdividende in Höhe von 10%. Das ist natürlich gigantisch. Und man kann Kursverluste und Schwächephasen psychisch natürlich viel leichter aussitzen. Der Privatanleger kassiert bei Goldman Sachs dieses Jahr gerade mal eine Dividendenrendite in Höhe von knapp 1,5%.

  4. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Fritz
    Es gibt immer etwas mehr zu holen.
    Wenn Du auf GS stehst, dann kann man auch die Preferreds kaufen statt der Stammaktien. Immerhin gibt es da um oder über 6%, z.B. die Serie I. Ich meine, ich finde immer noch attraktivere Sachen, aber das ist auch was.
    Allerdings sind das alles „non-cumulative“, das heißt, bei Dividendenaussetzung wird die nicht „angesammelt“ und später nachgezahlt. Aber bei GS ist die Gefahr relativ gering.

    Frohe Ostern
    MS

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Mr. CashFlow

    Ich finde Indexfonds sind eine recht gute Sache. Das schöne an Aktien wie Exxon oder P&G sind die Dividendenflüsse im Ruhestand. Man kann damit im Alter gut über die Runden kommen (neben der gesetzl. Rente), ohne seine Aktien schrittweise verkaufen zu müssen.

    Bei den ETFs muss man sehr gut aufpassen – es gibt gute und schlechte. Einige Gebührenfresser sind darunter.

    @Fritz
    Stimmt. Buffett hat ein paar Vorteile gegenüber dem Privatanleger, manchmal zumindest. Aber nicht immer. IBM, American Express, Wells Fargo… hat er ganz normal wie jeder andere Privatanleger auch gekauft.

  6. Sebastian

    @Stefan

    Wie wäre die Entwicklung bei regelmäßiger (sagen wir jährlicher) und gleichbleibender Rateninvestition gewesen?

    Bitte nicht von Schauermärchen wie „über 20 Jahre wären da nur so und so viel herausgekommen“ verunsichern lassen.

    Das sind Beispiele ohne praktischen Wert, da man – hoffentlich – über viele Jahrzehnte kontinuierlich investiert.

    Viel Erfolg weiterhin!

  7. Michael C. Kissig

    Guter Artikel, Tim. Der entscheidende Faktor ist Zeit, oder wie Benjamin Graham es formulierte: „Geduldist die oberste Tugend des Investors“.

    Und zu Warren Buffett sollte man nicht vergessen, dass er auch erhebliche Nachteile gegenüber normalen nvestoren hat. Denn aufgrund der scheiren Größe seiner Investmentholding Berkshire Hathaway kann er kaum mehr in kleine und mittlere Unternehmen investieren. Denn wenn er nicht tausende Beteiligungen anhäufen möchte, muss er große Menge Geld investieren und damit würde er aufgrund der Marktenge den Preis explosionsartig nach oben treiben. Und kauft er nur kleine Anteile, würde ein Erfolg oder Miserfolg keine signifikante Auswirkung auf sein Depot haben. Er ist also auf große Unternehmen beschränkt, egal ob diese an der Börse notieren oder nicht.

  8. Markus

    Bei Buffett finde ich die extreme Logik, die Arbeitsamkeit (Fleiß), das gesamte Lebenswerk und seinen Geschätssinn sehr beeindruckend. Zudem hatte er auch einen sehr guten Lehrer, Studium, Arbitrage und viele Liquiditätsquellen. Offenbar hat er auch des öfteren einen Fremdkapital-Hebel für sein alpha genutzt. Das behauptet zumindest ein paar Autoren im Netz, welche sein Geheimnis untersucht haben. Dazu braucht es Mumm und Expertise. Für einen Großteil der Anleger ist diese Methode grenzwertig.

    Die Logik, dass man etf`s jetzt für schlecht hält, weil man mal wieder einen beliebigen Zeitraum und einen viel zu engen Index ausgewählt hat, ist fehlerhaft.

    Es gibt lange Zeiträume, in denen Aktien nicht mit Ihrer Durchschnittsrendite bei einer Einmalanlage rentieren (egal ob einzelne Aktien, etf`s oder Fonds).

    Aktien rentieren nicht immer mit 10 %!!! Es kommt immer darauf an! Die Praxis ermöglicht gewaltige Bandbreiten!

    Persönlich liege ich mit „üblen“ etf`s bei 13 % nominaler, geometrischer Nachsteuerrendite p. a. über 5 Jahre inklusive Rohstoffe, Bonds, Reits und Cash.

  9. Fritz

    @ Michael C. Kissig:

    Buffett investiert auch in kleinere und mittlere Unternehmen (wobei das Definitionssache ist). Diese übernimmt er dann halt komplett in seine Holding.

    @ Markus:

    Buffett verwendet oft Fremdkapital. Er erhält es über seine Versicherungen. Die Leute zahlen die Versicherungsbeiträge meist am Jahresanfang. Dieses Geld kann er verwenden.

  10. Fabian S.

    Hallo Tim!

    Als riesengroßer Warren Buffett-Fan muss ich aber sagen, dass Buffett zwar in erster Linie die sogenannten Elefanten kauft, aber er wartet manchmal Jahrzehnte auf den besten Zeitpunkt wie bei der Washington Post in den 70ern.

    Auch Coca Cola kaufte er irre günstig ein.

    Also spielt das Timing beim Value Investing ja doch eine Rolle z.b. nach einem Crash oder nach einem Skandal eines Unternehmens.

    Ich finde nur, dass Du das ncht genügend betonst, sondern eher sagst Elefanten sollte man zu jedem Zeitpunkt kaufen, oder?!

    Nicht falsch verstehen, teile sonst total Deine Meinung und finde deine Seite super…das sollte klar sein!

  11. Matthäus Piksa

    Hej Tim,

    a propos Marathonlauf, trainierst du noch? Ich bereite mich nämlich aktuell erneut auf einen vor. 31.05. in Mannheim.

    Ich hoff ja, dass ich wie bei meinem ersten Marathon ein Runner's High erlebe, damals irgendwo zw. Km 10-15! 🙂

    Gruß

  12. tim schaefertim schaefer

    @ Fabian S.
    Ich glaube wir sind uns ziemlich einig. Drei Dinge sind bei Buffett auffällig:
    1. Er findet extrem gute Qualität.
    2. Er kauft i.d.R. recht günstig (Crash, Rezession, Unternehmenskrise).
    3. Er hat eine Geduld, die extrem ist.

    Ich glaube, bei Punkt 3 haben Privatanleger das größte Problem.

    Im Grunde macht Buffett immer das Gegenteil der Masse. Die Masse liebt heiße Modeaktien, die oben stehen. Die Meute tradet gerne, ist sehr aktiv. Wenn die Stimmung toll ist, steigt die Meute im großen Stil ein.

    @ Matthäus
    Ich wünsche Dir viel Erfolg in Mannheim. Ich trainiere derzeit nicht (bin fett geworden). Mache aber immer noch regelmässig Sport.

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