Warum Sie mit wenig Geld im Alter über die Runden kommen


New York, 17. Mai 2015
Sie können mit einem bescheidenen Depot Ihren Ruhestand genießen. Sie brauchen keine Million im Aktiendepot, um die goldenen Jahre genießen zu können. Es kommt auf Sie selbst an. Auf Ihre Ansprüche. Ein Urlaub am Sandstrand in San Diego (mein Foto) lässt sich auch mit einem kleinen Aktiendepot genießen.

Sie können mit einem bescheidenen Depot Ihren Ruhestand genießen. Sie brauchen keine Million im Aktiendepot, um die goldenen Jahre genießen zu können. Es kommt auf Sie selbst an. Auf Ihre Ansprüche. Der Urlaub am Sandstrand in San Diego (mein Foto) lässt sich auch mit einem kleinen Aktiendepot genießen.

Ich erhielt auf meinen letzten Blogeintrag eine kritische Zuschrift. Ich möchte auf die Kritik kurz eingehen: Natürlich braucht niemand eine Million Euro im Aktiendepot, um die goldenen Jahre genießen zu können. Ich nahm diese magische Zahl, um die Geldflüsse kalkulieren zu können.

Wer bescheiden lebt, dem reicht die gesetzliche Rente inklusive eines moderaten Aktiendepots bzw. andere Ersparnisse. Wer zum Beispiel im Eigenheim schuldenfrei wohnen kann, hat schon einen Vorteil.

Was kostet das Leben? Es kommt auf Ihren Lebenswandel an. Finanzblogger Pete aus Colorado alias “Mr. Money Mustasche“ kommt zum Beispiel mit seiner Familie mit 25.000 Dollar im Jahr aus. Das sind 68 Dollar am Tag. Das ist nicht viel. Aber es ist machbar. Ein altes Auto reicht ihm.

Das könnte ich mir im Grunde schon vorstellen, so zu leben wie er. Nur möchte ich noch länger arbeiten. Weil mir meine Arbeit einfach sehr viel Spass macht.

Aber rechnen wir es mal durch, zumindest für mich: Lebensmittel für 600 Euro im Monat. Strom, Krankenversicherung, Sprit, Kleidung, Handyrechnung, Grundsteuer, Internetanschluss, Kabelfernsehen, Hausversicherungen… all das kann vielleicht schon meine Gesetzliche Rente abdecken, sollte ich mit 65 Jahren in Rente gehen. Der Rest wie ein Urlaub am Strand in Kalifornien (mein Foto) oder die Renovierung meiner Wohnung könnte ich meinem Depot entnehmen.

Ruheständler können einfach nicht mehr ausgeben, als sie haben. Sie müssen sich ihrer finanziellen Lage anpassen. Viele lernen sicherlich, mit dieser Situation umzugehen. Es ist nicht das wichtigste im Leben ein möglichst fettes Depot zu besitzen. Sondern wenn Sie zufrieden mit einem bescheidenen Lebenswandel sind, gehen Sie lieber etwas früher in den Ruhestand. Es geht im Endeffekt um Sie selbst.

Es können 180.000 oder 200.000 Euro im Aktiendepot genügen, wenn Sie 60 Jahre alt sind. Wer sparsam lebt und nicht das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinauswirft, kann glücklich leben, selbst wenn es weniger ist. Niemand braucht eine Million. Das war in der Tat etwas hochgegriffen.

Aber Sie müssen sich schon selbst für 200.000 Euro anstrengen. Nichts fliegt einem zu. Ein würdiger Ruhestand bedarf der Planung, des Sparens, des Investieren. Sie müssen dafür schon arbeiten. Sie müssen sich darum kümmern. Es sei denn, Sie erben einen riesigen Batzen. Selbst dann müssen Sie sorgsam mit dem Erbe umgehen, sonst ist es ruck zuck weg. Also sparen Sie. Investieren Sie. Seien Sie vernünftig. Niemand braucht das tollste Luxushotel oder einen Privatstrand, um einen schönen Urlaub zu erleben. Niemand braucht das schnellste Auto frisch aus der Fabrik, wenn eine gebrauchte Schüssel genauso schnell zur Arbeit fährt.

Lassen Sie mich zurück kommen zu der einen Million Euro. Sie erscheint schon magisch zu sein. Aber wer plant, Millionär zu werden und motiviert ist, kann es schaffen. Es ist gar kein so fernes Ziel.

Nehmen wir an, Sie verdienen sehr gut. Sie leben gleichzeitig sparsam. Sie haben im Monat 1.000 Euro übrig zum Sparen. Sie stecken die 1.000 Euro in Berkshire Hathaway, die Beteiligungsfirma von Warren Buffett. In der Vergangenheit legte die Aktie um mehr als 20 Prozent per annum zu. Das heißt, Sie wären dann nach 16 Jahren Millionär.

Gewiss, niemand weiß, ob die Berkshire-Aktie weiterhin so schnell klettern wird. Nehmen wir an, Sie können „nur“ 13 Prozent mit Berkshire per annum erwarten. Dann wären Sie nach 20 Jahren Millionär. Immerhin.

Mein Foto zeigt Warren Buffett vor einigen Jahren auf seiner Hauptversammlung in Omaha im Gespräch mit einem TV-Reporter

Mein Foto zeigt Warren Buffett vor einigen Jahren auf seiner Hauptversammlung in Omaha. Der Kurs seiner Beteiligungsfirma steigt seit 50 Jahren um deutlich mehr als 20 Prozent p.a. Legen Sie jeden Monat 1.000 Euro in seine Berkshire an, sind Sie nach 16 Jahren Millionär. Vorausgesetzt natürlich, dass sich diese Performance fortsetzt, was nicht garantiert ist. Mehr spricht für „nur“ 13 Prozent (oder etwas weniger), dann könnten Sie nach 20 Jahren Millionär sein.

Klar ist das eine hypothetische Betrachtung. Es zeigt Ihnen aber, dass es schon möglich ist, wenn jemand gut verdient und sparsam lebt.

Die Realität sieht indes vielfach anders aus. Weil die Menschen sich nicht informieren, sich nicht anstrengen. Oder weil ihnen aus anderen Gründen die Voraussetzungen fehlen. Es muss nicht immer selbstverschuldet sein.

In Deutschland lebt leider fast jeder fünfte Bürger in Armut. Das ist grauenvoll. Knapp vier Millionen Deutsche haben keinen Job bzw. eine Unterbeschäftigung. Es ist ein trauriges Leben.

Hier habe ich alles in einem Video kurz (in Englisch) zusammenfasst:


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Warum Sie mit wenig Geld im Alter über die Runden kommen

  1. Hans Wurst

    Eine Million…..pahhhh…….die hab ich fast schon….und mit 30TEuro will ich im Alter wirklich nicht auskommen müssen…….das reicht noch nicht mal für eine anständige Reise……..

    Eigentlich will ich einfach sagen….das man immer ganz groß Träumen sollte……..und alle Hebel in Bewegung setzen sollte, um diese Ziele zu erreichen………Wenn man schon am Anfang sagt….“Ach eine Million schaffe ich nicht“…….dann hat man von an Anfang an verloren……..

  2. Markus

    Die magische 7-stellige Depotsumme…

    Es ist nur eine Zahl, in welche die unterschiedlichsten Emotionen, Träume, Befürchtungen etc. von Menschen rein interpretiert werden.

    Ob man da jetzt rum kritisieren muss… aus welchem Grund auch immer (selbst schafft man es nicht mehr (Neid/Bedauern/Fehler etc.) / man hält andere Summen für ausreichend/ man hat andere Prioritäten im Leben, man benötigt Ausreden etc. …)

    Wenn man sich nur über Geld definieren kann… muss man sich schon fragen, ob dass erstrebenswert ist.

    Am Besten wächst und lernt man als Mensch in mehreren Bereichen erfolgreich und glücklich zu sein bzw. zu werden (lebenslang…).

    Ob man wirklich weniger Geld im Alter (Gesundheit/Inflation) braucht, wenn zusätzlich noch mehr Freizeit da ist? Pauschal natürlich als Aufhänger-These ok, ansonsten grenz wertig. 😉

     

  3. Claudius

    Ach gegen 1.000.000€ hätte Ich auch nichts einzuwenden. Natürlich ist das auch ein gutes Ziel – es ist fern aber nicht unerreichbar. Was ist aber, wenn Ich die 1.000.000€ dann irgendwann vlt. einmal habe!? Höre Ich dann auf? Was war das Ziel?

    Ich denke nicht.

    Gruß,
    Claudius

  4. Tobias

    Bei der Million ist für mich auch die Frage, was kann ich mir dafür kaufen? Für eine Million Lire bekomme ich keinen Ferrari, eher einen alten Cinquecento… Und bei der jetzigen Politik der EZB sind wir wahrscheinlich schneller Millionäre als uns lieb ist…

    Um bei Mr. Money Mustache zu bleiben, ist Reichtum nicht auch zu definieren als Die Zeitspanne, die ich ohne Arbeiten zu müssen überleben kann? Wenn ich 25.000 $ im Jahr brauche und 30.000 $ als Dividende bekomme, brauche ich nie wieder arbeiten. Dann bin ich gegenüber jedem Arbeitnehmer unendlich reich.

     

     

  5. Finanzrocker

    Hallo Tim,

    das ist wieder ein sehr interessanter Artikel geworden. Klar ist: Wenn ich im Alter gut leben möchte, sollte ich eben jetzt schon anfangen darauf zu sparen. Eine Million muss es natürlich nicht werden, aber eine halbe als Ziel wäre nicht verkehrt.

    In Deutschland ist es leider auch so, dass die Sparkultur immer mehr dem Mehrkonsum weicht. 0 % Finanzierung hier, unschlagbare Angebote dort. Viele greifen zu, landen im Kredit und kommen so schnell nicht mehr raus. Sie leben im Hier und Jetzt gut, aber in 10-20 Jahren haben die Leute ein ernsthaftes Problem. Und Aktien sind hier ja generell Teufelszeug.

    Ist das in den USA ähnlich?

    Viele Grüße

    Daniel

  6. Geldsammlerin

    Ein guter Artikel! Allerdings als kleine kritische Anmerkung: wird nicht immer davon abgeraten, nur in eine Sache zu investieren? Oder gilt Berkshire in diesem Punkt als Ausnahme?

  7. AlexanderAlexander

    Ob 1 Mio oder 10 Mio, völlig egal. Ich brauch zu meiner Rente 1.500 € netto im Monat (gerechnet mit 2 % Inflationsrate), damit es mir genauso gut geht wie jetzt. Sind 18.000 € pro Jahr bzw. rd. 24.000 € brutto. Bei 1 % Rendite ist ein Anlagevermögen von 2,4 Mio erforderlich, bei 10 % eben nur 240.000 €. Ich denke, die wenigsten haben sich jemals über ihren finanziellen Bedarf nach der Arbeitspflicht gemacht. Klar ist eine Million toll, magisch, was könnte man alles dafür kaufen. Und wie schnell ist sie wieder weg. Vor 20 Jahren war eine Mio in D-Mark erstrebenswert, nun sind es 2 Mio DM. Wer weiß schon, was in 20 Jahren erstrebenswert ist?

    @Geldsammlerin

    Berkshire ist eine Ausnahme, aber inzwischen ist die eigene Größe das größte Hemmnis. Aber 12-15 Unternehmen langen eigentlich aus.

  8. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    Hans Wurst

    Ich stimme Dir zu. Träume sind hilfreich. Sie versetzen Berge. Ich habe mit Bill McDermott, dem Chef von SAP gesprochen, der hat das bestätigt: Träume sind enorm hilfreich im Leben:

    http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Euro-am-Sonntag-Interview-SAP-Chef-McDermott-34-Ich-wollte-erfolgreich-sein-34-4068573

     

    @ Finanzrocker

    In den USA wird die Börse eher positiv gesehen. Jedenfalls hat jeder zweite Amerikaner eine Art „Aktiendepot für die Rente“, sogenannte 401(k) oder SEP IRA etc.

  9. Dr. Jürgen Nawatzki

    Warren Buffet ist schon recht alt und es stellt sich die Frage, wie es mit Berkshire Hatherway nach seinem Tod weitergehen wird. Wenn ich mein Vermögen in ein  einzelnes Wertpapier stecken würde, würde ich eher einen ETF auf den MSCI World Index oder den MSCI All Countries World Index stecken. Da hat wenigstens eine vernünftige Risikostreuung.

  10. Markus

    @Dr. Jürgen Nawatzki

    Klar ist Buffett schon etwas älter…

    trotzdem ist eine sehr gute Beteiligungsgesellschaft. Distributoren, Marken & Liquditätsvorteile der Beteiligungen werden auch weiterhin greifen.

    Wie groß der Kultfaktor am Kurs ist, ist wahrscheinlich nicht seriös zu sagen.

    Als einziges Investment wäre es mir natürlich auch zu wenig.

    Einigen etf-Investoren mit Weltportfolio ist es auf die Dauer auch zu langweilig und möchten trotz jeder Logik auch ein kleines/kleineres „Spaß-Depot mit einzelnen Aktien“…

    Man könnte sagen mit Geld spielt man nicht… Nur wenn jeder Mensch rückblickend auf sein Leben schaut… hat auch der cleverste schädliche Dinge für sein Vermögen getan. Wenn möglich sollte man natürlich die Dummheiten einschränken. 😉

    Würden Sie einen Abgeltungssteuer-freie Berkshire-Aktien gegen Abgeltungssteuer-pflichtige amerikanische Value-etf`s im Sinne einer Portfolio-Umschichtung vornehmen?

  11. Pingback: Fibonacci-Linie signalisiert: Verkauft sofort alles!? – Timschäfermedia

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