Warum lachen Milliardäre nicht?


New York, 19. Februar 2015

L1210390Ich habe in den USA schon mit etlichen Milliardären gesprochen. Mir fiel auf, dass einige gar keinen glücklichen Eindruck machen. Sie lachen nicht. Sie sind so ernst. Seitdem mache ich mir ständig Gedanken. Wie kann das sein? Wenn sich jemand alles leisten kann: Villa, Luxusauto, Personal, Privatjet, Ferienhaus am Strand, Kunstschätze. Warum geht die Zufriedenheit nicht nach oben? Schon seltsam.

Ich glaube, es ist wichtig mit sich und der Situation im Reinen zu sein. Zufriedenheit. Genügsamkeit. Das sind tolle Eigenschaften. Der Job sollte Spass machen. Das Essen. Der Sport. Das Lachen. Familie. Freunde. Musik. Ein Film. Der Feierabend. Die Partnerin. Der Partner. Der Garten. Der Sparziergang. Der Duft. Der Hund, der einen begrüßt, wenn man zur Tür hineinkommt. Spenden. Geben. Helfen.

Blumen. Pflanzen. Der Sonnenuntergang. Reisen. Gesundheit. Vitalität. Schlafen. Ruhen. Das Gespräch.

Vieles bekommen Sie im Leben gratis oder sehr günstig. Niemand braucht einen enormen Reichtum anzuhäufen. Es genügt vollkommen, wenn Sie sich die kleinen Freuden, die ich aufgezählt habe, im Alter leisten können. Die Zufriedenheit hängt nicht vom Bankkontostand ab. Das habe ich gemerkt. Es hängt von der Einstellung ab. Sie können in einer uralten Rostschüssel viel zufriedener unterwegs sein, als in einem protzigen Angeberauto.

Ich glaube, der Verzicht ist etwas, was glücklich(er) macht. Eben die Genügsamkeit.

Nach meinen Begegnungen mit den Superreichen lernte ich die kleinen Momente des Lebens mehr zu genießen. Vielleicht hat es mit dem Älterwerden zu tun. Der Sparziergang am Hudson River. Das Beobachten der Möwen. Das grüne Gras. Der Wind. Die Sonne. Die Wellen. Spielende Kinder. Das Handy, das ausgestellt ist. Das Lesen.

Machen Sie sich nicht zu viele Sorgen.

Ich finde diese Rede des Psychologen Shawn Achor über Zufriedenheit beeindruckend:


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Warum lachen Milliardäre nicht?

  1. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Tim

    „Wahre Freude ist eine ernste Sache“ (wird Seneca zugesprochen, glaube ich).

    Das geht mir oft im Kopf um. Lachen wird von ernsthaften Menschen als oberflächlich und geistlos empfunden, im besseren Fall. Schlimmer, als dämlich und vulgär wie Rülpsen und Furzen. Es ziemt sich einfach für einen vergeistigten und/oder ernsthaften Menschen nicht, sein Gebiss zu entblößen und affige Laute von sich zu geben. 😉

    Viel Freude für den Tag

    MS

  2. StefanStefan

     

    Da fällt mir spontan Victoria Beckham ein. Die sieht immer sehr ernst, verkniffen und unglücklich aus. Irgendwie tut die einem leid. Obwohl sie alles hat: Geld, tolle Häuser, netten Ehemann, tolle Kinder… irgendwie seltsam.

    Ich denke, dass keine astronomischen Vermögen nötig sind um glücklich zu sein.

    Es reicht wenn man eine gewisse Summe hat die einem Unabhängigkeit von äußerer Fremdbestimmung ermöglicht.

    Wer Schulden hat, ein Eigenheim abzahlen muss und Angst vor Arbeitslosigkeit hat wird sich wahrscheinlich schwerer tun glücklich zu sein.

  3. StefanStefan

     

    Hab gerade nen Artikel dazu auf manager-magazin gelesen.

    Buffett steigt aus, Soros und Blackrock steigen ein… wer hat recht?

    Finde das auch beachtlich, dass Buffett Exxon und Conoco komplett verkauft hat.

    Tim, du meintest ja, dass er die Titel als Anleiherersatz gesehen hat. Dafür hat er aber schon mehrmals richtig viel Geld damit verloren.

    Erinnere mich noch daran, dass er einräumen musste mit Conoco einen riesigen Fehler gemacht zu haben. Die hatte er zu Höchstkursen (beim Ölpreis) gekauft was Berkshire Milliarden Dollar gekostet hat…

    Ich denke, dass er mittel- bis langfristig keine steigenden Gewinne mehr sieht.

    Öl ist einfach keine Zukunftsbranche. Klar wird man es noch sehr lange brauchen. Allein für Kunststoffe und Plastik. Aber die Unternehmen haben garantiert schon Alternativen in der Schublade. Gibt ja auch schon Bioplastik aus irgendwelchen Algen…

    Nene, dann lieber Microsoft, Wells Fargo usw…

  4. Frank(München)

    Öl ist keine Zukunftsbranche, mag stimmen, mir reichen die Gewinne die jetzt damit gemacht werden.Öl wird noch lange gebraucht werden, die Nachfrage steigt stetig und aktuell ist die Branche günstig zu haben weil es eine Ausweitung des Angebots gibt. Ölstocks sind für mich aktuell ein klarer Kauf  und ich kann Buffett hier nicht verstehen.

    Meine Berkshire Aktien haben mir gute Gewinne gebracht und ich bin natürlich nicht smarter als Buffett aber hier irrt der Meister meiner Meinung nach.

  5. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    Hallo Karl,

    es ist in der Tat erstaunlich, dass sich Buffett aus den Ölwerten zurückgezogen hat. Das hat er übrigens in der Vergangenheit immer wieder gemacht.

    2007 verkaufte er PetroChina komplett:

    http://www.cnbc.com/id/21366355

    Bei ConocoPhillips springt er seit etlichen Jahrzehnten rein und raus. Manchmal mit fettem Verlust.

  6. StefanStefan

     

    Mit PetroChina hat er seinen Einsatz aber glaube ich ca verzehnfacht! Die hat er massiv unterbewertet gekauft.

    Da kann bei Exxon und Conoco keine Rede von sein.

    Wie auch immer man die Ölwerte sieht, ich würde niemals gegen Warren wetten.

    Gibt ja noch genug interessante Alternativen.

  7. toovoc

    Wenn ich im Laufe der letzten Jahre das Wachstum meiner Depots betrachte, kommt mir immer ein kleines Lächeln übers Gesicht, soviel zum Thema Freude. Es wird zwar zu keinen Milliarden aber auf jeden Fall zur finanziellen Unabhängigkeit führen und meine Rentenzeit versüßen. Ich bezweifle auch, ob mich Milliarden glücklich machen würden. Diejenigen, die hier diese Vorgehensweise durch Anteilsparen mit Beteiligungspapieren anzweifeln, werden in naher Zukunft noch ihr blaues Wunder erleben, wenn ihr Geld kaum ausreicht. Mich wird dann nur stören, das ich mit meinem Vermögen durch hohe Steuern solche Nasen sponsoren muss.

  8. Ben

    Hinter jedem großen Vermögen steckt ein Verbrechen. So kann der John Paulson nicht lachen, weil er noch auf Gefängnis wartet, wegen dem Betrug an AIG. Und bei den Milliardären Putin und Chodorkovski werden einige Morde vermutet.

  9. StefanStefan

    @ Ben:

    Bei Putin garantiert…

    Obama ist aber im Prinzip auch ein Mörder. Immerhin ordnet er gezielte Tötungen von „Terroristen“ per Drohne an. Da sterben auch immer ein paar Zivilisten…

    Dass hinter jedem großen Vermögen ein Verbrechen steckt ist Blödsinn. Gibts genug Gegenbeispiele. Wo liegt das Verbrechen der Familie Quandt zB.? Der Alte Quandt hat damals BMW kurz vor der Pleite übernommen und den Konzern zu einer Riesenerfolgsstory gemacht. Das enorme Risiko das er dabei eingegangen ist hat sich ausgezahlt. Davon profizieren heute natürlich die Erben. Aber wo ist da das Verbrechen? Oder bei Buffett, Bill Gates…Familie Otto? Hopp, Plattner, Tschira?

    Das sind Unternehmerpersönlichkeiten von denen man nicht genug haben kann in einem Land. Ohne solche Leute gäbe es nur Schafe die sich von Konzernen ausbeuten liessen und die von 9 bis 5 arbeiten gehen um ihr Reihenhaus abzuzahlen…

    So argumentieren immer die ekligen Linken (dass Vermögen immer aus Verbrechen stammt). Dabei sind das die Schlimmsten. Habt ihr mal die Villa von Lafontaine und seiner Sarah gesehen?

  10. Felix

    @ Stefan

    Bei der Beurteilung des Quantschen Vermögens würde ich mir ein bisschen Geschichtsbewusstsein wünschen. Woher hatte der alte Quant das Vermögen, das er bei BMW einsetzen könnte? Genau, war das nicht zu Zeiten des 3. Reichs erworben, ganz ehrlich und sauber bestimmt.

    Warum Milliardäre nicht lachen können? Ganz einfach, weil sie immer mehr Milliarden machen müssen und damit immer höhere Wetten eingehen müssen, die auch das bereits erworbene Vermögen wieder gefährdet.

    Das geht auch jeden Kleinanleger so. Wenn er erstmal, sagen wir 500 T€ zusammen hat, dann spielt eine Investition von 10.000 € schon fast keine Rolle mehr. Der Einsatz muss steigen, das macht Stress. Keiner setzt sich uns sagt, so jetzt habe ich 1 Mio. €, das langt mir, ich bin raus aus dem Spiel. Ich schließe mich da durchaus ein.

    Selbst der alte Buffett, Multimiliardär und jenseits der 80, kann nicht aufhören.

     

  11. Stefan von Geldbildung

    Hi Tim,

    Ich glaube es gibt unter Milliardären – wie unter allen anderen Menschen – glückliche und weniger glückliche.

    Reinhold Würth konnte ich vor einigen Jahren im Rahmen einer Universitätsveranstaltung kennenlernen und auch einen kurzen Plausch halten. Er hat um ehrlich zu sein einen sehr zufriedenen Eindruck gemacht, trotz höheren Alters vor Lebensenergie gesprüht und man hat das Funkeln in den Augen gesehen, wenn er über die Entwicklung seines Schrauben-Imperiums gesprochen hat.

    @ Felix

    Ich glaube oft ist der Antrieb auch mehr Erfolg des eigenen Unternehmens in Form eines Markteintritts in neue Länder, mehr Mitarbeiter und auch mehr Kunden.

    Das Ergebnis ist dann im Idealfall natürlich ein höherer Unternehmenswert und damit mehr Vermögen. Schaue Dir Leute wie Elon Musk, Mark Zuckerberg oder Dietmar Hopp an. Ich glaube denen geht/ging es nicht um mehr Milliarden, sondern darum Ihre Vision zu realisieren und einen möglichst großen Einfluss zu haben. Das Ergebnis ist dann zwangsläufig mehr Geld.

    vG

    Stefan

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