Warum Insider nicht alles wissen


New York, 10. Mai 2013

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Ich kenne den ehemaligen Chef des US-Einlagensicherungsfonds FDIC, Bill Isaac (Foto). Ich traf ihn ursprünglich per Zufall vor vielen Jahren in kleiner Runde zusammen mit Bankern in New York. Damals erklärte er Kollegen die Krise, die Panik und was alles falsch in der Hauptstadt lief. Hin und wieder telefonierten wir. Er gab mir schon wirklich gute Restauranttipps für Washington DC.
Er kennt die Finanzbranche wie seine Westentasche. Ebenso die politische Szene auf dem Capitol Hill. Er sitzt im Verwaltungsrat der Bank Fifth Third Bancorp und berät Unternehmen in Finanzfragen.
Während der Finanzkrise fragte ich ihn mehrfach nach seiner Einschätzung zu Bankaktien generell. Ich wollte wissen, ob die Institute auf dem ausgehungerten Niveau ein Kauf sind.
Er wollte auf meine Frage keine direkte Antwort geben. Er ließ durchblicken, das Timing solcher Situationen (Kurswende) ist sehr schwierig. Selbst er als Insider bekommt das Timing nicht perfekt hin.
In der Tat geht es um das Vertrauen, das Vertrauen der Anleger. Erst wenn die Anleger Hoffnung schöpfen, dreht der Kurs.
Wenn eine Bank 80 Prozent unter Buchwert notiert und alles wieder in Ordnung ist, springt der Kurs nicht automatisch nach oben. Was dazu nötig ist, ist eben das Vertrauen der Menschen. Mehr Käufer als Verkäufer sind nötig. Das ist alles. Manchmal kommt das zeitversetzt. Es hat mit dem aktuellen operativen Erfolg eines Unternehmens nichts zu tun. Die Börse kocht ihr eigenes Süppchen. Niemand weiss, wie die Suppe schmeckt.
Imposant ist die Kursentwicklung von Fifth Third. Die Aktie schoss seit dem Tief im März 2009 um mehr als 1000 Prozent in die Höhe. Und das in nur vier Jahren. Es handelt sich um einen der besten Performer aus dem S&P-500-Index. Aber wer hätte das Timing mit dem 9. März 2009 exakt hinbekommen? Wer hätte das gedacht mit den 1000 Prozent? Nicht mal der Chairman, Herr Isaac. Obgleich er privat Aktien gekauft hat. Nur war der Kaufzeitpunkt nicht ideal, aber immerhin ganz gut.
Übrigens schnitt der Hotelriese Wyndham Worldwide noch besser ab. Seit dem Tief im März 2009 schnellte die Aktie um ca. 2000 Prozent nach oben. Leider kann niemand hellsehen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Warum Insider nicht alles wissen

  1. Markus

    Ich persönlich habe auch schon mit Highflyern zu tun gehabt.

    Allerdings bring mir das nicht viel, da ich bei risikoreichen Investments nur kleine Depotteile riskiere und an anderer Stelle wieder verzocken würde.

    Lieber langsam und stetig sparen und investieren und keine 20 % p. a. wie ein Orakel erwirtschaften zu wollen.
    Gier und Angst machen vielen Kleinanlegern zu schaffen.

    Inzwischen bin ich der Meinung, dass sich manche Märkte wie USA und manche von den sicheren Marktriesen von den Fundamentaldaten her zu einer liquidiationsgetriebenen Rallye entwickeln.

    Manche Notenbanken befeuern das ganze und mangels Alternativen im Geldmarkt kann es schon noch ein wenig weiter gehen…

    Allerdings nach einer längeren Zeit von Kursanstiegen ist bis jetzt immer noch ein Crash gekommen.

  2. Felix

    @Markus
    In der Tat läuft seit 2009 eine wunderbare Aktienrally. Wer damals eingestiegen ist, kann auf einen schönen Kursgewinn blicken. Selbst, wenn ein Rückschlag von 10-20% kommen sollte, ist das gut auszuhalten.
    Inzwischen ist mir der Aktienmarkt allerdings zu heiß, um jetzt – alle Indices stehen auf all-time-high – noch zu investieren.
    Fazit: Man muss wirklich einstiegen, wenn Weltuntergangsstimmung herrscht, wie auf den Höhepunkt der Finanzkrise.

  3. Musti

    Manchmal ist es nicht verkehrt einige Aktienaktivitäten von Insider nachzuahmen.

    Als die Immobilienkrise wütete und der Crash am Tiefpunkt 2009 war, stieg die Familie Otto in DDR Corp WKN a1JE34. das Timing war perfekt. Da die Otto Familie auch die ECE Kaufhäuser in Europa betreiben, konnten Sie das Megaschnappchen erkennen. Mittlerweile ging es um knapp 1500% nach oben.

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/nachrichten/ddr-investment-versandhaus-familie-otto-kauft-in-den-usa-zu/3119318.html

    Übrigens finde ich den absoluten Highflyer Las Vegas Sands.

    2009 Tief bei 1,49$ , heute bei 58,22 $.

    Übrigens auch weniger riskante Unternehmen wie Starbucks haben einige hundert Prozent aufgeholt.

    Ich denke 2009 war das Jahr, wo man einmal die Chance im Leben bekommt, reich zu werden.
    Vermutlich hat aber das „Wissen“ viele davon abgehalten und nur wenige mit Mut könnten davon profitieren.

  4. Frank

    mein Highflyer war damals Nokia. Ohne die Finnen hätte ich mir ein diversifiziertes Depot nicht aufbauen können.
    Bin jetzt zu 1,60 wieder rein, mal schauen…
    Frank

  5. Markus

    @Musti

    Die Chance reich zu werden… 😉

    Na ja, welcher normale Aktienanleger, der sich z. B. schon ein 6stelliges Depot aufgebaut hat, setzt alles auf eine einzige Aktie???

    Das kann man nur mit einer riesen Portion Insiderwissen oder Gier oder Dummheit;-). Und die Werte waren damals manche schon extrem riskant.

    Wenn man wirklich nicht Geduld auf 30 Jahre Zinseszins mit evtl. 7 – 12 % p. a. hat und alles riskieren will, ok. Aber genauso gut hätte man eine Solarworld, Vivacon u. v. m. erwischen können…

    Ich suche keine Teenbagger… Aber wer es will, kann es gerne versuchen! 😉

  6. Markus

    1998, 2003, 2008….
    Neuer Markt oder NASDAQ 2000….

    Wie viele Normalo-Anleger sind reich geworden und wie viele haben sich eine blutige Nase geholt??? 🙂

    Ganz grob haben wir gerade die 5 Jahres-Intervalle überschritten.

  7. StefanStefan

    Hatte damals beobachtet wie sich Insider noch kurz vor der Pleite massiv bei Hypo Real Estate eingedeckt haben. Hatte damals überlegt auch einzusteigen. Die Insider müssten ihr Unternehmen ja schließlich kennen. Zum Glück war mir das dann doch zu heiss. Was aus der HRE und Herrn Flowers geworden ist, ist ja hinlänglich bekannt.

    Man sieht: selbst Insider können massiv falsch liegen mit ihren Einschätzungen.

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