Warum es schädlich ist ein Pessimist zu sein


New York, 4. Juni 2013

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Auf Youtube habe ich zwei frisch hochgeladene Videos mit Warren Buffett entdeckt. Ich warne Sie gleich vorab: Beide Streifen sind uralt. Das eine Gespräch mit dem berühmten Investor stammt aus dem Jahr 1999, das andere ist ein halbes Jahrhundert alt.
Was lernen wir aus den Botschaften des Gurus? Im Endeffekt sagt Buffett seit Jahrzehnten immer das gleiche. So simpel seine Botschaft klingen mag, sie hat einen wahren Kern.
So rät Buffett, auf unnötigen Konsum zu verzichten, ein „einfaches“ Leben zu führen, ausreichend vorzusorgen. Außerdem empfiehlt er, Idole zu haben, in eine gute Ausbildung zu investieren und auf Schulden ein Leben lang zu verzichten. Es sei ratsam, einen Job zu wählen, der einem verdammt viel Spass bereitet.
Buffett blickt optimistisch in die Zukunft.
Ich finde, heutzutage ändert sich vieles besorgniserregend schnell. Das flösst den Menschen Angst ein. Es ist eine unglaubliche Phase des Wandels im Gange. Was früher sicher schien, wird mittlerweile schnell über den Haufen geworfen. Die eigene Ausbildung, der Job, Finanzierungen, Wissen, Bildung, Regierungen. Umbrüche so weit das Auge reicht. Unsere Gesellschaft wandelt sich.
Aber Buffetts Aussagen haben trotzdem Bestand. Was er sagt, hat kein Verfallsdatum: Schulden sind Gift, die Ausbildung ist wichtig, wir sollen viel Spass an der Arbeit haben. Ich finde seine Botschaft passt in jede Zeit. Gerade in die Zeit der Umbrüche.
So sehr sich alles wandelt, es zahlt sich aus, ein Optimist zu bleiben. Wer Angst bekommt angesichts der Umbrüche, ein Pessimist wird, der nutzt seine Chancen nicht.
Schauen wir uns nur den Fortschritt an. Die Informationsexplosion der Gesellschaft, Afrika hungert weniger, es gibt rund um den Globus weniger Diktaturen, dafür mehr Demokratien. Es gibt mehr Vermögen auf der Welt, wir haben eine längere Lebenserwartung.
Alles wird also gut? Ja, fast alles. Ich kenne wenige Pessimisten, die erfolgreich sind.
Die Argumente der Pessimisten mögen intellektuell beeindruckend klingen, sie sind es aber bei genauer Betrachtung nicht. Diesen Zusammenhang beschreibt Börsenkenner Joshua Brown faszinierend in seinem Blog.
Ich finde, am besten ist es ein Daueroptimist zu sein. Extreme Ausmaße sollte der Optimismus erreichen, wenn alles um einen herum scheinbar in Schutt und Asche liegt, wenn die Pessimisten Oberwasser haben. Hinter den Wolken scheint nämlich die Sonne. Etwa 2009, als sich die Börse halbierte und einige Großbanken wie Lehman Brothers an ihrer eigenen Gier zugrunde gingen. Das war die ideale Zeit für Euphorie.
Es ist natürlich für Optimisten wichtig stets auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Realistische Ziele sollten das Fundament der Entscheidungen bilden. Visionen sind akzeptabel, aber keine irren Träume.
Korrekturen an der Börse, ja die wird es geben. Logisch. Die sind aber keine Katastrophe, sondern nur kleine Dellen in einer riesigen Dauerrallye. Crashs bieten Chancen, sie sind ein Geschenk und kein Desaster.
Die Börse marschiert im Schnitt um knapp zehn Prozent jährlich nach oben. Was macht es für einen Sinn da ein Pessimist zu sein? Die Wahrscheinlichkeiten arbeiten ständig gegen die Pessimisten.
Es lohnt sich einfach nicht, alles kritisch zu sehen. Wolkenkratzer werden nicht von Pessimisten gebaut, Weltkonzerne nicht von ihnen geführt.
Pessimismus ist auch ein Gesundheitsrisiko.
Ich empfehle Ihnen, den Artikel von Morgan Housel auf dem Portal Fool.com über die tollen Perspektiven in den USA zu lesen. Es lohnt sich.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Warum es schädlich ist ein Pessimist zu sein

  1. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    Mit der Dividendenstrategie muss man überhaupt nicht pessimistisch sein! Man freut sich total, dass sich Jahr für Jahr – wenn man in Dividend Growth Aktien investiert – die Dividendenzahlungen immer wieder angehoben werden. Immerhin ist das schon in USA und Kanda mit den monatlichen und quartalsweisen Dividendenzahlungen und Dividend Growth Werten 100% besser, als mit den DAX30 Werten.

  2. Turing

    Optimist zu sein, ist in Deutschland ein unerhörter Vorgang. Für mein Vater war „Optimist“ sogar ein Schimpfwort. Wer nicht in den Chor der Klagen über die wachsende Schere zwischen arm und reich, ständigen Krieg, Hunger, wachsender Umweltverschmutzung und wachsender „sozialer Ungerechtigkeit“ einstimmt, ist in Deutschland ein Exot. Dabei wächst die Armut nicht, kriegerische Auseinandersetzungen werden auch immer weniger, der Umwelt geht es von Jahr zu besser und „soziale Ungerechtigkeit“ ist ohnehin Definitionssache.

    Ich bin vor Jahren mal auf die Bücher und Zeitungsartikel der Journalisten Maxeiner und Miersch gestoßen. Das sind echte Optimisten, die schlechte Erfahrungen mit dem Pessismus in dieser Gesellschaft gemacht haben (kaum einer wollte mehr ihre Artikel lesen, die plötzlich keine Schreckensnachrichten mehr enthielten). Als Investor sollte man auch bevorzugt die Artikel von Leuten wie Maxeiner und Miersch, denn da erfährt man etwas von Chancen für Investitionen, z. B. über Schiefergas. Seit drei Jahren ein Riesenthema, aber Maxeiner und Miersch schrieben darüber schon vor zehn Jahren. Wer daraufhin investiert hat…

  3. Sebastian

    Danke Tim für den tollen Beitrag und die Links. Dank auch an Turing – Maxeiner und Miersch waren mir bisher unbekannt.

    Das ist Wasser auf meine Mühlen!

    Viele Menschen finden Gründe, warum etwas nicht geht. Ich überlege lieber, wie es eben doch geht.

    Andere wiederum nörgeln gerne herum und finden alles mögliche furchtbar. Sie erzählen permanent von all den schlechten Dingen, die ihnen widerfahren sind. Ich bin lieber dankbar und erfreue mich an meinen Erfolgen.

    Es scheint fast so, als ob man die Umstände mit seinen Gedankengängen anzieht. Wer nur mies denkt und schlechtes erwartet, kann nichts gutes bekommen.

    Meine Beobachtungen und Erfahrungen sind eindeutig: Wer als Optimist durch´s Leben schreitet und positiv denkt, erreicht seine Träume und Ziele eher, als die Masse an Pessimisten, Skeptikern und Schwarzmalern.

    Für die Anlagestrategie heißt das: Solide Topunternehmen gerade dann kaufen, wenn die Pessimisten die Oberhand haben und die Medien Panik verbreiten.

    Egal wie viele Jahre man zurückschaut, nach jedem Krieg, jeder Depression, jeder Währungsreform, jeder Naturkatastrophe ging es weiter aufwärts. Das wird sich nie ändern.

    Ich bin mir aber sicher, dass man viele Gründe suchen und finden kann, warum es diesmal doch anders kommt ;)….

    Ich bin schon auf die Debatten hier gespannt, wenn der nächste Crash kommt. Im Spätsommer 2011 haben etliche abgeraten, „jetzt schon“ wieder einzusteigen. Es käme doch alles noch viel schlimmer.

    Meine Titel liegen „jetzt schon“ 60-120% im Plus. Das wiederhole ich gerne alle paar Jahre wieder 🙂 !

    Es ist ertragreich, ein Optimist zu sein.

  4. stevoxx

    Stimmt Tim.
    Man sollte nie vergessen, ein Optimist zu sein. Auch wenn es häufig nicht leicht ist, da die Medien und selbsternannten Profis vor allem mit Pessimismus Geld verdienen.

    Langfristig Optimist, kurzfristig Realist könnte man sagen.

  5. Martin

    Ich sehe mich eher als Pessimist denn als Optimist. Dennoch investiere ich primär in Aktien. Mit 5-6% p.a. bin ich schon zufrieden und mit mehr rechne ich auch gar nicht bei der aktuellen Bewertung. Für die Alternativen bin ich jedoch noch pessimistischer. Das ist also immer relativ zu sehen 🙂 Verstehe nicht, wieso Pessimisten nicht in Aktien investieren sollten.
    Z.B. in „Deutschland geht alles den Bach runter“ –>investier halt in Aktien anderer Länder

    „Demokratien sind schlecht“–> investier halt in Diktaturen

    „Deutschland kann seine Schulden niemals bezahlen“ –> geht halt short bund future etc.

    Nicht ganz ernst gemeint, aber auch Pessimisten könnendoch wunderbar investieren. Die Fed und EZB machen ihnen jedoch das Leben schwer.

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