Warum Anleger Immobilien besser als Aktien verstehen


New York, 11. September 2013

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In Deutschland ist das Immobilienfieber ausgebrochen. Jeder, der etwas Cash hat, scheint Grund und Boden kaufen zu wollen. In der Schlange zu stehen zum Besichtigungstermin ist Usus geworden.
Dabei sind die Renditen für Immobilien im Schnitt lausig. Das zeigen Studien aus den USA. Gut, Immobilien schützen uns vor der Inflation, mehr Rendite ist aber kaum drin. Das macht auch Sinn, weil der Wert der Immobilien nicht auf Dauer stärker zulegen kann als das Einkommen der Menschen. Irgendwann entsteht andernfalls eine Blase.
48 Prozent der Deutschen besitzt Grund und Boden. An sich nicht schlecht, aber es bringt halt so gut wie keine Rendite (nach Abzug der Inflation).
Warum lieben die Deutschen Immobilien so sehr? Weil sie das Betongold besser verstehen. Weil ihnen die Erfahrung sagt: „Das ist stabil.“ Hier haben die Deutschen verstanden, dass es sich auszahlt Geduld zu haben und die Immobilien über Jahrzehnte hinweg zu halten. Durch diese langfristige Perspektive vermeidet der Deutsche Michel Dummheiten.
Eigentlich wären Aktien für uns die bessere Alternative, weil sie historisch betrachtet mehr Rendite bringen. Aber das Geschäft mit den Aktien verstehen die meisten nicht. Sie haben Angst. Sie sind auf dem Parkett zu aktiv. Sie neigen dazu, oben zu kaufen und unten auszusteigen. Weil die Bürger es nicht verstehen, besitzen nur 13 Prozent der Bevölkerung Aktien. Der Rest hat Angst, kennt sich nicht aus oder hat kein Geld übrig. 13 Prozent ist ein wirklich trauriges Resultat für Produktivkapital innerhalb der Bevölkerung, es ist ein Versagen der Politik daran zu erkennen.
Amerikaner sind besser. 52 Prozent hat über dem großen Teich Wertpapiere im Depot. Der hohe Aktienbesitz liegt mitunter an der sehr vernünftigen Förderung des Staates, um die Rentenlücke seiner Bürger zu schließen.
Allerdings wird in den USA wie in Deutschland zu viel getradet, was blödsinnig ist für die meisten.
Es ist am besten das Portfolio so zu lassen wie es ist. Nichtstun rechnet sich. Das zeigt der Erfolg von Börsenaltmeister Warren Buffett.
Die Kurse springen jeden Tag wild rauf und runter. Jeden Tag sitzt ein kleiner Mann in unserem Ohr, der uns sagt: „Tue etwas. Tue etwas. Das ist eine Riesenchance. Schnell. Schnell. Schnell.“ Also verkaufen wir. Wir neigen dazu, in diesem Moment die Gewinneraktien zu früh zu verkaufen. Wir machen das falsche zur falschen Zeit mit Aktien. Besonders wir Männer sind anfällig für die Selbstüberschätzung.
Die ganzen Gebühren und Nebenkosten des Tradings richten in der Folge einen erheblichen Schaden an, zumindest auf Sicht von mehreren Jahrzehnten. Es reißt ein riesiges Loch in unser Vermögen. Auch die Profis (Fondsmanager, Vermögensverwalter etc.) schichten meiner Meinung nach zu viel um.
Ruhe, Vorsicht, Weitsicht – das sollten Sie an der Börse befolgen. Blenden Sie die Tagesnachrichten aus. Schauen Sie nicht jeden Tag auf die Kurse.
„Wenn Sie besser sein wollen als die Masse, dann müssen Sie anders handeln als die Masse“, sagte John Templeton, der Erfinder der Investmentfondsidee.
Templeton zog irgendwann in seiner späten Karriere auf die Bahamas. Sein Börsenerfolg wurde dort besser. Er führte es auf die verspätete Zustellung des „Wall Street Journal“ zurück. Templeton erhielt die Tageszeitung mit drei Tagen Verspätung auf sein Inselparadies. (Den Hinweis gab mir mein YouTube-Freund ChunkyDude68, der unglaublich viel über das Value Investing weiß).
Nachdenken und Ruhe – das ist die Geheimformel für die Börse.
Zum Schluss habe ich für Sie zwei Links. Hier können Sie sich das Portfolio von Buffett anschauen. Und hier in meinem Youtube-Kanal schmökern.
Schließlich empfehle ich Ihnen ein gutes Buch von Mary Buffett, die mit Warrens Sohn Peter verheiratet war. Es heißt: So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen: Quartalsergebnisse, Bilanzen & Co – und was der größte Investor aller Zeiten daraus macht.
Anhand von Zahlen und Bilanzen zeigt die Autorin beispielhaft, wie Sie die richtigen Aktien nach der Buffett-Methode finden. Es ist verständlich geschrieben und wird Ihnen die Augen öffnen.
Der Börsenerfolg ist eigentlich ganz einfach. Kaufen Sie Qualitätsaktien und lassen Sie diese liegen wie einen alten Schinken. Vergessen Sie die Hektik um Sie herum. Kommt der nächste Crash bzw. die nächste Krise, stocken Sie Ihre Positionen einfach auf. Egal, was Ihnen der kleine Mann ins Ohr brüllen mag zu jenem dramatischen Zeitpunkt. Die Stimme wird Ihnen vermutlich sagen (ähnlich wie Ihr Nachbar und der Arbeitskollege): „Schnell raus. Schnell. Schnell. Schnell. Bevor es zu spät ist.“


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Warum Anleger Immobilien besser als Aktien verstehen

  1. ZaVodou

    Rendite ist nicht immer alles. Bei einem Immobilienkauf geht es oft auch darum für sich oder sich und der Familie einen Hort zu schaffen aus dem man nicht mehr verjagdt werden kann. Sei es durch Eigenbedarfskündigen oder nicht gewollten Sarnierungen mit anschließender deftiger Mietpreiserhöhung. Einen Hort, den man nach seinem Gusto gestalten kann, ohne dass ein Eigentümer da einen groß reinreden kann. Außerdem ist eine im Alter abbezahlte Immobilie ein zusätzlicher Baustein zur Altersvorsorge. Gerade ärmere Menschen in Städten sind doch durch die letztlich stattgefundenen Mietpreiserhöhungen stark betroffen.
    Wer vielleicht demnächst 850 Euro Mindestrente erhält, könnte davon leben. Wenn er davon jedoch noch Miete zahlen muss, wird es sehr eng.
    Ich kann jedenfalls die Immobiliebefürworter sehr gut verstehen und habe auch selbst eine. Gehöre also auch zum deutschen Michel. Meine ETW hat sich jahrelang renditetechnisch wirklich nicht gerechnet, weil sich der Wohnungsmarkt gedreht hatte und sich die Immobilienpreise nicht mehr so entwickelten wie in der Vergangenheit. Jetzt hat sich das Ganze wieder gewendet, weil zu wenig Sozialbauwohnung erstellt wurden, weswegen mir das Gejammere über Mietpreiserhöhungen egal sein.
    Ich fände eine Förderung des Immobilienerwerbs wie sie damals durch §7a bzw. §10b möglich war gut. Jedem Deutschen eine Immobilie!

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Thomas
    Politiker haben wir gewählt, damit Sie uns Bürger dabei helfen, die großen und kleinen Probleme unserer Zeit zu lösen.

    Leider gibt es Politiker, da hat man das Gefühl, die denken zu sehr an sich selbst, als an den Auftrag des Wählers.

  3. Turing

    Eigentlich verstehen Anleger Immobilien gar nicht gut, sonst würden sie nicht so blauäugig und auf Pump Häuser und Wohnungen kaufen

    Aber die Anleger bringen für ihre Immobilie vor allem eines mit, was ihnen bei Aktien fehlt: Geduld.

  4. Markus

    Hort hin oder her…
    Wenn jemand das Ziel hat, finanziell frei und unabhängig zu werden ist ein ca. 20 jähriger Kredit zum Hausbau ein ganz schöner Bremsklotz für dieses Ziel.

    Aber, ich habe es jetzt bei einem Klassentreffen erlebt… Der große Traum vieler Leute ist das Eigenheim (und sich gleichzeitig einer Bank auszuliefern)!

  5. StefanStefan

    Schlimmer noch: man gilt ja fast schon als Loser wenn man es nicht zu einem Eigenheim gebracht hat! Das Aktiendepot sieht halt keiner…

  6. Felix

    Pro Häuslebauer, eben schwäbisch!
    Ich glaube, dass die meisten Menschen die eigengenutzte Immobile nicht unter Renditegesichtspunkten betrachten. Es ist für viele ein emotionales Bedürfnis, in den eigenen vier Wänden zu wohnen; das ist ein Grundbedürfnis der Mittelschicht.

    Aber auch finanziell ist es wohl nicht verkehrt bei diesen niedrigen Zinsen und parallel dazu steigenden Mieten zunehmender Inflation, einen Baukredit aufzunehmen. Mir tun die alten Rentner in München, oder wo auch immer, leid, wenn sie dann mit 80 aus ihren Mietwohnungen vertrieben werden, weil sie sich ihre Wohnung nicht mehr leisten können.
    Wie war das noch mal mit „ein Haus bauen, ein Kind zeugen und einen Baum pflanzen“? Das sind Dinge im Leben, die bleiben, die Spuren hinterlassen. Ein großes Aktiendepot ist natürlich auch schön, aber eben auf der Prioritätenliste weiter unten.

  7. Jens

    Habe ein für meine Verhältnisse großes Aktiendepot und werde es auch behalten. Aus Renditegesichtspunkten ist ein Haus sicher kein gutes Investment, trotzdem werde ich mir eines gönnen sobald ich Fianziell dazu in der Lage bin ohne mein Depot auflösen zu müssen. Da ich davon ausgehe, dass die Preise hier in der Region ab 2015 einbrechen werdne, muss ich ohnehin noch warten.

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