Warren Buffett und George Soros: Sie haben viele Gemeinsamkeiten


New York, 1. Dezember 2013

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Beide Investoren erblickten im August 1930 das Licht der Welt. Es wütete gerade die Große Depression, es folgte der Zweite Weltkrieg.
Soros wuchs in einer jüdischen Familie in Budapest auf – er überlebte den Holocaust.
Dies hat beide geprägt. Sie fühlen sich der Gesellschaft gegenüber verpflichtet. Sie haben ein großes Herz.
Beide steigern ihr Vermögen im Schnitt um 20 Prozent per annum. Und das seit circa einem halben Jahrhundert.
Sie haben Geld wie Heu, sie spenden wie die Weltmeister. Für gute Zwecke. Sie sind überwiegend im hohen Alter steinreich geworden. Wegen dem Zinseszinseffekt. Je länger der wirkt, desto mehr Hebelkräfte entfalten sich.
Warren ist etwas reicher als George. Warum? Weil Buffett früher anfing (1957). George ließ sich mehr Zeit, er startete seinen Hedgefonds 1969.
Das sollten Privatanleger verinnerlichen: Geben Sie niemals auf. Wenn Sie ein paar schwache Jahre erleben, ist das völlig normal. Bleiben Sie am Ball. Haben Sie eine unglaubliche Geduld. Der Zinseszins wird sich irgendwann melden, wenn Sie eine vernünftige Strategie verfolgen.
Beide Stars lesen, lesen, lesen. Sie schwimmen gegen den Strom. Sie schließen Aktien in ihr Herz, die von der Masse gehasst werden.
Wenn die Meute aus einem Wertpapier panikartig stürmt, schlägt die Stunde des George Soros. Er deckte sich bei der Kaufhauskette J.C. Penney ein, als es Spitz auf Knopf stand. Es kursierten Pleitegerüchte. Ich schrieb über seinen Einstieg für die Finanzzeitung „Euro am Sonntag“ im Sommer.
Buffett hat sich im großen Stil bei Zeitungshäusern eingedeckt. Im Internetzeitalter kommen Verlagshäuser unter Druck. Vor allem wenn sie es nicht schaffen, ein zweites profitables Standbein im Internet aufzubauen. Buffett kauft regionale Blätter. Hier ist der Konkurrenzkampf nicht so intensiv im world wide web. Typisch mal wieder: Immer gegen den Strom.
Soros sagt über seine Strategie: „Most of the time we are punished if we go against the trend. Only at an inflection point are we rewarded.“ Grob übersetzet heißt das: „Meistens werden wir bestraft, wenn wir uns gegen den Trend stemmen. Nur am Wendepunkt werden wir belohnt.“
Um es klar zu sagen: Soros geht im schlimmsten Fall einen Totalverlust einer Position ein.
Außerdem ist dieses Zitat von Soros spannend: „The prevailing wisdom is that markets are always right. I take the opposition position. I assume that markets are always wrong. Even if my assumption is occasionally wrong, I use it as a working hypothesis.“ Das heißt, er glaubt nicht an den perfekten Markt. Jedes Mal wenn er die Fehler der Masse an der Börse erkennt, schlägt seine Stunde. Etliche obskure Biotechwerte oder IT-Firmen sammelt Soros ein. Soros geht gleichzeitig Shortwetten ein. Am liebsten wettet er gegen Währungen. Short geht Buffett niemals, weil er das enorme Risiko scheut.
Buffett kauft am liebsten Qualitätsunternehmen, die unter einem Skandal leiden oder einfach aus der Mode gekommen sind. Wenn diese unter ihren „inneren Wert“ rutschen, steigt der Value-Jäger ein. Mit riesigen Summen. Er zögert nicht einen Moment. Den inneren Wert bestimmt er selbst. Er liest am liebsten die gedruckten Geschäftsberichte. Buffett mag Firmen, die Dividenden ausschütten und intensiv von Aktienrückkaufprogrammen Gebrauch machen.
Soros ist mehr ein Spieler, der enorme Wetten eingeht. Beide gehen in die Vollen, wenn sie eine Chance sehen. Beide verfolgen nicht die Strategie der Streuung, sondern eher die Strategie der Klumpen.
Beide denken nicht in üblichen Mustern. Während Buffett am liebsten nie ausstiegt aus einer Position, juckt es Soros in den Fingern, wenn er dick im Plus ist.
Beide haben natürlich massenweise Anhänger. Einer ist John Paulson. Der New Yorker Hedgefondsmanager schaffte es immerhin, ein Milliardenvermögen aufzubauen. Bei Hedgefondsstar Bill Ackman sehen Sie ebenfalls Strategien von Buffett und Soros. Ackman liebt wie Buffett uralte Markenanbieter wie Procter & Gamble.
Bevor ich eine Aktie kaufe, frage ich mich vorher: „Was würden Soros und Buffett machen?“ Ich habe ein eigenes Rating-System entwickelt, das ich privat anwende (für meine eigenen Zwecke). Ich nenne es das Buffett-Soros-System.
Wer viel Mut hat, kann durchaus anders als die Meute handeln. Es ist aber verdammt schwer. Schnell kommen die Selbstzweifel. Es ist psychisch extrem hart. Es ist fast wie eine Folter. Die meisten im privaten Umfeld halten einen schlicht für verrückt, komplett durchgeknallt.
Wer kauft schon Eisenbahnen, Zeitungen, Seifenhersteller und von der Pleite bedrohte Kaufhäuser in einer Welt der Technologie?


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Warren Buffett und George Soros: Sie haben viele Gemeinsamkeiten

  1. Markus

    Es soll auch ertragreiche Firmen geben, die schlichtweg die Liquiditätsseite vernachlässigt haben.
    Bei einem Onkel, der erkennt, dass das Geschäft profitabel ist und er selbst genügend Liquidität bringt, ist das Risiko kleiner als beim kleinen Aktionär, der auf contrarian setzt.

    Eine Einschätzung, wie hoch die Überlebenswahrscheinlichkeit einer Firma ist, ist sehr speziell.
    Anders, wenn ganze Märkte / Marktsegmente unterbewertet sind und man auf Dickschiffe aus dem nichtzykl. Sektor setzt.

    Die letzten Jahre europäische Aktien nachgekauft, inzwischen geht es eher Richtung emerging Markets…
    Rebalancing bei etf`s ist nicht nur eine zyklische Anlagestrategie.

  2. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Nach wie vor hält sich ein Bild von W. Buffett, bzw. wird gezeichnet, als ob er nur altmodische, dröge Unternehmen liebe und kaufe, und sein Anlagehorizont „forever“ hieße.
    Wenn man aber in sein Portfolio schaut, dann wird durchaus dauernd verkauft, und es gibt genügend Unternehmen, die seinem klassischen Image widersprechen. Ich kann DirectTV z.B. nicht als klassische Buffett-Aktie einordnen. Wenn er paar Exxon-Anteile kauft, wird riesiges Tam-Tamm gemacht, aber wenn er verkauft, dann hört man wenig. Letzte Verkäufe z.B. COP und GSK

    Wenn ich den Sektor „Financial Services“ mit über 40% gewichtet sehe, dann erscheint mir das auch nicht unbedingt altmodisch und defensiv.

    MS

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Markus
    Das stimmt. Ein Großaktionär mit tiefen Taschen kann seinem Schützling Rückendeckung geben (mit Cash via Kapitalerhöhung z.B.). Ein Promi-Anleger hilft insbesondere in Krisenzeiten, das Image aufzupolieren.

    @ Matthias Schneider
    Stimmt. Ich sehe mehr Aktivität bei Buffett. Ich denke, es hängt mit seinen 2 neuen Portfoliomanagern zusammen. Ihnen überlässt der Guru mehr und mehr sein Depot. Und die Neuen sind keine „Buy-and-Hold“-Fans. Buffetts Kernbestände Amex, IBM, Wells Fargo, Coca-Cola dürften aber nicht verkauft werden. Zudem werden die Familienbetriebe, die Buffett zu 100 Prozent besitzt, niemals verkauft.

    DirecTV verbreitet per Satellit Fernsehsignale in Nord- und Südamerika. Es ist ein Investment, das die beiden neuen Portfolio-Manager erworben haben, nicht Buffett.

    Ob sich die erhöhte Aktivität auszahlt? Ich bin skeptisch. Ich fand die ruhige Hand des Altmeisters vorteilhaft.

  4. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Tim

    Nach wie vor bin ich ja Anhänger von Buffett, aber man muss die Sache schon nüchtern betrachten. IBM ist übrigens ja erst seit 2 Jahren im Portfolio. Buffett hatte sich ja immer gegen Technologie gewehrt. Intel war mal eine Zeit lang drin, andere fallen mir gerade nicht ein. Es gab immer einige Bewegung in dem Portfolio. Blöd ist halt, dass man immer erst Monate nach Transaktionen in den Filings davon erfährt. Ohne Zukäufe zu sinnvollen Zeitpunkten, Verkäufe wenn nötig usw. kann man kein Portfolio führen. Buy and Hold (forever) geht niemals. Höchstens man hat absolutes Ausnahmeglück und ist bei Werten wie KO ziemlich früh dabei.
    Die wirklichen Gewinne werden bei kompletten Firmenübernahmen, Firmengründungen etc. gemacht. Die Dividenden sind nur Peanuts ( 0 Dinge, die Ihnen die Superreichen nicht verraten – „Wir sind nicht mit Aktien reich geworden.“).
    Aktien und Dividenden sind die Hoffnung der kleinen Leute. Wir können nun mal keine „Leveraged Buyouts“ von gewinnträchtigen Perlen veranstalten.
    Aber wie gesagt, ein umsichtiges Umgewichten und Managen des Portfolios ist unerlässlich. Ich habe gerade mal in einem älteren 13-F Doc von Buffett nachgeschaut, welche damaligen („Forever“-)Werte nicht mehr zu finden sind. Darunter auch so Namen wie Nike. Müßig wäre wohl, nachzuschauen was unterwegs alles rein und raus gegangen ist.

    Anheuser Busch Cos. Inc.
    Carmax Inc.
    Comcast Corp
    Comdisco Holding Co.
    Gannett Inc.
    Home Depot Inc.
    Ingersoll-Rd Company LTD.
    Iron Mountain Inc.
    Lowes Companies Inc.
    Nalco Holding Co.
    NRG Energy, Inc.
    Nike Inc.
    Sun Trusts Banks Inc.
    United Health Group Inc.
    Wellpoint Inc.
    Wesco Finl Corp.

    MS

  5. Markus

    @ Matthias Schneider

    buy & hold (forever) soll niemals gehen???

    Nur doof, dass es in der Vergangenheit sehr gut funktioniert hat…
    Zumindest bei Indexen hätte man zwischen 6 – 14 % nominale Rendite auf 20, 30, 40 Jahre schaffen können.

    Außer der Laterne der Vergangenheit haben wir nichts anderes…

    Die Zukunft kennt niemand oder wenn man an Verschwörungstheorien glauben will 0,01 % der Menschheit.

    Allerdings halte ich eine Insolvenz Amerikas mit anschließender Weltwirtschaftskrise nicht mehr für ganz unrealistisch (Zeitraum der nächsten 15 Jahre…)

  6. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Hi Markus,

    natürlich geht das theoretisch schon, WENN Du halt die paar wenigen Werte erwischt, die das bringen.
    Aber was haben wir denn heute? Die Beginner, die also einen Anfang markieren für ein theretisch unendliche Vervielfältigung im best case? Das war die Internettech, Biotech, Nanotech, Solar- und Windtech, 3D-Tech …
    Was isr denn aus Solarworld und Conergy usw. geworden mit Buy and Hold? Die Liste der Leichen ist lang, die alle starke Buy and Hold für ertragreiche goldene Zukunft versprachen. Nur wer glücklich verkauft hat ist reicher geworden, nicht die Halter.

    Zu glauben, das alte Firmen immer weiter in den Himmel wachsen, das fällt mir einfach zu schwer. Irgendwann gibt es für alles eine Grenze.

    MS

  7. Markus

    @Matthias

    Internet, Biotech, Solarfirmen, 3D-Drucker sind alles Bereiche, die J. Siegel als Wachstumsfalle bezeichnen würde. Die Investoren konzentrieren sich zu stark auf sehr starke Wachstumsraten, die so dauerhaft nicht möglich sind… Andere Mitbewerber werden darauf aufmerksam und wollen auch was vom Kuchen. Hat man allerdings einen großen Burggraben sprich Marke, billige Massenware, wo die Konsumenten abgestumpft sind lange zu entscheiden ob sie Glotz-Kaugummi oder Wrigleys kaufen, spielen ein paar Cent nicht die Rolle. Diese paar Cent summieren sich gewaltig für die alten & langweiligen Riesenkonzerne!

    Coke, Pepsi, INBev, Altria, Procter & Gamble, Nestlè, Unilever, Nike, Colgate Palmolive, Beiersdorf, Henkel u. v. w. sind buy & hold Titel für ein paar Dekaden.
    Ob die eine jetzt 6 % oder 13 % bringt… Mit sagen wir durchschnittlich nominalen 9 % (6 % Kurs, 3 % Dividende) kann man bei vernünftigen Sparraten langfristig Vermögen aufbauen.
    Allerdings brauch man Geduld und Sparsamkeit…

    Schnellen Reichtum oder wie 97 % der Anleger auf die Schnauze fallen, kann man mit den „heißen“ Branchen schaffen…

    Sicherlich wird im PE – Bereich oder im vorbörslichen Geschäft, noch deutlich mehr Geld gemacht. Allerdings als Privatanleger und nicht als Internetpionier im Silicon Valley hat man darauf als „normalo“ Anleger nicht die Chance.

  8. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Markus

    Natürlich kann man mit den Global Players (Dickschiffen) nicht all zuviel verkehrt machen. Aber die würde ich kaufen, wenn ich Vermögen zu verwalten/bewahren hätte, also als „risk-averse“ Variante. Wenn man innerhalb von 10-20 Jahren zu etwas kommen will (nicht Reichtum, das geht eh nicht auf die Art), also sich wenigstens grob etwas freischwimmen will, dann muss schon etwas mehr drin sein. Leider habe ich auch noch keine wirkliche Lösung gefunden. Ohne bessere Idee bin ich derzeit zu ca. 60% in CEFs (Closed End Funds), bestehend aus Preferreds über MLPs bis Junk Bond Debt mit monatlicher Ausschüttung (Zinseszinseffekt) zwischen 6 und 15% p.a. Auch paar (m)REITs, einige BDCs und Energy.
    Der Rest sind Klassiker wie Shell/BP usw. und Cash. Ich hoffe, es gibt keine all zu großen Rückschläge. Dann könnte das schon mal etwas bringen, bis ich vielleicht mal später auf die Dickschiffe umsteige.

    MS

  9. tim schaefertim schaefer

    @ Matthias Schneider

    Viele Aktien in der Liste, die Buffett verkauft hat, bereut er sicherlich: Nike, Anheuser, Home Depot. Er hat das schon in Interviews erwähnt, dass er so manchen Verkauf bereut.

    Die Dividende wird gerne unterschätzt. Sie steht für 30 bis 40% der Gesamtrendite (darunter fallen auch Sonderausschüttungen). 60 bis 70% der Gesamtrendite liefert der Kursanstieg.

    Ja, IBM war eine Neuanlage. Weil Buffett keine Dividenden ausschüttet und vorsichtig ist mit Aktienrückkäufen, muss er ständig neue Investments eingehen. Es ist sein Geschäftsmodell stetig gute Firmen zu kaufen.

    IBM, gegründet 1911, ist ein Traditionsladen. Big Blue zahlt seit fast 100 Jahren jedes Quartal eine Dividende. Obwohl zwischenzeitlich die Große Depression und 2 Weltkriege wüteten, sprudelte immer Cash für die Aktionäre.

  10. Markus

    Reichtum definiert jeder anders.
    500 k, 750 k, 1 Mio, 1,5 Mio oder mehr… Bei anderen geht es erst mit 10 Mio oder mehr los…
    Zusätzliches abbezahltes Wohneigentum… Evtl. weitere Immos…
    Gesundheit, Freude am Leben, Familie etc. Entnahmepläne mit oder ohne Kapitalverzehr reichem dem einem mit 2 k, dem anderem erst mit 7 k monatlicher Entnahme…

    Bin der Meinung, dass man mit den Dickschiffen durchaus Vermögen aufbauen kann. 6 – 15 % oder 10 %, was im Endeffekt rauskommt ist ohne Garantie. Ob closed end funds besser sind was aufzubauen???

    Die individuelle Situation, Zeithorizont, Risikobereitschaft ist bei jedem anders und muss dementsprechend berücksichtigt werden.

  11. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Tim
    Ja, wahrscheinlich hat auch Buffett manches bereut, wäre auch komisch, wenn nicht. Man findet schon seltsame Aktionen in seinem Portfolio. Wie kommt man nur auf die Idee, sowas wie „LEE Enterprises“ zu kaufen 2012, und gleich wieder auszukippen mit Verlust? Keine durchdachte Buy and Hold Entscheidung…

    2013 Q3 88,863 at $2.64
    2013 Q2 88,863 at $2.04
    2013 Q1 88,863 at $1.27
    2012 Q4 88,863 Reduce 92.14% at $1.14
    2012 Q3 1,130,720 Reduce 64.95% at $1.48
    2012 Q2 3,225,822 Add 94.90% at $1.62
    2012 Q1 1,655,125 Buy at $1.28

    Na ja, Peanuts, wenn auch seltsam.

    Was man auch bei aller Ehrerbietung nicht unterschlagen darf… Buffett ist ein knallharter Abzocker. Ich hielt gerade HOG (Harley Davidson) Aktien, als er der US Ikone „zu Hilfe“ kam und 15% abpresste für die Senior Notes (unsecured, ok). Da hatte ich schon ein sehr ungutes Gefühl. Es ist ja nicht so, dass er es nötig hätte. Na ja…

    @Markus
    Habe vergessen zu sagen, dass ich selbstverständlich monatlich eine Spar-Rate ins Depot einfließen lasse. Nur von Einmalanlage mit Zinseszins ist natürlich nix zu erwarten.

    MS

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