Warren Buffett plant große Zukäufe, sein Gewehr ist geladen


New York, 27. Februar 2011

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Das „Orakel von Omaha“ hat mal wieder das Wort ergriffen. Warren Buffet legte am Samstag seinen alljährlichen Brief an die Aktionäre vor. Der Brief ist lesenswert, witzig und flott geschrieben. Buffetts Trick: Er schreibt den Brief so, als ob er ihn an eine Verwandte richtet. Der Chef von Berkshire Hathaway kündigt nun große Übernahmen an. Das dürfte ihm nicht leicht fallen, denn er muss richtig große Deals landen, um sich nicht zu verzetteln. Am liebsten sind ihm eigentlich Familienbetriebe. Ich frage Buffett voriges Jahr, ob denn Familienkonzerne überhaupt noch Sinn machen, da es nicht sonderlich viele in seinen Größenordnungen gibt. Er gab zu, dass dies in der Tat ein Problem ist. „Unser Elefanten-Gewehr ist geladen. Mein Finger ist schon ganz nervös am Abzug.“ Ich glaube, dass er einen börsennotierten Milliarden-Konzern schlucken will. Er hat 38 Milliarden Dollar in der Kriegskasse. Zuletzt riss sich Buffett den führenden Eisenbahnkoloss Burlington Northern Santa Fe unter den Nagel. Das Unternehmen ist eine Goldgrube: 2010 kam der Umsatz von 14 auf 16,8 Milliarden Dollar voran. Der Überschuss sprudelte mit 2,5 Milliarden Dollar (2009: 1,7 Milliarden). Auf dem Foto sehen Sie mich mit Charlie Munger, Buffetts Freund und Vize-Chef von Berkshire. Der 87-jährige Munger ist extrem ironisch, eine super-witzige Persönlichkeit.
Insgesamt macht Buffett keinen Hehl daraus, dass es immer schwieriger wird mit zunehmender Größe, die exzellente Performance aus den vergangenen 46 Jahren, fortzusetzen. Seit 1965 steigerte der Investor den Buchwert um saftige 20,2 Prozent per annum. In der gleichen Zeit kam der S&P-500-Index lediglich um 9,4 Prozent voran. In der S&P-Performance sind die Dividenden bereits enthalten. Mit anderen Worten ist Buffett doppelt so gut wie die der Aktienmarkt. Das ist eine wahre Meisterleistung! Kein anderer Anleger hat über einen so langen Zeitraum derart kontinuierlich abgeschnitten. Ich rate Ihnen die Tabelle in seinem Brief auf Seite zwei anzuschauen.
Der 80-jährige äußert sich extrem optimistisch über die Zukunft. Insbesondere von den Perspektiven der USA ist er hellauf begeistert. Auf das Geschwätz der Weltuntergangspropheten geht er gar nicht ein. Über die befürchtete Inflationswelle oder Rekordverschuldung verliert er kein Wort. 1965 übernahm Buffett bei dem maroden Textilunternehmen Berkshire Hathaway das Ruder. Seither schmiedete er einen Giganten. Während der jüngsten Finanzkrise kamen Vorstände von Weltkonzernen auf den Knien angekrochen und bettelten um Geld. Sie waren angeschlagen. Etliche ließ Buffett abblitzen. Etwa Lehman Brothers. Doch an General Electric und Goldman Sachs beteiligte sich der Senior. Er kassiert für seine Milliarden seither einen fetten Zinssatz von zehn Prozent. Umgerechnet auf die Sekunde, nimmt Berkshire für das Goldman-Engagement 15 Dollar ein. Goldman will am liebsten Buffett so schnell wie nur möglich wieder heraus kaufen. Doch sträubt sich die Zentralbank FED, sie will die Großbanken so liquide wie nur möglich haben. Daher verzögerte sich der Ausstieg Buffetts – sehr zum Ärger der New Yorker Investmentbank. Zehn Prozent ist ein satter Zinssatz in diesen Tagen. Wie viel Zinsen kassieren Sie für Ihr Festgeld? Ein Prozent vielleicht. Aber mehr wohl kaum.
Zurückblickend auf die Wurzeln seines Erfolgs sagt Buffett: „Es war eines der dümmsten Dinge in eine Textilfirma“ zu investieren. Besser wäre es gewesen mit einer Versicherung zu starten und anschließend bei anderen Industrien einzusteigen. Die Textilfirma habe ihn sehr viel Geld gekostet, diese Taler hätten besser investiert werden können, resümiert der Meister. Buffett macht seinem Ärger in dem Aktionärsbrief wie in einem Comic so Luft: „Aaaaaaargh!” Der Typ ist einfach kultig. Zum Hintergrund: Versicherungen generieren durch die regelmäßigen Prämieneinnahmen einen hohen Kapitalzufluss. Halten sich die Schäden im Rahmen, kann ein solches Geschäft hochlukrativ sein. Zumal der Kapitalstock investiert werden muss. Das ist bekanntlich für Buffett ein Kinderspiel. Zu seinen lukrativsten Aktien-Beteiligungen zählt Coca-Cola. Hier hat er seinen Einsatz von einst 1,3 Milliarden Dollar auf nun 13 Milliarden Dollar verzehnfacht. Sein Investment in Procter & Gamble (vormals Gillette) verzehnfachte er ebenfalls. Wenn Sie mehr lesen wollen: Eine schöne Informationsbasis hat CNBC zu Warren Buffett geschaffen. Ich habe einen Blog-Leser, der ist immer ganz gerne auf meine Website kommt. Wenn der aber was über Buffett entdeckt, dann platz dem der Kragen. Ich muss mich also bei ihm vorsichtshalber gleich entschuldigen. „Ich kann das Buffett-Zeug nicht mehr lesen“, schrieb er mir.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Warren Buffett plant große Zukäufe, sein Gewehr ist geladen

  1. Olli aus Hannover

    Hallo Tim!

    Zunächst einmal viel Erfolg beim anstehenden Blog-Wettbewerb.

    Wie Du schon schreibst ist der diesjährige Shareholder-Letter wieder sehr unterhaltsam geschrieben. Schön finde ich auch wieder Buffetts grundsätzlichen Einschätzungen wie „tomorrow is always uncertain“ oder „…, America's best days lie ahead“ im Bezug auf die tägliche Berichterstattung und Einschätzung der Medien. Die „elephant gun“ fiel mir auch auf sowie vor allem Buffets Verweis auf die hohen Cash-Reserven und auch deren Vorteil diese im richtigen Augenblick einsetzen zu können. Des Weiteren finde ich den beschriebenen Ausblick für Wells Fargo und Coca-Cola gerade im Hinblick auf die (zurückliegende und zukünftige!) Dividendenentwicklung sehr imposant. Beeindruckend ist auch der Abschnitt in dem Buffett wieder einmal auf seine und Munger's Nachfolge sowie die Auswahl und der Umgang mit „Personal/Angestellten“ eingeht.

  2. tim schaefertim schaefer

    Olli, danke für die Zitate und Deine Einschätzung. Buffett ist witzig und visionär zugleich. Wenn man sich einmal überlegt, dass er 80 Jahre alt ist und wie locker er ist. Wer kennt einen Senior, der sich selbst derart durch den Kakao zieht? Munger, 87, und Buffett sind Meister darin.

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