Warren Buffett: Das ist meine Lebensformel


New York, 17. Mai 2013

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Ich habe ohne Ende Literatur über Warren Buffett gelesen. Vor einigen Jahren hatte ich mit Buffett auf seiner Hauptversammlung in Omaha sogar kurz sprechen können (mein Foto). Ich glaube, ich habe seine Lebensweisheiten jetzt weitgehend zusammen. Es ist ein Extrakt aus vielen Jahren des Lesens und Lernens über Buffett. Ich habe die folgenden 16 Lebensweiten aus der Sicht des Börsenaltmeisters formuliert.
1. Habe die richtigen Vorbilder in Deinem Leben. Hast Du gute Idole gewählt, klappt der Rest von ganz alleine.
2. Geld ist nicht mein Motivator. Als ich meinen ersten Job annahm, wollte ich für lau arbeiten. Wichtig ist: Die Arbeit muss Dir verdammt viel Spass bereiten. Der Rest passiert von ganz alleine. Ganz ohne Dein Zutun. Ich kassiere ein Jahresgehalt von 100.000 Dollar seit einer Ewigkeit. Mehr möchte ich nicht verdienen. Mehr brauche ich nicht zum Leben.
3. Feilsche nicht. Bleibe fair. Wenn ich ein Familienunternehmen übernehme, verhandle ich niemals den Preis. Ich akzeptiere einen fairen Preis. Mir ist es wichtig, dass der Verkäufer sich wohl fühlt und mithilft, dass das Unternehmen weiterhin wächst und gedeiht.
4. Sei immer ehrlich, ehrenhaft, ziehe niemanden über den Tisch. Ich behandle meine Geschäftspartner und Kunden wie Freunde. Sie sollen sich wohlfühlen. Ich möchte zufriedene Aktionäre.
5. Lebe unterhalb Deiner Verhältnisse. Ich fahre zehn Jahre alte Autos, ich kaufe die Rostlauben gebraucht. Was mein Nachbar über mein Auto denkt, ist mir egal.
6. Bilde Rücklagen. Verzichte auf unnötigen Luxus. Kredite brauche ich nicht.
7. Investiere langfristig. Von dem ganzen Hin und Her habe ich nichts. Ich möchte am langfristigen Erfolg von Unternehmen verdienen. Vom Zinseszins. Dieser speist sich aus den Kursgewinnen und Dividenden. Ich halte die Steuern und Transaktionskosten so gering wie möglich. Nur hochsolide, profitable Unternehmen landen in meinem Depot. Sanierungsfälle (Textilmühlen etc.) sind nicht mein Schwerpunkt.
8. Wenn Dir jemand ein Produkt verkaufen möchte, überlege immer, wie viel die Person damit verdient.
9. Umgebe Dich mit den richtigen Leuten in Deinem Leben. Versuche von ihnen zu lernen, kopiere sie. Entwickle einen exzellenten Charakter.
10. Lese, lese, lese. Ich lese jeden Tag endlos viele Stunden. Mein Geschäftspartner Charlie Munger macht das so wie ich. Die Mehrheit der Menschen verzichtet darauf. Mich wundert das. Beim Lesen lerne ich unglaublich viel. Schade, dass der Tag nicht mehr Stunden hat. Ich lese Bücher, Zeitungen, Geschäftsberichte, Magazine… Ab und an gehe ich ins Internet, wenn ich zuhause bin. Mir gefällt die Musik von Frank Sinatra auf Youtube sehr gut. Manchmal kann ich stundenlang Musik hören. Die Vorschläge für neue Videos auf Youtube sind amüsant.
11. Eigentlich gehe ich gar nicht gerne aus. Die vielen Parties gehen mir richtig auf die Nerven. Die Hochzeit mit meiner Frau habe ich in ganz kleinem Rahmen zusammen mit meiner Familie gefeiert. Ich gebe zu: Am liebsten gehe ich zur Arbeit und lese.
12. Ich rate Dir: Lerne gute Reden schwingen zu können. Was hatte ich früher Angst, wenn ich einen Vortrag halten musste. Ein Lehrgang hat mein ganzes Leben verändert. Ich habe all meine Ängste überwunden und kann nun endlos vor anderen plaudern.
13. Die meisten Menschen haben ein sehr gutes Herz. Vertraue ihnen. Du brauchst nicht, jeden Deal in Papierform zu bringen. Im Umgang mit Menschen hilft Dir Deine Intuition weiter.
14. Vertraue in Deine eigenen Fähigkeiten, lerne Dein Leben lang, investiere vor allem in Dich selbst. In Deine Ausbildung.
15. Deine Familie ist eine große Stütze für Dich. Kümmere Dich um sie. Schätze sie. Erfolg basiert darauf, wie viele echte Freunde Du hast und nicht wie viel Geld auf Deinem Konto schlummert.
16. Vergesse nicht, für wohltätige Zwecke zu spenden. In unserer Bevölkerung gibt es schwache Menschen, die die Zuwendung der Starken benötigen. Vergesse das nie.
Das sind wie gesagt Lebensweisheiten, die ich mir selbst ausgedacht habe. Sie sind in Anspielung an Buffett verfasst. Ich lese gerade das Buch: Warren Buffett: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie
Das Buch basiert zwar nicht auf den neuesten Nachrichten. So erschien die Originalversion 2005 in englischer Sprache. Trotzdem hilft es sehr, einen guten Überblick über seine Methoden zu bekommen.
Übrigens hat Buffett im zurückliegenden Quartal seine Aktienpakete an Wells Fargo, IBM und Wal-Mart aufgestockt. Den Rüstungskonzern General Dynamics verkaufte er komplett. Bei dem Medien-Spinnoff Starz riss er sich einige Anteile unter den Nagel. Für Aktienabspaltungen kann er sich begeistern, weil die Kurse oftmals nicht das ganze Potential widerspiegeln.
Hier sind noch spannende Videos mit Buffett zu sehen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Warren Buffett: Das ist meine Lebensformel

  1. Stefan

    spannender Artikel, empfehlenswerte Website,
    danke für die zahlreichen Denkanstöße

  2. Gordon Gekko

    So ich verabschiede mich ausdiesem Blog. Das nimmt m.E. schon sektenhafte Zuege an, wa hier publiziert wird, das ist ja wirklich unterste Schublade, noch dazu von einem der weder eine Uni besucht hat noch ein Ausbildung in der freien Wirtschaft genossen hat sondern im Schoss der Sparkassen, laecherlich…Mich kotzt wirklich an, wie Leute ohne entsprechende Ausbildung von sich meinen, etwas wichtiges sagen zu koennen. P.S. Die hierauf üblicherweise folgenden Kommentare kenne ich bereits und werde darauf nicht antworten

  3. Felix

    Zu Warren Buffett:
    Kann es sein, dass Warren Buffett zu einem Mythos hochstilisiert wird? Über ihn sind wahrscheinlich mehr Bücher geschrieben worden als über sämtliche US-Präsidenten zusammen. Von Nobelpreisträgern, Wissenschaftlern, Erfindern, Unternehmern usw., welche die Welt wirklich weitergebracht haben, ganz zu schweigen.
    Ich glaube, dass alle Klein- und Kleinstanleger ihre Reichseinfantasien in diese Figuren hineinprojizieren. Dabei ist Warren Buffett nicht an der Börse reich geworden, sondern zunächst dadurch, dass er sich direkt an Unternehmen beteiligt, bzw. diese vollständig übernommen hat. Er ist also eher ein private Investor als ein Börsenanleger. Die Börse kam erst später dazu.
    Warren Buffett ist also mehr zufällig zu der Kultfigur aller Börsenanleger dieser Welt geworden.

  4. Alex

    @felix
    auch wenn es natürlich stimmt, dass andere leute mehr für die Menschheit geleistet haben als buffett und dafür weniger anerkennung bekommen
    und dass der normalanleger buffetts erfolg mit einem Direktanlagekonto natürlich nicht so einfach nachmachen kann (leverage durch float, eingriffe in das management…)
    wieso musst du etwas zu thema sagen obwohl es falsch ist?

    es stimmt nicht das buffett mit aufkäufen ganzer firmen begonnen hat. angefangen hat alles in seinen partnerships mit den moodys-manuals und den cigarbutts.
    und davor war er bei Graham/Newman und hat cigarbutts und GEICO Aktien gekauft.

  5. Tom

    Gut Ding will Weile haben 😉
    Erst in den letzten Jahren hab ich das Wissen hinter den Redewendungen der Grosseltern so richtig verstanden.. (Warren ist ja, by the way, auch Opa 😉
    Langfristig fährt man mit diesen einfachen Tipps (unter anderem auch „Lebensgesetzen“) am besten.

    Einen Punkt möchte ich betonen. Spenden an Bedürftige. Ich finde wir haben mehr als genug in Europa. Meiner Meinung nach können wir 5-10% vom Einkommen problemlos spenden ohne Einbussen zu erfahren. Ich kann es selber bestätigen. (bin alleinverdiener, hab frau und zwei kinder)
    Und: Behandle Andere so, wie Du auch selber behandelt werden willst..

  6. Ulrich

    Über Warren Buffett sollte wirklich so langsam alles gesagt sein.

    Wenn man sich mal die Forbes-Liste der 10 Reichsten (Stand 2012 laut Wikipedia) anschaut, wird klar, dass einige allzeit präsent sind und um einzelne ein übertriebener Hype gemacht wird, während andere in der öffentlichen Wahrnehmung so gut wie gar nicht stattfinden:

    Carlos Slim Helú, Bill Gates, Warren Buffett, Bernard Arnault, Amancio Ortega, Larry Ellison, Eike Batista, Stefan Persson, Li Ka-shing, Karl Albrecht

    Warren Buffett liefert als lustiger verschrobener Onkel natürlich immer brav die Stories und Bilder, die die Medien lieben. Und die stürzen sich dankbar darauf.

  7. aksoy

    Naja, was an Buffett halt fasziniert, ist dass der lediglich mit gesundem Menschenverstand und obsessiver Beschäftigung mit Ökonomie zu Reichtum gekommen ist. Und dass der eben ein fairer Geschäftsmann ist.

    Das unterscheidet den schon von vielen anderen Reichen, die einmal zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle waren (bzw. eine gute Idee hatten) und sich dann mit Agressivität, schmutzigen Tricks und Lobbyismus die Milliarden unter den Nagel gerissen haben.

    Insofern lese ich immer wieder gerne über Buffett, auch wenn sich natürlich vieles wiederholt…

  8. Markus

    Das bemerkenswerteste ist die Ehrlichkeit und Loyalität, wenn man sie denn aus der Ferne bewerten kann…

    Davon könnte mancher Kleinanleger, der so negative Einstellungen wie: „Hinter jedem großen Vermögen steht ein Betrug“ vermutet, profitieren.

  9. Turing

    Was ich an Buffet besonders schätze, ist seine Bescheidenheit. Er gönnt sich gerade mal 100000 $ Gehalt pro Jahr. Obwohl er so viele Menschen zu Millionären gemacht hat, könnte er sich problemlos mehr rausholen und die Aktionäre würden es ihm herzlichst gönnen.

    Ich finde es komisch, warum die Menschen in Deutschland nicht einfach Buffets Weg mit einfachen Regeln gehen, stattdessen ständig auf dubiose Betrüger reinfallen. In Deutschland ist zur Zeit die Pleite von S&K ein Riesenthema. Es zeigt sich, dass in Deutschland die finanzielle Bildung fehlt. Wie sonst ist es denn zu erklären, dass S&K ausgerechnet nach der Immobilienkrise richtig an Fahrt aufnahm. Ich verstehe es nicht. Sobald die Aktienkurse fallen, verkaufen die Leute wie blöde ihre Aktien. Wenn aber eine Immobilienblase platzt, die Milliardenschäden auf der ganzen Welt anrichtet, dann investieren die Leute in vermeintlich sichere Immobilien, in „Betongold“, weil Aktienkurse (nicht zufällig) zur gleichen Zeit auch im Keller waren. Was die Aktienkurse von Unternehmen wie Bayer, BASF, Generals Mills und K+S mit einem platzenden Immobilienmarkt zu haben, werde ich wohl nie verstehen. Liegt vielleicht daran, dass Unternehmen wie Lehman Brothers, HypoRealEstate und Commerzbank infolge der Krise weniger Kalisalz und Kunststoffe kaufen. Der Kurs von Bayer hätte sogar steigen müssen, denn die Nachfrage nach Aspirin steigt in schwierigen Zeiten. 🙂

    Was hat eigentlich Tim Schäfer über S&K zu sagen? S&K hat ja auch Fondsgesellschaften aufgekauft und das Geld der dortigen Anleger umgeleitet. S&K liefert einen weiteren Grund gegen Aktienfonds.

  10. Felix

    Ich stimme den vorherigen Beitrag zu:
    Breit gestreut in Weltkonzerne, möglichst Marktführer mit guter Dividendenhistorie, zu investieren, hält das Risiko überschaubar.
    Zwar stürzen auch da ein paar ab (NOKIA, eon, die Banken) und es kommt zu Betrugsfällen und Pleiten (Enron, Lehmann), aber das ist verkraftbar, wenn man keine Position über 5 % seines Portfolios anwachsen lässt.
    Buffett hält von breiter Diversifizierung eher nichts; mit seiner Expertise setzt er auf konzentrierte Portfolios. Mit Cola ist im das ja auch prächtig gelungen. Für den Privatanleger ist diese Strategie jedoch riskant, weil er nicht die Insiderinformationen oder gar Zugriff auf das Management hat.

  11. Musti

    Ich denke man sollte nicht alles was Buffett sagt auch ernst nehmen.
    Wenn man ihn reden hört, dann schwört er auf Hold and buy.
    Aber seit einiger Zeit passt es nicht , was er sagt.
    Siehe tesco, mondelez, Archer. Er im letzten Quartal gekauft bzw. Vorletztes und jetzt wieder abgestoßen .
    Sein Kommentar dazu ( wie immer) dass sind seine Beiden Manager.

    Daher sollte man das ganze wie eine Bar sehen, sich die wichtigen Infos aus den Büchern rausholen und seinen eigenen Cocktail mixen.

    Außerdem denke ich dass ein konzentriertes portfolio für den Anfang ein gute (natürlich riskante ) Taktik ist. Erst wen man den Break Even point erreicht hat, kann man über Diversifizierung nachdenken.
    Das wichtigste ist , so schnell wie möglich aus den Start.ochern zukommen !

  12. Joern

    Nun ja, das mit der Bescheidenheit ist das so eine Sache.
    Sicher ist, dass Herr Buffett für seine Tätigkeit bei Berkshire Hathaway nur 100.000 $ erhält. Jedoch ist sein Jahreseinkommen deutlich höher.

    Bei der letzten Presidentschaftswahl in den USA hat er sich bzgl. der Besteuerung zu Wort gemeldet.

    http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-08/buffett-usa-steuer

    Aus diesem Artikel der Zeit geht hervor, dass er im Jahr 2010 7.000.000 $ Steuern bei einem Steuersatz von 17,4 % gezahlt hat. Somit war sein zu versteuerndes Jahreseinkommen ca. 40 M$. Somit fallen die 100 k $ von Berkshire Hathaways nur maginal ins Gewicht.

    Laut der Biographie über ihn “ Das Leben ist wie ein Schneeball“ hat er, bevor er seine Partnerschaft gegründet hatte, sein Vermögen geteilt. Ein Teil ging in die Partnerschaft, der andere Teil wurde verwendet um aus den Erträgen die Haushaltskosten zu decken.
    Wen man die in dem Buch beschriebenen Privatjetflüge mit der Famile in den Urlaub betrachtet, dann ist der Lebensstil nur oberflächlich als bescheiden zu bezeichnen.

    Ansonsten Vielen Dank für diesen Blog. Ich lese ihn regelmäßig gerne.

  13. tim schaefertim schaefer

    @ Turing

    Manchmal denke ich, der Finanzmarkt ist ein Sauhaufen. Es geht dabei nicht nur um diese 2 dubiosen Leute von diesem merkwürdigen Immobilienfonds, die jetzt im Gefängnis sitzen. Es geht vielmehr um das Ganze. Wenn ich mir anschaue, was alles passiert ist in den vergangenen 10 Jahren, denke ich: „Meine Güte, was für eine Unmoral.“ Manipulierte Libor-Zinssätze, betrügerische Immobilienpapiere im Milliardenvolumen, Banken helfen beim Steuerbetrug, beim Waschen von Schwarzgeldern, gleichzeitig stecken sich die Obersten absurde Millionensummen in die eigenen Taschen…Das ging solange gut, bis das System kollabierte und Panik ausbrach.

    Wir brauchen einen fairen, transparenten, ehrlichen Kapitalmarkt. Wie es so weit kommen konnte, ist mir unbegreiflich. Wo haben da manche Menschen ihre Moral und Ethik gelassen?

  14. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    @Gordon: Good Bye ! BTW: Ich weiß Du wirst es nicht mehr lesen, wieso brauch man umbedingt ein Studium, um in einem Bereich des Lebens ein Experte zu sein? Schau Dir doch die „Verkäufer“ bei der örtlichen Sparkasse an, was sie Dir für 100.000€ Anlagesumme alles für schöne Fonds verkaufen wollen. 😉

    zu 1) 100.000 EUR Jahresgehalt reichen auch vollkommen aus, um ein gute Leben leben zu können und Geld zum investieren in Dividenden Aktien zu haben. Warren verdient aber viel mehr, als nur die 100.000$ von Berkshire.

    zu 5) Mein BMW ist jetzt auch schon 10 Jahre alt – zum Glück noch kein Rost am Auto.

    zu 6) Auf unnötigen Luxus verzichte ich auch. Kredite – maximal für einen Hauskauf.

  15. StefanStefan

    @ Gordon Gekko:

    Meinst du, dass du was besseres bist weil du studiert hast? Mach doch auch ein Blog und dann zeig mal, dass du es besser kannst.

    @ Tim:

    Ich habe auch etliche Bücher über Warren gelesen. Du hast es echt sehr gut zusammengefasst. Warren bietet nunmal in diesen schwierigen Zeiten einen Orientierungspunkt. An wem kann man sich denn sonst orientieren? 99% der Akteure wollen doch nur selbst Geld mit ihren Ratschlägen verdienen. Warren hat keine Hintergedanken.

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