Warren Buffett bekommt junge Konkurrenten


New York, 20. November 2012

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Es wächst längst für die Zeit nach Warren Buffett (82) eine neue Generation von Value-Genies heran. Zu ihnen zähle ich u.a. die Hedgefonds-Virtuosen David Einhorn (43) und Bill Ackman (46). Auf dem Foto sehen Sie Ackman in seinem Element: Er schwingt eine Rede.
Beide Profis aus New York schaffen es, ihr Portfolio im Schnitt um fast 20 Prozent per annum zu steigern. Sie sind begabte Redner, schlagfertig, witzig, stets elegant gekleidet. Sie sind Meister darin, ihren Erfolg zu vermarkten.
Ich verfolge, was Einhorn und Ackman kaufen, was sie shorten, was sie raten zu tun. Ich erlebte beide Stars auf einer Konferenz, dem Value Investing Congress.
Der Unterschied zu Buffett ist: Ihre Erfolgsserie ist kürzer. Berkshire-CEO Buffett kann mehr Jahrzehnte außergewöhnliche Zuwachsraten vorweisen. Ein weiterer Unterschied ist: Ackman und Einhorn lassen sich ihren Erfolg teuer bezahlen.
Erfahrungsgemäß kassieren Hedgefondsmanager pauschal zwei Prozent Gebühr der verwalteten Assets. Ferner schöpfen sie bis zu 20 Prozent der erwirtschafteten Erträge des Fonds ab. Das lukrative Gebührenmodell macht die besten Geldzauberer schnell superreich. Ackman und Einhorn sind Milliardäre. Buffett genehmigt sich dagegen nur 500.000 Dollar Gehalt pro Jahr.
Außergewöhnlich ist auch die Leistung des Kanadiers Robert McEwen, mit dem ich in New York sprach. Mein Interview finden Sie im WirtschaftsBlatt vom vorigen Montag. McEwen gründete den Bergbaugiganten GoldCorp, die mittlerweile zweitgrößte Goldmine der Welt. In seiner Zeit an der Unternehmensspitze legte die Aktie um ca. 30 Prozent jährlich zu. McEwen ist ein Unternehmer, der keinen Wert darauf legt, ein möglichst hohes Gehalt zu verdienen. Nein, das ist ihm nicht wichtig. Er verzichtet bei seiner Firma McEwen Mining ganz auf ein Salär, keinen Cent kassiert er. Er lehnt ebenfalls Aktienoptionen und Boni ab. Sein Credo: Der Edelmetall-Star stellt sich mit den „normalen“ Aktionären auf eine Stufe. Er will nur über Kurssteigerungen profitieren.
Das finde ich ehrenwert. Wir brauchen mehr Manager von diesem Kaliber.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Warren Buffett bekommt junge Konkurrenten

  1. Musti

    Hallo Tim,

    soweit mir bekannt ist, war Ackman´s Vater selber im Wertpapierhandel tätig und er hat die ersten 500.000$ Spielgeld vom Papa erhalten. Der Reichtum und das schnelle Geld ist also nichts neues für Ihn.

    Ich denke die kurze Verweildauer Ihres Erfolges spiegelt die heutige Generation wieder.
    Schau dich doch mal bitte um und stell Dir mal die Frage, welches junge verheiratete Paar in Deiner Umgebung noch eine silberne oder goldene Hochzeit feiern wird? Ich denke die Zahl wird sehr niedrig ausfallen.

    Ich denke, das Leben an sich ist durch die Produktivität der Menschen und dem technologischen Fortschritt ein bisschen schneller geworden, als zu Zeiten von Buffet und Co. In der heutigen Ziet geht es nur noch um schneller und höher.

    Buffet hatte den Vorteil in seiner Zeit, dass Informationen sehr rar waren. Jemand der Fleiss und Zeit opferte an Informationen zu kommen, hatte einen Informationssvorsprung und das „entdeckte“ Unternehmen hatte Zeit sich langsam dahin zu entwickeln, wohin es wachsen wollte. Das Untrenehmen hatte nicht den Erwartungsdruck durch die Wall-Street, den junge Unternehmen heute haben, sobald sie schon ein Gewerbe anmelden.

    Ich denke, dass in Zukunft der Buffett Ansatz immernoch sehr gut funktionieren wird, aber sehr volatiler sein wird. Wie im echten Leben : „Man ist nicht mehr sein Leben lang mit der Jugendliebe verheiratet ! Dank Facebook & Co. 🙂

  2. Michael C. Kissig

    Tim, als Warren Buffett anfing, lief das ja über seiner Partnerschaft. Damals nahm er eine horrende Gewinnbeteiligung von seinen Partnern, andererseits war er nicht nur als Investor an möglichen Verlusten beteiligt, sondern auch als Verwalter. Und trotz der hohen Gewinnanteile auf die Anteile seiner Partner, liefen ihm die Leute die Bude ein und wollten, dass er ihr Geld anleget. Denn unterm Strich hat er das Geld der Anleger stets über 20% pro Jahr vermehrt.

    Fondsmanager sind ja mehrfach abgesichert ggü. diesem Partnerschaftsmodell: sie kassieren eine Bestandsprovision, einen erfolgsabhängigen Bonus und sie haften nicht für Verluste der Anleger – außer mit ihrem Job, aber eben nicht mit hrem Privatvermögen. In guten Jahren legen sie viel auf die Seite, während sie es in schlechten Jahren nicht zurückzahlen müssen. Das hat mit dem klassischen Unternehmertum natürlich nichts mehr zu tun, betrifft aber auch alls geschäftsführer und Vorstände, die nicht an „ihrem“ Unternehmen Anteile halten (und ich meine jetzt nicht die Optionsprogramme, sondern wirklich unternehmerische Beteiligungen). Sie werden auf Zeit gemietet und sind in der Regel nach ein paar Jahren wieder weg – oftmals werden sie auch nur zu einem bestimmten Zweck geholt, z.B. um eine Restrukturierung durchzuführen und alls negative auf sich zu nehmen. Der nächste Chef kann dann unbelastet die Früchte ernten.

    Als Anlager sollte man sih schon fragen, weshalb man auf solch einen Mietmichel setzen sollte. Mir ist ein Unternehmenslenker doch viel lieber, der mit seinem Vermögen für seine Entscheidungen mithaftet und den es genauso hart trifft, wie mich, wenn er dumme Entscheidungen trifft. Das reduziert bei diesem nämlich auch den Drang, schnell und unüberlegte Entscheidungen zu fällen, weil da auch für ihn persönlich viel mehr dran hängt. Und da ich mich als Value-Investor an einem Unternehmen beteilige, und nicht einfach nur die Aktie kaufe, sollte dieses Unternehmen auch von einem echten Unternehmer geführt werden und nicht von einem Manager auf Zeit.

  3. Alex

    Verrückt das viele Leute eine große Familienbeteiligung o.ä. als Nachteil empfinden… es gibt einfach keinen Raum für „Übernahmefantasien“

    Für mich als Kleinaktionär hat es eine beruhigende Wirkung wenn die „Lenker“ im selben Boot sitzen wie ich.

  4. Matthäus Piksa

    Hallo Tim,

    kannst du etwas über die Strategie der Hedge-Fonds-Manager David Einhorn und Bill Ackman sagen?

    Wie (stark) wirken sie auf das Management ein? Erstellen sie eigene Konzepte, Powerpoint-Präsentationen etc.? Schicken Sie Berater(stäbe) hin? Wie weit greifen sie ein, wollen sie bei (internationalen) Konzernbeteiligungen auch auf die Auswahl der Vorstände der Tochtergesellschaften Einfluss haben? Wie viel Druck wird ausgeübt, exzellente Ergebnisse?

    Bsp: Ackman erwirbt eine Beteiligung. Es ist ein Konzern, der auch auf dem deutschen Markt engagiert ist. Will er dann auch mitentscheiden, wie der Vorstand der in Deutschland tätigen Tochtergesellschaft besetzt wird?

    Wie handhabt das Warren Buffett? Insb. eine Antwort zur letzten Frage würde mich interessieren. Aus deutscher Sicht eben. 😉

    Danke und Gruß.
    Matthäus

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus,

    Du sprichst einen guten Punkt an.

    Ackman, Einhorn, Carl Icahn, Nelson Peltz usw. sind aktive Investoren. Wenn die einsteigen, wollen sie schnelle Veränderungen sehen. Sie fordern oft Sparprogramme, Entlassungen, Verkäufe von Randgeschäften, Deals….

    Sie wollen den Kurs schnell in Bewegung bringen. Passiert nichts, verlangen sie Rücktritte in der Führungsspitze, sie wollen einen Sitz im Aufsichtsrat etc.

    Warren Buffett ist dagegen ein passiver Investor. Der möchte nichts aufwirbeln, er sucht die Ruhe, vertraut dem Management und überlässt dem CEO die Führung des Konzerns.

  6. Michael C. Kissig

    Warren Buffet wurde mal von einem Unternehmer, dessen Firma er übernehmen wollte, gefragt, ob er sich nach der Übernahme in die Geschäftsführung einmischen werde. Daraufhin sagte Buffett (ich zitiere frei aus dem Gedächtnis): „Wenn Sie meinen Rat brauchen, wie Sie Ihr Unternehmen führen sollen, dann haben wir beide ein Problem“.

  7. Matthäus Piksa

    @Tim
    @Michael C. Kissig

    Danke für die Antworten!

    Ich habe deshalb nach der Buffetschen Vorgehensweise gefragt, weil ich aus Insiderkreisen weiß (die Infos sind mittlerweile auch öffentlich), dass es bei der CocaCola Erfrischungsgetränke Ag (Tochtergesellschaft der CocaCola-Muttergesellschaft mit Sitz in Atlanta/Georgia) in den letzten Jahren zahlreiche Wechsel im Vorstand gab.

    Der Grund lag in falschen Managemententscheidungen in den letzten Jahren. So wurden zB. Produktionsstätten geschlöossen, die im Vgl. rentabler waren, als diejenigen, die bis heute in Betrieb sind, etc.

    Da Buffett einer der größten Aktionäre CocaColas ist (oder ist er gar der Größte?), hätte er zumindest theoretische seinen Einfluss geltend machen können.
    Hat er letztlich nicht. Ich habe nichts anderes erwartet.

    Damit ist klar, dass die Muttergesellschaft mit dem amerikanisch-türkischen Manager Muhtar Kent an der Spitze die Verantwortung für den Vorstandsaustausch verantwortlich ist.

    Nur damit es keine Missverständnisse gibt: Das der Ex-Vorstand gefeuert wurde war definitiv eine goldrichtige Entscheidung! Muhtar Kent hat hier eine hervorragende Management-Entscheidung getroffen. Buffett kann stolz auf ihn sein!

    Gruß Matthäus

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus

    Buffett übt in der Regel keinen Einfluss auf seine Beteiligungen aus. Er lässt sie schalten und walten, wie sie wollen. Seine beiden Hedgefondsmanager, die nun für ihn arbeiten, kaufen eigenmächtig Aktien – ohne das Genie vorab fragen zu müssen. So landete etwa John Deere im Berkshire-Portfolio.

  9. Matthäus Piksa

    @Tim

    Vielen Dank für die neuerliche Auskunft!

    Wenn Buffett sich an Unternehmen wie CocaCola beteiligt, dann gibt es halt auch wenig, was aus Großinvestoren verbessert werden könnte. Wie wir alle wissen ist Cola die bekannteste und wertvollste Marke der Welt (zumindest Top 3) und wegen oder besser gesagt trotz seiner überwiegend zuckerhaltigen Produkte ein tolles Unternehmen.
    Ich habe keine Funktion in diesem Unternehmen, aber das gesamte Team Colas leistet einen hervorragenden Job, egal ob Produktion/Marketing/Verwaltung/Distribution/Management/IR+PR etc.

    Letzten Endes gibt es in den großen Konzernen aus Dax/Dow/S&P etc. aber haufenweise toller Unternehmen, die hohe Gewinne und Umsätze erwirtschaften und entsprechende Dividenden auskehren.

    Nicht zuletzt deshalb stehen die Global Player und die Indizes in denen sie vertreten sind ja auch wieder unweit ihrer Allteithöchststände.

    Nicht auszuschließen, bei allen Risiken, die nicht von der Hand zu weisen sind, dass wir bei den Indizes nächstes Jahr neue Höchststände sehen. Zumal die Kriegskassen, wie du nicht müde wirst zu betonen, ja ebenfalls prall gefüllt sind.

    Ich gebe aber zu, dass es leichter ist optimistisch zu sein, wenn die Märkte eine mehrjährige Rallye hinter sich haben. => Oder um Buffett zu zitieren: „Gierig sein, wenn andere ängstlich sind. Ängstlich sein, wenn andere gierig sind.“

    Gruß Matthäus

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