Wann platzt die Goldblase?


New York, 18. Februar 2011

bild

Gold hat eine unglaubliche Strahlkraft entwickelt. Anleger rund um den Globus scheinen dem gelben Edelmetall hinterherzujagen. Gleichwohl hat die Geschichte des Goldes viele Höhen und Tiefen erlebt. Daran möchte ich in meinem Blog ausdrücklich erinnern. Es scheint mir allmählich vorzukommen, als ob praktisch jeder glaubt, mit Gold als Wertanlage könne man nichts verlieren. Das mag mit den vergangenen Jahren im Zusammenhang stehen. Seit 1990 in Folge ist der Preis explodiert. Anfang Dezember erklomm die Taxe ein neues Allzeithoch bei rund 1.400 Dollar. Mit einem langen Anlagehorizont ist das Edelmetall in der Tat die zweitbeste Geldanlage nach Aktien: Seit dem Jahr 1970 kletterte der Goldpreis im Schnitt um 9,5 Prozent, während der S&P-500-Index um 10,2 Prozent jährlich zulegte. So schlecht ist das sagenumwobene Metall also gar nicht. Wenn Sie nun die Inflation bei dieser Betrachtung berücksichtigen, ändert sich das Ergebnis im Endeffekt nicht: Als beste Anlageklasse landet der S&P-500-Index mit 5,5 Prozent auf Rang eins, gefolgt von Gold mit 4,8 Prozent auf Rang zwei. Schwach schnitten indes mit einer realen Performance die Immobilien mit 0,5 Prozent ab (Case-Shiller-Index). Dabei gelten Immobilien geheimhin als bombensicherer Inflationsschutz, was gar nicht so recht der Fall ist. Ich erinnere nur an die Immobilienkrise in den USA mit haushohen Verlusten! Es gibt also nicht die ultimative Anlage. Seien Sie daher immer vorsichtig, wenn Ihnen das jemand weißmachen will.
Ich glaube, es kann durchaus sein, dass nach dem Mega-Jahrzehnt eine schwache Dekade für Gold nun folgt. Wann genau der Trend dreht, ist schwer zu sagen. Wenn wir uns in Preisblasen befinden, ist das richtige Timing, wenn Sie so wollen, die Eine-Million-Dollar-Frage. Es geht schließlich um Emotionen. Daher meiden Value-Anleger Blasen wie der Teufel das Weihwasser. Als ich den Hedgefondsmanager Jeff Matthews kürzlich interviewte, warnte der ausdrücklich vor einem zu hohen Goldpreis. Er wollte mir jedoch keine Kursprognose abgeben. Sie können sich sicherlich denken warum? Das kommt wie dem Blick in die Glaskugel gleich. Matthews weiß allzu gut, dass man bei solchen Prognosen brutal daneben liegen kann. Beim Gold spielen Ängste vor Inflation, Kriegen und sonstigen Krisen eine große Rolle. Es gilt als Schutzhafen. Die Finanzkrise und die anschließende Schuldenkrise insbesondere in Europa haben den Preis weiter angeheizt. Die steigenden Preise für Nahrungsmittel (Kaffee, Weizen, Fleisch etc.) und Öl kommen ebenfalls mit zum Tragen. Was also tun? Denken Sie an die Risiken! Gold ist nicht frei von ihnen. Gold kann brutal sinken. Nach dem Zwischenhoch 1980 sank Gold um 85 Prozent zwei Jahrzehnte lang! Das Tief wurde erst bei 330 Dollar je Unze im Jahr 1999 erreicht. Dann folgte die Wende. Während Geld seinen Wert komplett verlieren kann, behält das Metall jedoch immer einen gewissen Wert. Wer Geduld hat (zwei Jahrzehnte), der kann immer auf einen Rebound setzen. Der Trend dreht immer eines Tages, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Einen überschaubaren Teil des Depots kann man mit Minenwerten abdecken. Natürlich ist das nur denjenigen zu raten, die sich mit dem Thema beschäftigt haben. Es gibt nämlich auch „schwarze Schafe“ in dem Sektor, Sie sollten daher nicht blindlings Minenaktien kaufen. Ich würde jedoch aufgrund des erreichten Niveaus keinen Schwerpunkt mit dieser Anlageklasse mehr schaffen. Die Hedgefonds-Stars George Soros und John Paulson setzen unbeirrt auf Gold. Beide beteiligten sich beispielsweise an dem kanadischen Goldexplorer NovaGold im großen Stil per Kapitalerhöhung im März 2010. Doch momentan leiden die beiden Investoren ein wenig unter der kleinen Korrektur unter den Minenwerten. Paulson ist einer der größten Goldanleger weltweit, er hat etliche Milliarden Dollar „im Feuer“. Der Geldzauberer prophezeit, dass in zwei Jahren die Unze 2.400 Dollar kostet. Liegt der sonst so erfolgreiche New Yorker dieses Mal daneben?
Was alarmierend ist: In den USA werden Goldmünzen schon im Fernsehen aggressiv zum Sammeln beworben. In den U-Bahn-Waggons sind Werbetafeln zum Thema angebracht. Im Fernsehen kommen ständig Reportagen, beispielsweise zum Goldrausch in Alaska. George Soros stört sich indes nicht daran, wenn sich Blasen bilden. Er investiert trotzdem in einem solchen Umfeld. Man müsste schon sagen: Er investiert dann erst recht! Nur passt er auf, den Absprung rechtzeitig zu schaffen. Was ihm auch nicht immer gelingt. Das „Wall Street Journal“ warnt gerne regelmäßig seit einiger Zeit vor dem Platzen der Gold-Blase. Bislang bewahrheiteten sich die Warnungen der angesehenen Zeitung nicht. Ich habe übrigens kürzlich einen Bericht zum Silberrausch in Mexiko verfasst. Was viele nicht wissen: Silber wird von der Industrie gebraucht. Ca. 70 Prozent des produzierten Metalls wird in der Elektronik und anderen Dingen, etwa auf CD- und DVD-Scheiben, in Batterien, Bildschirmen etc. verbraucht. Mit anderen Worten wird Silber durch unsere Müllkippen ständig dem Markt entzogen. Dagegen landet Gold allenfalls zu zehn Prozent in Konsumgütern, die später im Müll enden könnten. Ich glaube, es steckt beim gegenwärtigen Preis für 1,40 Dollar Gold in jedem Handy. Das ist aber die große Ausnahme. Das produzierte Gold bleibt zum Großteil erhalten – im Tresor, unterm Bett, am Finger oder Hals. Hier eine kleine Szene aus einer Doku-Reihe von Hobby-Goldsuchern in Alaska. In den USA ist es der Renner:


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „Wann platzt die Goldblase?

  1. MaxMax

    Hallo –

    sind die 9,5% Rendite p.a. nicht durch die kurzfristigen Aufwaertsbewegungen in Folge der Finanzkrise und Inflationsangst arg verzerrt?

    Zum Thema Gold ein Buffett Zitat:

    ‎“You could take all the gold that's ever been mined, and it would fill a cube 67 feet in each direction. For what that's worth at current gold prices, you could buy all — not some — all of the farmland in the United States. Plus, you could buy 10 Exxon Mobils, plus have $1 trillion of walking-around money. Or you could have a big cube of metal. Which is going to produce more value?“

    Der angesprochene industrielle Bedarf ist ganz wichtig und massgeblich an der „realistischen“ Preisbildung beteiligt, bildet also eine Art Boden fuer den Preis, bei Gold ist man weit, sehr weit von dem durch die industrielle Nachfrage gerechtfertigen Preis entfernt.

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi Max, die 9,5% p.a. kommen auf Sicht von 40 Jahren zustande. Das ist ein recht langer Zeitraum und hat damit durchaus eine gewisse Aussagekraft. In der Tat befinden sich 2 große Haussephasen (siehe Chart oben rechts) in dieser Epoche, insofern kann die Rendite etwas überstrahlt sein. Danke für das schöne Buffett-Zitat.

  3. hubsenhubsen

    Gold (und Silber) verdient zwar kein Geld (keine Zinsen), aber bewahrt selbst dann noch Wert, wenn dem vielen gedruckten Papiergeld nicht mehr geglaubt wird (absolute Krisenwährung).
    Enfällt diese Krisenangst und gibt es anderswo mehr Zinsen für risikoarmes Investment, wird der Kurs dann wieder nach unten drehen.

    Derzeit ist die Krise aber noch nicht abgesagt (Staatsschulden EU, USA, Anleihenblase…)

    Interessante Aspekte hier.

    Apropos Handy: enthält angeblich bis zu 15 Euro an (Edel-)metallen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *