Walt Disney hält sich mit Sonderangeboten über Wasser


New York, 19. Januar 2009

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Walt Disney wird immer billiger. Der Kurs büßte binnen Jahresfrist gegenüber dem Höchstkurs von 35 Dollar rund 40 Prozent auf 21,46 Dollar ein. Der Börsenwert schrumpfte auf 39 Milliarden Dollar. Größter Aktionär ist der erkrankte Apple-Chef Steve Jobs mit sechs Prozent. Jobs war Gründer des Zeichentrickfilmstudios Pixar, das er 2006 an Walt Disney für Aktien im Wert von 7,4 Milliarden Dollar verkaufte. Warren Buffett stieg bei Walt Disney schon vor 23 Jahren ein – noch heute hält er das Aktienpaket.
Ich sah mir auf einer Konferenz die Walt-Disney-Präsentation an. Finanzvorstand Thomas („Tom“) Staggs machte den Investoren Mut: „Unser Ziel ist es aus dieser Rezession stärker hervorzugehen, als wir hineingingen.“ Er will den Marktanteil ausbauen und die Finanzkraft stärken. Staggs plant in der aktuellen Situation Kapital aufzubauen. Aus diesem Grund setzte er das Aktienrückkaufprogramm aus und belässt die Dividende auf dem bisherigen Niveau. Die Kosten behält er im Blick. Staggs schloss jedoch aus, wichtige Investitionen aufzuschieben. Disney verfolge langfristige Ziele, von kurzfristigen Ereignissen wie der Konjunkturkrise lasse man sich nicht vom Weg abbringen. Dass allerdings das Management sich saftige Gehaltserhöhungen genehmigt, halte ich für einen schlechten Stil vor dem Hintergrund der Konjunkturkrise. So kassierte Unternehmenslenker Robert Iger alles in allem 30,6 Millionen Dollar Jahressalär, das waren elf Prozent mehr gegenüber 2007. Steve Jobs will trotz seiner Erkrankungen im Aufsichtsrat bleiben. Der Apple-Lenker meldete vor wenigen Tagen, dass er sich für fünf Monate aus dem Tagesgeschäft von Apple zurückzieht. Medien spekulierten daraufhin, dass er sich nach der Krebsbehandlung an der Bauchspeicheldrüse im Jahr 2004 nun erneut einer Operation unterziehen muss. Das Blatt „New York Post“ spekulierte am 17. Januar über eine mögliche Transplantation der Leber. Forbes schätzt sein Vermögen auf 5,6 Milliarden Dollar
Im Gegensatz zu den meisten Medienfirmen, die massiv unter sinkenden Werbeeinnahmen leiden, halten sich die Auswirkungen bei Walt Disney in Grenzen: Im vergangenen Geschäftsjahr 2007/08 (endete im September) stieg der Umsatz von 35,5 auf 37,8 Milliarden Dollar. Der Überschuss sank jedoch leicht von 4,7 auf 4,4 Milliarden Dollar. Mit einem „sehr aggressiven Spezialangebot“ konnte Staggs den Rückgang der Hotelbuchungen bei den elf Themenparks (Disneyland) eindämmen: „Kauf vier Übernachtungen und bekomm drei umsonst.“ Sprich, wer eine Woche bucht, bekommt einen satten Rabatt. Allerdings sinken die Einnahmen aus den Werbeschaltungen der Fernseh-Programme. Der Gigant betreibt die TV-Senderfamilie ABC und den Sportkanal ESPN. Darüber hinaus produziert das traditionsreiche Studio in Hollywood zehn bis zwölf Kinofilme pro Jahr. Im laufenden Turnus dürfte es schwer werden, das Umsatzniveau des Vorjahres zu halten. Das Ergebnis wird sicherlich niedriger ausfallen. Aber selbst wenn Sie von einem Rückgang auf 3,7 Milliarden Dollar ausgehen, beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis zehn, was moderat ist.


tim schaefer (Author)

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