Wall Street im Ölrausch


New York, 14. April 2008

bild

Ich halte vor allem den Ölriesen Chevron für hochinteressant. Der Preis für das schwarze Gold geht durch die Decke. Zuletzt kletterte die Taxe für das Faß Öl auf 111 Dollar. Chevron fuhr zum vierten Mal in Folge einen Rekordgewinn in die Scheune. Der Profit stieg auf 18,7 nach 17,1 Milliarden Dollar im Vorjahr.
Kürzlich sprach ich in New York mit Steve Crowe, dem Finanzchef des weltweit fünftgrößten Energieriesen. Er sagte mir, dass er nicht plane, größere Konkurrenten zu schlucken. Chevron ist zu groß. Kartellbehörden dürften Alarm schlagen.
Die Zahlen sind einfach beeindruckend: Zwischen den Jahren 2004 bis 2007 flossen Dividenden in Höhe von summa summarum 16,2 Milliarden Dollar. In der gleichen Zeit gab Crowe darüber hinaus insgesamt 17,1 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe aus. Er erwarb 259 Millionen Anteilsscheine zu einem Durchschnittskurs von 66,07 Dollar. Aktuell kostet die Aktie 89,11 Dollar.
Seit 20 Jahren (!) steigt die Dividende ununterbrochen. Die Dividendenrendite ist mit knapp drei Prozent attraktiv. Im laufenden Turnus dürfte der Gewinn je Aktie von zuletzt 8,35 auf knapp zehn Dollar zulegen. Somit rangiert das KGV bei neun. Ein Schnäppchen. Der Börsenwert in Höhe von 184 Milliarden liegt sogar erheblich unterhalb eines Jahresumsatzes von zuletzt 221 Milliarden Dollar. Konzernlenker Dave O’Reilly betonte vor Investoren in New York: „Die globale Energienachfrage wird bis zum Jahr 2030 um 50 bis 60 Prozent zunehmen. Kohle, Öl und Gas müssen unabdingbar gefördert werden, um den Bedarf zu decken.“
Dreiviertel ihrer Raffinerien haben die Kalifornier in Nordamerika und Asien installiert. Weil in diesen Regionen die Nachfrage am größten ist, sieht sich O’Reilly im Standortvorteil gegenüber seinen Konkurrenten.
Es gibt nur wenige Aktien, die gegen den allgemeinen Abwärtstrend laufen. Dazu zählen die Ölriesen. Die Nachfrage bleibt hoch, sie wird sogar steigen. Freilich kann der Ölpreis auch korrigieren. Ich glaube aber nicht, dass die Taxe auf unter 90 Dollar je Faß sinken wird. Chevron dürfte selbst bei 90 Dollar je Faß glänzende Zahlen vorlegen. Vor ein paar Tagen besuchte ich eine Öl- und Gaskonferenz. Die Säle waren voll belegt. Ein gutes Zeichen. Das zeigt, dass die Investoren offenbar überzeugt sind von den langfristigen Perspektiven in dem Sektor.


tim schaefer (Author)

drucken


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *