Währungstrader vom Schweizer Franken kalt erwischt


New York, 17. Januar 2015
Währungszocken ist sehr riskant. Mein Rat: Besser lassen Sie die Finger davon. Am gefährlichsten das Forex-Zocken auf Pump.

Währungszocken ist sehr riskant. Mein Rat: Besser lassen Sie die Finger davon. Am gefährlichsten das Forex-Zocken auf Pump. Das Foto machte ich auf dem Tradingfloor der New York Stock Exchange.

Dass das ganze Zocken mit hohen Risiken verbunden ist, zeigen die Währungstrader. Wie viele von ihnen sind vom Schweizer Franken kalt erwischt worden? Es müssen viele sein. Der amerikanische Forex-Händler FXCM ringt ums Überleben. Im nachbörslichen Handel brach am Freitag der Kurs um 65 Prozent an der Wall Street ein. Die FXCM-Kunden müssen Haus und Hof verwettet haben. Und jetzt ist alles weg.

Am gefährlichsten ist eine Kombination aus drei Dingen: Trading (1) auf Pump (2) mit Währungen (3). Es ist wie Russisch Roulette. Das führt irgendwann mit recht hoher Wahrscheinlichkeit in den Ruin. Wie sich jetzt wieder zeigt. Hedgefonds, Trader, Spekulanten fallen immer wieder auf die Nase.

Warum das so ist? Niemand weiß exakt, wo ein Kurs in einem Tag, in einer Woche oder in einem Monat stehen wird. Es ist unmöglich zu wissen. Wer in die Spielhölle geht, weiß, am Ende des Tages kann der Einsatz weg sein. Je öfter man ins Kasino geht, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, auf die Nase zu fallen. Das ist die logische Konsequenz.

Es geistert bei diesen Zockern der ewige Traum im Kopf herum, schnell reich werden zu können. So wie der Lottospieler vom Jackpot träumt, träumt der Forex-Spieler vom Volltreffer.

Nehmen Sie Milliardär Charles Schwab. Er gründete den gleichnamigen Discountbroker. Er hat hunderttausende Kunden, die traden. In einem Interview wurde er mal gefragt, wie er sein Privatvermögen anlegt. Er antwortete: Mit der Strategie des „Buy and Hold“. Kaufen und Liegenlassen. Er hat eine Art All-Wetter-Portfolio aufgebaut, mit dem er durch gute wie schlechte Zeiten geht.

Schwab sagte in dem Interview:

Nun, ich glaube, Du kannst ein Depot aufbauen, das in allen Märkte funktioniert. Und das habe sich gemacht, glaube ich. Es hat eine angemessene Asset-Streuung und Diversifikation. Das ist etwas, was Du tun kannst. Es schneidet sehr schön über lange Zeiträume ab. Ich gehe so durch dick und dünn. Das ist das, was ich mache.

Im Original sagte er:

Well, I think you can build a portfolio, and I certainly think I have done so, a portfolio essentially for all markets. It’s appropriate asset allocation and diversification. So that’s something that you can do and have it perform quite nicely over long periods of time, through thick and thin. That’s what I do.

Dieses Interview hat mich aus den Socken gehauen. Wenn der Gründer eines weltweit führenden Discountbrokers so etwas sagt, muss das Hand und Fuss haben.

Dieser Mann hat Einblicke wie kaum ein anderer in der Branche. Er könnte traden. All sein Wissen zeigt ihm: Das Traden bringt nichts. Er könnte all die Infos der Trader auswerten. Was macht er? Er investiert langfristig. Den Hochfrequenzhandel hat Schwab übrigens als „Krebs, der außer Kontrolle geraten ist„, kritisiert.

Fazit: Überlegen ist, wer auf Schulden verzichtet und langfristig investiert. Man lernt nie aus.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Währungstrader vom Schweizer Franken kalt erwischt

  1. stevoxx

    Ja, am Ende geht es immer um die Schaufelverkäufer und die Goldgräber.

    Die gerissenen verkaufen die Schaufeln, die anderen glauben den amerikanischen Traum und graben nach Gold, wobei die Wahrscheinlichkeit reich zu werden besonders bei den Gräbern dann doch sehr klein ist…..

     

  2. Couponschneider

    Bei mir ging das Portfolio ab wie eine Rakete in der abgelaufenen Woche. Ich habe 100 % in Aktien. Glaxo hat mir dann auch noch eine kernige Quartalsdividende überwiesen. Währungshandel interessiert mich nicht.

     

  3. Alexander

    Die meisten traden nicht, sie zocken. Das ist ein großer Unterschied. Jeder Zocker sieht sich als Trader. Sie beachten die grundlegendsten Dinge nicht wie Money Management, nicht auf Kredit spekulieren, angemessene Positionsgröße usw.

    Charles Schwab wird mir ja richtig sympathisch. Komischerweise kennt man kaum reiche Trader, aber rel. viele Investoren. Irgendwie seltsam.

    Ich bin mit meiner Titelwahl zufrieden und denke, die nächsten Jahre gut damit zu fahren. In 20 Jahren werde ich wissen, ob ich es im Großen und Ganzen richtig gemacht habe.

  4. Stefan

    Hi Tim,

    es gibt FX Broker bei denen man zu keinem Zeitpunkt eine Nachschusspflicht hat, da diese einen immer rechtzeitig ausstoppen bzw. einen „Margin Call“ durchführen. Die Schattenseite zeigt sich dann bei solchen Flash Crashs, da dann der Markt nicht funktioniert und die Broker unter Umständen große Verluste der Kunden ausgleichen müssen, da man die Positionen nicht rechtzeitig schließen konnte. Gutes Beispiel ist Alpari in England:

    http://www.zeit.de/news/2015-01/16/grossbritannien-devisenhaendler-alpari-uk-erklaert-insolvenz-nach-freigabe-des-franken-16133606

    viele Grüße

    Stefan

  5. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Stefan

    Danke für den Link.

    Ja, das Zocken auf Pump endet meist im Ruin. Wenn Du Dir die ganzen Forex-Brokerhäuser anschaust, wirst Du merken, die sind alle recht jung. Die Alpari-Gruppe aus London wurde 2004 gegründet. Und FXCM wurde 1999 in NY gegründet. Falls einer länger überlebt wie etwa Refco, geht doch eines Tages das Licht aus:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Refco

    Die Menschen werden von Gier und Angst getrieben. Wer macht schon gerne in aller Ruhe rationale Analysen?

    Ein ganz großes Lob an Dich. Deine Website ist sehr aufschlussreich. Danke für unser Gespräch:

    http://www.geldbildung.de/interview-tim/

    BG Tim

  6. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Guten Abend!

    Ich gebe auch noch meinen Senf dazu. 😉

    Es gibt hier 2 verschiedene Baustellen. HFT die eine, und Forex und der Franken ist die andere Baustelle.

    Wenn Schwab nun (letztes Jahr) gegen HFT wettert, dann hat das ein Geschmäckle. Ich vermute simple Verärgerung darüber, dass er das (ihm damals nicht erkannte) lukrative Geschäft des Orderflows der HFT-Trader (Flash-Trader) entglitten ist. Er hat das unter Wert verkauft. Und nun, da er das Geschäft verpasst hat, wettert er gegen die, die es mach(t)en.

    Entsprechende Erwähnung von Michael Lewis hier: http://goo.gl/N1Ogev

    HFT hat nichts mit fem jetzigen Forex-Trauma zu tun. Beim HFT geht es darum, dass der normal Anleger abgezockt wird. Es werden Kurse manipuliert und zu teuer verkauft, oder zu billig gekauft. Ein Anleger sieht die Ordermaske seines Brokers und klickt bei einem Kurs auf Kaufen. Bis zur Ausführung verschwindet das Angebot und ein nun teurerer Kurs erscheint, den der Kaüfer nun nehmen muss. Die Technik ist in „Flash Boys“ ausführlich beschrieben. Da werden Unsummen für die schnellere Leitung ausgegeben, um die Manipulationen möglich zu machen. Am Ende des Buches war man schon bei Mikrowellenübertragung statt kürzestem Kabel…

    Das „Franken-Unglück“ ist was anderes. Forex an sich ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Kapitalmarktes. Währungen müssen gehandelt/getauscht werden.

    Wenn reine CFD-Broker enstanden sind, die nichts anderes machen, als mittels CFD die Währungen zu spielen, oder Indices oder Equities, dann ist das schon reine Zockerei.

    Wer das will, der muss wissen was er macht. I.d.R. wissen die Leute das auch. Warum man aber mit dem Franken short ist, eine Währung, die nur durch SNB-Politik „schwach“ gehalten wurde, ist mir ein Rätsel. Ich stelle mir das so vor; normal ging es Jahre wie eine Gelddruckmaschine. 1,20 war der erklärte Boden. Man verkauft also bei 1,20 CHF für EUR, in der richtigen Annahme, dass er so bis 1,22 oder so fällt. Dort deckt man die CHF wieder ein und wartet auf die Rückkehr zu 1,20 usw. Wenn man mit Hebel Hundert mit 1000 € Einsatz 100.000€ handelt, dann kommen bei 0,02 CHF 2000 CHF Gewinn zustande (bei 1000€ Einsatz).

    Nun kam aber der schwarze Schwan vorbei. Wenn man wenigstens seinen Stopp mit 1.00 ausgeführt bekam (garantierte Stopps hat man wohl nicht gehabt, gesetzt war er sicher bei 1,198 oder so), dann bedeutet das, dass man nicht nur seine 1000€ verloren hat, sondern mit über 20.000 im Minus ist. Wenn das nicht beizubringen ist, bleibt das beim Broker hängen, weshalb die eben die Schwierigkeiten haben.

    Man sollte aber schon sehen, dass es sich hier um einen mutwillig herbei geführten (SNB) Ausnahmefall handelt. Genau so war es ja in der anderen Richtung der Fall bei Verkündung der „unbegrenzten“ EUR-Käufe zur Schwächung des CHF. Man sollte bei solchen Manipulationen einfach die Finger davon lassen.

    Grüßle

    MS

  7. Stefan

    @ Tim

    Danke, Dein Lob freut mich sehr und mir hat das Interview auch viel Spaß gemacht!

    @ Matthias

    Gute Punkte, die Aufhebung des Mindestkurses durch die SNB war ein Paradebeispiel eines Schwarzen Schwans. Nicht vorhersehbar von aussen und mit sehr großem Wirkungskreis. Im Einzelfall hat jemand (Trader/Broker selbst) lange Zeit viel Geld verdient. Ein Schwarzer Schwan wischt dann alles innerhalb weniger Sekunden vom Tisch und kehrt die ganze Geschichte in die tiefe Verlustzone.

    vG
    Stefan

     

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