Vorabinformation: Warren Buffetts Rat an Börsianer


New York, 25. Februar 2014

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Warren Buffetts neuer Brief an die Aktionäre ist auszugsweise vorab publiziert worden. Im „Fortune Magazin“ ist es nachzulesen. Buffett schildert darin, wie er zwei Immobilien privat erworben hat mit ganz einfachen Kalkulationen. Seine Investments hat er langfristig für mehrere Jahrzehnte (bzw. für seine Nachfahren) gemacht.
Er nutzte jedes Mal das Platzen einer Blase, um billig einsteigen zu können. Eine Krise sieht er als eine Chance (und nicht als Desaster). Das ist sein Erfolgsrezept. Von der Zockerei hält er nicht viel. Er äußert sich kritisch über die Münzwerfer.
„Wenn Du den Samstag und Sonntag geniesst – ohne auf die Kurse zu schauen, versuche es auch an Wochentagen“, rät der Börsenaltmeister.
Vom Leder zieht er über Ökonomen, die ständig Prognosen für die Wirtschaft und alles Mögliche abgeben. Er sieht es als eine Zeitverschwendung an, denen zuzuhören. Buffett: „Forming macro opinions or listening to the macro or market predictions of others is a waste of time. Indeed, it is dangerous because it may blur your vision of the facts that are truly important.“
Buffetts Kritik an solchen Prognosen ist logisch, denn niemand kennt die Zukunft.
Fallende Aktienmärkte sieht er als Geschenk. „Ein Klima der Angst ist Dein Freund, wenn es ums Investieren geht. Eine euphorische Welt ist Dein Feind.“ (Im Original: „A climate of fear is your friend when investing; a euphoric world is your enemy.“)
Buffett kauft Aktien, wenn er die Gewinnreihen fünf Jahre im voraus grob abschätzen kann. Buffett betont, nur dort zu investieren, wo er sich auskennt.
Buffett rät dem Laien, sich einen Indexfonds auf den S&P-500 zuzulegen. Er ist ein Fan des kostengünstigen Fondsanbieters Vanguard. Die Kosten seien an der Börse wichtig im Auge zu behalten. Das ganze Hin und Her, das Trading, bringe nichts.
Die Herausforderung für Anleger sei, eben nicht in der Euphorie zu kaufen, wenn sich die Kurse im Höhenflug befinden.
Sein Erbe (an seine Familie) wird zu 90% in einen Vanguard-Index-Fonds an Familienmitglieder übertragen. 10 Prozent befinden sich in US-Staatsanleihen.
Komplizierte Formeln seien bei der Geldanlage nicht nötig. Es seien nur einfache, klare Gedanken relevant.
Ein weiterer Rat des Meisters: Selbst wenn sich eine Blase abzeichnet, besteht kein Grund, grundsolide Investments abzustossen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Vorabinformation: Warren Buffetts Rat an Börsianer

  1. Markus

    Die Frage ist, wer oder was kann mit Sicherheit die nächsten 5 Jahre die Gewinne eines Unternehmens voraussagen???

    Das ist Kaffeesatzleserei oder hoch komplexe Wahrscheinlichkeitsrechnung.

    Darauf einen fairen Preis zu berechnen, wenn man z. B. 10 % bei der jährlichen Gewinnschätzung falsch liegt haut aber ordentlich auf die margin of safety.

  2. StefanStefan

    Auf den Brief freue ich mich schon. Der ist Pflichtlektüre!

    Die 10% in Staatsanleihen wundern mich jetzt allerdings. Auch, dass er 90% in Form eines Index-Fonds weitergibt. Hätte vermutet, dass er den Teil den er nicht der Gates Stiftung überträgt in Form von Berkshire Hathaway Aktien vererbt. Komisch.

  3. Thilo

    @ Markus
    Auch Buffett kann die zukünftigen Gewinne nicht 100% genau schätzen. Er sagt,möglichst verlässlich. Damit bekommt man in etwa eine Ahnung vom Wert. Hinzu kommt die MOS. Um die Abweichungen auszuschließen legt er wert auf stabile Geschäftsmodelle. Hinzu kommt der langfristige Anlagehorizont !

  4. Markus

    @Thilo

    Also nach allem was ich über Value-Investing gelesen habe, liegt die MOS meistens so bei 50 % vom fairen Wert.
    Manche akzeptieren auch weniger, wenn zusätzlich noch ein Burggraben bzw. Marke vorhanden ist.

    Angenommen man schätzt sehr gut und liegt alle 5 Jahre nur 10 % zu optimistisch… war es das größtenteils mit der Geschichte 1 Euro für 50 Cent zu kaufen.
    Ganz grob vereinfacht ohne Zinseszins usw.
    Eines der einfachsten Unternehmen wäre ja Coke… Jetzt schätze mal bitte, wie sich die Gewinne bei mehr Gesundheitsbewusstsein die nächsten 5 Jahre entwickeln…
    Ich würde es noch erweitern… Besser wäre es schlauer als alle Profi-Investoren zu sein und dass deren Gewinnerwartungen zu gut oder zu schlecht sind… und man als kleiner Angestellter schlauer ist als die institutionellen Gelder, die einen Großteil des Marktes ausmachen…

    Der Großteil der Privatanleger schafft es ja nicht mal korrekt die eigene Rendite zu berechnen. Da zieht man einzelne Aktien raus, vernachlässigt Cash, Gebühren und Steuern…

  5. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Vor lauter rosa Wölkchen sollte man vielleicht als Kontrapunkt auch mal die Auswirkungen von Buffett-Investitionen auf die Beschäftigten und die Firmenkultur lesen. Bei „Heinz“-Ketchup hat er den Steigbügelhalter für 3G Capital gegeben.

    „Als die Angestellten vergangenen Februar hörten, dass eine brasilianische Firma mithilfe des Investors Warren Buffett den Ketchup Hersteller für 23 Milliarden Dollar kaufen würde, waren sie guter Dinge. Die Fabrikleiter sprachen von Expansion.
    Stattdessen sind die 400 Arbeiter beispiellosen Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen. Obwohl Heinz als einer der schlankesten Konzerne der Branche galt, glaubt der brasilianische Hauptinvestor 3G Capital jede Menge überschüssige Pfunde gefunden zu haben.

    MS

  6. Markus

    @Felix

    Stimmt.

    Ich wollte ja auch nicht über meinen Anlagestil debattieren, sondern erfahren, wie bei solchen möglichen Fehlerquellen „Value-Investing“ für den „Otto-Normalo-Anleger“ möglich sein soll.

    Ich will weder meine Art zu investieren als die beste oder allein selig machende proklamieren!
    Jeder muss seinen Stil finden, der zu seinem Gemüt, seiner Lebenssituation und seinem Zeithorizont passt.

    Value Investing ist spannend und interessant, aber ist es auch für alle Börsenneulinge praktisch über 20 – 45 Jahre umsetzbar???

    Antizyklisch kann man bei einem Crash auch Indexe kaufen, wenn man die Nerven und genügend Cash zu dem Zeitpunkt hat.

  7. StefanStefan

    Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Otto-Normalanleger keine inneren Werte eines Weltkonzerns (geschweige denn einer Bank) berechnen kann.

    Meine Margin of Safety sind konstant steigende Dividendenströme…

    Die Zeiten in denen Buffett Aktien mit 50 % Abschlag auf den inneren Wert kaufen konnte sind lange vorbei. Abgesehen natürlich von der Jahrhundert-Chance um 2008/2009 herum. Eine BASF für 20 € hätte ich jetzt gerne noch mal…

  8. Markus

    Ach, ich denke es kracht so ca. alle 5 – 8 Jahre mal ganz ordentlich…

    Jahrhundert-Chance 2008… da gab es auch schon einige Chancen bei der dot.com…
    Ich habe schon einige „Verzehnfacher“ aber auch genauso viele Pleitekandidaten gesehen…
    Die Chancen kommen immer wieder, wenn man Geduld, Nervenstärke und Cash hat… Dein Namensvetter auf simple value investing macht es schon mal ganz ordentlich…

    Bei einem reinem und kontinuierlichem „Ansparer“ wie mir haut das aber nicht so rein.
    Das timen zu wollen geht bei der Mehrzahl der Anleger laut diverser Studien eher schief.

    Der Großteil der privaten Anleger wäre mit kontinuierlichem sparen und investieren am besten bedient.
    Egal ob Dividenden-Aktien, große nicht zyklische Aktien, Marken-Unternehmen, Distributoren-Vorteils-Aktien oder ein BIP-basiertes etf-Portfolio mit evtl. leichter Übergewichtung von small, value und emerging markets…

    Mal sehen, was nach 20 Jahren Baby-Berks und gleichzeitig gestartetem etf-Portfolio geworden ist.;-)

  9. Tino

    @Tim, danke für den Link!, wieder sehr erleuchtender Artikel, mit der Farm hatte ich in der Tiefe bisher noch nicht gelesen.

    @Stefan, zu irrationalen Bewertungen kann ich nicht zustimmen, Beispiel China aktuell. Genauso wie es im Schließungsverkauf eines Geschäftes manchmal unglaubliche Schnäppchen gibt, gibt es sie auch an der Börse, selten, aber es gibt sie. Ich meine damit natürlich den gesamten Markt nicht nur Large Caps. Und historisch gesehen, sind die letzten Crashs noch alle ziemlich jung, Schnäppchen waren quasi an jeder Ecke. Und Buffett hat eben am Anfang seiner Karriere nicht nur Großkonzerne gekauft, sondern auch nach der Graham-Methode die „Last Puffs“ z. B., oder eben gute kleinere Unternehmen mit Wachstumspotenzial bzw. exzellentem Management. Es entwickeln sich immer wieder neue tolle Unternehmen, die z. B. noch garnicht auf dem Schirm von Investoren sind. Ich bin was das angeht sehr optimistisch. Es ist einfach eine Frage des Portfolios und Anlageverhaltens aus meiner Sicht, sehe das so ähnlich wie Markus.

    Schätzen kann man den Wert eines Unternehmens auf Basis der veröffentlichten Zahlen immer, man muss halt nur eine ordentliche Spanne zulassen, und nicht erwarten, dass eine Zahl genau eintrifft, sondern nur die generelle Richtung. Man darf sich in der Hinsicht m. E. nie an harten Zahlenwerten festbeißen, sondern neben einiger einfacher Berechnungen, Kennzahlen (s. a. Tim's Videos) die qualitative Komponente parallel dazu betrachten (Management, Einstellung zu Investoren, Unternehmenskultur,..)

    @Markus, darf man fragen, was Du für Baby-Berks hast?

  10. Markus

    @Tino

    Seit Mitte Dez. 2008 Berkshire Hathaway B Aktien. (Nur so ca. 5 % vom Gesamtdepot)

    Finde es interessant, nach 5, 10, 20 oder 25 Jahren sofort mit den gleichzeitig gekauftem Ursprungs-etf-Portfolio vergleichen zu können.
    Ist allerdings auch ein Apfel-Birnen-Vergleich ohne große Aussagekraft. 😉

    Es bleibt zudem sehr spannend, was uns bei dem einmaligen Experiment, Schulden mit neuen Schulden zu bekämpfen, noch alles ins Haus steht.

    Deflation mit Depression und zahlreichen Pleiten oder die von der Politik angestrebte Inflationierung…

  11. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Inzwischen sollte es zwar schon jeder mitbekommen haben, aber falls durch Karneval verhindert, hier die schlechte Nachricht zuerst:

    In diesem Jahr räumte Buffett ein, einen großen Fehler begangen zu haben. Er kaufte für zwei Milliarden Dollar Anleihen an dem Versorger Energy Future Holdings, der aber möglicherweise pleitebedroht ist. Buffett traf die Entscheidung alleine. „Die meisten von Ihnen haben noch nie von Energy Future Holdings gehört. Da können Sie sich glücklich schätzen. Ich wünschte, ich hätte auch noch nie was davon gehört“, schrieb Buffett und versprach: „Das nächste Mal rufe ich Charlie an.“
    In der ansonsten strahlenden Bilanz gibt es noch einen zweiten Wermutstropfen: Der Buchwert je Aktie stieg im vergangenen Jahr um 18,2 Prozent. Er blieb damit wie schon 2012 hinter dem Anstieg des US-Aktienindex S&P 500 inklusive der Dividendenzahlungen zurück (32,4 Prozent). Diesen Index nimmt Buffett traditionell als Referenzmaß für seinen Erfolg. Dabei war der Abstand so groß wie seit 1999 nicht mehr.

    (Warren Buffett beichtet großen Fehler.)

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