Verprassen Sie Ihr Geld nicht für unnötiges Zeug


New York, 6. September 2013

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Gerade für jüngere Arbeitnehmer wird es lausig zugehen, wenn sie in Rente gehen. Von der gesetzliche Rente sollte sich niemand zu viel versprechen. Wer in einigen Jahrzehnten den Ruhestand genießen möchte, muss sich anstrengen, ein paar Finanzpolster aufzubauen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass sich die jüngere Generation mit diesem Thema kaum beschäftigt. Wer das sein Arbeitsleben lang versäumt, muss sich auf harte Einschnitte einstellen.

Der Zinseszins ist ein herrliches Instrument für junge Menschen, die viel Zeit bis zum Ruhestand haben. Ich rate, auf mehreren Säulen Vorsorge für das Alter zu treffen. Fangen Sie so früh wie möglich damit an. Ein breit aufgestelltes Aktiendepot, ein schuldenfreies Eigenheim und andere Sparformen sollten Sie neben der gesetzlichen Rente aufbauen.

Zahlen Sie Ihre Schulden so schnell wie möglich zurück. Und fangen Sie mit dem Sparen an. Der endlose Konsum macht einen nicht glücklicher. Sorgenfreies Leben wohl eher. Natürlich soll jeder seinen Spaß am Leben haben, Urlaube genießen, Hobbys haben… Konsum ja, aber nicht grenzenlos.

Was ich nicht verstehe, ist dieses endlose Verprassen von Einkommen. Ständig ein neues, superteures Handy, modernes TV-Gerät, flottes Auto, große Wohnung, hippe Klamotten usw. Der grenzenlose Konsum rächt sich eines Tages. Das sagt einem ja der gesunde Menschenverstand. Es sollte sich jeder fragen, was er/sie möchte, was er/sie braucht und ob es wirklich nötig ist das „Gut“ anzuschaffen. Es ist ja gar keine besondere Intelligenz dazu nötig. Wer vernünftig ist, erkennt die Unterschiede zwischen nötig und unnötig.

Wer in der Lage ist, heute etwas für „Morgen“ zurückzulegen, der hat es kapiert. Nachdenken, Umsicht, Vorsicht – all dies zahlt sich aus. Die Formel ist einfach: Weniger ausgeben, als Sie monatlich einnehmen, das sollte Ihr Ziel sein. Ein paar Ziele formulieren und fertig. Fast jeder kann das schaffen.

Ein gebrauchtes Auto fährt auch. Ein kurzer Urlaub tut es auch. Er sparsamer Urlaub kann genauso viel Spass machen wie ein Luxustrip. Zuhause zu kochen, anstatt ständig im Restaurant zu schlemmen, geht auch. Eine kleinere Wohnung geht auch. Wer braucht Doppelwaschbecken, ein übergroßes Wohnzimmer, überall Marmorböden…? Ich habe schon Häuser gesehen, da hing in fast jedem Zimmer ein Flachbildschirm an der Wand.

Meinen Schnappschuss oben machte ich mit meinem uralten Handy in dem italienischen Luxusladen Bottega Veneta auf der 5. Avenue in Manhattan. Dort sind die Artikel unglaublich teuer, ich konnte es kaum fassen. Es kam mir vor wie eine Phantasiewelt. Statt 770 Dollar für diese Jeans zahle ich lieber 20 Dollar beim Billigkaufhaus Target im Schlussverkauf. Gut, das ist Geschmackssache.

Zurück zum Aktiensparen: Im Depot können Sie auf die Dickschiffe im DAX und S&P-500-Index setzen. Einfach anlegen und mehrere Jahrzehnte liegen lassen. Zwischenzeitlich zahlt es sich aus, stetig diese Positionen auszubauen. Wie Sie die richtigen Aktien für das Rentendepot finden, fragen Sie sich wohl. Das habe ich schon öfter hier im Blog beispielhaft skizziert. Etwa hier.

Mit soliden Dividendentiteln können Sie zwischen sieben und zehn Prozent per annum Rendite erwarten, diese Rendite speist sich aus Kursanstiegen und Dividenden. Wer sieben Prozent erzielt, der verdoppelt sein Kapital alle zehn Jahre. So reift ein kleines Vermögen heran. Wer es sich nicht zutraut, einzelne Aktien auszuwählen, kauft am besten kostengünstige Indexfonds.

Niemand muss die nächste Google oder Microsoft finden. Das ist nicht nötig. Langweilige Qualitätsaktien wie Procter & Gamble genügen vollkommen. Damit kommen Sie erstaunlich weit, wenn Sie die Nerven dazu haben, Panikphasen auszusitzen bzw. in solchen zukaufen.

Wer ständig rein- und rausstürmt aus seinen Aktienpositionen, muss die Kosten (Bankgebühren, Steuern…) dafür beachten. Kaum jemand kann mit so einem hyperaktiven Verhalten auf Dauer außergewöhnliche Renditen erzielen.
Bauen Sie ein Depot wie ein Eichhörnchen auf. Stetig, regelmässig, vernünftig. Wer das macht, kommt einfacher durch harte Zeiten. Und braucht sich vor der Rente nicht zu fürchten.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Verprassen Sie Ihr Geld nicht für unnötiges Zeug

  1. Michael C. Kissig

    Du hast natürlich Recht, Tim. Allerdings ist es ja auch immer eine subjektive Sicht, was nun überflüssiger Tinneff ist und was man unbedingt braucht.

    „Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst“.
    (George Best, nordirischer Fußballer)

    Grundsätzlich ist es allerdings so, dass jeder gesparte (und rentierlich angelegte) Taler weitere Taler produziert. Der Zinseszinseffekt ist schon faszinierend, fast jedem bekannt, doch nur von wenigen wirklich grundlegend verstanden.

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Michael

    stimmt. Jeder muss das für sich selbst rausfinden. Wenn jemand die Hose für 770 Dollar mag, meinetwegen. Nur für mich ist das nix. Je mehr ich mich mit so einem Luxuszeug beschäftigte, desto mehr verstehe Warren Buffett, der den Kram ablehnt. Es ist irgendwie ein komisches Ambiente. Ich weiß nicht, ob sich die Leute dort eher Selbstbewusstsein für Geld kaufen wollen – wegen des kleinen Symbols auf dem Hemd oder so?

  3. Tom

    Hallo zusammen,

    Die Menschen in den entwickelten Ländern müssen sich nicht sorgen um die erste Pyramidenstufe -> zu essen und zu trinken gibts genug..
    Man ist auf der Stufe der Selbstverwirklichung und da ist es eben schwer zu verstehen, man solle das Geld nicht ausgeben. Ein neues Handy jedes Jahr wird sogar als notwendig erachtet. Fernseher in jeder Stube wird als notwendig abgestempelt. 2D ist nicht mehr in, es muss ein 3D her – und nicht morgen sondern heute. Markenkleider, Markenautos müssen her, schliesslich ist das alles notwendig fürs Überleben.
    Wenn die Eltern ihre Kinder so erziehen, dass diese alles bekommen was ihnen das Herz begehrt – dann werden diese später im Leben nicht klar kommen. Heute bekommen fünf-jährige ein laptop für 500euro zum geburtstag von den eltern geschenkt – mit Begründung der kleine hat sich ein Laptop gewünscht. Auf die lange Zeit gesehen wird das Kind den Respekt zu Eltern verlieren und als Erwachsener wird er kaum Chancen haben zu überleben, wenn er programmiert wurde alles sofort zu bekommen.
    Die Eltern sind verantwortlich für die Erziehung der Kinder und müssen selber ein gutes Beispiel abgeben.

    Man muss das Hirn einschalten und nicht mit der Masse mitlaufen. Es ist nicht einfach, jedoch lohnt es sich auf die lange Sicht.

  4. Frank - Berlin

    Die eigene Vorsorge ist außerdem sogar noch sehr sozial, denn Besitzer von Aktiendepots mit regelmäßigen Dividenden-Einkommen können in Notsituationen nicht so einfach zum Amt gehen und sich staatliche Unterstützung (also das Geld ihrer Mitbürger) holen.
    Leider ist das Image von Aktionären oft ein anderes.

  5. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    Ich kann Dir nur voll und ganz zu stimmen Tim.

    Das wichtigste ist doch, dass man schon in frühen Jahren – also unter 35 mit dem Sparen in Dividenden Aktien beginnt und wie Du es schreibst entwickelt sich da nach 10 Jahren mit einer 7% Dividendenrendite ein schönes Vermögen.

  6. Turing

    Ich habe sogar einen „dreidimensionialen“ Fernseher, so einen, der tiefer ist als er hoch und breit ist. Es handelt sich um einen kleinen, zwanzig Jahre alten Fernseher. Sollte er kaputt gehen, wird auch kein Ersatz besorgt, denn ich schaue selten fern. Und dann reicht ein DVB-T-Stick für 30 €.

    In der jetzigen Woche habe ich zuletzt am Montag geschaut. Es war dem Wahlkampf geschuldet und der „Dreikampf“ zwischen Brüderle, Trittin und Gysi war interessant. 3D, HD und Dolby Surround werden aber den Wert einer solchen Sendung nicht heben.

    Das Duell zwischen Merkel und Steinbrück habe ich nicht gesehen; ich habe es gehört, im DLF. Und meine Prognose ist, dass das Radio wieder an Bedeutung zunimmt und das Fernsehen abnimmt. Ich kenne einige Fernsehverweigerer. Auf der Arbeit reden wir auch nicht über das abends zuvor gesehene Fernsehprogramm.

  7. tim schaefertim schaefer

    In den USA gibt es den Trend des Outdoor-TVs. Also am Grill, Pool, im Garten, am Strand.

    Die Glotzen hängen echt überall. Es gibt mittlerweile so viel Elektronik(müll) – das ist unglaublich. Statt den Vögeln oder den zirpenden Heuschrecken zuzuhören, schauen die Amis lieber in die Röhre.

    http://reviews.cnet.com/8301-33199_7-57457534-221/can-i-use-an-indoor-tv-outside/

    Dieser Konsumrausch ist echt erschreckend. Wo das noch hinführt? Mein Handy ist 4 Jahre alt. Eine Taste ist gebrochen. Ich hätte längst ein neues subventioniertes Handy bekommen können. Brauche ich nicht, solange das alte Ding noch geht.

  8. Thomas D. S.

    Zum Pro und Kontra von Markenware möchte ich Folgendes anmerken:

    Zum einen ist Markenware meist ökologischer hergestellt, als ein 5€-T-Shirt aus Bangladesh. Zum anderen hält Markenware meist länger. Der höhere Preis ist es meist auch Wert.

    Es gibt das Sprichwort:“Bist Du so reich, dass Du Dir billig leisten kannst?“ Denkt mal darüber nach!

    Zum anderen möchte ich anmerken, dass wenn ich Aktionär bei Hugo Boss bin, ich auch einen Anzug von Hugo Boss kaufe. Buffett hat diese Treue zum Unternehmen auch immer betont.

    Klar kaufe ich keine Jeans für 770$.Ich gehe in der Regel zweimal im Jahr einkaufen. Zum Sommerschlussverkauf und zum Winterschlussverkauf. Einkaufen ermüdet mich sehr, ich arbeite meinen Zettel bei den Sonderangeboten ab (zwei Hosen, zwei Hemden, usw.)und schon hab ich es überstanden. Nach Dingen die ich nicht brauche, schaue ich erst gar nicht, da gerate ich auch nicht in Versuchung. Ein typischer Mann eben.

    Gute Kurse allen Lesern, Thomas

  9. Ulrich

    @Tim:

    Sei froh, dass deine Ratschläge für ein extrem sparsames Leben nicht alle befolgen. Unsere Wirtschaft ist auf Konsum und Wachstum programmiert. Gerade in den USA führt jede Enthaltsamkeit der Verbraucher an der Ladenkasse zu Problemen, weil sie die Wirtschaft am Laufen halten.

    Also ich mag meinen LCD-Fernseher, mein Smartphone, mein Auto und ich mache gerne Urlaub in schönen Hotels. Nie das teuerste, neueste und schickste, aber auch kein Billig-Kram um des Sparens willen, mit dem ich mich nur rumärgere. Insgesamt würde ich mich als hybriden Konsumenten bezeichnen (siehe Google).

    Ja, das kostet alles Geld. Aber das Auto verkürzt z.B. meine Fahrzeit zur Arbeit morgens und abends um je 20 Minuten. Eine gute Investition. Und für die Ausflüge am Wochenende erst recht.

    Wichtig ist doch nur, dass ich nicht mehr ausgebe als ich einnehme und auch noch einiges zurücklegen kann. Ein asketisches Leben mit Verzicht auf alles finde ich übertrieben.

  10. tim schaefertim schaefer

    @ Ulrich

    Schau, jeder muss das für sich selbst herausfinden. Thomas hat das mit Hugo Boss gut beschrieben. Er macht eine Liste und geht mit der Liste 2 Mal im Jahr das kaufen, was er braucht. Mehr nicht.

    Es gibt Leute, die leben in einem echten Luxusrausch. Es kann zu einer Sucht werden wie das Rauchen und das Alk-Trinken. Die ganzen Statussymbole beeindrucken mich nicht. Im Gegenteil.

    Sich ab und zu mal etwas zu gönnen, ist OK. Nur lehne ich das sinnlose Verprassen ab. Der ganze Mist macht einen nicht wirklich glücklich. Ich denke, es ist eine Phantasiewelt.

    Es gibt Studien, die zeigen, dass sich jemand über sein neues Luxusauto ein paar Wochen wirklich freut. Danach sinkt die Begeisterung rapide.

  11. StefanStefan

    Eine Hose für über 700 $ ist schon krank! Leute die so was kaufen wollen doch verarscht werden. Die kostet in der Herstellung wahrscheinlich 10 $…

    Leider ist es eben nicht so, dass Markenklamotten länger halten. Habe vor nicht einmal zwei Jahren zwei Boss-Jeans gekauft. Die haben alle beide schon ein Loch im Schritt. Die Nähte gehen auf. Die Markenhersteller wollen gar nicht, dass die Sachen ewig halten. Das war einmal. Vielmehr soll alle zwei, drei Jahre neu gekauft werden. Stichwort: geplante Obsoleszenz. Die gibt es nicht nur bei Elektronikprodukten.

    Mich beeindrucken teure Autos schon lange nicht mehr. Ein 911er ist doch auf den Strassen schon nichts besonderes mehr. Sieht man ständig. Mir tun die Fahrer mittlerweile eher leid. Weil sie es fürs Ego brauchen, weil das Auto in 99 % der Fälle eh nur gemietet (geleast) ist und weil diese Leasing-Rate einen daran hindert WIRKLICHES Vermögen aufzubauen. Nach zwei, drei Jahren Leasing ist das Auto weg und man hat einen mittleren fünfstelligen EURO-Betrag regelrecht verbrannt.

    Meistens fahren auch Leute ein so teures Auto die es sich gerade nicht leisten können…

  12. StefanStefan

    Zum Fernsehkonsum:

    schaue mittlerweile auch fast gar kein Fernsehen mehr. Bei dem gebotenen Programm fällt es überhaupt nicht schwer die Kiste auszulassen. Privatfernsehen ist nur noch unterirdisch, Proll-TV das gestellt ist. Da kann man nichts mehr glauben. Die Öffentlich-Rechtlichen nähern sich immer mehr den Privaten an. Ansonsten Tatort und Rosamunde Pilcher…

    Einzelne interessante Sendungen kann man sich bei Bedarf in den Mediatheken ansehen…(ich habe auch noch einen zehn Jahre alten Röhrenfernseher)

  13. Ulrich

    @Stefan:
    Ich habe mit Servus TV, 3sat, arte, ZDF Info, ZDF Neo, BBC und einigen weiteren Sendern und einem HD-Festplattenreceiver heute das beste TV-Programm. Trashfrei, hochwertig, mit Top-Bildqualität und zu meiner Wunsch-Sendezeit.

    Wenn man sich natürlich um 20:15 Uhr hinsetzt und von den „Haupt-Programmen“ der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender irgendwas Brauchbares erwartet, hat man tatsächlich meist verloren.

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